Gemeinnützige Baugesellschaft Langenburg GmbH (Bestand)
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Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein, La 111
Landesarchiv Baden-Württemberg, Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein (Archivtektonik) >> Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein >> Archiv Langenburg >> Bestände des 19. und 20. Jahrhunderts
(1893-1896) 1897-1922
Inhalt und Bewertung
Am 18. April 1898 wurde die Gemeinnützige Baugesellschaft Langenburg gegründet. Auf zuvor gekauften Bauplätzen wurden zwei Doppelwohnhäuser mit zwölf Wohnungen errichtet, die als Arbeiterwohnhäuser dienen sollten und nur einfachen Komfort boten. Bei diesen beiden Häusern blieb es, da der erhoffte Zuzug von Arbeitern ausblieb. Viele Wohnung blieben leer, da die Miete zu hoch war und Wohnungen in Langenburg günstiger wurden. 1920 erfolgte die Auflösung der Gesellschaft.
Gliederung: 1. Gesellschaftsverwaltung und Geschäftsführung; 2. Gebäude und Grundbesitz; 3. Rechnungswesen.
Die Gemeinnützige Baugesellschaft Langenburg GmbH wurde am 18. April 1898 gegründet. Noch am Gründungstag wurde der Beschluss zum sofortigen Baubeginn von zwei Wohnhäusern gefasst. Den Bauplatz hatte kurz zuvor der Gesellschafter Ernst Mutschler, Domänenrat zu Langenburg, von dem Langenburger Schmied Eberhard Dürr gekauft. Die daraufhin erstellten zwei Doppelwohnhäuser mit zwölf Wohnungen waren als Arbeiterwohnhäuser konzipiert und entsprachen der Vorstellung von einfachen und zweckmäßigen Mietwohnungen ohne jeden Luxus. Bei der Versicherungsanstalt Württemberg nahm die Gemeinnützige Baugesellschaft Langenburg GmbH eine Anleihe auf. Die Versicherungsanstalt verstand als eines ihrer Ziele die Förderung des Arbeiterwohnungswesens und vergab dafür niederverzinsliche Darlehen. Von den Darlehensnehmern, so auch von der Langenburger Baugesellschaft, forderte sie jährliche Berichte und Statistiken über das Bauwesen. Die Langenburger Baugesellschaft stimmte mit dem Förderungsgedanken überein. Sie betonte, Wohnraum schaffen zu wollen und nicht mit Wohnraum zu spekulieren. So formulierte sie 1901 ihre Grundsätze in einem Schreiben an den Stadtschultheiß von Langenburg bezüglich der geforderten Auskunft an die Versicherungsanstalt. Allerdings nahm sich die Gesellschaft heraus, eventuell auch Grundstücke an bauwillige Arbeiter zu verkaufen oder Einfamilienhäuser für Arbeiter zum Kauf anzubieten. In der Folge und bis zum Antrag auf Liquidation der Baugesellschaft im Jahre 1920 blieb es aber nur bei jenen gebauten zwei Wohnhäusern. Überdies veräußerte die Gesellschaft Grundstücke und verpachtete Gartenland. Offensichtlich hatten sich die erwarteten Umstände nicht eingestellt, wie es einem Bericht an die Versicherungsanstalt im Jahr 1916 zu entnehmen ist. Darin gibt die Baugesellschaft an, dass sie eigentlich aus Anlass einer Fabrikgründung und der Genehmigung zur Erbauung der Eisenbahn Blaufelden-Langenburg entstanden ist. Der erhoffte Zuzug von zahlreichen Arbeitern (der Eisenbahn) war nicht eingetreten und die Fabrik war bald wieder aufgegeben worden. 1902 hatte die Hohenlohesche Nährmittelfabrik AG in Gerabronn Mietverträge über Wohnungen der Baugesellschaft aufgrund der Auflösung ihrer in Langenburg ansässigen Packstation gekündigt. Es war wohl jene Fabrik, die die Baugesellschaft auch zum Anlass ihrer Gründung bewogen hatte. Diese hatte 1899 mit der Baugesellschaft die Erbauung eines Arbeitersaales mit Fruchtspeicher geplant. Nicht nur der Rückzug der Nährmittelfabrik enttäuschte. Nur wenige Jahre nach Fertigstellung der beiden Wohnhäuser standen zeitweise Wohnungen leer, weil die Mietpreise der Baugesellschaft als zu hoch beklagt wurden, und darüber hinaus, infolge des Wegzugs der Hofhaltung des Erbprinzen, das Wohnungsangebot in der Stadt wieder günstiger geworden war. Über zwei Jahrzehnte hielt die Gemeinnützige Baugesellschaft Langenburg GmbH durch. Sie konnte ihre Gesellschaftsergebnisse verbessern und ihren Anteilseignern, teilweise bis zu dreißig an der Zahl, Dividende ausbezahlen. Größter Anteilseigner war die fürstliche Domänenkanzlei Langenburg. Als Geschäftsführer fungierten vor allem der Domänenrat Ernst Mutschler, der Stadtschultheiß Jakob Saeufferer und der Zimmermeister Leonhard Ziegler. Am 11. August 1920 beschloss die Gesellschafterversammlung einstimmig die Auflösung der Gesellschaft, nachdem die beiden Wohnhäuser, "Eintracht" und "Deutsches Haus" benannt, sowie einige Grundstücke verkauft worden waren. Die vorliegenden Unterlagen der Gemeinnützigen Baugesellschaft GmbH dürften aufgrund des führenden Engagements des fürstlichen Beamten und Domänenrats Mutschler als Geschäftsführer in das Archiv der Hohenlohe-Langenburger Standesherrschaft gelangt sein. Der Bestand kam vermengt mit jenem der Standesherrschaft in das Zentralarchiv Hohenlohe-Neuenstein. Eingegliedert wurden Handakten des Domänenrates bezüglich der Baugesellschaft. Der Bestand umfasst 36 Archivalieneinheiten in ca. 0,4 lfd. m. und reicht in seiner Laufzeit von (1893-1896) 1897 bis 1922. Er wurde von der Unterzeichneten bearbeitet und verzeichnet. Neuenstein, im Januar 2002 Birgit Schäfer
2 Hinweis: Im vorliegenden Online-Findmittel fehlen einige Titelaufnahmen zu Archivalien aus dem 20. Jahrhundert, die derzeit noch nicht uneingeschränkt benutzbar sind. Im Hohenlohe-Zentralarchiv befindet sich ein vollständiges Findbuch, das auch die noch nicht frei zugänglichen Archiveinheiten erschließt. Neuenstein, im Juli 2008 Dr. Schiffer
36 Bü (0,4 lfd.m)
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 14:39 MEZ