Differenzen mit dem Deutschen Orden wegen dessen Karfreitagsprozessionen zu den Kreuzwegstationen und zur Holzschuherkapelle
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E 49/II Nr. 580
E 49/II Holzschuher/Akten und Rechnungen
Holzschuher/Akten und Rechnungen
1731 - 1745
Enthält:
1.) 1731 März 21: Verlass der Herren Älteren, adressiert an Kriegsamt und Kirchenamt. Der Hauskommentur des Deutschen Ordens beabsichtigt, am kommenden Karfreitag die Kreuzwegstationen in der Sailers-Gasse [= Burgschmietstraße] mit einer Prozession zu begehen. Danach soll ein Besuch der Holzschuherkapelle vorgesehen sein. Verlass: Major Volckamer soll durch das Kriegsamt aufgefordert werden, in aller Stille beim Hauskommentur auf Unterlassung dieses Vorhabens zu dringen. Sollte die Veranstaltung nicht zu verhindern sein, soll das Kriegsamt eine Patrouille einrichten, die zur Verhinderung etwelcher Anmaßungen instruiert werden soll. Der Kirchenpfleger soll Mittel finden, die Öffnung der Kapelle zu verhindern. Wiedervorlage.
2.) 1731 März 22: Bericht des Steinschreibers Johann Linzner zu St.Johannis auf Anordnung des Herrn Kirchenpflegers Hieron. Wilhelm Ebner. Der Kommentur des Deutschen Ordens begeht (seit wann?) den Karfreitag auf folgende Weise: Er fährt vor das Tiergärtnertor, steigt ab und geht mit den dort Wartenden die 7 Kreuze (= Kreuzwegstationen) ab, wobei "Meditationes" abgehalten werden. (Beim letzten Mal?) kam der Hofschneider des Deutschen Hauses und verlangte die Öffnung der Kapelle, was vorher noch nie vorgekommen ist. Man hielt sich dort etwa eine halbe Viertelstunde lang auf und fuhr dann wieder ab.
3.) 1731 März 23: Bericht des Steinschreibers, wie oben: Die Prozession fand gestern Nachmittag statt. Der Schlüssel zur Kapelle wurde nicht herausgegeben, da Linzner nicht zuhause war, und seine Frau vorgab, die Schlüssel nicht finden zu können. Einige Katholiken wie der Totengräber Johann Wiedmann bezeichneten dies als Akt der Feindseligkeit Linzners. - Die Menge der Katholiken war heuer so groß wie nie zuvor.
1731 März 24: Bericht des Obristwachtmeisters Friedrich Wilhelm Volckamer über seinen Besuch beim Hauskommentur. (...)
1731 Mai 8: Bericht des Kirchners bei St.Lorenz, Johann Georg Möller. Die fraglichen Prozessionen fanden schon zu Zeiten statt, als Möller Steinschreiber zu St.Johannis gewesen war. Sein Nachfolger Linzner ist nun im vierten Jahr Steinschreiber. Die Holzschuher fanden nie etwas dabei, die Kapelle zu öffnen, sofern dies der Devotion diene. Zu Zeiten Möllers hatte ein Hauskommentur einmal den bußwürdigen Zustand des Heiligen Grabes beklagt. Kurz darauf ließen die Holzschuher das Grab anlässlich einer Reparatur der Kapelle durch den Bildhauer "Proming" ausbessern.
1732 April 7: Ratsverlass: Syndikus Höfel soll zum Hauskommentur. (...)
1732 April 9: Laut Bericht Höfels beabsichtigt der Hauskommentur heuer nicht, die Stationen zu besuchen. Da man ihm nicht traut, wird eine Patrouille angeordnet.
1732 April 12: Bericht des Kriegsamts über die gestrigen Ereignisse: Ein Leutnant und 3 Bürger-Feldwebel, sowie 2 Feldwebel der Feldmiliz waren innerhalb und außerhalb des Tiergärtnertors postiert, bzw. zusammen mit weiteren Korporals bei den Kreuzwegstationen. Mehrere Gruppen - insgesamt etwa 30 Personen - versuchten zu verschiedenen Malen, ihre Andacht zu verrichten, was ihnen jedesmal verwiesen wurde. Auch am Betreten des Friedhofs konnten sie gehindert werden. Der Hauskommentur war nicht erschienen.
1745 April 21: Bericht des Kriegsamts über die Ereignisse am vergangenen Karfreitag. Die zum Tiergärtnertor ausgegangenen Personen wurden verzeichnet (meist Angehörige des Deutschen Hauses) darunter "die Frau ObristLieutenantin v. Volckamer"(= Maria Theresia Margaretha Magdalena, geb. Fouixet de Doms, Witwe des Obristleutnants Friedrich Wilhelm Volckamer, s.o. 1731 März 24) Diese und weitere Personen verneigten sich lediglich bei den Stationen, bzw nahmen den Hut ab. Die Kapelle auf dem Friedhof war versperrt. Ansonsten sah man etliche Frauen, die man für katholische Goldspinnerinnen aus Steinbühl hielt.
1.) 1731 März 21: Verlass der Herren Älteren, adressiert an Kriegsamt und Kirchenamt. Der Hauskommentur des Deutschen Ordens beabsichtigt, am kommenden Karfreitag die Kreuzwegstationen in der Sailers-Gasse [= Burgschmietstraße] mit einer Prozession zu begehen. Danach soll ein Besuch der Holzschuherkapelle vorgesehen sein. Verlass: Major Volckamer soll durch das Kriegsamt aufgefordert werden, in aller Stille beim Hauskommentur auf Unterlassung dieses Vorhabens zu dringen. Sollte die Veranstaltung nicht zu verhindern sein, soll das Kriegsamt eine Patrouille einrichten, die zur Verhinderung etwelcher Anmaßungen instruiert werden soll. Der Kirchenpfleger soll Mittel finden, die Öffnung der Kapelle zu verhindern. Wiedervorlage.
2.) 1731 März 22: Bericht des Steinschreibers Johann Linzner zu St.Johannis auf Anordnung des Herrn Kirchenpflegers Hieron. Wilhelm Ebner. Der Kommentur des Deutschen Ordens begeht (seit wann?) den Karfreitag auf folgende Weise: Er fährt vor das Tiergärtnertor, steigt ab und geht mit den dort Wartenden die 7 Kreuze (= Kreuzwegstationen) ab, wobei "Meditationes" abgehalten werden. (Beim letzten Mal?) kam der Hofschneider des Deutschen Hauses und verlangte die Öffnung der Kapelle, was vorher noch nie vorgekommen ist. Man hielt sich dort etwa eine halbe Viertelstunde lang auf und fuhr dann wieder ab.
3.) 1731 März 23: Bericht des Steinschreibers, wie oben: Die Prozession fand gestern Nachmittag statt. Der Schlüssel zur Kapelle wurde nicht herausgegeben, da Linzner nicht zuhause war, und seine Frau vorgab, die Schlüssel nicht finden zu können. Einige Katholiken wie der Totengräber Johann Wiedmann bezeichneten dies als Akt der Feindseligkeit Linzners. - Die Menge der Katholiken war heuer so groß wie nie zuvor.
1731 März 24: Bericht des Obristwachtmeisters Friedrich Wilhelm Volckamer über seinen Besuch beim Hauskommentur. (...)
1731 Mai 8: Bericht des Kirchners bei St.Lorenz, Johann Georg Möller. Die fraglichen Prozessionen fanden schon zu Zeiten statt, als Möller Steinschreiber zu St.Johannis gewesen war. Sein Nachfolger Linzner ist nun im vierten Jahr Steinschreiber. Die Holzschuher fanden nie etwas dabei, die Kapelle zu öffnen, sofern dies der Devotion diene. Zu Zeiten Möllers hatte ein Hauskommentur einmal den bußwürdigen Zustand des Heiligen Grabes beklagt. Kurz darauf ließen die Holzschuher das Grab anlässlich einer Reparatur der Kapelle durch den Bildhauer "Proming" ausbessern.
1732 April 7: Ratsverlass: Syndikus Höfel soll zum Hauskommentur. (...)
1732 April 9: Laut Bericht Höfels beabsichtigt der Hauskommentur heuer nicht, die Stationen zu besuchen. Da man ihm nicht traut, wird eine Patrouille angeordnet.
1732 April 12: Bericht des Kriegsamts über die gestrigen Ereignisse: Ein Leutnant und 3 Bürger-Feldwebel, sowie 2 Feldwebel der Feldmiliz waren innerhalb und außerhalb des Tiergärtnertors postiert, bzw. zusammen mit weiteren Korporals bei den Kreuzwegstationen. Mehrere Gruppen - insgesamt etwa 30 Personen - versuchten zu verschiedenen Malen, ihre Andacht zu verrichten, was ihnen jedesmal verwiesen wurde. Auch am Betreten des Friedhofs konnten sie gehindert werden. Der Hauskommentur war nicht erschienen.
1745 April 21: Bericht des Kriegsamts über die Ereignisse am vergangenen Karfreitag. Die zum Tiergärtnertor ausgegangenen Personen wurden verzeichnet (meist Angehörige des Deutschen Hauses) darunter "die Frau ObristLieutenantin v. Volckamer"(= Maria Theresia Margaretha Magdalena, geb. Fouixet de Doms, Witwe des Obristleutnants Friedrich Wilhelm Volckamer, s.o. 1731 März 24) Diese und weitere Personen verneigten sich lediglich bei den Stationen, bzw nahmen den Hut ab. Die Kapelle auf dem Friedhof war versperrt. Ansonsten sah man etliche Frauen, die man für katholische Goldspinnerinnen aus Steinbühl hielt.
Archivale
Indexbegriff Person: Bromig, Johann Leonhard II
Indexbegriff Person: Ebner, Hieronimus Wilhelm
Indexbegriff Person: Höfel, N (Syndikus)
Indexbegriff Person: Linzner, Johann
Indexbegriff Person: Möller, Johann Georg
Indexbegriff Person: Volckamer, Friedrich Wilhelm
Indexbegriff Person: Volckamer, Maria Theresia Margaretha Magdalena geb Fouixet de Doms
Indexbegriff Person: Wiedmann, Johann
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Holzschuherkapelle (Johannisfriedhof)
Indexbegriff Person: Ebner, Hieronimus Wilhelm
Indexbegriff Person: Höfel, N (Syndikus)
Indexbegriff Person: Linzner, Johann
Indexbegriff Person: Möller, Johann Georg
Indexbegriff Person: Volckamer, Friedrich Wilhelm
Indexbegriff Person: Volckamer, Maria Theresia Margaretha Magdalena geb Fouixet de Doms
Indexbegriff Person: Wiedmann, Johann
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Holzschuherkapelle (Johannisfriedhof)
Burgschmietstr.
Deutsches Haus
Holzschuherkapelle
Johannisfriedhof
Kreuzweg St. Johannis
Seilersgasse = Burgschmietstr
Steinbühl
Tiergärtnertor
Deutscher Orden
Hauskommentur
Ratsverlass
Verlass der Herren Älteren
Ältere Herren
Rat der Stadt
Kriegsamt
Kirchenamt
Kirchenpfleger
Steinschreiber, Johannis
Kirchner
Hofschneider
Karfreitagsprozession
Patrouille
Stadtmiliz
Feldmiliz
Überwachung
Personenkontrolle
Goldspinnerinnen
Katholiken
Obristleutnant
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.06.2025, 13:00 MESZ