Selekte
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Tektonik
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik)
Inhalt und Bewertung
Die H-Reihe wurde von K. O. Müller 1937/38 für diejenigen Bestände gebildet, die sich nicht in das Gliederungsschema Altwürttemberg - Neuwürttemberg - 19./20. Jahrhundert einordnen lassen, weil sie aus Teilen verschiedener Provenienz bestehen. Ihre Zusammensetzung widerspricht den heute im Hauptstaatsarchiv gültigen Einteilungsgrundsätzen, nach denen die Zeit von 1803 bis 1810 die Hauptzäsur bildet und die älteren Bestände in altwürttembergische (A-Bestände) und in neuerworbene (B-Bestände) geschieden sind.
Es sind durchweg Selekte, also Auslesebestände, wobei als Auswahlkriterien vorwiegend historische Wertungen, Konservierungsgründe und die Vereinigung typengleicher Archivalien dienten. Die Selekte, die fast alle an ältere Traditionen anschließen, lassen sich in drei Gruppen einteilen:
Die Bändereihen der Diplomatare (H 14) und Lagerbücher (H 101-237) gehen auf altwürttembergische Selektbildungen zurück. Für sie treffen alle drei genannten Auswahlkriterien zu.Die Urkundenbestände (H 51, H 52) und der Kartenbestand (H 59) sind typische Selekte des 19. Jahrhunderts, wie sie auch in anderen Archiven häufig sind. Im Vordergrund stehen hier besondere Lagerungsrücksichten, doch spielen die anderen Auswahlkriterien mit, bei den Kaiserurkunden vor allem die hohe Wertschätzung.
Die anderen Selekte knüpfen an die altwürttembergischen Membra an, also an die Abteilungen eines Auslesearchivs nach dem Pertinenzprinzip. Es handelt sich teilweise um Erweiterungen alter Membra, teilweise um Analogiebildungen. Drei Reihen unterscheiden sich nach ihrem Inhalt (ihrem Betreff):
a) Die Oberamtsbestände als lokale Pertinenzbestände führen die altwürttembergischen Ämtermembra fort (H 21-49).
b) Die Bestände über einzelne Herrschaften nach dem territorialen oder Korrespondentenbetreff schließen an die Membra über auswärtige Beziehungen an (H 66-69).
c) Die Bestände über geschichtliche Ereignisse und Herrschaftsfunktionen sind Erweiterungen von Membra nach Sachbetreffen (H 53-58).
All diese Selekte nach dem Pertinenzprinzip bestehen aus Urkunden und Ausleseakten, die im allgemeinen als Einzelstücke oder -akten ohne inneren Zusammenhang in chronologischer Folge gereiht sind.
Heute gelten die meisten Selekte der H-Gruppe als Überbleibsel eines überholten Ordnungsprinzips, die in das Gefüge des Archivs nicht mehr recht passen. Ein Teil von ihnen wurde deshalb wieder vermindert oder ganz aufgelöst. So entnahm man vor allem Urkunden und Akten des 19. Jahrhunderts und gliederte sie in die E-Bestände ein, so daß die H-Gruppe heute größtenteils nur noch Material aus der Zeit vor 1806 enthält. Einige der lokalen, sachlichen und territorialen Pertinenzbestände wurden ganz aufgehoben und ihre Einzelteile A- und B-Beständen zugewiesen. Weitere Bestände, darunter das Kartenselekt (H 59), stehen zur Disposition.
Von den Oberamtsbeständen (H 21-49) wurden die, die den nordwürttembergischen Landesteil betreffen, im Jahr 1975 an das Staatsarchiv Ludwigsburg abgegeben.
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 14:39 MEZ