Probleme der Zeit: Preisträger des vierten Schülerwettbewerbs 1960 diskutieren mit Abgeordneten über richtige und falsche Methoden des zeitgeschichtlichen Unterrichts
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Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, R 5/002 D611003/401
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, R 5/002 Politischer Wochenbericht aus Baden-Württemberg des SDR 1958-1970
Politischer Wochenbericht aus Baden-Württemberg des SDR 1958-1970 >> 1961 >> April
8. April 1961
(O-Ton) Karl Brachat, MdL, CDU, Villingen, Vorsitzender des kulturpolitischen Ausschusses des Landesparlaments: Grußworte an die Preisträger / Demokratische Freiheit beinhaltet das Recht auf und die Pflicht zu Meinungsäußerung und Toleranz / Die anwesenden Vertreter des öffentlichen Lebens sind nicht vollkommen, sondern streben weiterhin nach Entfaltung und möchten hinzulernen / Frage nach der Zufriedenheit der Preisträger mit ihrem Unterricht in Gemeinschaftskunde und Geschichte / (3'01)
(O-Ton) N.N., Preisträgerinnen und Preisträger des vierten Schülerwettbewerbs 1960, berichten verschiedene Erfahrungen mit dem Geschichts- und Gemeinschaftskundeunterricht: Es gab nur zwei Jahre Gemeinschaftskundeunterricht / Die Geschichte der Gegenwart wird zu wenig berücksichtigt / Es gab in der sechsten, dann erst wieder in der neunten Klasse Unterricht in Gemeinschaftskunde; das Interesse an dem Fach ist in der achten Klasse größer als in der sechsten, der Unterricht sollte nicht unterbrochen werden / Die Güte des Unterrichts hängt nicht von der Schule, sondern vom Lehrer ab / Man sollte schon bei Erreichen der mittleren Reife Ahnung von Gemeinschaftskunde haben; der Unterricht sollte auch in der ganzen Oberstufe gegeben werden / Am Ende reicht die Zeit nicht mehr: kurz vor dem Abitur schafft man gerade noch den zweiten Weltkrieg; man sollte noch bis zur BRD kommen / In der Frauenfachschule in Feuerbach wurde extra Unterricht in Gemeinschaftskunde eingerichtet; man ist gezwungen, Zeitung zu lesen, weil man ein Referat halten muss / Es gab keinen Unterricht in Gemeinschaftskunde; vor dem Abitur wurden 30 Fragen zu dem Thema ausgeteilt, auswendig gelernt und in der Prüfung reproduziert (Erheiterung bei den Politikern) / Der Geschichtslehrer ist ein guter Historiker, aber für neue Geschichte und Gemeinschaftskunde weniger geeignet, weil man dort andere Methoden braucht / (4'35)
(O-Ton) Ludwig Heieck, Dr., MdL, CDU, Göppingen: Die Auffassung der Preisträger ist offenbar, Gemeinschaftskunde werde zu wenig getrieben, Geschichte zu viel / Es kommt auf das Wie an / Herausarbeiten des Gegenwartsbezugs auch alter Texte / Was mit Gemeinschaftskunde erzielt werden soll, muss als Unterrichtsprinzip in verschiedenen Fächern zum Tragen kommen / Der Unterricht muss in den entscheidenden Jahren des Gymnasiums intensiviert werden: aber nicht durch mehr Stunden, sondern durch stärkere Gewichtung des Faches durch Lehrer und Schüler / (3'06)
(O-Ton) Werner Bollmann, Redakteur der Stuttgarter Nachrichten: Wir hören jedes Jahr hier die Klage, es gebe zu wenig Gemeinschaftskundeunterricht und auch jedes Jahr die Rede von Herrn Heieck, wie schwierig es sei, das zu ändern / Dabei ist noch nichts geschehen / Man muss die ältere Geschichte etwas komprimieren, um mehr Zeit für die Gegenwartskunde zu erhalten / (1'03)
(O-Ton) N.N., Preisträgerin des vierten Schülerwettbewerbs 1960: Die Gefahr der Vernachlässigung des Unterrichts in Geschichte und Gemeinschaftskunde liegt weniger bei den Oberschulen als bei den Volksschulen / (0'32)
(O-Ton) Hans-Otto Schwarz, Dr., MdL, SPD, Nürtingen: Die Demokratie hat es schwerer als jede andere Staatsform, ihre Bürger zur Verantwortung heranzuziehen / Sie muss aufbauen auf der freien Entscheidung und der Einsicht des einzelnen Bürgers / Wer soll den jungen Menschen heranführen an den Staat und an die Verantwortung im späteren Leben / Neben die Schule tritt das Pendant des Elternhauses / Auch Lehrer anderer Fächer sollen auf Dinge eingehen können, die sich aus ihrem Fach heraus während des Unterrichts ergeben / Die Lehrer stehen jedoch mit ihrem eigenen Stoff unter Zeitdruck / Er rät dringend davon ab, Gemeinschaftskunde zu benoten / Er selbst hat sich erst nach dem Abitur richtig für verschiedene Dinge interessiert, als er unter keinem Druck der Benotung mehr stand / Ermunterung, dem Lehrer einen geistigen Rippenstoß zu versetzen / (5'57)
(O-Ton) N.N., Preisträgerinnen und Preisträger des vierten Schülerwettbewerbs 1960, berichten verschiedene Erfahrungen mit dem Geschichts- und Gemeinschaftskundeunterricht: Es gab nur zwei Jahre Gemeinschaftskundeunterricht / Die Geschichte der Gegenwart wird zu wenig berücksichtigt / Es gab in der sechsten, dann erst wieder in der neunten Klasse Unterricht in Gemeinschaftskunde; das Interesse an dem Fach ist in der achten Klasse größer als in der sechsten, der Unterricht sollte nicht unterbrochen werden / Die Güte des Unterrichts hängt nicht von der Schule, sondern vom Lehrer ab / Man sollte schon bei Erreichen der mittleren Reife Ahnung von Gemeinschaftskunde haben; der Unterricht sollte auch in der ganzen Oberstufe gegeben werden / Am Ende reicht die Zeit nicht mehr: kurz vor dem Abitur schafft man gerade noch den zweiten Weltkrieg; man sollte noch bis zur BRD kommen / In der Frauenfachschule in Feuerbach wurde extra Unterricht in Gemeinschaftskunde eingerichtet; man ist gezwungen, Zeitung zu lesen, weil man ein Referat halten muss / Es gab keinen Unterricht in Gemeinschaftskunde; vor dem Abitur wurden 30 Fragen zu dem Thema ausgeteilt, auswendig gelernt und in der Prüfung reproduziert (Erheiterung bei den Politikern) / Der Geschichtslehrer ist ein guter Historiker, aber für neue Geschichte und Gemeinschaftskunde weniger geeignet, weil man dort andere Methoden braucht / (4'35)
(O-Ton) Ludwig Heieck, Dr., MdL, CDU, Göppingen: Die Auffassung der Preisträger ist offenbar, Gemeinschaftskunde werde zu wenig getrieben, Geschichte zu viel / Es kommt auf das Wie an / Herausarbeiten des Gegenwartsbezugs auch alter Texte / Was mit Gemeinschaftskunde erzielt werden soll, muss als Unterrichtsprinzip in verschiedenen Fächern zum Tragen kommen / Der Unterricht muss in den entscheidenden Jahren des Gymnasiums intensiviert werden: aber nicht durch mehr Stunden, sondern durch stärkere Gewichtung des Faches durch Lehrer und Schüler / (3'06)
(O-Ton) Werner Bollmann, Redakteur der Stuttgarter Nachrichten: Wir hören jedes Jahr hier die Klage, es gebe zu wenig Gemeinschaftskundeunterricht und auch jedes Jahr die Rede von Herrn Heieck, wie schwierig es sei, das zu ändern / Dabei ist noch nichts geschehen / Man muss die ältere Geschichte etwas komprimieren, um mehr Zeit für die Gegenwartskunde zu erhalten / (1'03)
(O-Ton) N.N., Preisträgerin des vierten Schülerwettbewerbs 1960: Die Gefahr der Vernachlässigung des Unterrichts in Geschichte und Gemeinschaftskunde liegt weniger bei den Oberschulen als bei den Volksschulen / (0'32)
(O-Ton) Hans-Otto Schwarz, Dr., MdL, SPD, Nürtingen: Die Demokratie hat es schwerer als jede andere Staatsform, ihre Bürger zur Verantwortung heranzuziehen / Sie muss aufbauen auf der freien Entscheidung und der Einsicht des einzelnen Bürgers / Wer soll den jungen Menschen heranführen an den Staat und an die Verantwortung im späteren Leben / Neben die Schule tritt das Pendant des Elternhauses / Auch Lehrer anderer Fächer sollen auf Dinge eingehen können, die sich aus ihrem Fach heraus während des Unterrichts ergeben / Die Lehrer stehen jedoch mit ihrem eigenen Stoff unter Zeitdruck / Er rät dringend davon ab, Gemeinschaftskunde zu benoten / Er selbst hat sich erst nach dem Abitur richtig für verschiedene Dinge interessiert, als er unter keinem Druck der Benotung mehr stand / Ermunterung, dem Lehrer einen geistigen Rippenstoß zu versetzen / (5'57)
0:24:50; 0'24
Audio-Visuelle Medien
Herkunft: Politischer Wochenbericht aus Baden-Württemberg
BRD
Lehrer
Nationalsozialismus: Folgen: Aufarbeitung
Schule: Unterricht: Gemeinschaftskunde
Schule: Unterricht: Geschichte
Schule: Vierter Schülerwettbewerb 1960: Preisträger
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
21.11.2025, 15:29 MEZ