Länger arbeiten - umsonst? Beschäftigte sollen auf Geld verzichten - Kann Mehrarbeit Jobs retten?
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Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, R 4/015 R040012/203
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Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, R 4/015 Fernsehsendungen von Südwest Fernsehen aus dem Jahre 2004
Fernsehsendungen von Südwest Fernsehen aus dem Jahre 2004 >> Januar 2004
29. Januar 2004
Die Deutschen sollen wieder mehr und flexibler arbeiten. Rückkehr zur 40 Stunden Woche. Und das ohne Lohnausgleich. Nur so könne man Arbeitsplätze sichern, sagen jetzt die Unternehmer in den Metall-Tarifverhandlungen. Für die Gewerkschaften eine Provokation. Denn das bedeutet Lohnverzicht.
Live-Diskussion in der Beruflichen Bildungsstätte Tuttlingen mit:
- Dieter Teufel, Präsident der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg,
- Jürgen Stamm, IG Metall Stuttgart.
Längere Arbeitszeit - kürzere Arbeitszeit - sichere Jobs?
Bei der Firma Aesculap in Tuttlingen herrscht Hochbetrieb. Hier entwickeln und bauen 300 Beschäftigte hochwertige Hüftgelenke, die in die ganze Welt exportiert werden. Relativ sichere Arbeitsplätze, aber nur, weil die Beschäftigten 60 Stunden pro Jahr umsonst arbeiten. Hätten die Mitarbeiter dem nicht zugestimmt, hätte die Firma rund 200 Arbeitsplätze ins Ausland verlagert.
Ein anderes Beispiel: die Vereinigten Spezialmöbelfabriken in Tauberbischofsheim. Hier sollten jetzt 270 von 1050 Stellen wegfallen. Doch Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigten sich auf ein flexibles Arbeitszeitmodell. Im Sommer, wenn die Nachfrage groß ist, wird 45 Stunden die Woche rangeklotzt, im Winter jedoch, wenn nichts zu tun ist, wird die Arbeitszeit bis auf Null Stunden heruntergefahren. So konnten immerhin 140 Arbeitsplätze gerettet werden.
Live-Diskussion in der Beruflichen Bildungsstätte in Tuttlingen mit:
Keine Einzelfälle - Die IG-Metall muss oft ein Auge zudrücken
Mittlerweile haben etwa 10% der insgesamt 1350 von der IG Metall in Baden-Württemberg betreuten Unternehmen Sondervereinbarungen, und meist zu Lasten der Beschäftigten. Die Einbußen reichen vom Verzicht auf das Weihnachtsgeld, Weiterbildung auf eigene Kosten bis hin zu Mehrarbeit ohne Lohnausgleich. Der IG Metall ist dies ein Dorn im Auge. Sie befürchtet eine Aufweichung des Flächentarifvertrages, der einheitlich für die Branche die 35 Stunden-Woche und die Löhne regelt. Ausnahmen von diesem Vertrag sind nur in Notfällen möglich. Doch meist sind Arbeitsplätze anders nicht zu retten.
Kann Mehrarbeit Jobs retten?
Deutschland ist Stundenlohn-Weltmeister - zumindest in der Industrie. Nur in Norwegen und Holland wird jährlich durchschnittlich pro Industriearbeiter noch weniger gearbeitet als bei uns. Arbeitgeber und Politiker fordern deshalb, die Menschen in Deutschland müssten wieder insgesamt länger arbeiten. Nach Meinung der Unternehmer bringen längere und flexible Arbeitszeiten mehr Jobs. Nur dadurch könne man langfristig verhindern, dass Arbeitsplätze in Billiglohn-Länder abwandern. Die Arbeitgeber argumentieren, dass erst mit der Erhöhung der Produktivität höhere Löhne gezahlt werden können. Dadurch wiederum steigt der Konsum, was sich schließlich in Mehrbeschäftigung niederschlägt. Das ist jedoch sehr umstritten. Denn länger zu arbeiten ohne Lohnausgleich heißt für die Arbeitnehmer, dass sie weniger pro Stunde verdienen und damit auch weniger konsumieren können. Kritiker verweisen zudem auf das Ausland, wo längere Arbeitszeiten kein Wirtschaftswachstum und keine Mehrbeschäftigung hervorbrachte. So leiden die fleißigen Schweizer, die 40,5 Stunden pro Woche arbeiten, seit 10 Jahren an einer Stagnation. Selbst die Japaner, die nur 18 Tage Urlaub haben und auch 40 Stunden arbeiten, stecken noch immer in einer Wirtschaftskrise mit hoher Arbeitslosigkeit.
Warnstreiks gegen längere Arbeitszeiten
Die IG-Metall will ab Donnerstag, den 29.1.04 mit Warnstreiks gegen eine Verlängerung der Arbeitszeit beginnen. IG-Metall Jürgen Peters erklärte, "die Gewerkschaft lehne eine Arbeitszeit-Verlängerung grundsätzlich ab. Den Arbeitgebern gehe es nur um Kostensenkung". Dagegen betonten die Arbeitgeber, dass ohne flexible Arbeitszeiten der Standort Deutschland langfristig in Gefahr sei.
Live-Diskussion in der Beruflichen Bildungsstätte Tuttlingen mit:
- Dieter Teufel, Präsident der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg,
- Jürgen Stamm, IG Metall Stuttgart.
Längere Arbeitszeit - kürzere Arbeitszeit - sichere Jobs?
Bei der Firma Aesculap in Tuttlingen herrscht Hochbetrieb. Hier entwickeln und bauen 300 Beschäftigte hochwertige Hüftgelenke, die in die ganze Welt exportiert werden. Relativ sichere Arbeitsplätze, aber nur, weil die Beschäftigten 60 Stunden pro Jahr umsonst arbeiten. Hätten die Mitarbeiter dem nicht zugestimmt, hätte die Firma rund 200 Arbeitsplätze ins Ausland verlagert.
Ein anderes Beispiel: die Vereinigten Spezialmöbelfabriken in Tauberbischofsheim. Hier sollten jetzt 270 von 1050 Stellen wegfallen. Doch Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigten sich auf ein flexibles Arbeitszeitmodell. Im Sommer, wenn die Nachfrage groß ist, wird 45 Stunden die Woche rangeklotzt, im Winter jedoch, wenn nichts zu tun ist, wird die Arbeitszeit bis auf Null Stunden heruntergefahren. So konnten immerhin 140 Arbeitsplätze gerettet werden.
Live-Diskussion in der Beruflichen Bildungsstätte in Tuttlingen mit:
Keine Einzelfälle - Die IG-Metall muss oft ein Auge zudrücken
Mittlerweile haben etwa 10% der insgesamt 1350 von der IG Metall in Baden-Württemberg betreuten Unternehmen Sondervereinbarungen, und meist zu Lasten der Beschäftigten. Die Einbußen reichen vom Verzicht auf das Weihnachtsgeld, Weiterbildung auf eigene Kosten bis hin zu Mehrarbeit ohne Lohnausgleich. Der IG Metall ist dies ein Dorn im Auge. Sie befürchtet eine Aufweichung des Flächentarifvertrages, der einheitlich für die Branche die 35 Stunden-Woche und die Löhne regelt. Ausnahmen von diesem Vertrag sind nur in Notfällen möglich. Doch meist sind Arbeitsplätze anders nicht zu retten.
Kann Mehrarbeit Jobs retten?
Deutschland ist Stundenlohn-Weltmeister - zumindest in der Industrie. Nur in Norwegen und Holland wird jährlich durchschnittlich pro Industriearbeiter noch weniger gearbeitet als bei uns. Arbeitgeber und Politiker fordern deshalb, die Menschen in Deutschland müssten wieder insgesamt länger arbeiten. Nach Meinung der Unternehmer bringen längere und flexible Arbeitszeiten mehr Jobs. Nur dadurch könne man langfristig verhindern, dass Arbeitsplätze in Billiglohn-Länder abwandern. Die Arbeitgeber argumentieren, dass erst mit der Erhöhung der Produktivität höhere Löhne gezahlt werden können. Dadurch wiederum steigt der Konsum, was sich schließlich in Mehrbeschäftigung niederschlägt. Das ist jedoch sehr umstritten. Denn länger zu arbeiten ohne Lohnausgleich heißt für die Arbeitnehmer, dass sie weniger pro Stunde verdienen und damit auch weniger konsumieren können. Kritiker verweisen zudem auf das Ausland, wo längere Arbeitszeiten kein Wirtschaftswachstum und keine Mehrbeschäftigung hervorbrachte. So leiden die fleißigen Schweizer, die 40,5 Stunden pro Woche arbeiten, seit 10 Jahren an einer Stagnation. Selbst die Japaner, die nur 18 Tage Urlaub haben und auch 40 Stunden arbeiten, stecken noch immer in einer Wirtschaftskrise mit hoher Arbeitslosigkeit.
Warnstreiks gegen längere Arbeitszeiten
Die IG-Metall will ab Donnerstag, den 29.1.04 mit Warnstreiks gegen eine Verlängerung der Arbeitszeit beginnen. IG-Metall Jürgen Peters erklärte, "die Gewerkschaft lehne eine Arbeitszeit-Verlängerung grundsätzlich ab. Den Arbeitgebern gehe es nur um Kostensenkung". Dagegen betonten die Arbeitgeber, dass ohne flexible Arbeitszeiten der Standort Deutschland langfristig in Gefahr sei.
0:16:10; 0'16
Audio-Visuelle Medien
Herkunft: Ländersache - Politik in Baden-Württemberg
Müller, Thomas
Rist, Ekkehard
Schulz, Joachim
Schwickerath, Birgit
Stamm, Jürgen
Tauberbischofsheim TBB
Arbeitsplatz
Arbeitszeit
Einkommen
Gewerkschaft
Wirtschaftsbranche: Metallindustrie
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
21.11.2025, 3:24 PM CET
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- Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik)
- Audiovisuelles Archiv (Archival tectonics)
- Mitgeschnittene Film- und Tondokumente (Archival tectonics)
- Mitgeschnittene Filmdokumente von Südwest 3 und SWR 3 Fernsehen (Archival tectonics)
- Fernsehsendungen von Südwest Fernsehen aus dem Jahre 2004 (Archival holding)
- Januar 2004 (Classification)