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Stadt Ahlen Zeche Westfalen (Bestand)
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Ahl Stadt Z Ahl Stadt Z Stadt Ahlen Zeche Westfalen
Kreisarchiv Warendorf (Archivtektonik)
1909-2004
Form und Inhalt: Kreisarchiv Warendorf, Stadt Ahlen - Zeche Westfalen
Geschichte der Zeche Westfalen:
Die Zeche Westfalen entstand zu Beginn des 20. Jahrhundert, indem sich einige örtliche Fabrikanten zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen hatten. Diese waren der Beckumer Kaufmann Franz Bomke, Gerhard Bomke, die Gebrüder Eberhard, Heinrich und Max Illigens, Christian Klasberg, Stefan Becker aus Beckum, sowie Heinrich Kost aus Wattenscheid und Driessen aus Recklinghausen.
Im Bereich der Bauerschaft Rosendahl fanden 1901 Suchbohrungen statt, bei welchen einige Kohlevorräte gefunden wurden. Bis 1907 fanden insgesamt 33 weitere Bohrungen in der Region statt. Zwei Jahre später begann man mit dem Abteufen der Schächte 1 & 2, sowie mit der Errichtung der dazugehörigen Infrastruktur. Die erste Kohle wurde am 05.03.1913 gefördert. Am 01.01.1914 wurde die Kokerei ”Westfalen“ in Betrieb genommen. Am 16.11.1920 reißt das Förderseil in Schacht 2. Bei dem bis dahin größten Grubenunglück in Ahlen finden 14 Bergleute den Tod.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf der Zeche Westfalen viele Zwangsarbeiter eingesetzt, die meisten von ihnen Kriegsgefangene. Am 23.03.1944 wurde bei Bombenangriffen durch die Alliierten große Teile der Zeche zerstört, die Förderung und der Absatz von Rohkohle konnte dennoch fortgesetzt werden, da viele Fördergerüste und Fördermaschinen erhalten blieben. Es wurden allerdings 193 Menschen getötet und 250 Menschen verletzt. Viele verloren ihre Unterkünfte. Da die Stadt Ahlen am 31.03.1945 besetzt wurde, fiel auch die Zeche Ahlen an die Amerikaner. Die Förderung wurde für ca. einen Monat eingestellt.
1968 wurde die Zeche Westfalen an den Eschweiler Bergwerksverein verkauft. 1989 übernahme die Ruhrkohle AG die Betriebsführung.
Mit der Schließung der Kokerei 1989 begann der Niedergang der Zeche Westfalen. Die Steinkohlenförderung lief bis zum 30.06.2000. An diesem Tag wurde der Betrieb endgültig eingestellt.
Bestandsübersicht:
Der Bestand gliedert sich in die Kategorien "Akten"," Pläne" und "Druckschriften". Inhaltlich befassen sich die Akten zumeist mit der Errichtung und Erweiterung von Gebäuden, dem Betrieb von Maschinen und der Zechenbahn sowie der Wartung und Betriebserlaubnis der Seilfahrtanlagen. Für die Seilfahrtanlagen liegen diverse Betriebsbücher vor. Die Akte Nr. 68 enthält eine Sammlung von Aktenplänen. In der Akte Nr. 118 finden sich Dienstanweisungen.
Ebenfalls vorhanden sind Unterlagen über Entwässerungs- und Kanalisationsarbeiten. Daneben beschäftigen sich viele Akten mit dem "Abteufen" eines oder mehrer Schächte, inklusive Betriebs- und Sonderbetriebsplänen sowie Angaben zur technischen Ausstattung. Viele Akten werden durch Pläne und technische Zeichnungen ergänzt. Diese wurden nicht entnommen, um eine bessere Zuordnung zu einem Vorgang zu ermöglichen.
Daneben finden sich in dem Bestand auch Protokolle und Geschäftsberichte des Bauvereins "Glückauf".
Unter der Kategorie "Pläne" sind alle Einzelpläne verzeichnet, die ohne zugehörige Akte vorliegen. Dabei handelt es sich zumeist um Lagepläne, Grundrisse, Ansichten und Schnitte von Gebäuden, Zeichnungen von technischen Anlagen, von der Zechenbahn (inkl. Lokomotiven) sowie Pläne zur Entwässerung. Auch der Lageplan eines Kriegsgefangenen- und Ausländerlagers ist überliefert.
Die "Druckschriften" enthalten sowohl Publikationen des Eschweiler Bergwerksvereins (EBV), als auch Publikationen anderer Herkunft mit Bezug zum Bergbau. Für die Zeitschriften "EBV-Report", "Glückauf", "Ruhrkohle" sowie "Steinkohle" liegen jeweils Sammlungen mehrerer Jahre vor (teilweise jedoch mit Lücken). Ergänzt wird die Kategorie durch eine Zeitungsausschnittsammlung.
Außerdem sind hier die Geschäftsberichte des EBV zu finden (mit Lücken). In den Druckschriften enthalten ist auch eine Informationsmappe des EBV (Nr. 70) mit vielen Angaben zur Zeche Westfalen.
Begriffe aus dem Bergbau:
Abteufen - Einen Schacht ”niederbringen“ oder weiter in die Tiefe graben
Alter Mann - Nicht mehr gebrauchte Grubenräume, Stollen oder ausgeraubte Bereiche
Auffahren - Herstellen und vortreiben von Strecken (Stollen)
Ausrauben - Rückgewinnung der Ausbauten (z.B. Schienen, Maschinen, Leitungen und Stempel)
Berge - Gesteinsstücke, Abraum
Blindschacht - Schacht, der unter Tage beginnt und nicht zu Tage führt
Flöz - Die Kohleschicht im Erdreich
Haspel - Seilwinde
Kaue - Umkleide- und Waschraum (Waschkaue)
Markscheider - Vermessungsingenieur im Bergbau
Mächtigkeit - Dicke eines Flözes oder Schichtstärke eines gesuchten Rohstoffes
Muthung - Antrag bei einer Bergbehörde auf Bewilligung einer Genehmigung zum Bergbau
Stempel - Stützen aus Metall oder Holz um die Stollen vor dem Einbrechen zu bewahren
Wetter - Name für die Luft- und Gaszusammensetzung
Wetterführung - Maßnahmen der Verteilung und Führung der Wetter (Luft) unter Tage
Wetterstrecke - Die Strecke, durch die verbrauchte Luft abziehen kann
Zwischengeschirr - Stahlteile, Bolzen und Ketten, die das Förderseil mit dem Förderkorb verbinden
Bestandsgeschichte: Die Stadt Ahlen sicherte um das Jahr 2001 die Unterlagen der Zeche Westfalen vor der drohenden Vernichtung. Die Akten wurden auf einem Speicher in Dolberg untergebracht. Im Jahre 2011 wurde ein größerer Teil ausgewählter Unterlagen an das Bergbauarchiv in Bochum als Schenkung abgegeben (Übersicht liegt im Kreisarchiv vor). Die restlichen Unterlagen wurden 2019 vom Kreisarchiv übernommen und verzeichnet.
Literatur:
- Barth, Fritz, Die Zeche "Westfalen" in Ahlen, in: SGV-Heimatverein Ahlen, Heimatbuch der Stadt Ahlen, 1929, S. 200-211
Glomb, Alfred,
- Glückauf-Stiftung (Hrsg.): Zeche Westfalen. Ein Jahrhundert Steinkohlenbergbau in Ahlen, Essen, 2000.
- Hermann, Gertrude; Hermann, Wilhelm: Die alten Zechen an der Ruhr, Königstein im Taunus, 2008.
- Huhn, Michael, Ein ganz eigener Schlag. Kolonie und Bergwerk Westfalen. Leben und Arbeiten in Ahlen nach 1945, Essen, 1997.
- Huhn, Michael, Zeche und Kolonie, Ahlen, 1992.
- Jericho, Kurt, 50 Jahre Steinkohlenförderung in Ahlen (Westfalen). Chronik der Schachtanlage Westfalen, Ahlen, 1963.
- Offele-Aden, Hildegard, 30 Jahre auf der Zeche - ein Gespräch, in: Der beflügelte Aal Nr. 22, 2003, S. 28-33.
- Pokorny, Franz, Die Entwicklung der Zeche Westfalen, in: Der beflügelte Aal Nr. 18, 1999, S. 10-14.
- Rennspieß, Uwe, Jenseits der Bahn. Geschichte der Ahlener Bergarbeiterkolonie und der Zeche Westfalen, Essen, 1989.
Warendorf, im Januar 2020
Dr. Langewand/Krieft/Schirrmacher
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.