Josef Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach (1748-1813): Kunstsammler, Domdekan in Straßburg, Dekan zu St. Gereon in Köln und Propst in Nikolsburg (Mähren) (Bestand)
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Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, N Truchsess von Waldburg
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe (Archivtektonik) >> Nichtstaatliches Archivgut >> Nachlässe >> Andere Nachlässe >> Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach
1777-1809
Überlieferungsgeschichte
Der Nachlass enthält neben wenigen persönlichen und das Domstift Straßburg betreffenden Unterlagen hauptsächlich Material über die Gemäldegalerie des Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach an ihren verschiedenen Unterbringungsorten und über den Prozess gegen das Handlungshaus de Fries. Sein Schicksal lässt sich bis zum Jahre 1810 zurückverfolgen: In jenem Jahr wurde er - damals noch wesentlich mehr Familienpapiere und Akten sowie Urkunden des Domstifts Straßburg enthaltend - in die Schlossbibliothek des Fürsten Dietrichstein in Nikolsburg verbracht, wo er unbeachtet liegen blieb, bis er im Jahre 1933 durch das wissenschaftliche Institut der Elsass-Lothringer im Reich (Frankfurt a. M.) vom Vertrauensmann des Fürsten Dietrichstein, Rechnungsrat Dosoudil, angekauft werden konnte. Das Institut verlieh 1943 einen Teil des Nachlasses zu Forschungszwecken an die Kunsthistorikerin Dr. Gerda Franziska Kircher, deren zugehörige Publikation aber erst 1979 erschien. Diese Unterlagen wurden 1952/53 dem Generallandesarchiv geschenkt, nachdem der in Frankfurt verbliebene Teil im Krieg vollständig vernichtet worden war. Der Nachlass wurde zunächst unter den Signaturen 65/2385-2391 in die Handschriftenabteilung eingereiht, 1978 aber neu geordnet und verzeichnet sowie in Abteilung N überführt.
Inhalt und Bewertung
Joseph Franz Anton Wunibald Andreas Sartunin, Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach, wurde am 29. November 1748 auf Schloss Wurzach als 15. von 18 Kindern des Erbtruchsessen, Reichsgrafen von Waldburg-Zeil-Wurzach und dessen Gemahlin Eleonore Maria, geb. Reichsgräfin von Königsegg-Rothenfels geboren. Schon in jungen Jahren wurde er, wie mehrere seiner Vorfahren, für den geistlichen Stand bestimmt und im Jahre 1773 in Köln zum Priester geweiht. Er hatte das Amt des Dekans zu St. Gereon in Köln und das Domdekanat in Straßburg inne. Vor den Wirren der französischen Revolution flüchtete er zunächst, unter Mitnahme einiger Schriftstücke des Domstifts, mit dem Fürstbischof Kardinal Rohan von Straßburg nach Ettenheim und Oberkirch. Als auch da die Lage unhaltbar wurde, begab sich Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach in sein Schloss Wurzach, wohin er noch vor dem Jahr 1790 seine Gemäldegalerie von Köln verlegt hatte. In dieser befanden sich u.a. Werke von Dürer, Lukas Cranach, P. P. Rubens, Rembrandt und Michelangelo. Die damals bestehende Absicht, dort eine Zeichen- und Malschule zu eröffnen, zerschlug sich durch die Übergriffe der französischen Soldaten in Schwaben und die dadurch notwendig gewordene Flüchtung der Gemäldesammlung nach Wien im Juli 1796. Sie wurde dort in der Geschwind'schen und Windhaag'schen Bibliothek untergebracht. Da aber die Galerie auch in Wien allmählich nicht mehr sicher war, und Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach trotz seines Einkommens als Kanonikus bei St. Stephan im Rang eines fürstbischöflichen Konsistorialrates durch die hohen Kosten für Erwerb und Transport von Gemälden immer mehr in Verschuldung geriet, fasste er 1802 den Entschluss, einen Teil seiner Galerie in London, dem damals besten Absatzmarkt für Kunstwerke, auf dem Subskriptionswege zu veräußern. Mit dem Transport und Verkauf der Gemälde wurde das Handlungshaus de Fries in Wien beauftragt. Der mit diesem abgeschlossene Vertrag besagte, dass bei Nichteinhaltung des Zahlungstermins für die dabei angefallenen Nebenkosten die Galerie dem Handlungshaus zufallen sollte. Als Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach diese bis 1805 verlängerte Frist nicht einhalten konnte, machte die Firma von ihrem vertraglich festgelegten Recht Gebrauch und versteigerte die Gemälde zu ihrem Gewinn. Ein bei dem niederösterreichischen Landesgericht in Wien erfolgter Prozess auf Rückgabe der Gemälde bzw. Schadensersatz zeitigte keinen Erfolg.
Mit dem Rest der Galerie versuchte Truchsess 1807 unter Vermittlung des Grafen Esterhazy in Preßburg eine Bildergalerie und Zeichenschule zu eröffnen, nachdem er den Kaiser vergebens um den Ankauf seiner Gemälde gebeten hatte. Vermutlich scheiterte dieser Plan. 1809 wurde er infultrierter Propst in Nikolsburg (Mähren).
Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach starb am 28. Dezember 1813 in Wien.
Überlieferungsgeschichte: Der Nachlass enthält neben wenigen persönlichen und das Domstift Straßburg betreffenden Unterlagen hauptsächlich Material über die Gemäldegalerie des Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach an ihren verschiedenen Unterbringungsorten und über den Prozess gegen das Handlungshaus de Fries. Sein Schicksal lässt sich bis zum Jahre 1810 zurückverfolgen: In jenem Jahr wurde er - damals noch wesentlich mehr Familienpapiere und Akten sowie Urkunden des Domstifts Straßburg enthaltend - in die Schlossbibliothek des Fürsten Dietrichstein in Nikolsburg verbracht, wo er unbeachtet liegen blieb, bis er im Jahre 1933 durch das wissenschaftliche Institut der Elsass-Lothringer im Reich (Frankfurt a. M.) vom Vertrauensmann des Fürsten Dietrichstein, Rechnungsrat Dosoudil, angekauft werden konnte. Das Institut verlieh 1943 einen Teil des Nachlasses zu Forschungszwecken an die Kunsthistorikerin Dr. Gerda Franziska Kircher, deren zugehörige Publikation aber erst 1979 erschien. Diese Unterlagen wurden 1952/53 dem Generallandesarchiv geschenkt, nachdem der in Frankfurt verbliebene Teil im Krieg vollständig vernichtet worden war. Der Nachlass wurde zunächst unter den Signaturen 65/2385-2391 in die Handschriftenabteilung eingereiht, 1978 aber neu geordnet und verzeichnet sowie in Abteilung N überführt.
Inhalt: Joseph Franz Anton Wunibald Andreas Sartunin, Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach, wurde am 29. November 1748 auf Schloss Wurzach als 15. von 18 Kindern des Erbtruchsessen, Reichsgrafen von Waldburg-Zeil-Wurzach und dessen Gemahlin Eleonore Maria, geb. Reichsgräfin von Königsegg-Rothenfels geboren. Schon in jungen Jahren wurde er, wie mehrere seiner Vorfahren, für den geistlichen Stand bestimmt und im Jahre 1773 in Köln zum Priester geweiht. Er hatte das Amt des Dekans zu St. Gereon in Köln und das Domdekanat in Straßburg inne. Vor den Wirren der französischen Revolution flüchtete er zunächst, unter Mitnahme einiger Schriftstücke des Domstifts, mit dem Fürstbischof Kardinal Rohan von Straßburg nach Ettenheim und Oberkirch. Als auch da die Lage unhaltbar wurde, begab sich Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach in sein Schloss Wurzach, wohin er noch vor dem Jahr 1790 seine Gemäldegalerie von Köln verlegt hatte. In dieser befanden sich u.a. Werke von Dürer, Lukas Cranach, P. P. Rubens, Rembrandt und Michelangelo. Die damals bestehende Absicht, dort eine Zeichen- und Malschule zu eröffnen, zerschlug sich durch die Übergriffe der französischen Soldaten in Schwaben und die dadurch notwendig gewordene Flüchtung der Gemäldesammlung nach Wien im Juli 1796. Sie wurde dort in der Geschwind'schen und Windhaag'schen Bibliothek untergebracht. Da aber die Galerie auch in Wien allmählich nicht mehr sicher war, und Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach trotz seines Einkommens als Kanonikus bei St. Stephan im Rang eines fürstbischöflichen Konsistorialrates durch die hohen Kosten für Erwerb und Transport von Gemälden immer mehr in Verschuldung geriet, fasste er 1802 den Entschluss, einen Teil seiner Galerie in London, dem damals besten Absatzmarkt für Kunstwerke, auf dem Subskriptionswege zu veräußern. Mit dem Transport und Verkauf der Gemälde wurde das Handlungshaus de Fries in Wien beauftragt. Der mit diesem abgeschlossene Vertrag besagte, dass bei Nichteinhaltung des Zahlungstermins für die dabei angefallenen Nebenkosten die Galerie dem Handlungshaus zufallen sollte. Als Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach diese bis 1805 verlängerte Frist nicht einhalten konnte, machte die Firma von ihrem vertraglich festgelegten Recht Gebrauch und versteigerte die Gemälde zu ihrem Gewinn. Ein bei dem niederösterreichischen Landesgericht in Wien erfolgter Prozess auf Rückgabe der Gemälde bzw. Schadensersatz zeitigte keinen Erfolg. Mit dem Rest der Galerie versuchte Truchsess 1807 unter Vermittlung des Grafen Esterhazy in Preßburg eine Bildergalerie und Zeichenschule zu eröffnen, nachdem er den Kaiser vergebens um den Ankauf seiner Gemälde gebeten hatte. Vermutlich scheiterte dieser Plan. 1809 wurde er infultrierter Propst in Nikolsburg (Mähren). Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach starb am 28. Dezember 1813 in Wien. Karlsruhe, im Juli 1978 Dr. M. Salabova
Nutzungshinweise: Der Bestand wurde 2023 vollständig digitalisiert. Die Nutzung erfolgt über die Digitalisate im Online-Findmittel.
Literatur: Gerda Franziska Kircher: Die Truchsessen-Galerie. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Kunstsammelns um 1800 (Galerie. Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 2), Frankfurt/M. 1979. [GLA Qs 4] Paul Wentzcke: Neue Funde aus dem Archiv des Straßburger Domstifts, in: Bulletin de la Société des Amis de la Cathédrale de Strasbourg, 2e série, No. 5, Strasbourg 1939, S. 105-111. P. Beck: Die weiland "Truchsessengalerie" zu Wurzach und die Multscherbilder, in: Diöcesanarchiv von Schwaben 20 (1902), Nr. 8, S. 113-136.
Der Nachlass enthält neben wenigen persönlichen und das Domstift Straßburg betreffenden Unterlagen hauptsächlich Material über die Gemäldegalerie des Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach an ihren verschiedenen Unterbringungsorten und über den Prozess gegen das Handlungshaus de Fries. Sein Schicksal lässt sich bis zum Jahre 1810 zurückverfolgen: In jenem Jahr wurde er - damals noch wesentlich mehr Familienpapiere und Akten sowie Urkunden des Domstifts Straßburg enthaltend - in die Schlossbibliothek des Fürsten Dietrichstein in Nikolsburg verbracht, wo er unbeachtet liegen blieb, bis er im Jahre 1933 durch das wissenschaftliche Institut der Elsass-Lothringer im Reich (Frankfurt a. M.) vom Vertrauensmann des Fürsten Dietrichstein, Rechnungsrat Dosoudil, angekauft werden konnte. Das Institut verlieh 1943 einen Teil des Nachlasses zu Forschungszwecken an die Kunsthistorikerin Dr. Gerda Franziska Kircher, deren zugehörige Publikation aber erst 1979 erschien. Diese Unterlagen wurden 1952/53 dem Generallandesarchiv geschenkt, nachdem der in Frankfurt verbliebene Teil im Krieg vollständig vernichtet worden war. Der Nachlass wurde zunächst unter den Signaturen 65/2385-2391 in die Handschriftenabteilung eingereiht, 1978 aber neu geordnet und verzeichnet sowie in Abteilung N überführt.
Inhalt und Bewertung
Joseph Franz Anton Wunibald Andreas Sartunin, Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach, wurde am 29. November 1748 auf Schloss Wurzach als 15. von 18 Kindern des Erbtruchsessen, Reichsgrafen von Waldburg-Zeil-Wurzach und dessen Gemahlin Eleonore Maria, geb. Reichsgräfin von Königsegg-Rothenfels geboren. Schon in jungen Jahren wurde er, wie mehrere seiner Vorfahren, für den geistlichen Stand bestimmt und im Jahre 1773 in Köln zum Priester geweiht. Er hatte das Amt des Dekans zu St. Gereon in Köln und das Domdekanat in Straßburg inne. Vor den Wirren der französischen Revolution flüchtete er zunächst, unter Mitnahme einiger Schriftstücke des Domstifts, mit dem Fürstbischof Kardinal Rohan von Straßburg nach Ettenheim und Oberkirch. Als auch da die Lage unhaltbar wurde, begab sich Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach in sein Schloss Wurzach, wohin er noch vor dem Jahr 1790 seine Gemäldegalerie von Köln verlegt hatte. In dieser befanden sich u.a. Werke von Dürer, Lukas Cranach, P. P. Rubens, Rembrandt und Michelangelo. Die damals bestehende Absicht, dort eine Zeichen- und Malschule zu eröffnen, zerschlug sich durch die Übergriffe der französischen Soldaten in Schwaben und die dadurch notwendig gewordene Flüchtung der Gemäldesammlung nach Wien im Juli 1796. Sie wurde dort in der Geschwind'schen und Windhaag'schen Bibliothek untergebracht. Da aber die Galerie auch in Wien allmählich nicht mehr sicher war, und Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach trotz seines Einkommens als Kanonikus bei St. Stephan im Rang eines fürstbischöflichen Konsistorialrates durch die hohen Kosten für Erwerb und Transport von Gemälden immer mehr in Verschuldung geriet, fasste er 1802 den Entschluss, einen Teil seiner Galerie in London, dem damals besten Absatzmarkt für Kunstwerke, auf dem Subskriptionswege zu veräußern. Mit dem Transport und Verkauf der Gemälde wurde das Handlungshaus de Fries in Wien beauftragt. Der mit diesem abgeschlossene Vertrag besagte, dass bei Nichteinhaltung des Zahlungstermins für die dabei angefallenen Nebenkosten die Galerie dem Handlungshaus zufallen sollte. Als Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach diese bis 1805 verlängerte Frist nicht einhalten konnte, machte die Firma von ihrem vertraglich festgelegten Recht Gebrauch und versteigerte die Gemälde zu ihrem Gewinn. Ein bei dem niederösterreichischen Landesgericht in Wien erfolgter Prozess auf Rückgabe der Gemälde bzw. Schadensersatz zeitigte keinen Erfolg.
Mit dem Rest der Galerie versuchte Truchsess 1807 unter Vermittlung des Grafen Esterhazy in Preßburg eine Bildergalerie und Zeichenschule zu eröffnen, nachdem er den Kaiser vergebens um den Ankauf seiner Gemälde gebeten hatte. Vermutlich scheiterte dieser Plan. 1809 wurde er infultrierter Propst in Nikolsburg (Mähren).
Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach starb am 28. Dezember 1813 in Wien.
Überlieferungsgeschichte: Der Nachlass enthält neben wenigen persönlichen und das Domstift Straßburg betreffenden Unterlagen hauptsächlich Material über die Gemäldegalerie des Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach an ihren verschiedenen Unterbringungsorten und über den Prozess gegen das Handlungshaus de Fries. Sein Schicksal lässt sich bis zum Jahre 1810 zurückverfolgen: In jenem Jahr wurde er - damals noch wesentlich mehr Familienpapiere und Akten sowie Urkunden des Domstifts Straßburg enthaltend - in die Schlossbibliothek des Fürsten Dietrichstein in Nikolsburg verbracht, wo er unbeachtet liegen blieb, bis er im Jahre 1933 durch das wissenschaftliche Institut der Elsass-Lothringer im Reich (Frankfurt a. M.) vom Vertrauensmann des Fürsten Dietrichstein, Rechnungsrat Dosoudil, angekauft werden konnte. Das Institut verlieh 1943 einen Teil des Nachlasses zu Forschungszwecken an die Kunsthistorikerin Dr. Gerda Franziska Kircher, deren zugehörige Publikation aber erst 1979 erschien. Diese Unterlagen wurden 1952/53 dem Generallandesarchiv geschenkt, nachdem der in Frankfurt verbliebene Teil im Krieg vollständig vernichtet worden war. Der Nachlass wurde zunächst unter den Signaturen 65/2385-2391 in die Handschriftenabteilung eingereiht, 1978 aber neu geordnet und verzeichnet sowie in Abteilung N überführt.
Inhalt: Joseph Franz Anton Wunibald Andreas Sartunin, Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach, wurde am 29. November 1748 auf Schloss Wurzach als 15. von 18 Kindern des Erbtruchsessen, Reichsgrafen von Waldburg-Zeil-Wurzach und dessen Gemahlin Eleonore Maria, geb. Reichsgräfin von Königsegg-Rothenfels geboren. Schon in jungen Jahren wurde er, wie mehrere seiner Vorfahren, für den geistlichen Stand bestimmt und im Jahre 1773 in Köln zum Priester geweiht. Er hatte das Amt des Dekans zu St. Gereon in Köln und das Domdekanat in Straßburg inne. Vor den Wirren der französischen Revolution flüchtete er zunächst, unter Mitnahme einiger Schriftstücke des Domstifts, mit dem Fürstbischof Kardinal Rohan von Straßburg nach Ettenheim und Oberkirch. Als auch da die Lage unhaltbar wurde, begab sich Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach in sein Schloss Wurzach, wohin er noch vor dem Jahr 1790 seine Gemäldegalerie von Köln verlegt hatte. In dieser befanden sich u.a. Werke von Dürer, Lukas Cranach, P. P. Rubens, Rembrandt und Michelangelo. Die damals bestehende Absicht, dort eine Zeichen- und Malschule zu eröffnen, zerschlug sich durch die Übergriffe der französischen Soldaten in Schwaben und die dadurch notwendig gewordene Flüchtung der Gemäldesammlung nach Wien im Juli 1796. Sie wurde dort in der Geschwind'schen und Windhaag'schen Bibliothek untergebracht. Da aber die Galerie auch in Wien allmählich nicht mehr sicher war, und Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach trotz seines Einkommens als Kanonikus bei St. Stephan im Rang eines fürstbischöflichen Konsistorialrates durch die hohen Kosten für Erwerb und Transport von Gemälden immer mehr in Verschuldung geriet, fasste er 1802 den Entschluss, einen Teil seiner Galerie in London, dem damals besten Absatzmarkt für Kunstwerke, auf dem Subskriptionswege zu veräußern. Mit dem Transport und Verkauf der Gemälde wurde das Handlungshaus de Fries in Wien beauftragt. Der mit diesem abgeschlossene Vertrag besagte, dass bei Nichteinhaltung des Zahlungstermins für die dabei angefallenen Nebenkosten die Galerie dem Handlungshaus zufallen sollte. Als Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach diese bis 1805 verlängerte Frist nicht einhalten konnte, machte die Firma von ihrem vertraglich festgelegten Recht Gebrauch und versteigerte die Gemälde zu ihrem Gewinn. Ein bei dem niederösterreichischen Landesgericht in Wien erfolgter Prozess auf Rückgabe der Gemälde bzw. Schadensersatz zeitigte keinen Erfolg. Mit dem Rest der Galerie versuchte Truchsess 1807 unter Vermittlung des Grafen Esterhazy in Preßburg eine Bildergalerie und Zeichenschule zu eröffnen, nachdem er den Kaiser vergebens um den Ankauf seiner Gemälde gebeten hatte. Vermutlich scheiterte dieser Plan. 1809 wurde er infultrierter Propst in Nikolsburg (Mähren). Joseph Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach starb am 28. Dezember 1813 in Wien. Karlsruhe, im Juli 1978 Dr. M. Salabova
Nutzungshinweise: Der Bestand wurde 2023 vollständig digitalisiert. Die Nutzung erfolgt über die Digitalisate im Online-Findmittel.
Literatur: Gerda Franziska Kircher: Die Truchsessen-Galerie. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Kunstsammelns um 1800 (Galerie. Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 2), Frankfurt/M. 1979. [GLA Qs 4] Paul Wentzcke: Neue Funde aus dem Archiv des Straßburger Domstifts, in: Bulletin de la Société des Amis de la Cathédrale de Strasbourg, 2e série, No. 5, Strasbourg 1939, S. 105-111. P. Beck: Die weiland "Truchsessengalerie" zu Wurzach und die Multscherbilder, in: Diöcesanarchiv von Schwaben 20 (1902), Nr. 8, S. 113-136.
95 Archivalien (Nr. 1-95)
Bestand
Gerda Franziska Kircher: Die Truchsessen-Galerie. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Kunstsammelns um 1800 (Galerie. Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 2), Frankfurt/M. 1979. [GLA Qs 4]
Paul Wentzcke: Neue Funde aus dem Archiv des Straßburger Domstifts, in: Bulletin de la Société des Amis de la Cathédrale de Strasbourg, 2e série, No. 5, Strasbourg 1939, S. 105-111.
P. Beck: Die weiland "Truchsessengalerie" zu Wurzach und die Multscherbilder, in: Diöcesanarchiv von Schwaben 20 (1902), Nr. 8, S. 113-136.
Paul Wentzcke: Neue Funde aus dem Archiv des Straßburger Domstifts, in: Bulletin de la Société des Amis de la Cathédrale de Strasbourg, 2e série, No. 5, Strasbourg 1939, S. 105-111.
P. Beck: Die weiland "Truchsessengalerie" zu Wurzach und die Multscherbilder, in: Diöcesanarchiv von Schwaben 20 (1902), Nr. 8, S. 113-136.
Waldburg-Zeil-Wurzach, Josef Truchseß von
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
03.04.2025, 11:03 MESZ
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