Schreiben von Kurt Koch und seiner Verlobten Ilse Lenzing an dessen Onkel Oswald Stallmann
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Stadt Minden WN 27 Nachlass Oswald Stallmann, Nr. 20
Stadt Minden WN 27 Nachlass Oswald Stallmann Nachlass Oswald Stallmann
Nachlass Oswald Stallmann
1939 - 1943
Enthält u.a.: Kurt: "Was nun wird, wissen wir alle nicht, aber mit der glücklichen Heimkehr wird es noch eine gute Weile haben.", 22. Okt. 1939; Kurt: "Ich bin hier irgendwo, wie jeder heute auf einem Posten steht, den er ganz ausfüllen muß. Soeben erfahre ich durchs Radio die Nachricht von der Aufdeckung des Attentats. Das kann natürlich unser moralisches Rückgrat nur noch mehr stärken. Wenn auch augenblicklich nicht viel los ist, so kann doch mal die Zeit kommen, wo wir doppelt fest stehen müssen.", 21. Nov. 1939; Neujahrswünsche: "Du kannst sicher unsere Grüße gebrauchen. Man kommt sich da draußen damit doch geborgener vor. Zu Weihnachten haben wir uns alle hier [in Osnabrück] getroffen. Allerdings sind wir dabei, die Familie wieder aufzulösen. Ich bin noch als letzter hier und bleibe noch einige Tage. Dann mache ich zur Abwechslung in Berlin weiter.", 31. Dez. 1939; "Ich bin also wieder einmal beim Feldheer gelandet, dieses Mal bei meiner ersten Waffenfarbe. Wir liegen hier in einer Gegend, die du auch recht gut kennst, weil Du hier mal einen Kriegswinter zugebracht hast, jedenfalls nicht weit von hier. Es ist nicht mehr so erbärmlich kalt wie zu Deiner Zeit so daß ich es wohl aushalten kann. Was nun aber alles noch bevorsteht, weiß natürlich niemand, aber zu irgendetwas sind wir ja da und der Sommer muß genützt werden. Einstweilen lasse ich es mir noch gut gehen, was bei viel frischer Landluft nicht sehr schwierig ist.", 25. Mai 1941; Verlobungsanzeige, 23. Aug. 1942; Kurt Koch: Dank für Glückwünsche zur Verlobung, 29. Nov. 1942; "Diese Zeilen mit meinen besten Wünschen möchten Dich bei gutem Wohlbefinden und in nicht zu erbärmlichen äußeren Verhältnissen erreichen […]. Ich bin jetzt wieder in Berlin, nachdem die Osnabrücker Zeit Gutes und Schlechtes gebracht hat, wobei das Erhabene natürlich das seelische Übergewicht hat, weil es ein ganzes Leben lang nachwirken oder sich vielmehr noch steigern soll. […] Der Brief, den Du uns zur Verlobung geschickt hast liegt wieder vor mir und ich weiß auch heute noch nicht, was ich dankbarer empfinden soll: Dein Wissen um das Leben meines Vaters und das Begreifen seines innersten Wesens, oder den herzlichen Gruß Deines Herzens. Es muß wohl beides sein, da das eine das andere zur Voraussetzung hat. Ich bin ein glücklicher Mensch und will gewiß nicht klagen, daß das Schicksal mir etwas vorenthält, was es anderen gewährt, dazu war das Leben meines Vaters ein zu heiliges Opfer. Aber gerade das Wissen darum ist es, was mich den Sinn und die Folgen dieser persönlichen Hingabe doppelt ernst und verpflichtend erkennen läßt. Jeder wertvolle Mensch muß sein Leben erfüllen mit dem Kampf um die Seele seines Blutes und um die eigene. Das habe ich niemals stärker empfunden als am 23. August. Du kannst Dir denken, daß es ein sehr ernstes Gefühl ist, das einen Menschen beherrschen kann an einem Tage, an dem ein neues Stück Weg der langen Straße des Blutes, das schon Geschlechter durchfloß freigegeben wird. Du weißt, daß diesem Sinn die Anwesenheit der weitergebenden Eltern und der versprechenden Kinder entspricht. Das Schicksal hat es nicht gewollt, das [!] dieser leibliche Ausdruck der Geschlechterfolge von meiner Seite hat auf einem Bild vereinigt sein können. Diese Erkenntnis ist nur so schmerzlicher, als man den Sinn dafür hat. Ich glaube, daß ich die Heiligkeit und Größe unserer Frauen nicht herabsetze, wenn ich sage, daß sie den Strom lebendigen Blutes wohl mit Leben erfüllen mögen, daß aber für die Richtung des Stromes, wenigstens rein äußerlich die Kraft beherrschend ist, die der Mann ihm gibt. Siehst Du, und diese Dinge alle zu vereinigen ist es mir so besonders ernst gewesen. Daß diese Fragen kommen würden habe ich gewußt, daß ich mich auch in der Erfüllung dieser Erwartung nicht getäuscht habe, macht mich so glücklich. Ich schreibe Dir das alles, weil gerade Dich das zu einem sehr großen Teil angeht. Ich muß Dir damit auch Ilses Antwort und Dank sagen. Dieser 23. August hat durch Deine großen Worte nicht nur seine innere Vollständigkeit erlangt sondern ist darüber hinaus vom Fest zur Feier geworden. Was mein guter, menschlich so großer Vater nicht mehr in Worten hat sagen können hast Du durch das Bild vom letzten Inhalt seines Lebens an den Anfang und das Ende dieses Feiertages gestellt. Dadurch daß Du seiner Seele den Weg bereitet hast, hast Du unseren Seelen die Kraft für ein gemeinsames Leben vergrößert.", 29. Nov. 1942; Ilse Lenzing aus Osnabrück: "Alles hat sich auf die "totale Kriegsführung" eingestellt, alles arbeitet vollauf für den ersehnten Sieg. Möge er unserem Volke doch bald geschenkt werden. Jeder bemüht sich ganz und vollkommen seine Pflicht zu erfüllen und - tut es gern.", 2. März 1943
Akten
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
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