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Bernhard Gustav [Markgraf von Baden-Durlach], Abt von Fulda und
Koadjutor von Kempten, teilt den Landständen mit, dass er sich dazu
entschlossen h...
Urk. 75 Fulda: Reichsabtei, Stift [ehemals: Urkunden R I a]
Fulda: Reichsabtei, Stift [ehemals: Urkunden R I a] >> Reichsabtei, Stift >> 1671-1680
1671 März 24
Ausfertigung, Papier, drei aufgedrückte Papiersiegel
Urkunde
Identifikation (Urkunde): Originaldatierung: So geben Fuldt den 24ten Martii anno 1671
Vermerke (Urkunde): (Voll-) Regest: Bernhard Gustav [Markgraf von Baden-Durlach], Abt von Fulda und Koadjutor von Kempten, teilt den Landständen mit, dass er sich dazu entschlossen hat, die Juden wegen ihrer Schädlichkeit (hochschädlicheß, landtverderblicheß, mussigeß volck) aus dem Territorium des Klosters Fulda auszuweisen. Im Gegenzug sollen die vom Kloster verpfändeten Städte und Ämter Fischberg, Lauterbach und Salmünster wieder eingelöst werden. Dazu sind erhebliche Geldmittel nötig, die der klösterlichen Rentkammer jedoch nicht zur Verfügung stehen. Die Landstände werden daher aufgefordert, das Kloster beim Rückkauf der verpfändeten Städte und Ämter zu unterstützen, auch weil die Juden zur Tätigung von Finanzgeschäften nur noch drei Jahre lang geduldet werden. Mit diesem Vorschlag zeigen sich die Anwesenden, Dekan und Konvent des Klosters, die Vertreter der Kollegiatsstifte in Rasdorf, Hünfeld und von St. Blasius sowie die Abgesandten der Städte als treue Glieder und Untertanen des Klosters einverstanden. Da der Rentkammer durch die Ausweisung (außschaffung) der Juden das Schutzgeld entgeht, muss für finanziellen Ersatz gesorgt werden. Darüber hinaus wird man darauf achten, den Juden zügig durch die Obereinnahme mittels eines Vorschusses ihre Häuser abkaufen zu lassen, um sie ohne Proteste (füglicher) aus dem Land weisen zu können. Bernhard Gustav verkündet weiter für sich und seine Nachfolger, nie wieder Juden die Ansiedlung auf dem Gebiet Fuldas zu gestatten und ihnen Schutz zu geben. Geduldet werden die Juden übergangsweise nur noch solange, bis Christen ihre Tätigkeiten übernommen haben oder ausüben können. Die Zahl der Juden wird bis dahin beschränkt auf acht bis zehn Haushalte (hausgesäß). Weiter wird festgelegt, dass die Einnahmen der wieder abgelösten Städte und Ämter nicht an die Rentkammer, sondern an die Obereinnahme des Landes gehen sollen. Sowohl Abt und Konvent als auch die Stadt Fulda erhalten drei gleichlautende Abschriften dieser Urkunde. Ankündigung des Siegels Abt Bernhard Gustavs. Siegelankündigung. Ausstellungsort: Fulda. (siehe Abbildungen: 1. Seite, 2. und 3. Seite, Rückseite; Siegel: Avers 1, Avers 2, Avers 3)
Vermerke (Urkunde): Siegler: Abt Bernhard Gustav, Konvent von Fulda, Stadt Fulda
Vgl. hierzu die Urkunden Nr. 1923 und 1924.
Information on confiscated assets
Further information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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