Autographensammlung van Endert/Engelmann, HHI.2016.G.1001.490
HHI.SLG van Endert/Engelmann Autographensammlung van Endert/Engelmann
Autographensammlung van Endert/Engelmann >> Archivalie – Korrespondenz
1935
Transkription:
Marbacka, Sunne den 3. Februar 1935.
Frau Felicitas Kolrep-Paysen !
das Buch „Liljecronas Heimat“ *
gründet sich auf eine wahre Ge-
schichte von einer Frau, die in ihren
alten Tagen mit dem Vater meiner
Großmutter verheiratet wurde, und
die meine Großmutter auf die
Weise behandelte, die im Buche
beschrieben steht.
Als ich es schrieb, sammelte
ich ganz einfach alle die Klein-
geschichten zusammen, die ich als
Kind von den Leiden meiner Groß-
mutter gehört hatte. Es ist also
eine wahre Geschichte, aber
ganz gewiß war diese Stiefmutter
höchst unnormal und für ihre
Grausamkeiten kaum zurech-
nungsfähig.
Keinen Augenblick ist es mir
in den Sinn gefallen, daß eine
Erzählung, die auf diese Weise
aus dem Leben geholt ist, als
einen Angriff auf Stiefmütter im
allgemeinen betrachtet werden
könnte. Ich kenne viele solche,
die mit der größten Liebe ihren
schweren Fall versehen haben, und
ich glaube wirklich, daß es die er-
wachsenen Stiefkinder gewesen
ist, die in ihrem Benehmen
schwerer gewesen sind als die
arme Mutter.
Daß Konflikte entstehen müssen,
ist ja beinahe unvermeidlich,
aber ich will keineswegs die
Stiefmütter als die am meisten
schuldigen bezeichnen.
Nehmen Sie mein Buch für was
es ist: eine Geschichte aus der Wirk-
lichkeit, aber ohne jede Tendenz !
Hochachtungsvoll
Selma Lagerlöf
Marbacka, Sunne den 3. Februar 1935.
Frau Felicitas Kolrep-Paysen !
das Buch „Liljecronas Heimat“ *
gründet sich auf eine wahre Ge-
schichte von einer Frau, die in ihren
alten Tagen mit dem Vater meiner
Großmutter verheiratet wurde, und
die meine Großmutter auf die
Weise behandelte, die im Buche
beschrieben steht.
Als ich es schrieb, sammelte
ich ganz einfach alle die Klein-
geschichten zusammen, die ich als
Kind von den Leiden meiner Groß-
mutter gehört hatte. Es ist also
eine wahre Geschichte, aber
ganz gewiß war diese Stiefmutter
höchst unnormal und für ihre
Grausamkeiten kaum zurech-
nungsfähig.
Keinen Augenblick ist es mir
in den Sinn gefallen, daß eine
Erzählung, die auf diese Weise
aus dem Leben geholt ist, als
einen Angriff auf Stiefmütter im
allgemeinen betrachtet werden
könnte. Ich kenne viele solche,
die mit der größten Liebe ihren
schweren Fall versehen haben, und
ich glaube wirklich, daß es die er-
wachsenen Stiefkinder gewesen
ist, die in ihrem Benehmen
schwerer gewesen sind als die
arme Mutter.
Daß Konflikte entstehen müssen,
ist ja beinahe unvermeidlich,
aber ich will keineswegs die
Stiefmütter als die am meisten
schuldigen bezeichnen.
Nehmen Sie mein Buch für was
es ist: eine Geschichte aus der Wirk-
lichkeit, aber ohne jede Tendenz !
Hochachtungsvoll
Selma Lagerlöf
1 eigenhändiger Brief mit Unterschrift und Briefumschlag
Archivalie – Korrespondenz
Deutsch
Felicitas Kolrep-Paysen - Empfänger*in
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
11.11.2025, 11:59 AM CET
Attribution - ShareAlike 4.0 International