Enttrümmerung des Geländes der Synagoge
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Stadtarchiv Worms, 020, 0533/6
020 - Städtische Kulturinstitute (1934-1979)
020 - Städtische Kulturinstitute (1934-1979) >> 1. Städtische Kulturinstitute (allg.) >> 1.2. Finanzen/Wirtschaftsführung, Haushalt
1958 - 1959
Enthält: u.a.: Rechnungen der Fa. Johann Huth GmbH, des Stadtvermessungsamts und der Fotowerkstatt der Städt. Kulturinstitute
Darin: - Erklärung Illert zu Zerstörung und Frage des Wiederaufbaus: (wohl um 1954 - Bezugnahme darauf in einem Schreiben an den Bundesinnenminister vom 5.7.1954); "Thoraschrein mit romanischen Eisengittern"; Bombentreffer 1945; Architekturstücke wurden aus den Trümmern ausgegraben und im Museum deponiert (Inschriften, Kapitelle, Portal, Gewände); nach 1945 Schutzmauer um Synagogenbezirk, Frauenbad wurde ausgeräumt, Hauptportal neu aufgerichtet; "wenn auch noch keine Gemeinde besteht und die jüdischen Besitztümer von der Stadt treuhänderisch gepflegt werden, so ist doch der Plan der Wiederaufrichtung gerade dieser ältesten und berühmtesten Synagoge in Deutschland eine international gewürdigte Maßnahme der Wiedergutmachung, die als Symbol der Verständigung außerordentliche Wirkung hervorbringen könnte"
- Illert: "Vor dem Wiederaufbau der alten Synagoge in Worms": "Herr Isidor Kiefer, der als Vorstand der Wormser jüdischen Gemeinde und Gründer ihres Museums auch heute noch an dieser Funktion festhält, wird die in aller Welt zerstreuten Angehörigen der Judengemeinde auffordern, ihre erzwungene Emigration nicht als Verzicht auf die Zugehörigkeit zur Wormser Gemeinde zu betrachten, sondern mit-zuwirken, dass die hohe Tradition des "Kleinen Jerusalem" erhalten bleibt." [...] "Getragen von diesen versöhnenden Maßnahmen der Wormser Stadtverwaltung hat er bei der Bundesregierung angeregt, den Wiederaufbau der Wormser Synagoge als Symbol der Versöhnung und des Gedenkens an die Opfer der letzten Judenverfolgung in aller Welt in die Wege zu leiten"
Kiefer "gab der Überzeugung Ausdruck, daß die Wiederkehr geordneter Verhältnisse in unserem Vaterland nicht nur die in der Emigration lebenden Juden aufs Neue mit Worms verbindet, sondern daß sich Zug um Zug auch wieder die Judengemeinde in Worms bildet und ihre tausendjährige Rolle, die sie seither in der Stadt spielte, fortsetzen wird"
- Schriftverkehr Illert/Bundeskanzleramt in der Frage des Wiederaufbaus (1954)
- Empfehlungen Isidor Kiefers zum Wiederaufbau (NY 1954): Vorhof wie auf dem Aquarell Hofmanns zu sehen (Ausnahme: Dach vor der Frauensynagoge); Garten im Westen abtragen, Gebäude für sanitäre Einrichtungen und Steinmuseum errichten; Synagoge in alten Formen wiederherstellen, Verbindung Männer- Frauenbau durch eine Öffnung, Fenster romanisch (eines auf einer Abbildung der Frauensynagoe sichtbar); Fußbodenheizung; Bänke an Süd- Nord- und Ostseite; Wiederanbringen der Opferstöcke, Kopien der Leuchter; Almemor von 1615 wiederherstellen, Säulen kopieren, Türe in der Südwand wiederherstellen. Inschriftentafeln in die Westwand.
Aron nach dem letzten Zustand wiederherzustellen, Eisengitter wiederverwenden (14. Jh.); Apsis rekonstruieren, evtl. auch die eingedrückte Mauer
Raschikapelle: Wiedereinbau Raschistuhl, Aufbau in alter Form. "In der Wand, die an die Männersynagoge grenzt, war ein rundes Loch, damit man dem Gottesdienst in der Synagoge, wenn nötig, folgen konnte". Empfehlung: vollständige Öffnung mit der Männersynagoge.
Jeschiwa/Klaussynagoge: Klaussynagoge wiederherstellen: Bedingung beim Vermächtnis des Hauses, dass die Synagoge aufrecht zu erhalten ist.
- Briefwechsel zur Enttrümmerung (1.7. 1955ff.), Zusage des Innenministeriums und des Kultusministeriums in Mainz, Zuschüsse zur Enttrümmerung zu zahlen (je 10.000 DM)
- Artikel AZ Worms 4.7.55: Illert zum Wiederaufbau (entspr. o.g. "vor dem Wiederaufau..."
- Auszüge "Aus unserer Korrespondenz"; "Aus unserer Kartei" (Wohnsitze ehemaliger Wormser Juden)
- Kostenvoranschlag Enttrümmerung; u.a.: Schutzgitter für Frauenbad; und drei Monate Fachaufsicht eines Archäologen. (22.7.1955); insges.: 30.000 DM
- Brief Max Meyer (Vorstand der jüd. Gemeinde Frankfurt); 8.8.1955: "Die dadurch [durch den Wiederaufbau] zum Ausdruck kommende schöne Gesinnung hat in jüdischen Kreisen große Freude geweckt und ich selbst weiß diese schöne Geste zu würdigen"
- Brief Kiefers an Ernst Guggenheimer (wohl Antwort auf Kritik an den Wiederaufbauplänen bzw. Zweifel an der Fachkompetenz Kiefers; Schreiben Guggenheimers vom 19.8.vorh. - Bezug auf Artikel in der "Allgemeinen Zeigung für Juden in Deutschland"; "was in Worms geplant wird, ist künstliches Altertum"); 22.8. 1955: "Ich habe den Aufbau der Regierung vorgeschlagen, auch als Ehrenmal für die Millionen umgebrachten Juden. Können Sie sich ein schöneres Ehrenmal denken?"
- Brief Kiefer an Herrn Paul Freedman (München; Jewish Telegraphic Agency): Antwort auf Nachfrage nach Stand der Arbeiten/Artikel Hr. Rödler in der Frankfurter Rundschau vom 21.7.1955.
"nicht eine neue, sonder die alten Synagoge [wird] entstehen."
Jüdischer Friedhof zum größten Teil wieder in Ordnung. Wärterhaus aufgebaut und bezogen, Herrichtung des Leichenhäuschens in Vorbereitung.
- Zusammenstellung ablehnender und zustimmender Briefe in Bezug auf den Wiederaufbau (u.a. Hilfsangebot des letzten Rabbiners der isr. Gemeinde, Dr. Helmut Frank, 30.10.1955)
- Artikel/Leserzuschrift Else Spies, in: "Aufbau" "Reconstruktion an American weekly" (so angegeben), 24.8.1956: Sie selbst hat die Altertümer aus der brennenden Synagoge gerettet. Sie hält den Wiederaufbau für nicht sinnvoll (Anm. der Redaktion: die Redaktion jedoch schon, da es sich um ein "Kultur-Monument jüdischer Vergangenheit" handelt)
- Bericht des Feldpolizei-Wachtmeisters Vomwinkel über den Zustand des Frauenbads (15.01.1957): Frauenbad häufig von ausländischen Touristen besucht - Zustand jedoch unhaltbar: Umfassungsmauer eingestürzt, im Bad hineingeworfene Trümmersteine, Gelände dient als Kinderspielplatz.
- Kultusministerium Rheinland-Pfalz: Schreiben vom 21.12.1955 an Bundesinnenministerium: Jüdische Gemeinde Mainz steht auf dem Standpunkt, dass die Notwendigkeit eines Wiederaufbaues aus religiösen Gründen nicht vorliegt. Kultusministerium möchte sich aus Finanzierung zurückziehen.
- Fotoabzug DIN A4 (7677a): Die alte Synagoge vor der Zerstörung mit Pfeil zum Gittertor: "Hier beginnt die Enttrümmerung" zu Worms
- Fotoabzug DIN A4 (M 9496): Die Mauerblöcke der alten Synagoge
- Abzug Grundriss A 4 (M 4507) "Sämtliche Fundamente sind noch vorhanden und stehen z.T. bis zu 5 m Höhe an. Das gesamte überige Mauerwerk liegt in machtigen Blöcken dazwischen. Ziel der Enttrümmerung ist die Freilegung dieser Blöcke, um sie wieder an die alte Stelle zu setzen und hierdurch die alten Synagoge wieder zusammenzufügen".
- Bericht Illert zum Stand der Arbeit am 11.11.1957: Entttrümmerung der Frauensynagoge und Raschikapelle abgeschlossen, jetzt Männersynagoge und Frauenbad geplant. Zusammensetzen der Mauerblöcke lässt sich nicht durchführen.
- Bericht Illert 1.1.1958: Enttrümmerung in wenigen Tagen abgeschlossen. Portal und Fenster der Raschikapelle sind an ihren Ort gebracht worden; Dachstuhl fehlt noch. Systematische Auslese des Steinmaterials folgt. "Das Frauenbad, das durch Bonbeneinwirkung in seinem Mauerwerk erschüttert wurde, wird gegenwärtig wieder ausgefugt und ergänzt, so daß auch dieser Teil des Synagogen bezirks in seiner Enttrümmerung in Ordnung gebracht sein wird"
Unterschiedliche Pläne zum Wiederaufbau liegen vor: lediglich Wände, Frauenbau als romantische Ruine, bis hin zur Errichtung einer gebrauchsfähigen Synagoge.
- Bericht Illert 11.2.1958: Raschikapelle provisorisch gedeckt (Dachpappe); Westwand Synagoge neu gesetzt.
Frauenbad: "Ebenso wurde das Frauenbad vollständig ausgeräumt, der dem Einsturz nahe gewesene Vorderteil wurde neu abgefangen, untermauert, mit einer der alten Galerie entsprechenden neuen Abschlußarkade gesichert. Ebenso wurde der stark verrutschte Pfeiler an der Treppe mit den alten Steinen neu aufgemauert"
Planaufnahmen zeichnerischer und fotografischer Art wurden durchgeführt.
- Bericht Baubesprechung 20.3.1958 (u.a. Vertreter Bundesinnenministerium, Kultusministerium Rh-Pf., LfD, Illert) Uneinigkeit über die Frage, ob die vorgenommenen Arbeiten (u.a. Wiederaufbau Raschi-Kapelle, Teilaufbau der Wand oberhalb des Portals) noch als Enttrümmerung zu betrachten sind - Kultusministerium und Landeskonservator sind gegen die "über das Ziel schießende Aktion")
beim Wiederaufbau zunächst geplant: Errichtung der Umfassungsmauer; zu einem späteren Zeitpunkt zu klären, ob Säulen und Gewölbe eingeplant sind.
- Kostenschätzung zum Wiederaufbau (26.6.1958)
- Schreiben LfD an Stadtverwaltung: Wiederaufbau erfordert nicht nur die vorgelegten Baupläne, auch Detailpläne müssen vorgelegt werden.
- Schreiben vom 6.7.1959: Erneuerung des Tors am Friedhof geplant.
- Aktennotiz 24.8.1959. Bepsr. Wiederaufbau, anwesend u.a. Rabbiner Roth, Vorbereitung Grundsteinlegung 27.9.1959. Aufbau einer Mauer am Abgang zum Frauenbad. Anbringen einer Leuchte in einer Lichtnische (Glasscheibe, Schmeideeisen); Reinigung. Aufbau Raschi-Stuhl.
Fenster über Portal soll versetzt werden. Dach Raschi-Kapelle um 15. cm zu heben. Ziel: möglichst viele alte Steine zu verwenden. Frage der Rekonstruktion von aus der Literatur bekannten Inschriften.
- Abschriften der Urkunden der Grundsteinlegung, u.a.: "Dieser Grundstein steht am Beginn des Wiederaufbaus, den die Bundesrepublik Deutschland, das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Worms für eine zukünftig hier neu entstehende jüdische Gemeinde im Gedenken an die Wiedergutmachung des großen Unrechts durchzuführen gewillt sind".
- Aktennotiz LfD, 10.5.1960: Männerbau: Rohbau fertig, Apsis Männerbau in Arbeit. Innnen Gewölbe gemauert, Verputz da.
Raschi-Kapelle: Verglasung Antikglas; Rundgläser geplant. Sitzbank wiederhergestellt. Zwei Schrifttafeln kommen an die Südwand, die Schrift der Ostwand ist zu konservieren. Keine Elektroinstallation.
Männerbau: Heizungsfrage ungeklärt. Fußboden Steinplatten im "römischen Verband"
Verglasung der runden Fenster über den Spitzbogenfenstern (ursprünglich wohl nicht verglast): einfache Scheiben.
- Aktennotiz LfD, 7.9.1960: Besprechung in Anwesenheit Dr. Roth und Hr. Wenger
Verglasung: nach Skizzen von Hindorf (Antikglas, 15 cm Ballform)
- Aktennotiz 7.2.1961; Männersynagoge im Rohbau fertiggestellt; in Fensterfrage keine Einigung: LfD für Rundfenster, Stadt für Rechteckfenster. Gitter Aron in Auftrag gegeben: zwei Gitter sollen wiederverwendet, zwei neu angefertigt werden. Statt Bänke sollen Stühle angefertigt werden. Obenauer/Niederflörsheim fertigt einen Probeleuchter an.
Darin: - Erklärung Illert zu Zerstörung und Frage des Wiederaufbaus: (wohl um 1954 - Bezugnahme darauf in einem Schreiben an den Bundesinnenminister vom 5.7.1954); "Thoraschrein mit romanischen Eisengittern"; Bombentreffer 1945; Architekturstücke wurden aus den Trümmern ausgegraben und im Museum deponiert (Inschriften, Kapitelle, Portal, Gewände); nach 1945 Schutzmauer um Synagogenbezirk, Frauenbad wurde ausgeräumt, Hauptportal neu aufgerichtet; "wenn auch noch keine Gemeinde besteht und die jüdischen Besitztümer von der Stadt treuhänderisch gepflegt werden, so ist doch der Plan der Wiederaufrichtung gerade dieser ältesten und berühmtesten Synagoge in Deutschland eine international gewürdigte Maßnahme der Wiedergutmachung, die als Symbol der Verständigung außerordentliche Wirkung hervorbringen könnte"
- Illert: "Vor dem Wiederaufbau der alten Synagoge in Worms": "Herr Isidor Kiefer, der als Vorstand der Wormser jüdischen Gemeinde und Gründer ihres Museums auch heute noch an dieser Funktion festhält, wird die in aller Welt zerstreuten Angehörigen der Judengemeinde auffordern, ihre erzwungene Emigration nicht als Verzicht auf die Zugehörigkeit zur Wormser Gemeinde zu betrachten, sondern mit-zuwirken, dass die hohe Tradition des "Kleinen Jerusalem" erhalten bleibt." [...] "Getragen von diesen versöhnenden Maßnahmen der Wormser Stadtverwaltung hat er bei der Bundesregierung angeregt, den Wiederaufbau der Wormser Synagoge als Symbol der Versöhnung und des Gedenkens an die Opfer der letzten Judenverfolgung in aller Welt in die Wege zu leiten"
Kiefer "gab der Überzeugung Ausdruck, daß die Wiederkehr geordneter Verhältnisse in unserem Vaterland nicht nur die in der Emigration lebenden Juden aufs Neue mit Worms verbindet, sondern daß sich Zug um Zug auch wieder die Judengemeinde in Worms bildet und ihre tausendjährige Rolle, die sie seither in der Stadt spielte, fortsetzen wird"
- Schriftverkehr Illert/Bundeskanzleramt in der Frage des Wiederaufbaus (1954)
- Empfehlungen Isidor Kiefers zum Wiederaufbau (NY 1954): Vorhof wie auf dem Aquarell Hofmanns zu sehen (Ausnahme: Dach vor der Frauensynagoge); Garten im Westen abtragen, Gebäude für sanitäre Einrichtungen und Steinmuseum errichten; Synagoge in alten Formen wiederherstellen, Verbindung Männer- Frauenbau durch eine Öffnung, Fenster romanisch (eines auf einer Abbildung der Frauensynagoe sichtbar); Fußbodenheizung; Bänke an Süd- Nord- und Ostseite; Wiederanbringen der Opferstöcke, Kopien der Leuchter; Almemor von 1615 wiederherstellen, Säulen kopieren, Türe in der Südwand wiederherstellen. Inschriftentafeln in die Westwand.
Aron nach dem letzten Zustand wiederherzustellen, Eisengitter wiederverwenden (14. Jh.); Apsis rekonstruieren, evtl. auch die eingedrückte Mauer
Raschikapelle: Wiedereinbau Raschistuhl, Aufbau in alter Form. "In der Wand, die an die Männersynagoge grenzt, war ein rundes Loch, damit man dem Gottesdienst in der Synagoge, wenn nötig, folgen konnte". Empfehlung: vollständige Öffnung mit der Männersynagoge.
Jeschiwa/Klaussynagoge: Klaussynagoge wiederherstellen: Bedingung beim Vermächtnis des Hauses, dass die Synagoge aufrecht zu erhalten ist.
- Briefwechsel zur Enttrümmerung (1.7. 1955ff.), Zusage des Innenministeriums und des Kultusministeriums in Mainz, Zuschüsse zur Enttrümmerung zu zahlen (je 10.000 DM)
- Artikel AZ Worms 4.7.55: Illert zum Wiederaufbau (entspr. o.g. "vor dem Wiederaufau..."
- Auszüge "Aus unserer Korrespondenz"; "Aus unserer Kartei" (Wohnsitze ehemaliger Wormser Juden)
- Kostenvoranschlag Enttrümmerung; u.a.: Schutzgitter für Frauenbad; und drei Monate Fachaufsicht eines Archäologen. (22.7.1955); insges.: 30.000 DM
- Brief Max Meyer (Vorstand der jüd. Gemeinde Frankfurt); 8.8.1955: "Die dadurch [durch den Wiederaufbau] zum Ausdruck kommende schöne Gesinnung hat in jüdischen Kreisen große Freude geweckt und ich selbst weiß diese schöne Geste zu würdigen"
- Brief Kiefers an Ernst Guggenheimer (wohl Antwort auf Kritik an den Wiederaufbauplänen bzw. Zweifel an der Fachkompetenz Kiefers; Schreiben Guggenheimers vom 19.8.vorh. - Bezug auf Artikel in der "Allgemeinen Zeigung für Juden in Deutschland"; "was in Worms geplant wird, ist künstliches Altertum"); 22.8. 1955: "Ich habe den Aufbau der Regierung vorgeschlagen, auch als Ehrenmal für die Millionen umgebrachten Juden. Können Sie sich ein schöneres Ehrenmal denken?"
- Brief Kiefer an Herrn Paul Freedman (München; Jewish Telegraphic Agency): Antwort auf Nachfrage nach Stand der Arbeiten/Artikel Hr. Rödler in der Frankfurter Rundschau vom 21.7.1955.
"nicht eine neue, sonder die alten Synagoge [wird] entstehen."
Jüdischer Friedhof zum größten Teil wieder in Ordnung. Wärterhaus aufgebaut und bezogen, Herrichtung des Leichenhäuschens in Vorbereitung.
- Zusammenstellung ablehnender und zustimmender Briefe in Bezug auf den Wiederaufbau (u.a. Hilfsangebot des letzten Rabbiners der isr. Gemeinde, Dr. Helmut Frank, 30.10.1955)
- Artikel/Leserzuschrift Else Spies, in: "Aufbau" "Reconstruktion an American weekly" (so angegeben), 24.8.1956: Sie selbst hat die Altertümer aus der brennenden Synagoge gerettet. Sie hält den Wiederaufbau für nicht sinnvoll (Anm. der Redaktion: die Redaktion jedoch schon, da es sich um ein "Kultur-Monument jüdischer Vergangenheit" handelt)
- Bericht des Feldpolizei-Wachtmeisters Vomwinkel über den Zustand des Frauenbads (15.01.1957): Frauenbad häufig von ausländischen Touristen besucht - Zustand jedoch unhaltbar: Umfassungsmauer eingestürzt, im Bad hineingeworfene Trümmersteine, Gelände dient als Kinderspielplatz.
- Kultusministerium Rheinland-Pfalz: Schreiben vom 21.12.1955 an Bundesinnenministerium: Jüdische Gemeinde Mainz steht auf dem Standpunkt, dass die Notwendigkeit eines Wiederaufbaues aus religiösen Gründen nicht vorliegt. Kultusministerium möchte sich aus Finanzierung zurückziehen.
- Fotoabzug DIN A4 (7677a): Die alte Synagoge vor der Zerstörung mit Pfeil zum Gittertor: "Hier beginnt die Enttrümmerung" zu Worms
- Fotoabzug DIN A4 (M 9496): Die Mauerblöcke der alten Synagoge
- Abzug Grundriss A 4 (M 4507) "Sämtliche Fundamente sind noch vorhanden und stehen z.T. bis zu 5 m Höhe an. Das gesamte überige Mauerwerk liegt in machtigen Blöcken dazwischen. Ziel der Enttrümmerung ist die Freilegung dieser Blöcke, um sie wieder an die alte Stelle zu setzen und hierdurch die alten Synagoge wieder zusammenzufügen".
- Bericht Illert zum Stand der Arbeit am 11.11.1957: Entttrümmerung der Frauensynagoge und Raschikapelle abgeschlossen, jetzt Männersynagoge und Frauenbad geplant. Zusammensetzen der Mauerblöcke lässt sich nicht durchführen.
- Bericht Illert 1.1.1958: Enttrümmerung in wenigen Tagen abgeschlossen. Portal und Fenster der Raschikapelle sind an ihren Ort gebracht worden; Dachstuhl fehlt noch. Systematische Auslese des Steinmaterials folgt. "Das Frauenbad, das durch Bonbeneinwirkung in seinem Mauerwerk erschüttert wurde, wird gegenwärtig wieder ausgefugt und ergänzt, so daß auch dieser Teil des Synagogen bezirks in seiner Enttrümmerung in Ordnung gebracht sein wird"
Unterschiedliche Pläne zum Wiederaufbau liegen vor: lediglich Wände, Frauenbau als romantische Ruine, bis hin zur Errichtung einer gebrauchsfähigen Synagoge.
- Bericht Illert 11.2.1958: Raschikapelle provisorisch gedeckt (Dachpappe); Westwand Synagoge neu gesetzt.
Frauenbad: "Ebenso wurde das Frauenbad vollständig ausgeräumt, der dem Einsturz nahe gewesene Vorderteil wurde neu abgefangen, untermauert, mit einer der alten Galerie entsprechenden neuen Abschlußarkade gesichert. Ebenso wurde der stark verrutschte Pfeiler an der Treppe mit den alten Steinen neu aufgemauert"
Planaufnahmen zeichnerischer und fotografischer Art wurden durchgeführt.
- Bericht Baubesprechung 20.3.1958 (u.a. Vertreter Bundesinnenministerium, Kultusministerium Rh-Pf., LfD, Illert) Uneinigkeit über die Frage, ob die vorgenommenen Arbeiten (u.a. Wiederaufbau Raschi-Kapelle, Teilaufbau der Wand oberhalb des Portals) noch als Enttrümmerung zu betrachten sind - Kultusministerium und Landeskonservator sind gegen die "über das Ziel schießende Aktion")
beim Wiederaufbau zunächst geplant: Errichtung der Umfassungsmauer; zu einem späteren Zeitpunkt zu klären, ob Säulen und Gewölbe eingeplant sind.
- Kostenschätzung zum Wiederaufbau (26.6.1958)
- Schreiben LfD an Stadtverwaltung: Wiederaufbau erfordert nicht nur die vorgelegten Baupläne, auch Detailpläne müssen vorgelegt werden.
- Schreiben vom 6.7.1959: Erneuerung des Tors am Friedhof geplant.
- Aktennotiz 24.8.1959. Bepsr. Wiederaufbau, anwesend u.a. Rabbiner Roth, Vorbereitung Grundsteinlegung 27.9.1959. Aufbau einer Mauer am Abgang zum Frauenbad. Anbringen einer Leuchte in einer Lichtnische (Glasscheibe, Schmeideeisen); Reinigung. Aufbau Raschi-Stuhl.
Fenster über Portal soll versetzt werden. Dach Raschi-Kapelle um 15. cm zu heben. Ziel: möglichst viele alte Steine zu verwenden. Frage der Rekonstruktion von aus der Literatur bekannten Inschriften.
- Abschriften der Urkunden der Grundsteinlegung, u.a.: "Dieser Grundstein steht am Beginn des Wiederaufbaus, den die Bundesrepublik Deutschland, das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Worms für eine zukünftig hier neu entstehende jüdische Gemeinde im Gedenken an die Wiedergutmachung des großen Unrechts durchzuführen gewillt sind".
- Aktennotiz LfD, 10.5.1960: Männerbau: Rohbau fertig, Apsis Männerbau in Arbeit. Innnen Gewölbe gemauert, Verputz da.
Raschi-Kapelle: Verglasung Antikglas; Rundgläser geplant. Sitzbank wiederhergestellt. Zwei Schrifttafeln kommen an die Südwand, die Schrift der Ostwand ist zu konservieren. Keine Elektroinstallation.
Männerbau: Heizungsfrage ungeklärt. Fußboden Steinplatten im "römischen Verband"
Verglasung der runden Fenster über den Spitzbogenfenstern (ursprünglich wohl nicht verglast): einfache Scheiben.
- Aktennotiz LfD, 7.9.1960: Besprechung in Anwesenheit Dr. Roth und Hr. Wenger
Verglasung: nach Skizzen von Hindorf (Antikglas, 15 cm Ballform)
- Aktennotiz 7.2.1961; Männersynagoge im Rohbau fertiggestellt; in Fensterfrage keine Einigung: LfD für Rundfenster, Stadt für Rechteckfenster. Gitter Aron in Auftrag gegeben: zwei Gitter sollen wiederverwendet, zwei neu angefertigt werden. Statt Bänke sollen Stühle angefertigt werden. Obenauer/Niederflörsheim fertigt einen Probeleuchter an.
Archivale
15.12.2023, 15:53 MEZ