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250,1/Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) (Bestand)
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Form und Inhalt: Vorwort zum Bestand 250,1/Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
Bestandsgeschichte
Die genauen Umstände des Zugangs der insgesamt 85 Archivalien/Verzeichnungseinheiten (VE) des Bestands 250,1/NSDAP sind noch nicht abschließend geklärt. Die Akten stammen überwiegend aus dem früheren "Gauarchiv" Westfalen-Nord, Einzelakten dagegen von NS-Gliederungen oder Partei-nahen Zeitungen/Verlagen oder sind, aus unterschiedlichsten Provenienzen stammend, im Stadtarchiv Bielefeld nachträglich dem Aktenbestand angefügt worden, ohne dass dieses hinreichend dokumentiert wurde.
Das „Gauarchiv“ Westfalen-Nord sowie Akten der in Münster residierenden Gauleitung Westfalen-Nord waren 1942 mit den Archivalien des Stadtarchivs Münster in das Schloss Wöbbel bei Detmold (Lippe) ausgelagert worden. Dr. Eduard Schulte (1886-1977), von 1913 bis 1929 und 1933 bis 1945 Leiter des Stadtarchivs Münster, schrieb am 5. August 1942 an Gaupersonalamtsleiter Dr. Kurt Grässner (1905-1993): „mit allen meinen Sammlungen bin ich hier nach Wöbbel in Lippe ausgewichen; auch mit dem Gauarchiv […].“ (Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 250,1/NSDAP, Nr. 81). Schulte war 1933 der NSDAP beigetreten, avancierte 1934 zum Archivar des Gaues Westfalen-Nord und 1935 zum Gauhauptstellenleiter. Von 1940 bis 1945 leitete er die Forschungsstelle „Westfälischer Friede" zur Vorbereitung einer für 1948 geplanten Jubiläumsausstellung.
Bei den "Gauarchiv"-Akten dürfte es sich um diejenigen Akten handeln, die inhaltlich abschließend bearbeitet worden waren und keinen weiteren Zuwachs erwarten ließen, während die anderen Unterlagen in der Gau-Registratur verblieben sein dürften. Das "Gauarchiv" umfasste Unterlagen der NSDAP-Gauleitung und Gliederungen sowie zwischen 1933 und 1945 beschlagnahmte Dokumente von verfolgten Organisationen, Vereinen und Verbänden. Im Frühjahr 1946 wurde der gesamte Bestand in die Lippische Landesbibliothek überführt, befand sich 1972 aber in einem ungeordneten Zustand: Akten waren getrennt, vermischt und neu zusammengestellt worden. Dr. Franz Herberhold (1906-1979), Leiter des damaligen Landesamts für Archivpflege (Münster), führte Anfang November 1972 eine Provenienzüberprüfung der Dokumente vor und stellte unterschiedliche Provenienzen und eine Vermischung der Unterlagen fest.
1973 wurden Unterlagen früheren Eigentümern oder Nachfolgeorganisationen rückerstattet, noch 1975 wurden zwei nicht weiter bezeichnete Bände an die Schlaraffia Ravensbergensia übergeben (Bestand 107,10/Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek, Nr. 106). Der Großteil der Überlieferung wurde an andere Archive (Staatsarchive, Bistumsarchive, Kommunalarchive) abgegeben, wobei die Einzelkriterien der Zuweisung nicht immer stringent erscheinen, so dass im Bestand 250,1/NSADP auch zahlreiche örtliche Betreffe aus dem Ruhrgebiet (insb. Gelsenkirchen) und dem ländlichen Westfalen (Soest, Haltern, Dorsten, Minden, Bad Oeynhausen, Wiedenbrück, Haltern) erscheinen. Das Findbuch Bestand M 15/NSDAP-Organisationen, Bezirksleitung Bielefeld/Gauinspektion III Bielefeld im Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe weist - offensichtlich unvollständig - darauf hin, dass die Unterlagen des nach Wöbbel ausgelagerten Gauarchivs Westfalen-Nord 1973 von der Lippischen Landesbibliothek dem damaligen Staatsarchiv Detmold übergeben wurden.
Zumindest in Teilen aus dem ehemaligen "Gauarchiv" oder der Gau-Registratur stammen dürften die im Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen in Münster aufbewahrten NS-Bestände des Gaues Westfalen-Nord mit örtlichen Schwerpunkten in den Regierungsbezirken Arnsberg und Münster (Hauptleitung, Gauinspekteure, Gauschulungsamt, Gauschatzamt, Gauamt für Volkswohlfahrt, Gaukulturamt, dem Gauamt für Volkstumsfragen unterstellte Einrichtungen, NS Frauenschaft - siehe http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/bestand.jsp?archivNr=1&tektId=3199&expandId=3199).
Darüber hinaus enthält der Bestand M 15/NSDAP und NS-Organisationen im Regierungsbezirk Minden, der sich im Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe in Detmold befindet, weitere Gau-Akten für die Bereiche im heutigen Regierungsbezirk Detmold (http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/bestand.jsp?archivNr=409&tektId=703&expandId=702; siehe Ruppert, NSDAP, 1990, Bd. 1, S. 3 mit Anm. 9).
Befunde zum Bestand 250,1/NSDAP
Einzelne Archivalien im Bestand 250,1/NSDAP bestätigen die 1972 festgestellte Unordnung (z.B. gemischte Provenienzen in Nr. 40; zerrissener Vorgang zur Stimmungslage in Gelsenkirchen 1933 in Nr. 72 und 82; vermischte Einzelfälle). Bei anderen liegt es nahe, dass diese erst nach der Abgabe an das Stadtarchiv Bielefeld aus dessen Bestand oder Zugängen angefügt wurden.
Im Bestand 250,1/NSDAP sind folgende Provenienzen festzustellen/zu vermuten, wobei Teile der Archivalien/Akten nachträglich neu formiert worden sind, was die Provenienzermittlung erschwert:
a) 69 Verzeichnungseinheiten (teilweise bestehend aus mehreren Fallakten/Vorgängen) aus dem „Gauarchiv“ bzw. der Gauleitung Westfalen-Nord;
b) 4 VE aus einem Nachlass Max Hiemisch (Nr. 1-4), die eventuell zu a) gehörig sein könnten;
c) 3 VE (Nr. 25, 36 u. - gemischt mit einem Gauarchiv-Vorgang - Nr. 40) aus dem Zeitungsverlag für Westfalen/Westfälische Neueste Nachrichten (evtl. zu a) gehörig);
d) 1 VE (Nr. 23) eventuell SS-Oberabschnitt West;
e) 1 VE (Nr. 41) von der Britischen Militärregierung (514 MilGovDet for attention of PC Referent) oder vom als Treuhänder für die Vermögenskontrolle der vormaligen DAF zuständigen und in der Akte wiederholt erwähnten Sachbearbeiter Wilhelm August Walter Vollmer (1905-1977; Personalakte im Bestand 103,4/Personalakten, Nr. C 1841); die Akte bezieht sich auf ehemalige DAF-Funktionäre;
f) 3 VE (Nr. 37-39) von der Deutschen Arbeitsfront, Kreisverwaltung Bielefeld-Halle;
g) 4 VE (Nr. 5-7 u. 85) unbekannt, da es sich lediglich um Broschüren oder Einladungen ohne Adressierung handelt.
Die VE zu a) sind:
- überwiegend Vorgänge aus der Frühzeit von NSDAP-Ortsgruppen und Gliederungen im Gau Westfalen-Nord (überwiegend Bielefeld und Raum Ostwestfalen, aber auch z.B. Gelsenkirchen, Datteln, Wanne-Eickel, Werne, Tecklenburg), was in einem „Gauarchiv“ vermutet werden kann, weshalb die vier Akten zu b) möglicherweise ebenfalls hierzu gehören,
sowie
- Einzelfallakten zu Angelegenheiten von Parteimitgliedern (Ausschluss- und Wiederaufnahmeverfahren, Ermittlungsverfahren etc.). Vielfach enthalten sind Registratur-Vorblätter der Gauleitung mit Aktenzeichen, einige wenige Akten sind durch Stempelungen foliiert (die maschinelle Foliierung wurde im Rahmen der Massenentsäuerung 2009 angebracht).
Für den Eingang verschiedener Dokumente aus der Frühzeit der NSDAP in Bielefeld zu b) und Zeitungsverlags für Westfalen zu c) ist auch ein Einfluss des Max Hiemisch (geb. 11.10.1906, Leipzig; gest. bzw. vom Amtsgericht Münster für tot erklärt am 1.10.1946, als Todeszeitpunkt wurde der 30.9.1940 festgestellt) denkbar.
Hiemisch war Gründungsmitglied der NSDAP-Ortsgruppe Bielefeld und Autor von Der nationalsozialistische Kampf um Bielefeld - Die Geschichte der N.S.D.A.P., Bielefeld [ca. 1933] (77 S.; hier vorhanden, Sign. G 500 57; hds. Manuskript im Bestand 250,1/Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Nr. 1) gewesen. Der an der Zerschlagung der Gewerkschaften in Bielefeld am 2. Mai 1933 beteiligte und in Bielefeld als Schriftleiter der Zeitungen „Der Beobachter“ und „NS-Volksblatt“ tätige Hiemisch verzog am 28. März 1937 nach Gelsenkirchen. Am 1. März 1943 kehrten die Witwe Gertrud und der 1935 geborene Sohn aus Münster zurück. Zwischen 1937 und 1940 muss Hiemisch von Gelsenkirchen nach Münster verzogen sein, da er 1940 als „Chef vom Dienst“ der Westfälischen Tageszeitung fungierte (s. Arno Schröder, Mit der Partei vorwärts! Zehn Jahre Gau Westfalen-Nord, Detmold 1940, S. 83). Über Funktionen bei der Gauleitung ist nichts bekannt. Als Kriegsberichter einer Propaganda-Kompanie fiel er 1940 über England (Todesanzeige v. 5. Juni 1941 in der Westfälischen Zeitung; Bestand 400,1/Westermann-Sammlung, Bd. 71, S. 122), wobei eine starke zeitliche Abweichung des Todesdatums zu den Angaben im Melderegister und im Heiratsregister besteht.
Weitere Hinweise können in folgenden Akten vermutet werden:
- Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe (früher Staats- und Personenstandsarchiv Detmold), Bestand L 104/Landeskonservator, Nr. 33 Bd. II: Bomben- und Brandschutz von Kulturgut, Band 2 (1942-1945), Enthält u.a.: Museen und Archive 1942, Schloss Wöbbel 1942-1945,
- Stadtarchiv Münster, Bestand Zentralbüro, Nr. 367 Verlegung des Stadtarchivs nach Schloss Wöbbel (1942-1944),
- Stadtarchiv Münster, Nachlass Eduard Schulte.
Archivalienbestellungen: 250,1/NSDAP, Nr.
Zitation: Stadtarchiv Bielefeld oder StArchBI, Best. 250,1/NSDAP, Nr.
Der Bestand wurde 2009 entsäuert (Einzelblattverfahren) und foliiert.
Literatur
- Gangelmayer, Franz Josef, Das Parteiarchivwesen der NSDAP - Rekonstruktionsversuch des Gauarchivs der NSDAP-Wien, (Diss.) Wien 2010
- Gau Westfalen-Nord (Hg.), Der Gau Westfalen-Nord, Detmold 1939
- Hiemisch, Max, Der nationalsozialistische Kampf um Bielefeld - Die Geschichte der N.S.D.A.P., Bielefeld [ca. 1933]
- Hiemisch, Max, Der Kampf des Nationalsozialismus um das Minden-Ravensberger Land, in: Der Ravensberger 1934, S. 28-30
- Lilla, Joachim, Leitende Verwaltungsbeamte und Funktionsträger in Westfalen und Lippe (1918-1945/46). Biographisches Handbuch (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Bd. 22, Geschichtliche Arbeiten zur westfälischen Landesforschung A, Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Gruppe, Bd. 16), Münster 2004
- Metz, Axel, Das Schicksal der während der NS-Zeit beschlagnahmten Unterlagen katholischer Arbeitervereine im Bistum Münster – Ein Beispiel gelungener archivischer Kooperation, in: Archivpflege in Westfalen-Lippe 70 (2009), S. 47-50
- Priamus, Heinz-Jürgen, Meyer. Zwischen Kaisertreue und NS-Täterschaft: Biographische Konturen eines deutschen Bürgers (Schriftenreihe des Instituts für Stadtgeschichte, Beiträge, Bd. 14), Essen 2011
- Ruppert, Andreas, NSDAP und NS-Organisationen in Lippe - Findbuch, 2 Bde. (Veröffentlichungen der Staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen. Reihe F, Nr. 4), Detmold 1990
- Schmidt, Christoph, Nationalsozialistische Kulturpolitik im Gau Westfalen-Nord. Regionale Strukturen und lokale Milieus (1933-1945) (Forschungen zur Regionalgeschichte, Bd. 54), Paderborn 2006
- Schröder, Arno, Mit der Partei vorwärts - 10 Jahre Gau Westfalen-Nord, Detmold 1940
- Stelbrink, Wolfgang, Die Kreisleiter der NSDAP in Westfalen und Lippe. Versuch einer Kollektivbiographie mit biographischem Anhang (Veröffentlichungen der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen : Reihe C, Quellen und Forschungen, Bd. 48), Münster 2003 (online: http://www.archive.nrw.de/lav/abteilungen/westfalen/BilderKartenLogosDateien/die_kreisleiter_der_nsdap_01_10_15.pdf)
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.