Amt Habitzheim: Ältere Akten (Bestand)
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Abt. Staatsarchiv Wertheim, R-H 9 I
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Wertheim (Archivtektonik) >> Rosenbergisches Archiv >> Provenienzbestände >> Lokalverwaltung
1328-1811
Inhalt und Bewertung
Das Amt Habitzheim gehört zu den Altbesitzungen der Grafen von Löwenstein. Es umfasste die Orte Habitzheim, Spachbrücken, Groß-Zimmern und Zeilhard. Wegen der Gemengelage von Rechten der Kurpfalz, Hessen-Darmstadts, Erbachs und der Grafen von Löwenstein-Wertheim war die Verwaltung kompliziert und führte zu häufigen Prozessen zwischen diesen Territorialherren. Das rosenbergsche Amt Habitzheim wurde 1848 aufgelöst und mit dem Amt Breuberg vereinigt.
Zur Geschichte des Amts Habitzheim: Das Amt Habitzheim gehört zu den Altbesitzungen der Grafen von Löwenstein. 1482 löste Graf Ludwig von Löwenstein das ihm zustehende Wiederkaufsrecht an der Herrschaft ein. Worauf die löwensteinischen Ansprüche zurückgehen, ist bislang nicht gänzlich geklärt. Graf Ludwig kann sie selbst erworben haben; denkbar wäre auch ein Zusammenhang mit den Besitzübertragungen bezüglich der Herrschaften Otzberg und Umstadt durch seinen Vater Friedrich den Siegreichen. Graf Ludwig verlor seine Rechte an der Herrschaft 1504 bereits wieder an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. 1528 konnte Graf Friedrich I. von Löwenstein die halbe Herrschaft von den Erbachern auslösen. Die im Erbgang an die Scharfenecker Linie des Hauses Löwenstein gelangten Anrechte auf die Herrschaft wurden dieser 1622 vom Kaiser entzogen. Graf Johann Dietrich, Stammvater der katholischen oder Rocheforter Linie, konnte sich 1624 zwar die Belehnung mit Habitzheim und Scharfeneck sichern. Tatsächlich in den Besitz der von dem Landgrafen von Hessen zwischenzeitlich veräußerten Herrschaft gelangte das Haus Löwenstein aber erst nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die Herrschaftsverhältnisse in der Herrschaft blieben auch danach kompliziert und boten bis zum Ende des Alten Reichs Anlaß zu vielfältigen Konflikten mit der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und der Kurpfalz, die als gemeinsame Inhaber des Amts Groß-Umstadt gerichtsherrliche Rechte in Habitzheim geltend machen konnten. In Habitzheim amtierte seit 1649 ein löwenstein-wertheimscher Amtmann, der als Amtsverweser, Amtskeller oder Amtmann tituliert wurde. Seit 1770 wurde für die Verwaltung der Gefälle zusätzlich ein Rentmeister bestellt. Als Amtmänner in Habitzheim sind belegt: Carl Müssig, Amtskeller 1649-1655 (?) Stefan Steeb, Amtskeller 1655-1670 Johann Müssig, Amtskeller 1670-1698 Johann Melchior Heidt, Amtsverweser 1699-1739 Dickhaut, Paul, Amtsverweser 1739-1742 Franz Gottfried Rödinger, Amtsverweser 1742-1749 Augustin Franz Heidt, Rat und Amtmann 1750-1770 Georg Peter Scherer, Rat und Amtmann 1771-1773 Franz Anton Schmuck, Rat und Amtmann 1773-1775 Georg Peter Scherer, Rat und Amtmann 1775-1778 Franz Xaver Camesasca, Rat und Amtmann 1779- Als Rentmeister fungierte ab 1770 zunächst Ludwig Friedrich Treffz, ihm folgte Simon Franz Christl.
Zur Geschichte des Bestands: Die Überlieferung von Amt und Rentamt Habitzheim dürfte nach dessen Vereinigung mit dem Amt Breuberg im Jahr 1848 wohl zunächst an dessen Amtssitz in Neustadt im Odenwald gelangt sein. Wohl spätestens nach der Auflösung des Rentamts Breuberg im Jahr 1929 müssen die Akten in das Wertheimer Archiv gelangt sein. Dort fristeten sie ein Schattendasein; mehrfache Umlagerungen müssen den ohnehin bereits gestörten Ordnungszustand weiter verunklart haben. Ins Staatsarchiv gelangten die Habitzheimer Akten schließlich als Teil eines großen Restbestands an ungeordnetem Schriftgut unterschiedlichster Herkunft. Dieser Restbestand an unorganisierten Akten konnte im Rahmen von zwei aus Mitteln der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg finanzierten Sonderprojekten nach Provenienzen sortiert und archivfachlich erschlossen werden. Die ältere Überlieferung aus der Zeit vor 1806 wurde von dem wissenschaftlichen Archivar Dr. Martin Furtwängler im Jahr 1998 strukturiert, an der Anfertigung der Titelaufnahmen im Jahr 2000 waren der wissenschaftliche Archivar Dr. Robert Meier, die Archivangestellten Reinhild Felgenträger und Reinhard Barthel sowie der Unterzeichner beteiligt. Die Schriftgutverwaltung des Amts Habitzheim war, soweit die erhaltenen Akten dies erkennen lassen, wohl von Anfang an wenig strukturiert. Große Teile des Schriftguts scheinen bis Ende des 18. Jahrhunderts in Serienakten (Protokolle mit Beilagen, sog. Expedita und jahrgangsweise sortierte Korrespondenzen) organisiert gewesen zu sein. Sachaktenansätze stammen wohl vor allem aus der Amtszeit des Amtmanns Camesasca. Diese Strukturen sind durch die mehrfachen Umlagerungen weiter verunklart worden, was dazu führte, daß die ehemals vorhandenen Akten teilweise bis in Einzelblätter hinein atomisiert wurden. Bei der Erschließung wurden die vorhandenen Sachaktenreste separat verzeichnet, die nicht weiter formierten Einzelblätter, soweit mit einem vertretbaren Arbeitsaufwand leistbar, zu eigenen kleinen Faszikeln zusammengefaßt oder vorhandenen Serienakten (Expedita, Korrespondenzen) angegliedert. Die im Findbuch ausgewiesenen Sachakten dürften daher in den seltensten Fällen das gesamte Schriftgut zu einem Betreff enthalten; weitere Unterlagen können in der Regel immer auch in den Expedita- und Korrespondenzserien aus dem jeweiligen Zeitraum vermutet werden. Da es wegen der komplizierten Herrschaftsverhältnisse beim Verwaltungsvollzug ständig zu Auseinandersetzungen mit Hessen-Darmstadt und der Kurpfalz kam, ist Schriftgut zu einem Sachbetreff zudem immer auch in den Akten über die diversen Konflikte mit den benachbarten Herrschaftsträgern zu erwarten. Überlieferung des Amts Habitzheim könnte überdies - allerdings wohl nur in bescheidenem Umfang - in die Bestände des Alten Archivs (rosa Repertorien) eingegangen sein. Die Lagerbücher des Amts sind in dem Selektbestand S 2 zu suchen. Der Bestand umfaßt insgesamt 1112 Archivalieneinheiten im Umfang von etwa 7 lfd. Regalmetern. Wertheim-Bronnbach, im Mai 2001 Dr. Müller
Das Amt Habitzheim gehört zu den Altbesitzungen der Grafen von Löwenstein. Es umfasste die Orte Habitzheim, Spachbrücken, Groß-Zimmern und Zeilhard. Wegen der Gemengelage von Rechten der Kurpfalz, Hessen-Darmstadts, Erbachs und der Grafen von Löwenstein-Wertheim war die Verwaltung kompliziert und führte zu häufigen Prozessen zwischen diesen Territorialherren. Das rosenbergsche Amt Habitzheim wurde 1848 aufgelöst und mit dem Amt Breuberg vereinigt.
Zur Geschichte des Amts Habitzheim: Das Amt Habitzheim gehört zu den Altbesitzungen der Grafen von Löwenstein. 1482 löste Graf Ludwig von Löwenstein das ihm zustehende Wiederkaufsrecht an der Herrschaft ein. Worauf die löwensteinischen Ansprüche zurückgehen, ist bislang nicht gänzlich geklärt. Graf Ludwig kann sie selbst erworben haben; denkbar wäre auch ein Zusammenhang mit den Besitzübertragungen bezüglich der Herrschaften Otzberg und Umstadt durch seinen Vater Friedrich den Siegreichen. Graf Ludwig verlor seine Rechte an der Herrschaft 1504 bereits wieder an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. 1528 konnte Graf Friedrich I. von Löwenstein die halbe Herrschaft von den Erbachern auslösen. Die im Erbgang an die Scharfenecker Linie des Hauses Löwenstein gelangten Anrechte auf die Herrschaft wurden dieser 1622 vom Kaiser entzogen. Graf Johann Dietrich, Stammvater der katholischen oder Rocheforter Linie, konnte sich 1624 zwar die Belehnung mit Habitzheim und Scharfeneck sichern. Tatsächlich in den Besitz der von dem Landgrafen von Hessen zwischenzeitlich veräußerten Herrschaft gelangte das Haus Löwenstein aber erst nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die Herrschaftsverhältnisse in der Herrschaft blieben auch danach kompliziert und boten bis zum Ende des Alten Reichs Anlaß zu vielfältigen Konflikten mit der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und der Kurpfalz, die als gemeinsame Inhaber des Amts Groß-Umstadt gerichtsherrliche Rechte in Habitzheim geltend machen konnten. In Habitzheim amtierte seit 1649 ein löwenstein-wertheimscher Amtmann, der als Amtsverweser, Amtskeller oder Amtmann tituliert wurde. Seit 1770 wurde für die Verwaltung der Gefälle zusätzlich ein Rentmeister bestellt. Als Amtmänner in Habitzheim sind belegt: Carl Müssig, Amtskeller 1649-1655 (?) Stefan Steeb, Amtskeller 1655-1670 Johann Müssig, Amtskeller 1670-1698 Johann Melchior Heidt, Amtsverweser 1699-1739 Dickhaut, Paul, Amtsverweser 1739-1742 Franz Gottfried Rödinger, Amtsverweser 1742-1749 Augustin Franz Heidt, Rat und Amtmann 1750-1770 Georg Peter Scherer, Rat und Amtmann 1771-1773 Franz Anton Schmuck, Rat und Amtmann 1773-1775 Georg Peter Scherer, Rat und Amtmann 1775-1778 Franz Xaver Camesasca, Rat und Amtmann 1779- Als Rentmeister fungierte ab 1770 zunächst Ludwig Friedrich Treffz, ihm folgte Simon Franz Christl.
Zur Geschichte des Bestands: Die Überlieferung von Amt und Rentamt Habitzheim dürfte nach dessen Vereinigung mit dem Amt Breuberg im Jahr 1848 wohl zunächst an dessen Amtssitz in Neustadt im Odenwald gelangt sein. Wohl spätestens nach der Auflösung des Rentamts Breuberg im Jahr 1929 müssen die Akten in das Wertheimer Archiv gelangt sein. Dort fristeten sie ein Schattendasein; mehrfache Umlagerungen müssen den ohnehin bereits gestörten Ordnungszustand weiter verunklart haben. Ins Staatsarchiv gelangten die Habitzheimer Akten schließlich als Teil eines großen Restbestands an ungeordnetem Schriftgut unterschiedlichster Herkunft. Dieser Restbestand an unorganisierten Akten konnte im Rahmen von zwei aus Mitteln der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg finanzierten Sonderprojekten nach Provenienzen sortiert und archivfachlich erschlossen werden. Die ältere Überlieferung aus der Zeit vor 1806 wurde von dem wissenschaftlichen Archivar Dr. Martin Furtwängler im Jahr 1998 strukturiert, an der Anfertigung der Titelaufnahmen im Jahr 2000 waren der wissenschaftliche Archivar Dr. Robert Meier, die Archivangestellten Reinhild Felgenträger und Reinhard Barthel sowie der Unterzeichner beteiligt. Die Schriftgutverwaltung des Amts Habitzheim war, soweit die erhaltenen Akten dies erkennen lassen, wohl von Anfang an wenig strukturiert. Große Teile des Schriftguts scheinen bis Ende des 18. Jahrhunderts in Serienakten (Protokolle mit Beilagen, sog. Expedita und jahrgangsweise sortierte Korrespondenzen) organisiert gewesen zu sein. Sachaktenansätze stammen wohl vor allem aus der Amtszeit des Amtmanns Camesasca. Diese Strukturen sind durch die mehrfachen Umlagerungen weiter verunklart worden, was dazu führte, daß die ehemals vorhandenen Akten teilweise bis in Einzelblätter hinein atomisiert wurden. Bei der Erschließung wurden die vorhandenen Sachaktenreste separat verzeichnet, die nicht weiter formierten Einzelblätter, soweit mit einem vertretbaren Arbeitsaufwand leistbar, zu eigenen kleinen Faszikeln zusammengefaßt oder vorhandenen Serienakten (Expedita, Korrespondenzen) angegliedert. Die im Findbuch ausgewiesenen Sachakten dürften daher in den seltensten Fällen das gesamte Schriftgut zu einem Betreff enthalten; weitere Unterlagen können in der Regel immer auch in den Expedita- und Korrespondenzserien aus dem jeweiligen Zeitraum vermutet werden. Da es wegen der komplizierten Herrschaftsverhältnisse beim Verwaltungsvollzug ständig zu Auseinandersetzungen mit Hessen-Darmstadt und der Kurpfalz kam, ist Schriftgut zu einem Sachbetreff zudem immer auch in den Akten über die diversen Konflikte mit den benachbarten Herrschaftsträgern zu erwarten. Überlieferung des Amts Habitzheim könnte überdies - allerdings wohl nur in bescheidenem Umfang - in die Bestände des Alten Archivs (rosa Repertorien) eingegangen sein. Die Lagerbücher des Amts sind in dem Selektbestand S 2 zu suchen. Der Bestand umfaßt insgesamt 1112 Archivalieneinheiten im Umfang von etwa 7 lfd. Regalmetern. Wertheim-Bronnbach, im Mai 2001 Dr. Müller
7,9 lfd. m in 1112 Einheiten
Bestand
Habitzheim : Otzberg DA; Amt
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 14:40 MEZ