Jugendherberge Birkenheide (Bestand)
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7.1128
Staatsarchiv Bremen (Archivtektonik) >> Gliederung >> 7. Nichtamtliche Überlieferung >> 7.2. Vereine, Verbände, Stiftungen, Parteien >> 7.2.7. Sport-, Freizeit- und sonstige Vereine
1899-1992
Enthält: Gebäudedokumentation - Gästebücher
Geschichte des Bestandsbildners: Die Dokumentation zur Geschichte des Hauses Birkenheide stellte Herbert Golz zusammen. Er widmete sie seinen Eltern Walter und Maria Golz, die von 1933-1937 und von 1946-1953 Herbergseltern der Jugendherberge Birkenheide waren. Er hat auch die interessante Vorgeschichte recherchiert und dokumentiert.
Frau Margarete Golz (1878-1963), Schwester von Walter Golz, war die Erbauerin des Hauses Birkenheide bei Ganderkesee. Sie hatte um 1920 in Bremen eine "Schule für Körperbildung und Atemgymnastik" gegründet. Sie hatte keine zielgerichtete Ausbildung zur Heilgymnastin durchlaufen, sondern in einem bewegten Leben Erkenntnisse gewonnen, den Körper auf neue Art zu heilen und zu schulen. Sie scharrte eine Reihe von Schülerinnen aus zumeist wohlhabenden Bremer Familien um sich. Die Behandlungen und Schulungen fanden zuerst in ihrer Wohnung in Bremen, Mathildenstraße 86, statt. 1927 mietete sie die repräsentative Villa Hollerallee 87. Mit Martha und Ally Fritze und Lela Schütte sowie dem aufstrebendem Architekten Scotland besuchte sie ihren Bruder, der seit 1926 in der Heide bei Ganderkesee auf einem gepachteten Gelände in einem sogenannten "Hexenhaus" lebte und beschloss, hier eine Gymnastik-Schule für die Sommermonate zu errichten. Sie bekam Darlehen von den begüterten Eltern ihrer Schülerinnen und das Haus konnte bereits im September 1927 eingeweiht werden. Der sommerliche Schulbetrieb lief allerdings nur bis zum Jahr 1930. Durch die Weltwirtschaftskrise war sie bald gezwungen, Konkurs anzumelden.
Geschichte des Bestandsbildners: 1932 wurde die Nutzung des Hauses ihrem Bruder und seiner Frau Maria übertragen. Aber auch sie konnten weder die Schulden verringern, noch die Pacht aufbringen. Am 1.4.1933 ging das Haus Birkenheide an den Gau Unterweser-Ems im Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen. Das Ehepaar Gölz fungierte als Herbergseltern. In den erhalten gebliebenen Gästebüchern sind selten nationalsozialistische Texte zu finden. Die Eintragungen bis 1937 stammen überwiegend von Schulklassen, Jugendgruppen und Einzelwanderern. Zum 1. 4.1937 wurden Walter und Maria Golz in die neu gebaute Jugendherberge Wilhelmshaven versetzt. Die weiteren Herbergseltern hießen Köhlers und Wischmeyers.
Während des 2. Weltkrieges wurde auch Militär in der Jugendherberge einquartiert. Ab 1943 diente es auch als Wehrertüchtigungslager. Am 3. Dezember 1945 kehrten Walter und Maria Golz mit ihren Kindern Ursel, Annelies und Herbert nach Birkenheide zurück, obwohl das Haus noch bis Juni 1946 als von den Briten eingerichtetes Internierungslager diente. Als die Kompanie aufgelöst war, konnten sich die Jungen der Pestalozzi Schule Bremen als erste im September 1946 in der wieder instand gesetzten und neu-, bzw. aus gebrauchten Möbeln ausgestatteten Jugendherberge aufhalten.
Geschichte des Bestandsbildners: Am 27. Mai 1953 wechselte das Ehepaar Golz in die Jugendherberge Meyenburg. Sie nahmen auch die Gästebücher mit und führten sie dort weiter fort. Der letzte Eintrag erfolgte im September 1956. Wie es mit der Jugendherberge Birkenheide weiterging, ist nur rar dokumentiert. Ehepaar Janssen führte das Haus nur fünf Jahre und als das Ehepaar Elfriede und Helmut Stolle altersbedingt nach 20 Jahren aufhörte, musste das Haus zum Jahresende 1978 geschlossen werden. Selbstversorgern war es erlaubt, sich auf dem Gelände aufzuhalten. Das Haus wurde angeblich an junge Leute vermietet. Im Juni 1992 ist das Haus durch Brand vollkommen zerstört worden. Ob es sich um Brandstiftung oder einem technischen Defekt handelte, konnte nie aufgeklärt werden.
Dieser Bestand kann beispielhaft für Untersuchungen über Jugendherbergen genutzt werden. Ferner sind Spuren von alternativen Heilmethoden der Zwanziger Jahre darin zu finden. Das Leben der Margarete Golz nachzuzeichnen, wäre eine reizvolle Aufgabe. In der Zeitungsausschnittsammlung des Staatsarchivs Bremen ist leider nur ein Zeitungsartikel vorhanden zu ihrem 80. Geburtstag (1958), der ebenfalls in der Dokumentation und in vorliegenden Originalen zu finden ist. Ein zweites Exemplar der Dokumentation ist in unserer Dienstbibliothek unter der Signatur C-2180 vorhanden.
Mai 2012
Dorothea Breitenfeldt
Geschichte des Bestandsbildners: Die Dokumentation zur Geschichte des Hauses Birkenheide stellte Herbert Golz zusammen. Er widmete sie seinen Eltern Walter und Maria Golz, die von 1933-1937 und von 1946-1953 Herbergseltern der Jugendherberge Birkenheide waren. Er hat auch die interessante Vorgeschichte recherchiert und dokumentiert.
Frau Margarete Golz (1878-1963), Schwester von Walter Golz, war die Erbauerin des Hauses Birkenheide bei Ganderkesee. Sie hatte um 1920 in Bremen eine "Schule für Körperbildung und Atemgymnastik" gegründet. Sie hatte keine zielgerichtete Ausbildung zur Heilgymnastin durchlaufen, sondern in einem bewegten Leben Erkenntnisse gewonnen, den Körper auf neue Art zu heilen und zu schulen. Sie scharrte eine Reihe von Schülerinnen aus zumeist wohlhabenden Bremer Familien um sich. Die Behandlungen und Schulungen fanden zuerst in ihrer Wohnung in Bremen, Mathildenstraße 86, statt. 1927 mietete sie die repräsentative Villa Hollerallee 87. Mit Martha und Ally Fritze und Lela Schütte sowie dem aufstrebendem Architekten Scotland besuchte sie ihren Bruder, der seit 1926 in der Heide bei Ganderkesee auf einem gepachteten Gelände in einem sogenannten "Hexenhaus" lebte und beschloss, hier eine Gymnastik-Schule für die Sommermonate zu errichten. Sie bekam Darlehen von den begüterten Eltern ihrer Schülerinnen und das Haus konnte bereits im September 1927 eingeweiht werden. Der sommerliche Schulbetrieb lief allerdings nur bis zum Jahr 1930. Durch die Weltwirtschaftskrise war sie bald gezwungen, Konkurs anzumelden.
Geschichte des Bestandsbildners: 1932 wurde die Nutzung des Hauses ihrem Bruder und seiner Frau Maria übertragen. Aber auch sie konnten weder die Schulden verringern, noch die Pacht aufbringen. Am 1.4.1933 ging das Haus Birkenheide an den Gau Unterweser-Ems im Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen. Das Ehepaar Gölz fungierte als Herbergseltern. In den erhalten gebliebenen Gästebüchern sind selten nationalsozialistische Texte zu finden. Die Eintragungen bis 1937 stammen überwiegend von Schulklassen, Jugendgruppen und Einzelwanderern. Zum 1. 4.1937 wurden Walter und Maria Golz in die neu gebaute Jugendherberge Wilhelmshaven versetzt. Die weiteren Herbergseltern hießen Köhlers und Wischmeyers.
Während des 2. Weltkrieges wurde auch Militär in der Jugendherberge einquartiert. Ab 1943 diente es auch als Wehrertüchtigungslager. Am 3. Dezember 1945 kehrten Walter und Maria Golz mit ihren Kindern Ursel, Annelies und Herbert nach Birkenheide zurück, obwohl das Haus noch bis Juni 1946 als von den Briten eingerichtetes Internierungslager diente. Als die Kompanie aufgelöst war, konnten sich die Jungen der Pestalozzi Schule Bremen als erste im September 1946 in der wieder instand gesetzten und neu-, bzw. aus gebrauchten Möbeln ausgestatteten Jugendherberge aufhalten.
Geschichte des Bestandsbildners: Am 27. Mai 1953 wechselte das Ehepaar Golz in die Jugendherberge Meyenburg. Sie nahmen auch die Gästebücher mit und führten sie dort weiter fort. Der letzte Eintrag erfolgte im September 1956. Wie es mit der Jugendherberge Birkenheide weiterging, ist nur rar dokumentiert. Ehepaar Janssen führte das Haus nur fünf Jahre und als das Ehepaar Elfriede und Helmut Stolle altersbedingt nach 20 Jahren aufhörte, musste das Haus zum Jahresende 1978 geschlossen werden. Selbstversorgern war es erlaubt, sich auf dem Gelände aufzuhalten. Das Haus wurde angeblich an junge Leute vermietet. Im Juni 1992 ist das Haus durch Brand vollkommen zerstört worden. Ob es sich um Brandstiftung oder einem technischen Defekt handelte, konnte nie aufgeklärt werden.
Dieser Bestand kann beispielhaft für Untersuchungen über Jugendherbergen genutzt werden. Ferner sind Spuren von alternativen Heilmethoden der Zwanziger Jahre darin zu finden. Das Leben der Margarete Golz nachzuzeichnen, wäre eine reizvolle Aufgabe. In der Zeitungsausschnittsammlung des Staatsarchivs Bremen ist leider nur ein Zeitungsartikel vorhanden zu ihrem 80. Geburtstag (1958), der ebenfalls in der Dokumentation und in vorliegenden Originalen zu finden ist. Ein zweites Exemplar der Dokumentation ist in unserer Dienstbibliothek unter der Signatur C-2180 vorhanden.
Mai 2012
Dorothea Breitenfeldt
1 Karton
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
30.06.2025, 11:55 MESZ