Selchow, Bogislav Freiherr von.- Sammlung zu deutschen Marineoffizieren (Bestand)
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BArch MSG 100
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Bundesarchiv (Archivtektonik) >> Nachlässe und Sammlungen >> Sammlungen >> Militärgeschichtliche Sammlungen
1848-1918
Geschichte des Bestandsbildners: Marineoffizier, Freikorpsführer und Schriftsteller Bogislaw Selchow
Lebensdaten
4. Juli 1877 geb. in Köslin
6. Februar 1943 gest. in Berlin
Militärische Karriere
7.4.1897 Einstellung als Kadett der Kaiserl. Marine
Mai 1897 Kadett an Bord von SMS Stein
6.12.1897 Teilnahme an der Belagerung des Hafens von Port au Prince auf Haiti mit SMS Stein
27.4.1898 Beförderung zum Seekadetten
Apr. 1898-
Sep. 1900 In verschiedenen Funktionen an Bord von SMS Moltke, Hela, Mars und Blücher
Jan.-März 1900 Gehirnhautentzündung, Marinelazarett Kiel
3.9.1900 Fähnrich zur See
23.9.1900 Beförderung zum Leutnant zur See
Nov. 1900-
Nov. 1901 An Bord von SMS Sachsen, ab Okt. 1901 als Adjutant; am 4.9.1901 Kollision mit SMS Wacht bei Rügen, das daraufhin sinkt
Nov. 1901-
Sep. 1902 Adjutant an Bord von SMS Kaiser Wilhelm der Große
15.3.1902 Beförderung zum Oberleutnant zur See
Okt.-Dez. 1902 Wachoffizier an Bord von SM Torpedoboot G 109
Jan.-Apr. 1903 Kompanieoffizier der zweiten Kompanie der I. Torpedoabteilung, im Apr. Funkkursus auf SMS Neptun
Apr.-Sep. 1903 Wachoffizier an Bord von SM Torpedoboot G 109
Okt./Nov. 1903 Ausreise als Passagier nach Ostasien an Bord von SS König Albert
Nov. 1903-
Mai 1905 Wachoffizier an Bord von SMS Hertha im asiatischen Raum mit Heimreise nach Kiel über Afrika und das Mittelmeer
11.9.1904 Verleihung des Kung-Pai-Verdienstordens (Chinesische Silberne Erinnerungsmedaille) anlässlich einer Audienz bei der Kaiserinwitwe
und dem Kaiser von China
11.2.1905 Verleihung des Königl. Siamesischen Kronenordens vierter Klasse anlässlich einer Audienz beim König von Siam
Juni-Sep. 1906 Kommandant von SM Torpedoboote S 29, S 25 und S 30 sowie Dienste in der Minenkompanie und als Erster Offizier der Minensuchreservedivision
Okt. 1906-
Juni 1907 Marineakademie
6.3.1907 Beförderung zum Kapitänleutnant
Juli 1907 Dienst an Bord von SMS Kurfürst Friedrich Wilhelm
Aug.-Sep. 1907 Dienst an Bord von SMS Yorck
Okt. 1907-
Juni 1908 Marineakademie
Juli-Sep. 1908 Sprachurlaub in England
22.8.1908 Ernennung zum Ehrenritter des Johanniter-Ordens
Okt. 1908 Ausreise als Passagier nach Westafrika auf SS Lucie Woermann
Nov. 1908-
Nov. 1909 Erster Offizier an Bord von SMS Sperber
Nov./Dez. 1909 Rückreise als Passagier nach Deutschland auf SS Lucie Woermann
Dez. 1909-
Jan. 1911 Admiralstab der Marine
Jan. 1911-
März 1913 Adjutant der Nordseestation
19.9.1912 Verleihung des Rote-Adler-Ordens 4. Klasse
Apr. 1913-
Nov. 1914 Erster Offizier an Bord von SMS Victoria Louise
22.3.1914 Beförderung zum Korvettenkapitän
17.7.1914 Verleihung der Königl. Krone zum Rote-Adler-Orden 4. Klasse
10.11.1914-
30.6.1915 Kommandeur des I. Btl. des Matrosen-Artillerieregiments III (10.-25.11.1914); II. Btl. des Matrosen-Artillerieregiments I (26.11.-31.12.1914); I. Btl. des Matrosen-Artillerieregiments II (1.1.-4.2.1915); des III. Btl. des Matrosenregiments 4 (5.2.-10.5.1915); des III. Btl. des Matrosenregiments 5 (11.5.-30.6.1915); Einsatzgebiet: Flandern
1.5.1915 Verwundung bei Het Sas/Belgien durch Granatsplitter in Kopf, rechte Schulter, rechten Arm und rechtes Bein
7.2.1915 Eisernes Kreuz II. Klasse
Aug.-Dez. 1915 Erster Offizier an Bord von SMS Freya
Jan.-März 1916 Reservelazarett Liebenstein
Apr. 1916-
Juli 1917 Erster Offizier an Bord von SMS Hannover, in dieser Funktion Teilnahme an der Schlacht am Skagerrak am 31.5./1.6.1916
30.6.1916 Verleihung des Eisernen Kreuzes I. Klasse
22.8.1916 Verleihung des Oldenburgischen Friedrich-August-Kreuzes I. und II. Klasse
14.9.1916 Neurasthenie als Kriegsdienstbeschädigung anerkannt durch das Kdo. von SMS Hannover
Juli 1917-
Kriegsende Admiralstab der Marine
1918 Veröffentlichung der Propagandaschrift „Weltkrieg und Flotte"
10.4.1918 Österreichisches Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit Kriegsdekoration
20.5.1918 Verleihung der Großherzoglichen Hessischen Tapferkeitsmedaille
16.11.1918-
20.8.1919 Dezernent im Reichsmarineamt
20.8.1919 Beförderung zum Fregattenkapitän
Ziviles Leben
Nach seiner Verabschiedung aus der Marine begann Bogislav von Selchow ein Studium der Geschichte in Marburg und wurde zugleich von der Reichswehrbrigade Kassel mir der Bildung einer Freiwilligenformation aus Marburger Studenten zum Schutz der jungen Republik beauftragt. Von Selchow gründete das Freikorps „Studentenkorps Marburg" (StuKoMa) und kommandierte es in der Folge bei der Niederschlagung von spartakistischen und rätedemokratischen Unruhen in Thüringen. Dabei kam es am 20.3.1920 zum sog. Massaker von Mechterstädt, bei dem 15 als Aufrührer verdächtigte Arbeiter, die von einem Stoßtrupp des StuKoMa festgesetzt worden waren, erschossen - angeblich „auf der Flucht". Die wegen dieser Tötungen Angeklagten wurden in zwei aufsehenerregenden Prozessen freigesprochen, die Urteile von der Öffentlichkeit als Akt der Klassenjustiz mit Abscheu und Protest aufgenommen. Von Selchow hatte sich im Prozess vor seine Männer gestellt, und auch die Marburger Universität solidarisierte sich mit ihren Studenten und rehabilitierte sie vollständig.
Daneben organisierte sich von Selchow in der rechtsextremen, später illegalen sog. Organisation Escherich (Orgesch), die er im westdeutschen Raum zeitweise führte. Die paramilitärische Organisation legte geheime Waffenlager für einen erwarteten Kampf gegen den Bolschewismus an und war für Morde an Persönlichkeiten des gegnerischen politischen Lagers verantwortlich. Enttäuscht vom Zögern Escherichs, einen offensiven Kurs gegen die Republik einzuschlagen, wandte er sich im Dezember 1922 wieder von der Orgesch ab, legte das Kommando des StuKoMa nieder und zog sich bis 1933 aus der politischen Öffentlichkeit zurück.
Am 24.1.1923 wurde Bogislav von Selchow von der Universität Marburg promoviert. Bereits 1920 hatte er seinen ersten Gedichtband „Deutsche Gedanken" veröffentlicht, und bald reüssierte er mit seinen Gedichten im rechten Spektrum. Er betätigte sich nun als Schriftsteller und Geschichtsphilosoph und entwickelte, ganz Kind seiner Epoche, ein sog. Zeitwendemodell, das die geistesgeschichtliche und politische Entwicklung der Menschheit abbildete. Von Selchow definierte hierzu die von verschiedenen gesellschaftlichen Kräften geprägten Zeitalter der „Allzeit", der „Wirzeit" und der „Ichzeit". Dieses Denksystem wurde zur Grundlage für seine Werke und machte ihn gemeinsam mit dem von ihm immer wieder aufgegriffenen Topos des Heldischen zu einem ideologischen Wegbereiter des Nationalsozialismus. Sein Antisemitismus und Blick auf das Zeitgeschehen nach dem Untergang der alten Welt hatten ihn spätestens 1933 in die Nähe der NSDAP gebracht: Obwohl nie Parteimitglied, entwickelte er sich zum leidenschaftlichen Nationalsozialisten und gehörte zu den 48 Persönlichkeiten, die 1933 öffentlich zur Wahl Adolf Hitlers aufriefen. 1936 benannte sich die NS-Studentenkameradschaft, die aus der vormaligen Marburger Burschenschaft Germania hervorgegangen war, nach von Selchow. Am 9.6.1939 wurde er dann zum Ehrensenator der Philipps-Universität Marburg ernannt.
Bestandsbeschreibung: Bogislav Freiherr von Selchow diente als Marineoffizier in der Kaiserlichen Marine in den Jahren 1897 bis 1918. Nach 1919 war von Selchow als Schriftsteller tätig. Getragen von dem Gedanken, "dass es uns im Seeoffizierkorps an Tradition fehle, dass wir weder auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurückblicken konnten, noch dass uns der feste Zusammenschluss eines Regiments eine", begann von Selchow ab 1911 damit, eine Stammliste sämtlicher Seeoffiziere der deutschen Marine anzulegen. Diese Stammliste nannte von Selchow "Wimpelbrett", um seinem Projekt einen traditionellen Namen zu geben. Das sogenannnte Wimpelbrett war der bis zum Jahre 1900 im Signalbuch der Kaiserlichen Marine enthaltene Teil, der einen Flaggennamen für sämtliche deutschen Kriegsschiffe, Admirale und Kapitäne zur See vorsah. Die "Wimpelbretter" wurden durch das Bundesarchiv im Jahre 1957 von der Marine-Offizier-Hilfe e.V. angekauft.
Darüber hinaus erstellte Bogislav Freiherr von Selchow Kurzlebensläufe der im Ersten Weltkrieg gefallenen aktiven und ehem. aktiven Seeoffiziere, Fähnriche und Seekadetten der Kaiserlichen Marine. Diese Ehrentafeln bzw. Ehrenbücher liegen als Kopie der in der Marineschule Mürwick verwahrten Originale vor.
Zitierweise: BArch MSG 100/...
Lebensdaten
4. Juli 1877 geb. in Köslin
6. Februar 1943 gest. in Berlin
Militärische Karriere
7.4.1897 Einstellung als Kadett der Kaiserl. Marine
Mai 1897 Kadett an Bord von SMS Stein
6.12.1897 Teilnahme an der Belagerung des Hafens von Port au Prince auf Haiti mit SMS Stein
27.4.1898 Beförderung zum Seekadetten
Apr. 1898-
Sep. 1900 In verschiedenen Funktionen an Bord von SMS Moltke, Hela, Mars und Blücher
Jan.-März 1900 Gehirnhautentzündung, Marinelazarett Kiel
3.9.1900 Fähnrich zur See
23.9.1900 Beförderung zum Leutnant zur See
Nov. 1900-
Nov. 1901 An Bord von SMS Sachsen, ab Okt. 1901 als Adjutant; am 4.9.1901 Kollision mit SMS Wacht bei Rügen, das daraufhin sinkt
Nov. 1901-
Sep. 1902 Adjutant an Bord von SMS Kaiser Wilhelm der Große
15.3.1902 Beförderung zum Oberleutnant zur See
Okt.-Dez. 1902 Wachoffizier an Bord von SM Torpedoboot G 109
Jan.-Apr. 1903 Kompanieoffizier der zweiten Kompanie der I. Torpedoabteilung, im Apr. Funkkursus auf SMS Neptun
Apr.-Sep. 1903 Wachoffizier an Bord von SM Torpedoboot G 109
Okt./Nov. 1903 Ausreise als Passagier nach Ostasien an Bord von SS König Albert
Nov. 1903-
Mai 1905 Wachoffizier an Bord von SMS Hertha im asiatischen Raum mit Heimreise nach Kiel über Afrika und das Mittelmeer
11.9.1904 Verleihung des Kung-Pai-Verdienstordens (Chinesische Silberne Erinnerungsmedaille) anlässlich einer Audienz bei der Kaiserinwitwe
und dem Kaiser von China
11.2.1905 Verleihung des Königl. Siamesischen Kronenordens vierter Klasse anlässlich einer Audienz beim König von Siam
Juni-Sep. 1906 Kommandant von SM Torpedoboote S 29, S 25 und S 30 sowie Dienste in der Minenkompanie und als Erster Offizier der Minensuchreservedivision
Okt. 1906-
Juni 1907 Marineakademie
6.3.1907 Beförderung zum Kapitänleutnant
Juli 1907 Dienst an Bord von SMS Kurfürst Friedrich Wilhelm
Aug.-Sep. 1907 Dienst an Bord von SMS Yorck
Okt. 1907-
Juni 1908 Marineakademie
Juli-Sep. 1908 Sprachurlaub in England
22.8.1908 Ernennung zum Ehrenritter des Johanniter-Ordens
Okt. 1908 Ausreise als Passagier nach Westafrika auf SS Lucie Woermann
Nov. 1908-
Nov. 1909 Erster Offizier an Bord von SMS Sperber
Nov./Dez. 1909 Rückreise als Passagier nach Deutschland auf SS Lucie Woermann
Dez. 1909-
Jan. 1911 Admiralstab der Marine
Jan. 1911-
März 1913 Adjutant der Nordseestation
19.9.1912 Verleihung des Rote-Adler-Ordens 4. Klasse
Apr. 1913-
Nov. 1914 Erster Offizier an Bord von SMS Victoria Louise
22.3.1914 Beförderung zum Korvettenkapitän
17.7.1914 Verleihung der Königl. Krone zum Rote-Adler-Orden 4. Klasse
10.11.1914-
30.6.1915 Kommandeur des I. Btl. des Matrosen-Artillerieregiments III (10.-25.11.1914); II. Btl. des Matrosen-Artillerieregiments I (26.11.-31.12.1914); I. Btl. des Matrosen-Artillerieregiments II (1.1.-4.2.1915); des III. Btl. des Matrosenregiments 4 (5.2.-10.5.1915); des III. Btl. des Matrosenregiments 5 (11.5.-30.6.1915); Einsatzgebiet: Flandern
1.5.1915 Verwundung bei Het Sas/Belgien durch Granatsplitter in Kopf, rechte Schulter, rechten Arm und rechtes Bein
7.2.1915 Eisernes Kreuz II. Klasse
Aug.-Dez. 1915 Erster Offizier an Bord von SMS Freya
Jan.-März 1916 Reservelazarett Liebenstein
Apr. 1916-
Juli 1917 Erster Offizier an Bord von SMS Hannover, in dieser Funktion Teilnahme an der Schlacht am Skagerrak am 31.5./1.6.1916
30.6.1916 Verleihung des Eisernen Kreuzes I. Klasse
22.8.1916 Verleihung des Oldenburgischen Friedrich-August-Kreuzes I. und II. Klasse
14.9.1916 Neurasthenie als Kriegsdienstbeschädigung anerkannt durch das Kdo. von SMS Hannover
Juli 1917-
Kriegsende Admiralstab der Marine
1918 Veröffentlichung der Propagandaschrift „Weltkrieg und Flotte"
10.4.1918 Österreichisches Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit Kriegsdekoration
20.5.1918 Verleihung der Großherzoglichen Hessischen Tapferkeitsmedaille
16.11.1918-
20.8.1919 Dezernent im Reichsmarineamt
20.8.1919 Beförderung zum Fregattenkapitän
Ziviles Leben
Nach seiner Verabschiedung aus der Marine begann Bogislav von Selchow ein Studium der Geschichte in Marburg und wurde zugleich von der Reichswehrbrigade Kassel mir der Bildung einer Freiwilligenformation aus Marburger Studenten zum Schutz der jungen Republik beauftragt. Von Selchow gründete das Freikorps „Studentenkorps Marburg" (StuKoMa) und kommandierte es in der Folge bei der Niederschlagung von spartakistischen und rätedemokratischen Unruhen in Thüringen. Dabei kam es am 20.3.1920 zum sog. Massaker von Mechterstädt, bei dem 15 als Aufrührer verdächtigte Arbeiter, die von einem Stoßtrupp des StuKoMa festgesetzt worden waren, erschossen - angeblich „auf der Flucht". Die wegen dieser Tötungen Angeklagten wurden in zwei aufsehenerregenden Prozessen freigesprochen, die Urteile von der Öffentlichkeit als Akt der Klassenjustiz mit Abscheu und Protest aufgenommen. Von Selchow hatte sich im Prozess vor seine Männer gestellt, und auch die Marburger Universität solidarisierte sich mit ihren Studenten und rehabilitierte sie vollständig.
Daneben organisierte sich von Selchow in der rechtsextremen, später illegalen sog. Organisation Escherich (Orgesch), die er im westdeutschen Raum zeitweise führte. Die paramilitärische Organisation legte geheime Waffenlager für einen erwarteten Kampf gegen den Bolschewismus an und war für Morde an Persönlichkeiten des gegnerischen politischen Lagers verantwortlich. Enttäuscht vom Zögern Escherichs, einen offensiven Kurs gegen die Republik einzuschlagen, wandte er sich im Dezember 1922 wieder von der Orgesch ab, legte das Kommando des StuKoMa nieder und zog sich bis 1933 aus der politischen Öffentlichkeit zurück.
Am 24.1.1923 wurde Bogislav von Selchow von der Universität Marburg promoviert. Bereits 1920 hatte er seinen ersten Gedichtband „Deutsche Gedanken" veröffentlicht, und bald reüssierte er mit seinen Gedichten im rechten Spektrum. Er betätigte sich nun als Schriftsteller und Geschichtsphilosoph und entwickelte, ganz Kind seiner Epoche, ein sog. Zeitwendemodell, das die geistesgeschichtliche und politische Entwicklung der Menschheit abbildete. Von Selchow definierte hierzu die von verschiedenen gesellschaftlichen Kräften geprägten Zeitalter der „Allzeit", der „Wirzeit" und der „Ichzeit". Dieses Denksystem wurde zur Grundlage für seine Werke und machte ihn gemeinsam mit dem von ihm immer wieder aufgegriffenen Topos des Heldischen zu einem ideologischen Wegbereiter des Nationalsozialismus. Sein Antisemitismus und Blick auf das Zeitgeschehen nach dem Untergang der alten Welt hatten ihn spätestens 1933 in die Nähe der NSDAP gebracht: Obwohl nie Parteimitglied, entwickelte er sich zum leidenschaftlichen Nationalsozialisten und gehörte zu den 48 Persönlichkeiten, die 1933 öffentlich zur Wahl Adolf Hitlers aufriefen. 1936 benannte sich die NS-Studentenkameradschaft, die aus der vormaligen Marburger Burschenschaft Germania hervorgegangen war, nach von Selchow. Am 9.6.1939 wurde er dann zum Ehrensenator der Philipps-Universität Marburg ernannt.
Bestandsbeschreibung: Bogislav Freiherr von Selchow diente als Marineoffizier in der Kaiserlichen Marine in den Jahren 1897 bis 1918. Nach 1919 war von Selchow als Schriftsteller tätig. Getragen von dem Gedanken, "dass es uns im Seeoffizierkorps an Tradition fehle, dass wir weder auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurückblicken konnten, noch dass uns der feste Zusammenschluss eines Regiments eine", begann von Selchow ab 1911 damit, eine Stammliste sämtlicher Seeoffiziere der deutschen Marine anzulegen. Diese Stammliste nannte von Selchow "Wimpelbrett", um seinem Projekt einen traditionellen Namen zu geben. Das sogenannnte Wimpelbrett war der bis zum Jahre 1900 im Signalbuch der Kaiserlichen Marine enthaltene Teil, der einen Flaggennamen für sämtliche deutschen Kriegsschiffe, Admirale und Kapitäne zur See vorsah. Die "Wimpelbretter" wurden durch das Bundesarchiv im Jahre 1957 von der Marine-Offizier-Hilfe e.V. angekauft.
Darüber hinaus erstellte Bogislav Freiherr von Selchow Kurzlebensläufe der im Ersten Weltkrieg gefallenen aktiven und ehem. aktiven Seeoffiziere, Fähnriche und Seekadetten der Kaiserlichen Marine. Diese Ehrentafeln bzw. Ehrenbücher liegen als Kopie der in der Marineschule Mürwick verwahrten Originale vor.
Zitierweise: BArch MSG 100/...
Selchow, Bogislav Freiherr von, 1877-1943
12 Aufbewahrungseinheiten; 1,0 laufende Meter
Archivbestand
deutsch
Verwandtes Archivgut im Bundesarchiv: N 428 Nachlass Bogislav Freiherr von Selchow
Literatur: Holger H. Herwig: Das Elitekorps des Kaisers. Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschicht; 7), Hamburg 1977; Thomas Scheerer: Die Marineoffiziere der Kaiserlichen Marine. Sozialisation und Konflikte (Kleine Schriftenreihe zur Militär- und Marinegeschicht; 2), Bochum 2002.
Literatur: Holger H. Herwig: Das Elitekorps des Kaisers. Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschicht; 7), Hamburg 1977; Thomas Scheerer: Die Marineoffiziere der Kaiserlichen Marine. Sozialisation und Konflikte (Kleine Schriftenreihe zur Militär- und Marinegeschicht; 2), Bochum 2002.
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
24.04.2026, 10:58 MESZ