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Schriftwechsel (u. a. mit Carl Schurz, Lenbach, Nietzsche, Nathalia Herzen, Cosima Wagner, Alexander Herzen, Theodor Althaus, Philipp Fürst zu Eulenburg, Ferdinand Gregorovius); Private Unterlagen; Manuskripte; Zeitungsaufsätze; Skizzenbücher; Zeichnungen, Bilder und Fotos.
Spätestens im Zuge der Frauengeschichtsbewegung erlangte Malwida von Meysenbug als Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Berühmtheit. Sie wurde als Malwida Rivalier am 28. Oktober 1816 in Kassel geboren. Ihr Vater Ludwig Carl Georg Philipp Rivalier wurde 1825 für seine geleisteten Dienste von dem hessischen Kurfürsten Wilhelm II. unter Zulegung des kurz vorher mit dem Landrat Heinrich von Meysenbug ausgestorbenen althessischen Meysenbugschen Namens in den Adelsstand erhoben. 1834 erfolgte die Verleihung des Freiherrnstandes durch den Kaiser Franz I. von Österreich. Darüberhinaus wurde er 1828 mit den Gütern Lauenau, Echtringhausen und Krückeberg belehnt.
Nach der Revolution von 1830 mußte die Familie von Meysenbug mit dem Kurfürsten Kassel verlassen. Während Carl Rivalier von Meysenbug seinem Kurfürsten ins Exil folgte, ließ sich die Familie 1832 in Detmold nieder, wo Malwidas älteste Schwester verheiratet war.
Die Detmolder Zeit wurde für Malwida von Meysenbug einer der wichtigsten Abschnitte ihres Lebens, denn hier wurde die Basis für ihre demokratische und revolutionäre Gesinnung gelegt.
Zunächst erhielt sie Konfirmandenunterricht bei dem Pastor Georg Friedrich Althaus, allerdings geriet sie durch ihren kritischen Intellekt in einen religiösen Zwiespalt, der zur Loslösung vom Christentum führte und sie eine eigene undogmatische Religion finden ließ, die Grundlage eines neuen Lebens werden sollte.
Die Begegnung mit Theodor Althaus, dem Sohn Georg Friedrichs, führte sie in die Welt des Vormärz und machte sie zu einer demokratischen Revolutionärin. Zu ihren Überzeugungen gehörten Freiheit vom kirchlichen Dogma, von einengender Tradition in Familie und Gesellschaft, sowie der Glaube an demokratischen Fortschritt und an die weltverändernde Kraft einer Revolution.
Malwida engagierte sich im Detmolder "Verein der Arbeit für Arme" und arbeitete theoretisch über die Stellung der Frau in der Gesellschaft und über den Humanismus. Sie nahm die Revolutionsvorgänge von 1848 mit Begeisterung auf und bekannte sich zur republikanischen Linken, die durch Hecker, Struve, Blum und Fröbel repräsentiert wurde. Das Scheitern der Revolution und auch die Verhängung der Festungshaft für Althaus, der 1847 als Zeitungredakteur nach Leipzig gegangen war, beirrten sie nicht in ihren Anschauungen.
Konflikte mit ihrer Familie wegen ihrer finanziellen Abhängigkeit und fehlender Berufsausbildung führten zur Entzweiung. 1850 verließ Malwida Detmold, um in die neu gegründete Frauenhochschule der Emilie Wüstenfeld in Hamburg einzutreten. Hier ließ sie sich zur Erzieherin ausbilden. Bereits 1852 wurde die Schule durch reaktionäre Kräfte geschlossen.
Malwida ging nun nach Berlin, um journalistisch zu arbeiten. Wegen ihrer Verbindungen zu demokratischen Kräften drohte ihr die Verhaftung. Besonders die Korrespondenz mit Volkhausen, die die Polizei bei ihr gefunden hatte, wurde als verwerflich angesehen. Im Mai 1852 flüchtete sie nach London. London war zu dieser Zeit der wichtigste Treffpunkt der auf dem Kontinent Verfolgten. Bald fand sie Zugang zu Emigrantenkreisen, wo sie Revolutionären und liberal Gesinnten begegegnete, die in Europa Rang und Namen hatten: Sie traf auf das Schriftstellerehepaar Gottfried und Johanna Kinkel, auf Carl Schurz, der am badisch-pfälzischen Aufstand teilgenommen hatte, auf die Führer der italienischen Einheits- und Unabhängigkeitsbewegung Garibaldi und Mazzini und nicht zuletzt auf den radikalen Exilrussen Alexander Herzen.
Herzen beauftragte Malwida mit der Erziehung seiner mutterlosen Kinder. Mit ihm lebte sie einige Jahre in einer "Familie der freien Wahl". 1859 kam es zur Trennung, was Malwida veranlaßte im Winter des Jahres nach Paris zu gehen, wo sie in den Pariser Salons u.a. den Historiker Michelet kennenlernte, mit dem sie in eine freundschaftliche Beziehung trat. Sie hielt sich von Mitte Oktober bis Anfang Mai 1860 mit der Unternehmersfrau Salis-Schwabe und der Familie des Liberalen Cobden in Paris auf. Ein zweiter Aufenthalt, finanziert vermutlich durch Alexander Herzen, umfaßte den Zeitraum Ende Dezember 1860 bis Anfang Juni 1861.
Entscheidend wurde für sie die Begegnung mit Richard Wagner, der sie an die Philosophie Schopenhauers heranführte. Auch der Umgang mit Nietzsche, Romain Rolland und Lou Andreas Salomé sollte sie nachhaltig prägen.
Inzwischen hatte sich ein Sinneswandel vollzogen, dergestalt, daß sie an der gesellschaftsverändernden Kraft revolutionärer Erhebungen zweifelte und mutlos resignierte.
Nach London zurückgekehrt, bat Alexander Herzen sie , nun doch die Erziehung seiner Tochter Olga zu übernehmen. Mit ihr zusammen siedelte Malwida im Dezember 1862 nach Italien über. 1877 ließ sie sich nach längerer Wanderschaft und einem mehrmonatigen Aufenthalt mit Nietzsche in Sorrent in Rom nieder. Hier schuf sie neben Erzählungen und Romanen die berühmten "Memoiren einer Idealistin" und "Der Lebensabend einer Idealistin".
Malwida von Meysenbug starb am 26. April 1903 in Rom.
Der hier verzeichnete Nachlaß umfaßt nicht nur den von Malwida von Meysenbug, sondern schließt auch weniger umfangreiche Nachlässe der Biographin Malwidas Berta Schleicher und von Gabriel Monod mit ein. Beide Nachlässe stehen natürlich in engem inhaltlichen Zusammenhang mit Malwida, sind nun aber nicht mehr als solche einzeln ausgewiesen.
Der größte Teil des Nachlasses D 72 Malwida von Meysenbug stammt aus dem Besitz von Berta Schleicher (1. Abgabe Zugang 32/1964; 2. Abgabe Zugang 31/1965), ein kleinerer Teil von Léonard Rist (1. Abgabe Zugang 13/1960; 2. Abgabe Zugang 30/1967; 3. Abgabe Zugang 34/1967).
Besonders die reichhaltige Korrespondenz Malwida von Meysenbugs gibt Aufschluß über das gesellschaftliche Leben ihrer Zeit. Die Briefe an und von Malwida wurden, genau wie die Fotografien, alphabetisch nach Korrespondenzpartnern und -partnerinnen geordnet.
Mit den Fotografien von Malwida, ihren Familienmitgliedern, Bekannten und Freunden ist neben der schriftlichen Überlieferung auch eine visuelle Dokumentation ermöglicht.
Im Nachlaß finden sich nicht nur Teile ihres Werkes, sondern auch Notizen und detailliertere Ausführungen zu verschiedensten Themengebieten. Rezensionen und Aufsätze zu ihrer Person, zu ihren Werken und auch zu Werken von Berta Schleicher geben Einblick in ihre Rezeptionsgeschichte.
Das künstlerische Talent Malwidas und auch ihrer Schwester Laura werden durch Aquarelle und Zeichnungen belegt.
Hingewiesen sei an dieser Stelle auf den Nachlaß D 72 Berta Schleicher und nicht zuletzt auf das Projekt Malwida von Meysenbug am Staatsarchiv Detmold, in dem ein Gesamtinventar der Briefe an und von Malwida in Regestform erstellt wird.
Das vorliegende Findbuch enthält Personen-, Orts- und Sachindices, sowie zwei Konkordanzen.
Es ist nach der Bestell-Nr. zu zitieren: D 72 Malwida v. Meysenbug Nr. ..
Detmold, im Juli 1998
gez. Mitschke
Nachtrag 1: Ein weiterer Teilnachlass der Malwida von Meysenbug, der Werkmanuskripte, Briefe, ein Tagebuch, persönliche Unterlagen, Sammlungs- und Erinnerungsstücke sowie Nachlassstücke von Familienangehörigen aus den Jahren 1833 bis 1926 umfasst, befindet sich im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar.
Die Korrespondenzpartner von Meysebugs und die Aufbewahrungsorte der von diesen bzw. an diese verfassten Briefe sind im Einzelnen in der unten genannten dreibändigen Veröffentlichung "Die Korrespondenzen der Malwida von Meysenbug" aufgeführt.
Detmold im August 2016
gez. Schumacher
Nachtrag 2:
Die in den Akten D 72 Meysenbug, von Nr. 272 und 273 enhaltenen maschinenschriftlichen Abschriften von Briefen an bzw. von Gabriel Monod wurden dem Archiv am 14. August 2006 von Frau Hannelore Teuchert aus Hamburg zur Verfügung gestellt und am 5. Januar 2017 vom Unterzeichner verzeichnet. Frau Teuchert hat die Abschriften von einem Professor Kröll und dessen Ehefrau erhalten, die diese im Jahr 1967 von einer Frau Jeanne Amphoux, geb. Monod-Herzen, aus Paris bekommen haben.
Detmold im Januar 2017
gez. Schumacher
15 Kartons = 273 Archivbände ca. 1832-1993. - Findbuch: D 72 von Meysenbug.
Bestand
German
Gisela Wagner, Malwida von Meysenbug, in: Lipp. Mitt. 36, 1967, S. 39-52; Erich Sandow, Bibliographie, ebd., S. 53-64.
Tegtmeier-Breit, Annegret (Red.), Die Korrespondenzen der Malwida von Meysenbug. Briefregesten (Veröffentlichungen der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen, Reihe C, Bd. 46, Teil I - III), Detmold 2000-2001
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.