E Rep. 200-23 Nachlass Gustav Klingelhöfer (Bestand)
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E Rep. 200-23
Landesarchiv Berlin (Archivtektonik) >> E Nachlässe und personengeschichtliche Sammlungen >> E 1 Nachlässe und Personenfonds
Vorwort: 1. Biographie
Gustav Adolf Karl Klingelhöfer wurde am 16. Oktober 1888 in Metz als Sohn eines Handwerkers geboren. Nach Schulbesuch und Buchhaltertätigkeit in seiner Heimatstadt bereitete er sich ab 1910 in München auf die Reifeprüfung vor und studierte gleichzeitig Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität. Den Ersten Weltkrieges verbrachte Klingelhöfer in einer Münchner Garnison, denn wegen seiner lothringischen Herkunft schien er den Militärs für einen Fronteinsatz nicht zuverlässig genug. Im November 1918 folgte er Kurt Eisner, war Soldatenrat seiner Truppe und Mitglied des bayerischen Revolutionsparlaments. Klingelhöfer gab 1918/19 die "Süddeutsche Freiheit" heraus, war Vorsitzender der Betriebsrätehauptversammlung und an der Münchener Räterepublik beteiligt. Aufgrund dessen wurde er zu fünf Jahren Festungshaft in Niederschönenfeld (Schwaben) verurteilt, die er für intensive wissenschaftliche Studien nutzte. Er bezeichnete die Jahre der Festungshaaft als die schönsten seines Lebens. 1924 entlassen, wurde er in Berlin Wirtschaftsredakteur des "Vorwärts". Diese Position hatte er bis 1933 inne. In der NS-Zeit war Klingelhöfer durch politische Gesinnung und Herkunft - seine Muter war Jüdin - gefährdet. Er verdiente seinen Lebensunterhalt durch den Betrieb eines Fotokopier-Geschäftes und konnte in der Anonymität bleiben.
Nach Kriegsende gehörte Klingelhöfer zu den Ersten, die sich am Wiederaufbau des politischen Lebens und an der Umorganisation der Wirtschaft beteiligten. Er übernahm die Leitung der Referate Politik und Wirtschaft im SPD-Zentralausschuss, war enger Mitarbeiter Otto Grotewohls, wehrte sich aber entschieden gegen die Zwangsvereinigung von KPD und SPD. Nach der kurzen Zeit als Chefredakteur der Zeitung "Der Sozialdemokrat" wurde Klingelhöfer im Oktober 1946 Stadtrat für Wirtschaft im Berliner Magistrat.
Nach der administrativen Spaltung Berlins wirkte er für die SPD als Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus und ab 1953 im Deutschen Bundestag. 1958 wurde Klingelhöfer Stadtältester in Berlin. Bis zu seinem Tode am 16. Januar 1961 war er als wirtschaftspolitischer Berater der SPD und als Publizist tätig.
Als Student in München hatte Klingelhöfer die geschiedene Selma Kleinmann geb. Rittler (*14. Juni 1881 in Konitz, Westpreußen) kennen gelernt, die eine engagierte Frauenrechterlin in München war. Die beiden heirateten am 15. Februar 1913 in München. Selma Klingelhöfer besuchte ihn während der Festungshaft, im Nachlass sind einige Briefe von ihr an Gustav Klingelhöfer überliefert. Sie starb am 7. August 1931 im Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin.
Seit dem 5. März 1933 war Klingelhöfer in 2. Ehe mit der Ärztin Dr. Katharina "Käthe" Foth geb. Nissel (1899-1977) verheiratet, die er Anfang der 1930er Jahren kennen gelernt hatte. Sie war seit 1922 beamtete Kinderärztin in Neukölln. Im März 1933 als Sozialdemokratin erst entlassen, wurde sie im Herbst 1933 wieder eingestellt. Von 1948 bis 1959 war sie für die SPD Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und des Abgeordnetenhauses.
Der Nachlass wurde dem Landesarchiv Berlin 1977 von den Erben Käthe Klingelhöfers übergeben. .
2. Bestandsbeschreibung
Enthält:
Biografisches Material.- Ehrungen.- Reden.- Unterlagen aus der beruflichen Tätigkeit, u. a. als Herausgeber der "Süddeutschen Freiheit", Vorsitzender der Betriebsrätehauptversammlung in München, Wirtschaftsredakteur beim "Vorwärts".- Tätigkeit als Referent für Politik und Wirtschaft im SPD-Zentralausschuss.- Chefredaktion des "Sozialdemokrat".- Tätigkeit als Stadtrat für Wirtschaft.- Abgeordnetentätigkeit.- Manuskripte und Artikel.- Korrespondenz.- Fotos.
Erschlossen: 97 [AE] 2.50 [lfm]
Laufzeit:
1904 - 1971
Benutzung:
Datenbank, Findbuch
Verweise:
-> LAB C Rep. 106 Magistrat von Berlin, Abteilung Wirtschaft
Berlin, im Oktober 2022 Dr. Susanne Knoblich
Gustav Adolf Karl Klingelhöfer wurde am 16. Oktober 1888 in Metz als Sohn eines Handwerkers geboren. Nach Schulbesuch und Buchhaltertätigkeit in seiner Heimatstadt bereitete er sich ab 1910 in München auf die Reifeprüfung vor und studierte gleichzeitig Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität. Den Ersten Weltkrieges verbrachte Klingelhöfer in einer Münchner Garnison, denn wegen seiner lothringischen Herkunft schien er den Militärs für einen Fronteinsatz nicht zuverlässig genug. Im November 1918 folgte er Kurt Eisner, war Soldatenrat seiner Truppe und Mitglied des bayerischen Revolutionsparlaments. Klingelhöfer gab 1918/19 die "Süddeutsche Freiheit" heraus, war Vorsitzender der Betriebsrätehauptversammlung und an der Münchener Räterepublik beteiligt. Aufgrund dessen wurde er zu fünf Jahren Festungshaft in Niederschönenfeld (Schwaben) verurteilt, die er für intensive wissenschaftliche Studien nutzte. Er bezeichnete die Jahre der Festungshaaft als die schönsten seines Lebens. 1924 entlassen, wurde er in Berlin Wirtschaftsredakteur des "Vorwärts". Diese Position hatte er bis 1933 inne. In der NS-Zeit war Klingelhöfer durch politische Gesinnung und Herkunft - seine Muter war Jüdin - gefährdet. Er verdiente seinen Lebensunterhalt durch den Betrieb eines Fotokopier-Geschäftes und konnte in der Anonymität bleiben.
Nach Kriegsende gehörte Klingelhöfer zu den Ersten, die sich am Wiederaufbau des politischen Lebens und an der Umorganisation der Wirtschaft beteiligten. Er übernahm die Leitung der Referate Politik und Wirtschaft im SPD-Zentralausschuss, war enger Mitarbeiter Otto Grotewohls, wehrte sich aber entschieden gegen die Zwangsvereinigung von KPD und SPD. Nach der kurzen Zeit als Chefredakteur der Zeitung "Der Sozialdemokrat" wurde Klingelhöfer im Oktober 1946 Stadtrat für Wirtschaft im Berliner Magistrat.
Nach der administrativen Spaltung Berlins wirkte er für die SPD als Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus und ab 1953 im Deutschen Bundestag. 1958 wurde Klingelhöfer Stadtältester in Berlin. Bis zu seinem Tode am 16. Januar 1961 war er als wirtschaftspolitischer Berater der SPD und als Publizist tätig.
Als Student in München hatte Klingelhöfer die geschiedene Selma Kleinmann geb. Rittler (*14. Juni 1881 in Konitz, Westpreußen) kennen gelernt, die eine engagierte Frauenrechterlin in München war. Die beiden heirateten am 15. Februar 1913 in München. Selma Klingelhöfer besuchte ihn während der Festungshaft, im Nachlass sind einige Briefe von ihr an Gustav Klingelhöfer überliefert. Sie starb am 7. August 1931 im Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin.
Seit dem 5. März 1933 war Klingelhöfer in 2. Ehe mit der Ärztin Dr. Katharina "Käthe" Foth geb. Nissel (1899-1977) verheiratet, die er Anfang der 1930er Jahren kennen gelernt hatte. Sie war seit 1922 beamtete Kinderärztin in Neukölln. Im März 1933 als Sozialdemokratin erst entlassen, wurde sie im Herbst 1933 wieder eingestellt. Von 1948 bis 1959 war sie für die SPD Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und des Abgeordnetenhauses.
Der Nachlass wurde dem Landesarchiv Berlin 1977 von den Erben Käthe Klingelhöfers übergeben. .
2. Bestandsbeschreibung
Enthält:
Biografisches Material.- Ehrungen.- Reden.- Unterlagen aus der beruflichen Tätigkeit, u. a. als Herausgeber der "Süddeutschen Freiheit", Vorsitzender der Betriebsrätehauptversammlung in München, Wirtschaftsredakteur beim "Vorwärts".- Tätigkeit als Referent für Politik und Wirtschaft im SPD-Zentralausschuss.- Chefredaktion des "Sozialdemokrat".- Tätigkeit als Stadtrat für Wirtschaft.- Abgeordnetentätigkeit.- Manuskripte und Artikel.- Korrespondenz.- Fotos.
Erschlossen: 97 [AE] 2.50 [lfm]
Laufzeit:
1904 - 1971
Benutzung:
Datenbank, Findbuch
Verweise:
-> LAB C Rep. 106 Magistrat von Berlin, Abteilung Wirtschaft
Berlin, im Oktober 2022 Dr. Susanne Knoblich
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
Für nähere Informationen zu Nutzungs- und Verwertungsrechten kontaktieren Sie bitte info@landesarchiv.berlin.de.
22.08.2025, 11:21 AM CEST