(1) Extrajud. G 27 (2)~Kläger: Halbmeier Johann Arend Grefe für sich und namens seiner Stiefkinder, Werl und Aspe, arme Partei, (3)~Beklagter: Geheimer Rat von Borries und die fürstlich lipp. Regierung zu Detmold (5)~Prozessart: ? Streitgegenstand: Schuldrechtliche Auseinandersetzung um einen Meierhof zwischen dem Gutsherren und dem Kolon. Das vorliegende Aktenstück umfaßt einen Bericht des Lic. F. A. Flach, der aus der Sicht der Akten, die ihm von Grefe überantwortet worden seien, und von dessen mündlichen Angaben den Fall referiert. Demnach hatte der 1. Mann der Frau Grefes Schulden auf den Hof aufgenommen. Wegen Nichtentrichtung der gutsherrlichen Abgaben hatte von Borries 1789 den Verkauf des Hofes beantragt, der schließlich, trotz rechtlicher Einwände Grefes (der bis zu seiner Einheirat Kaup geheißen hatte) (die gesamte Schuldenlast mache weniger als die Hälfte des geschätzten Wertes des Gutes aus; es liege kein Konkurs vor, da sein Vermögen größer sei als die Schuldensumme; Rechte der Stiefkinder, die unstreitig Anerben des Hofes seien) durchgeführt worden war. Grefe, der formale Einwände gegen die Versteigerung geltend machte, wandte sich an das RKG, da der Hof, obwohl er (= Grefe) ein höheres Gebot abgegeben hatte, als der einzige wirkliche Bieter bei der Versteigerung, der lediglich 1080 Rtlr. auf den zu 3318 Rtlr. Wert geschätzten Hof geboten hatte, 1792 dem Bieter zugesprochen worden war. Der Referent schlägt angesichts seiner Unkenntnis der örtlichen Verhältnisse vor, einen Bericht der lipp. Regierung über den Vorgang mit einem Vorschlag zu Güteverhandlungen einzuholen, und hält eine Restitutio angesichts der Rechtsunkenntnis eines Bauern und der eindeutigen Rechte der unmündigen Kinder für angemessen. Mit Bescheid vom 11. März 1794 wies das RKG Grefe ab und stellte es ihm frei, im Namen seiner Stiefkinder eine Klage wegen Verletzung ihrer Rechte über die Hälfte (ultra dimidium) oder im eigenen Namen bezüglich seiner eigenen in den Hof verwandten Mittel an der lipp. Kanzlei einzuleiten. (6)~Instanzen: RKG ? - ? (1794) (8)~Beschreibung: 24 Bl., lose, kein Protokoll, 1 unquadranguliertes Aktenstück, exhib. 17. Oktober 1792, mit RKG-Vermerk in consilio vom 11. März 1794.

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Landesarchiv Nordrhein-Westfalen. Abteilung Ostwestfalen-Lippe
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