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Weimarische Zeitung, Nr. 252, 26.10.1872, S. 2: „Daß Fräul. Ulrich zur zweiten Rolle Katharina Howard von Rudolf Gottschall gewählt hatte, müssen wir bedauern, denn gerade das, was die Künstlerin in so auszeichnendem Grade besitzt: intelligente Auffassung und konsequente Durchführung des Charakters, ist in dem Gottschall’schen Stück kaum anwendbar. Darum konnten nur einzelne Momente wirksam sein; zu einem abgerundet künstlerischen Eindruck war nicht recht zu gelangen. Unter den Einzelheiten ist der Monolog im dritten Akt ganz vorzüglich hervorzuheben; es war ein ungemein wohlthuendes Gefühl, der Künstlerin durch die verschiedenen, meisterhaft geschilderten Stadien der Leidenschaft folgen zu können, ohne daß Uebertreibung oder Effekthascherei den imponirenden Eindruck der Wahrheit trübte. Der Rest ist eine Anerkennung für die Hingabe, mit welcher unsre Künstler Aufgaben lösten, die ihnen weder eine innere Befriedigung, noch eine Aussicht auf äußeren Erfolg gewähren konnten. Außer einigen schönen Gedanken, welche in schwungvolle, poetische Form gekleidet sind, bietet das Stück nichts Erfreuliches. Um Ungeheuerliches zu schildern, muß man aus großartiger, dramatischer Anschauung schöpfen. Dieselbe ist aber dem Dichter so wenig eigen, daß man nur den Eindruck des Verzerrten und Widerlichen erhält. Herr Deetz that Alles, was dem reproduzirenden Künstler möglich ist, die Gestalt des Dichters zu ergänzen; es lag ein gewisser imponirender Zug in seiner Darstellung, welcher dem Charakter zu größerer Wirkung verhalf, als es scharfes Auftragen der einzelnen Nüancen hätte thun können. Auch Herr Savits als Arthur Derham belebte die ganz unglückliche Anlage dieses […] jugendlichen Heldencharakters mit möglichst lebensvoller Empfindung; hie und da litt der Gebrauch des Organs an einiger Uebertreibung, welche dem innern Erfassen seiner Rollen so wenig eigen ist, daß es wohl leicht zu vermeiden wäre. Doch sprechen wir selbst diesen Vorwurf zögernd aus, weil wir nicht vergessen, in welcher Vielseitigkeit der Künstler sein Talent an der hiesigen Bühne verwerthen muß und daß er durch die Anerkennung, welche man seinen trefflichen Leistungen im Allgemeinen zu zollen hat, ein Recht auf rücksichtsvolle Beurtheilung gewinnt da, wo seine Mittel mit der Aufgabe in Widerspruch stehn. Von den kleineren Rollen, deren Vertreter wir durchweg in das obenerwähnte Lob einschließen, sei noch der Narr erwähnt, welcher von Herrn Knopp so gespielt wurde, daß sein Erscheinen zu den seltenen erquicklichen Momenten des Abends gehörte, und außerdem sei Herrn Reinhardt alle Anerkennung dafür gezollt, daß er ohne alle Uebertreibung seiner Rolle zu so drastischer Wirkung verhalf.“