Nachlass Christoph Mülleneisen (Bestand)
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N 75
Kreisarchiv Viersen (Archivtektonik) >> N Nachlässe und Privatsammlungen
Vorwort Der recht schmale Nachlass Christoph Mülleneisens gibt erstmals näheren Aufschluss über Person und Leben eines - zu Unrecht - nahezu unbekannten Landrates des Kreises Kempen-Krefeld. Auch wenn Mülleneisen nur kurze Zeit, von Juni 1945 bis Mai 1946, dieses Amt ausübte, so geschah dies in der wichtigen Zeitspanne des Wiederaufbaus unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Allein dies rechtfertigt es, seine Arbeit ausführlicher zu würdigen. Allerdings steht nur eine Verzeichnungseinheit (Nr. 19) des Nachlasses unmittelbar mit dieser Amtstätigkeit in Verbindung. Seine Leistungen als Landrat müssen vielmehr in der umfangreichen amtlichen Überlieferung der Kreisakten erst noch namhaft gemacht werden.Auch von Christoph Mülleneisen als Person war bisher so gut wie nichts bekannt. Selbst das Gedächtnis der Gegenwart, die Internet-Suchmaschine Google, kennt nur wenige periphere Nennungen unter seinem Namen. In den Akten des Kreises Kempen-Krefeld wird sein Beruf lapidar mit „Filmproduzent" angegeben. Die kreisgeschichtliche Forschung konnte sich mangels einschlägiger Quellen kein Bild von Biographie und beruflichem Werdegang Mülleneisens machen, zumal sein beruflicher Wirkungskreis vor der Berufung in das Amt des Landrates durch die britische Militärregierung außerhalb des Kreises, in Berlin, lag. Hinter der Berufsbezeichnung „Filmproduzent" verbirgt sich jedoch, wie jetzt erstmals der Nachlass deutlich werden lässt, eine Persönlichkeit, welche die deutsche Filmwirtschaft der 20er und 30er Jahre geprägt hat. Christoph Mülleneisen hat von Berlin aus mit seiner Majestic-Filmgesellschaft und der Cinma-Filmvertriebsgesellschaft zahlreiche Filme finanziert, produziert und in alle Welt vertrieben. Er galt als „Mann hinter der Leinwand", als „unsichtbarer Produzent" und als „Finanzier der deutschen Filmwirtschaft" wie die Artikelüberschriften in den kinematographischen Fachzeitungen lauten. Er war Mitglied der „Spitzenorganisation der deutschen Filmindustrie", sein Rat und Tun war gefragt, wenn es um die Exportchancen des deutschen Tonfilms ging oder Verhandlungen über die Zukunft deutscher Filmgesellschaften geführt werden mussten.Die Dokumente dieses Nachlasses geben den Blick frei auf eine ausgesprochen interessante und farbige Persönlichkeit. Schon sein Vater Christoph Mülleneisen sen. war im Filmgeschäft tätig. Ihm war es gelungen, den aufstrebenden Filmstar Asta Nielsen unter Vertrag zu nehmen. Er hat seinem Sohn eine ausgesprochen weltläufige Ausbildung ermöglicht, verließ dieser doch schon als 17-Jähriger Deutschland, um auf Gran Canaria zu arbeiten. Er war anschließend in Westafrika und Mailand als Vertreter für die Dunlop Handelsgesellschaft tätig. 1910 unternahm er eine Studienreise nach den USA und Kanada. Erste eigenständige Erfahrungen im Filmgeschäfte sammelte Christoph Mülleneisen als Vertreter der Luna Filmgesellschaft, der Deutschen Lichtbild-Gesellschaft und der Balkan-Orient Gesellschaft in Konstantinopel - z. T. im Auftrag des Deutschen Reiches bzw. des deutschen Generalstabes. Bei diesen Auslandsaufenthalten hat sich Mülleneisen die vielfältigen Sprachkenntnisse erworben, die für seine anschließende berufliche Tätigkeit von Bedeutung waren - und letztlich auch zumindest ein Grund für seine Berufung zum Landrat durch die britische Militärregierung 1945 war.Angesichts der breit gespannten beruflichen und wirtschaftlichen Aktivitäten Mülleneisens insbesondere in den 1920er und 1930er Jahren ist nur ein Bruchteil des Geschäftsschriftgutes erhalten geblieben. Es steht zu vermuten, dass der überwiegende Teil in Berlin vernichtet worden oder bei der Übersiedlung Christoph Mülleneisens nach Lobberich abhanden gekommen ist.Der Nachlass ist im Juli 2004 von der Enkelin und dem Enkel Christoph Mülleneisens an das Kreisarchiv Viersen gelangt. Da gleichzeitig das Filmmuseum Berlin Deutsche Kinemathek Interesse an dem Nachlass bekundet hat, haben die Schenker verfügt, dass das filmgeschichtlich bedeutsame Schriftgut an das Filmmuseum abgegeben wird, eine Kopie im Kreisarchiv bleibt. Sinngemäß wird mit dem Schrift- und Bildgut zur Kreis- und Familiengeschichte verfahren, das im Original im Kreisarchiv Viersen bleibt. So ist sichergestellt, dass an beiden Orten der Informationsgehalt des Nachlasses genutzt werden kann.Die Verzeichnung erfolgte im August 2004.Dr. Gerhard Rehm
Mülleneisen, Christoph
2 Kartons
Bestand
Christoph Mülleneisen jun. & sen. – Verleiher, Produzenten, in: CineGraph. Lexikon zum deutschsprachigen Film. Lfg. 52 (2013). Hg. von Hans-Michael Bock.
Christoph Mülleneisen Sr. , in: filmportal.de
G. Rehm: Christoph Mülleneisen. Filmproduzent in Berlin und Landrat des Landkreises Kempen-Krefeld - eine Lebensskizze, in: HBV ; 57 (2006) S. 31-50
Christoph Mülleneisen Sr. , in: filmportal.de
G. Rehm: Christoph Mülleneisen. Filmproduzent in Berlin und Landrat des Landkreises Kempen-Krefeld - eine Lebensskizze, in: HBV ; 57 (2006) S. 31-50
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
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Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.11.2025, 13:59 MEZ