Spitalverwaltung Döttingen (Bestand)
Vollständigen Titel anzeigen
Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein, La 80
Landesarchiv Baden-Württemberg, Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein (Archivtektonik) >> Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein >> Archiv Langenburg >> Lokale Verwaltungen: Ämter und Rentämter
1620-1935, 1961-1967
Inhalt und Bewertung
Das Spital in Döttingen geht auf eine Stiftung der Gräfin Anna Amalie zu Solms im Jahre 1627 zurück. Ihr Schwiegersohn Graf Philipp Ernst zu Hohenlohe-Langenburg hatte ihr das Schloß Döttingen als Wohnsitz überlassen. Von den Zinserträgen des Stiftungskapitals sollte für zehn ältere Einwohner des Amtes Döttingen der Unterhalt im Spital finanziert werden. Eine weitere Einnahme ermöglichte die Bestimmung, daß die Pfründner bei ihrer Aufnahme alles Eigentum dem Spital zu überschreiben hatten. Eigenes Personal zur Betreuung der Pfründner gab es nicht. Die Spitalverwaltung beschränkte sich auf die finanzielle Verwaltung und die Unterhaltung der Gebäude. Die Aufsicht über die Stiftung wurde dem Ortspfarrer übertragen, die Oberaufsicht stand den Linien Hohenlohe-Langenburg und Hohenlohe-Kirchberg zu. Nach dem Aussterben der Kirchberger Linie übte Hohenlohe-Langenburg sie von 1863 an alleine aus. Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Spitalverwaltung von fürstlichen Beamten im Nebenamt betrieben. Die Inflation während der Weimarer Zeit schädigte das Stiftungsvermögen so sehr, daß eine Auszahlung der Pfründen unterbleiben mußte. 1964 wurde die Stiftung formell wegen Unerfüllbarkeit des Stiftungszweckes aufgelöst. Unterlagen zur Ausübung der Aufsicht über die Stiftung sind in den Beständen Domänenkanzlei Kirchberg und Langenburg zu erwarten.
Gliederung: 1. Spitalgründung und Spitalaufsicht; 2. Verwaltung der Stiftungskapitalien; 3. Spitalgebäude und Spitalgrundbesitz; 4. Spitalpfründen; 5. Beschaffung von Naturalien und Mobilien; 6. Personal; 7. Rechnungswesen; 8. Steuern und Sporteln; 9. Abrechnungsbücher; 10. Registratur; 11. Rechnungen.
1. Zur Geschichte des Spitals Döttingen: Am 29. September (Michaelis) 1627 stiftete die Gräfin Anna Amalie zu Solms geb. Nassau-Saarbrücken, deren Schwiegersohn Graf Philipp Ernst zu Hohenlohe-Langenburg ihr das Schloß Döttingen als Wohnsitz überlassen hatte, aus Dankbarkeit und zum Andenken ein Spital und stattete es mit einem Stiftungskapital von 2.400 fl., sowie 60 Viertel Frucht aus. Von den Zinserträgen sollte der Lebensunterhalt von 10 älteren Einwohnern des Amts Döttingen im Spital finanziert werden. Bei der Aufnahme ins Spital mußten die Pfründner ihr Eigentum an Liegenschaften oder Fahrniß dem Spital überschreiben. Die Stiftung stellte kein besonderes Personal für die Betreuung der Pfründner. Die Spitalverwaltung war für die Anlage des Stiftungskapitals, die Verwaltung der Erträge, die Unterhaltung des Gebäudes und die Auszahlung der Pfründen zuständig. Die Naturalienanteile (Frucht, Holz) wurden im 19. Jahrhundert durch Gelddeputate ersetzt. Die örtliche Aufsicht über die Stiftung wurde dem Ortspfarrer übertragen. Die Oberaufsicht stand zunächst den Linien Hohenlohe-Langenburg und Hohenlohe-Kirchberg zu, seit 1863 der Linie Hohenlohe-Langenburg allein. Die Unterlagen der Aufsichtsbehörden über die Stiftung finden sich in den Akten der Regierungen bzw. Domänenkanzleien Kirchberg und Langenburg. Die Spitalverwaltung wurde seit dem 19. Jahrhundert nebenamtlich von fürstlichen Beamten betrieben. So wanderten die Verwaltungsakten von Hand zu Hand, von Döttingen nach Künzelsau und Kirchberg und schließlich nach Langenburg. Hier wurde die besondere Spitalverwaltung schließlich nach der Inflation 1934 aufgehoben und Teil der allgemeinen Verwaltung. Seit der Inflation wurde die Auszahlung von Pfründen aus Mangel an Kapital und Erträgen eingestellt. Das Stiftungskapital belief sich 1935 wieder auf rund 7.000 Mark und dem in den 60iger Jahren wegen Baufälligkeit abgebrochenen Spitalgebäude. Die Stiftung wurde formell am 31.12.1964 aufgelöst wegen tatsächlicher Unerfüllbarkeit des Stiftungszwecks (vgl. Gesetzblatt Baden-Württemberg 1965, S. 4). Lit.: Marianne Schumm: Anna Amalia, Gräfin zu Solms (1560-1635) und ihre Stiftung, das Spital zu Döttingen am Kocher (Württembergisch Franken 47, 1963, S. 81ff.).
2. Zur Verzeichnung und Ordnung des Bestandes: Mit den Archiven Kirchberg und Langenburg kamen die zersplitterten Trümmer der Spitalverwaltungsregistratur in das Hohenlohe-Zentralarchiv und wurden seit 1971 in der Reihenfolge eines zufällig aufgefundenen Findbuchs von 1856 aufgestellt. Vor allem die an vielen Stellen verstreuten Rechnungen konnten zu einer nahezu vollständigen Serie vereinigt werden. Der neuformierte Bestand umfaßt im wesentlichen die Überlieferung der selbständigen Spitalverwaltung des 17.-19. Jahrhunderts mit einzelnen bereits 1611 einsetzenden Vorakten. Die Rechnungen reichen bis 1935. Der Bestand wurde im Jahr 1981 unter Mitwirkung von Frau M. Wüstholz (Rechnungen) durch den Unterzeichnenden geordnet. Er umfaßt 258 Büschel und 102 Bände mit insgesamt 5,9 lfd. m. Neuenstein im Dezember 1981 Dr. Taddey
3. Hinweis: Im vorliegenden Online-Findmittel fehlen einige Titelaufnahmen zu Archivalien aus dem 20. Jahrhundert, die derzeit noch nicht uneingeschränkt benutzbar sind. Im Hohenlohe-Zentralarchiv befindet sich ein vollständiges Findbuch, das auch die noch nicht frei zugänglichen Archiveinheiten erschließt. Neuenstein, im Juli 2008 Dr. Schiffer
258 Bü, 102 Bände (5,9 lfd.m)
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 14:39 MEZ