Werra-Kanal-Verein (Bestand)
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7.2004/1
Staatsarchiv Bremen (Archivtektonik) >> Gliederung >> 7. Nichtamtliche Überlieferung >> 7.2. Vereine, Verbände, Stiftungen, Parteien >> 7.2.2. Wirtschaftliche Interessenvereine, Gewerkschaften
1906-1945
Enthält: Satzung, Vorstand und Mitglieder - Kassenverwaltung - Sitzungen und Jahresberichte - Verhandlungen und Vorarbeiten zum Weser-Main-Kanal - Vorarbeitenamt Eisenach - Werrakanalisierung - Gutachten, Öffentlichkeitsarbeit - Beziehungen zu anderen Vereinen und Verbänden, insbesondere zum Zentral-Verein für deutsche Binnenschiffahrt, Weser-Ems-Wasserstraßenbeirat, Weserbund, Verkehrsverband Weserbergland
Geschichte des Bestandsbildners: Der "Werra-Kanal-Verein zur Verbindung der Weser mit Main und Donau" (kurz: Werra-Kanal-Verein) wurde am 16. Mai 1907 unter dem Namen "Verein zur Schiffbarmachung der Werra" gegründet. Am 14. Juli 1917 wählte er den neuen Namen und erweiterte seinen Zweck dahin, den Bau einer Kanalverbindung von der Weser über die Werra zum Main und zur Donau und der damit in Zusammenhang stehenden Talsperren vorzubereiten. Sitz des Vereins war zunächst Hannover, 1913-1937 formell Berlin, dann Eisenach, praktisch aber seit 1919 Minden, der Wohnort des Vorsitzenden, mit einer Geschäftsstelle in Eisenach (1917-1921), dann in Eschwege (1921-1934).
Den Vorsitz hatte bis 1919 der Hamelner Senator F. W. Meyer, ihm folgte der Mindener Oberbürgermeister Hans Becker. Organe des Vereins waren nach der Satzung von 1918 Vorstand, Ausschuss und Mitgliederversammlung. Der Vorstand (seit 1921 der den Vorstand wählende Verwaltungsrat) aus mindestens elf Mitgliedern (davon stets eines aus Bremen) wurde vom Ausschuss, der Ausschuss (mit mindestens 30 Mitgliedern) von der Mitgliederversammlung gewählt. Die Mitgliederversammlung tagte jährlich an wechselnden Orten. Nach Gründung des Weserbundes (1921) wurden die Tagungen mit diesem jedes zweite Jahr gemeinsam durchgeführt. Die Zeitschrift des Weserbundes "Die Weser" wurde auch Mitteilungsblatt des Werra-Kanal-Vereins. Nach der neuen Satzung von 1934 wurde der Vorsitzende von der Mitgliederversammlung direkt gewählt. Er konnte einen Führerbeirat (ab 1937 Beirat), einen Ausschuss (mit bis zu 20 Mitgliedern) und einen Großen Ausschuss (mit bis zu 40 Mitgliedern) bestellen.
Geschichte des Bestandsbildners: Zunächst war nur eine Kanalisierung der Werra bis Wernshausen geplant, für die die Firma Havestadt & Contag 1909 einen Entwurf lieferte. Auf bayerische Anregung hin wurde die Verlängerung bis Bamberg vorgesehen, und zwar sollte der Kanal von der Werra bei Meiningen über Römhild, Heldburg und Sesslach nach Bamberg führen. 1914 lieferte wiederum Havestadt & Contag einen Entwurf für den Schifffahrtsweg und damit verbundene Talsperren in Thüringen. 1920 übernahm das Reich die Vorarbeiten für den Kanal mit einem Vorarbeitenamt in Eisenach, das 1921-1924 bestand. Das Vorarbeitenamt fertigte einen Entwurf für den Kanalbau von Hann. Münden bis Bamberg. Als das Kanalbauprojekt politisch zunächst nicht durchgesetzt werden konnte, beschränkte man sich auf die Teilstrecke Hann. Münden-Wartha, also wieder auf die Kanalisierung der Werra, für die das Wasserbauamt II in Kassel 1926-1928 einen Entwurf erstellte, dessen Ausführung 1937 angeordnet wurde. Ein neues Vorarbeitenamt in Eisenach plante seit 1937 die Fortsetzung bis Merkers (westl. Bad Salzungen). Für die Reststrecke bis zum Main wurde 1938 ein Vorarbeitenamt in Coburg errichtet. Die Vorarbeitenämter Coburg und Eisenach wurden 1942 aufgelöst. Zum eigentlichen Baubeginn ist es nie gekommen.
Nach Kriegsende übernahm der Verein zur Wahrung der Weserschifffahrtsinteressen in Bremen (seit 1951 wieder Weserbund genannt) die Aufgaben des Werra-Kanal-Vereins. Eine förmliche Auflösung des Werra-Kanal-Vereins hat nicht stattgefunden.
Bestandsgeschichte: Die Akten des Werra-Kanal-Vereins gelangten von dessen Vorsitzendem Becker (gest. 1947) an den Weserbund. Sie enthalten auch Manuskripte und Zeitungsausschnittsammlungen von Becker, ferner Akten der Geschäftsstellen in Eisenach und Eschwege und die Ergebnisse des (ersten) Vorarbeitenamtes in Eisenach. Aus der Zeit vor 1917, d.h. bevor Becker für den Verein tätig wurde, haben sich nur Druckschriften erhalten. Die Akten wurden zusammen mit denen des Weserbundes im Jahre 1964 ungeordnet und unverzeichnet an das Staatsarchiv Bremen abgegeben.
Erst bei der Ordnung der Akten des Weserbundes im Staatsarchiv wurden die Akten des Werra-Kanal-Vereins wie auch die des Bremer Kanalvereins und der Transportzentrale Bremen von den eigentlichen Akten des Weserbundes getrennt. Ein kleiner Teil der Akten des Werra-Kanal-Vereins trug offenbar noch von Becker herrührende Aktenzeichen, die übrigen Akten sind z.T. später ohne Rücksicht auf Systematik mit laufenden Nummern versehen worden, die jetzt bedeutungslos sind. Bei der Verzeichnung wurde eine systematische Ordnung neu erstellt; nach dieser wurden die Akten geordnet und neu durchnummeriert. Die Broschürensammlung des Vereins wurde, um die Benutzung in Verbindung mit den Akten zu erleichtern, beim Bestand belassen und durch ein alphabetisches Titelverzeichnis erschlossen, das auch einen Teil der im übrigen Bestand verstreuten Druckschriften erfasst.
Bestandsgeschichte: Die Tätigkeit des Werra-Kanal-Vereins und das Projekt des Werra-Main-Kanals werden durch die Akten in fast allen Einzelheiten dokumentiert. Betroffen sind zwar in erster Linie die an den projektierten Kanal angrenzenden Gebiete Hessens, Thüringens und Bayerns, doch war Bremen aufgrund seiner Schifffahrtsinteressen stark beteiligt. Die Akten bilden auch eine willkommene Ergänzung der in der Zeit bis 1945 sehr dürftigen Überlieferung des Weserbundes. Auf Kassationen wurde daher (mit Ausnahme der Entfernung von Doppelstücken, leeren Formularen und ähnlichem) verzichtet.
Bremen 1979
Adolf E. Hofmeister
Geschichte des Bestandsbildners: Der "Werra-Kanal-Verein zur Verbindung der Weser mit Main und Donau" (kurz: Werra-Kanal-Verein) wurde am 16. Mai 1907 unter dem Namen "Verein zur Schiffbarmachung der Werra" gegründet. Am 14. Juli 1917 wählte er den neuen Namen und erweiterte seinen Zweck dahin, den Bau einer Kanalverbindung von der Weser über die Werra zum Main und zur Donau und der damit in Zusammenhang stehenden Talsperren vorzubereiten. Sitz des Vereins war zunächst Hannover, 1913-1937 formell Berlin, dann Eisenach, praktisch aber seit 1919 Minden, der Wohnort des Vorsitzenden, mit einer Geschäftsstelle in Eisenach (1917-1921), dann in Eschwege (1921-1934).
Den Vorsitz hatte bis 1919 der Hamelner Senator F. W. Meyer, ihm folgte der Mindener Oberbürgermeister Hans Becker. Organe des Vereins waren nach der Satzung von 1918 Vorstand, Ausschuss und Mitgliederversammlung. Der Vorstand (seit 1921 der den Vorstand wählende Verwaltungsrat) aus mindestens elf Mitgliedern (davon stets eines aus Bremen) wurde vom Ausschuss, der Ausschuss (mit mindestens 30 Mitgliedern) von der Mitgliederversammlung gewählt. Die Mitgliederversammlung tagte jährlich an wechselnden Orten. Nach Gründung des Weserbundes (1921) wurden die Tagungen mit diesem jedes zweite Jahr gemeinsam durchgeführt. Die Zeitschrift des Weserbundes "Die Weser" wurde auch Mitteilungsblatt des Werra-Kanal-Vereins. Nach der neuen Satzung von 1934 wurde der Vorsitzende von der Mitgliederversammlung direkt gewählt. Er konnte einen Führerbeirat (ab 1937 Beirat), einen Ausschuss (mit bis zu 20 Mitgliedern) und einen Großen Ausschuss (mit bis zu 40 Mitgliedern) bestellen.
Geschichte des Bestandsbildners: Zunächst war nur eine Kanalisierung der Werra bis Wernshausen geplant, für die die Firma Havestadt & Contag 1909 einen Entwurf lieferte. Auf bayerische Anregung hin wurde die Verlängerung bis Bamberg vorgesehen, und zwar sollte der Kanal von der Werra bei Meiningen über Römhild, Heldburg und Sesslach nach Bamberg führen. 1914 lieferte wiederum Havestadt & Contag einen Entwurf für den Schifffahrtsweg und damit verbundene Talsperren in Thüringen. 1920 übernahm das Reich die Vorarbeiten für den Kanal mit einem Vorarbeitenamt in Eisenach, das 1921-1924 bestand. Das Vorarbeitenamt fertigte einen Entwurf für den Kanalbau von Hann. Münden bis Bamberg. Als das Kanalbauprojekt politisch zunächst nicht durchgesetzt werden konnte, beschränkte man sich auf die Teilstrecke Hann. Münden-Wartha, also wieder auf die Kanalisierung der Werra, für die das Wasserbauamt II in Kassel 1926-1928 einen Entwurf erstellte, dessen Ausführung 1937 angeordnet wurde. Ein neues Vorarbeitenamt in Eisenach plante seit 1937 die Fortsetzung bis Merkers (westl. Bad Salzungen). Für die Reststrecke bis zum Main wurde 1938 ein Vorarbeitenamt in Coburg errichtet. Die Vorarbeitenämter Coburg und Eisenach wurden 1942 aufgelöst. Zum eigentlichen Baubeginn ist es nie gekommen.
Nach Kriegsende übernahm der Verein zur Wahrung der Weserschifffahrtsinteressen in Bremen (seit 1951 wieder Weserbund genannt) die Aufgaben des Werra-Kanal-Vereins. Eine förmliche Auflösung des Werra-Kanal-Vereins hat nicht stattgefunden.
Bestandsgeschichte: Die Akten des Werra-Kanal-Vereins gelangten von dessen Vorsitzendem Becker (gest. 1947) an den Weserbund. Sie enthalten auch Manuskripte und Zeitungsausschnittsammlungen von Becker, ferner Akten der Geschäftsstellen in Eisenach und Eschwege und die Ergebnisse des (ersten) Vorarbeitenamtes in Eisenach. Aus der Zeit vor 1917, d.h. bevor Becker für den Verein tätig wurde, haben sich nur Druckschriften erhalten. Die Akten wurden zusammen mit denen des Weserbundes im Jahre 1964 ungeordnet und unverzeichnet an das Staatsarchiv Bremen abgegeben.
Erst bei der Ordnung der Akten des Weserbundes im Staatsarchiv wurden die Akten des Werra-Kanal-Vereins wie auch die des Bremer Kanalvereins und der Transportzentrale Bremen von den eigentlichen Akten des Weserbundes getrennt. Ein kleiner Teil der Akten des Werra-Kanal-Vereins trug offenbar noch von Becker herrührende Aktenzeichen, die übrigen Akten sind z.T. später ohne Rücksicht auf Systematik mit laufenden Nummern versehen worden, die jetzt bedeutungslos sind. Bei der Verzeichnung wurde eine systematische Ordnung neu erstellt; nach dieser wurden die Akten geordnet und neu durchnummeriert. Die Broschürensammlung des Vereins wurde, um die Benutzung in Verbindung mit den Akten zu erleichtern, beim Bestand belassen und durch ein alphabetisches Titelverzeichnis erschlossen, das auch einen Teil der im übrigen Bestand verstreuten Druckschriften erfasst.
Bestandsgeschichte: Die Tätigkeit des Werra-Kanal-Vereins und das Projekt des Werra-Main-Kanals werden durch die Akten in fast allen Einzelheiten dokumentiert. Betroffen sind zwar in erster Linie die an den projektierten Kanal angrenzenden Gebiete Hessens, Thüringens und Bayerns, doch war Bremen aufgrund seiner Schifffahrtsinteressen stark beteiligt. Die Akten bilden auch eine willkommene Ergänzung der in der Zeit bis 1945 sehr dürftigen Überlieferung des Weserbundes. Auf Kassationen wurde daher (mit Ausnahme der Entfernung von Doppelstücken, leeren Formularen und ähnlichem) verzichtet.
Bremen 1979
Adolf E. Hofmeister
3,5
Bestand
Literatur: Reinhard Groscurth: Der Plan eines Werra-Main-Kanals. Ein fast vergessenes Stück Wirtschaftsgeschichte (= Sorgen und Schaffen für die Weser, H. 9), Bremen 1970. (Zd-324.9)
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
30.06.2025, 11:55 AM CEST