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NL 106: Schwamb, Elisabeth (Bestand)
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Bestände des Stadtarchivs Mainz >> Nachlässe >> Nachlässe nach Nummern, NL 101-150
1891-1964 (1990-1996)
siehe Vorwort (letzter Absatz)
Vorwort
Ludwig Schwamb, geboren 1890 in Undenheim, nahm nach Abschluss der Reifeprüfung an der Mainzer Oberrealschule ein Studium der Rechtswissenschaften in Gießen und Berlin auf, das er 1914 mit der ersten Staatsprüfung abschloss. Freiwillig meldete er sich zum Kriegsdienst, um nach Kriegsende, mehrfach verletzt und durch den Großherzog von Hessen für Tapferkeit ausgezeichnet, innerlich jedoch tief ernüchtert, nach Mainz zurückzukehren. Nach Kriegsende ließ er sich als Rechtsanwalt nieder und engagierte sich aktiv für die SPD. Nachdem er 1923 an das Finanzamt Alzey und 1925 zum Finanzamt Oppenheim gewechselt war, wurde er 1928 persönlicher Referent des Hessischen Innenministers Wilhelm Leuschner (SPD), zu dessen engstem Beraterkreis er zunehmend gehörte. Ebenfalls in dieser frühen Zeit knüpfte Schwamb enge und für seine spätere Widerstandstätigkeit entscheidende Kontakte zu Dr. Carlo Mierendorff, Leuschners Pressesprecher.
Schwamb wurde Oberregierungsrat am hessischen Verwaltungsgerichtshof, 1929 ernannte man ihn zum Staatsrat. Besondere Verdienste erwarb er sich in dieser Zeit durch die Ausarbeitung der Hessischen Gemeindeordnung sowie des Zweckverbandsgesetzes.
Aufgrund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" wurde er 1933 aus dem Staatsdienst entlassen, wogegen er erfolglos protestierte, und nach dem Verbot der SPD unter polizeiliche Aufsicht gestellt. 1934 nahm er eine Tätigkeit als Firmenanwalt für die Schuhfabrik Conrad Tack & Cie AG in Berlin auf, wo seine Wohnung in den Folgejahren zum Treffpunkt politischer Opponenten des NS-Regimes wurde. 1938 trafen sich hier Wilhelm Leuschner, Carlo Mierendorff, und Julius Leber, später stießen andere wie Theodor Haubach und Gustav Dahrendorff zu diesem Kreis dazu. Darüber hinaus besorgte Schwamb Kurierdienste für die sozialdemokratische Widerstandsbewegung und versteckte von Verhaftung Bedrohte in seiner Wohnung. Auch zum äußeren Zirkel des "Kreisauer Kreis" um Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg ist Schwamb zu zählen.
Schwamb wurde von Leuschner mit der Organisation des sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen Konspirationsnetzwerks im Gebiet zwischen Kassel und Heidelberg betraut und sollte nach dem Attentat am 20. Juli die Rolle eines "Politischen Beauftragten" für einen Teil des Rhein-Main-Gebiets, Rheinhessen, die Pfalz und das Saarland übernehmen, die Entmachtung der Nationalsozialisten in den ihm zugewiesenen Landesteilen organisieren und beratend begleiten sowie den zivilen Widerstand mobilisieren.
Kurz nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli wurden Ludwig und Elisabeth Schwamb in Frankfurt verhaftet. Während man Elisabeth kurze Zeit später wieder frei ließ, wurde Ludwig Schwamb in das Berliner Gestapo-Gefängnis gebracht, wo er unter Folter ein Teilgeständnis ablegte. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn in einem von Freisler geleiteten Prozess zum Tod. Das Urteil wurde am 23.1.1945 vollstreckt. Schwamb wurde zusammen mit Graf Moltke, Theodor Haubach und Anderen in Plötzensee erhängt.
Noch heute erinnern nach Ludwig Schwamb benannte Schulen, darunter auch die Mainzer Ludwig-Schwamb-Schule, und Straßen an sein couragiertes Eintreten gegen den Nationalsozialismus.
Um eine angemessene und bleibende Würdigung der Leistung Ludwig Schwambs sowie der sozialdemokratischen Widerstandsbewegung insgesamt bemühte sich in der Nachkriegszeit seine Frau Elisabeth Schwamb, geb. Fritz. Sie schrieb ihre Erinnerungen zu den ihr bekannten Widerstandskämpfern nieder (u.a. für Ricarda Huchs Lebensbilder), unterhielt gute Verbindungen zu Überlebenden des Widerstandes, nahm regelmäßig an Gedenkfeiern teil und kritisierte öffentlich die oftmals nahtlose gesellschaftliche Rehabilitierung ehemaliger Täter.
Geboren 1897 in Marburg heiratete die ausgebildete Krankenschwester Ludwig Schwamb 1923 und trat der SPD bei. Sie engagierte sich für die Arbeiterwohlfahrt sowie in der Kinder- und Naturfreundebewegung. Nach dem Krieg zog sie nach Rheinhessen in den Geburtsort ihres Mannes Undenheim und machte es sich zur Lebensaufgabe "als Referentin für die Partei, als politische Testamentverwalterin meines Mannes, mitzuarbeiten an der Verwirklichung des Friedens, an der Völkerverständigung und nicht zuletzt an der weltweiten Jugendarbeit" (NL 106 / 58). Die sich als "christliche Sozialistin" bezeichnende Schwamb kandidierte 1946 erfolgreich für die Kreisversammlung des Stadt- und Landkreises Mainz, war ab 1950 Mitglied des rheinhessischen Bezirksvorstands der Partei, saß im Kreisvorstand, im Frauenvorstand und im Kulturausschuss der SPD. Sie verstarb 1964.
Die Unterlagen von Ludwig und Elisabeth Schwamb wurden im Jahr 1988 durch den Mainzer Kulturdezernenten Dr. Anton Maria Keim dem Stadtarchiv Mainz geschenkt (Zugangsnummer 1988/19) und die Bestandssignatur "NL 106: Schwamb, Elisabeth" vergeben. 1996übergab Archivdirektor Friedrich Schütz ein versiegeltes Päckchen mit Briefen Ludwig Schwambs an Nachfahren der Familie Will, die Rechte an den Briefen geltend gemacht hatten.
Im Oktober 2009 wurde der Bestand im Umfang von 1,5 lfm. durch die im Dienst des Landesarchivs Baden-Württemberg stehende Archivreferendarin Eva Rödel im Rahmen ihres Praktikums am Stadtarchiv Mainz mit der Datenbank FAUST 6 verzeichnet und durch Roland Fuchs neu verpackt.
Bei der Verzeichnung wurden Vorordnungen der Nachlasserin, soweit dies in dem stark ungeordneten Nachlass möglich war, übernommen. Die bei Übernahme des Archivguts pro Karton provisorisch vergebenen Signaturen wurden, obwohl die damaligen Einheiten bei der Neusortierung aufgelöst wurden, bei der Verzeichnung jeweils mit angegeben, da diese durch die Schülerin Christina Stein für ihren Beitrag über Ludwig Schwamb zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2008/09 zitiert wurden. Die von ihr gefertigten Digitalisate von verschiedenen Unterlagen zur Biografie Ludwig Schwambs liegen dem Stadtarchiv vor.
Den größten Teil des Bestandes macht die Nachkriegskorrespondenz Elisabeth Schwambs aus, die einerseits ihr gesellschaftliches Umfeld, andererseits ihre Bemühungen um eine aktive Erinnerung an den Widerstand ihres Mannes sowie ihr Engagement für die SPD aufzeigt. Ebenfalls gut dokumentiert sind Gedächtnisfeiern und Einweihungen von Gedenkstätten in der Nachkriegszeit für Ludwig Schwamb, Theodor Haubach und Andere, an denen Elisabeth Schwamb vielfach teilnahm. Aber auch private Belange und Probleme Elisabeth Schwambs, wie ihre wirtschaftliche, wohnräumliche, finanzielle und sogar gesundheitliche Situation, spiegelt der Bestand wider.
Deutlich weniger Unterlagen liegen zu Ludwig Schwamb vor. Besonders hervorzuheben sind die Feldpost aus dem ersten Weltkrieg, die Unterlagen die Bemühungen Schwambs betreffend, seine Entlassung aufgrund des Reichsgesetzes zur Widerherstellung des Berufsbeamtentums anzufechten, und die letzten, aus dem Gefängnis an seine Frau geschriebenen Briefe kurz vor seiner Hinrichtung.
Ein weiterer Nachlasssplitter zu Ludwig Schwamb liegt im Archiv der sozialen Demokratie bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn.
Gewisse Nummern des Bestandes unterliegen aufgrund des zu wahrenden Persönlichkeitsschutzes der Korrespondenzpartner Elisabeth Schwambs Sperrfristen für die Benutzung bis in das Jahr 2054 hinein. Entsprechend den Bestimmungen des Landesarchivgesetzes Rheinland-Pfalz können die Unterlagen unter bestimmten Bedingungen auch vor Ablauf der Sperrfristen eingesehen werden.
Mainz, im Oktober 2009
Eva Rödel M.A.
Unterlagen zur Biografie Ludwig Schwambs wurden von Christina Stein (Schülerin Rabanus-Maurus-Gymnasium) für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2008/09 digitalisiert (per Digitalkamera). Digitalisate liegen dem Stadtarchiv vor.
verzeichnet Oktober 2009
- Elsheimer, Herbert: Ludwig Schwamb, ein Sozialist und Demokrat, in: Landkreis Mainz-Bingen: Heimat-Jahrbuch, Bd. 29, 1985, S. 120-121.
- Keim, Anton Maria: Ludwig Schwamb und die Widerstandsbewegung gegen Hitler im Rhein-Main-Gebiet, in: Meyer, Hans-Georg (Hrsg.): Die Zeit des Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz, Bd. 1, Mainz 2000, S. 400-406.
- Keim, Anton Maria: Elisabeth Schwamb (1887-1964), in: Brüchert, Hedwig (Bearb.): Rheinland-Pfälzerinnen. Frauen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur in den Anfangsjahren des Landes Rheinland-Pfalz, Mainz 2001, S. 382-384.
- Ludwig Schwamb, in: Bracher, Karl Dietrich (Hrsg.): Das Gewissen steht auf. Lebensbilder aus dem deutschen Widerstand 1933-1945, Mainz 1984, S. 253-255.
- Schwamb, Walter: Chronik der Familie Schwamb. Die 600jährige Geschichte einer Familie aus Rheinhessen, Köngernheim 2004.
- Ulrich, Axel: Ludwig Schwamb, Jakob Steffan und andere südwestdeutsche Mitstreiter Wilhelm Leuschners im antinazistischen Widerstand, in: Niersteiner Geschichtsblätter, 12, 2006, S. 21-50.
- "Weil zu wenig Liebe auf der Welt ist, darum ist es so dunkel geworden." - Ludwig Schwamb, Ein rheinhessischer Widerstandskämpfer gegen die nationalsozialistische Diktatur. Beitrag von Christina Stein zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2008/09.
Form und Inhalt: Vorwort
Ludwig Schwamb, geboren 1890 in Undenheim, nahm nach Abschluss der Reifeprüfung an der Mainzer Oberrealschule ein Studium der Rechtswissenschaften in Gießen und Berlin auf, das er 1914 mit der ersten Staatsprüfung abschloss. Freiwillig meldete er sich zum Kriegsdienst, um nach Kriegsende, mehrfach verletzt und durch den Großherzog von Hessen für Tapferkeit ausgezeichnet, innerlich jedoch tief ernüchtert, nach Mainz zurückzukehren. Nach Kriegsende ließ er sich als Rechtsanwalt nieder und engagierte sich aktiv für die SPD. Nachdem er 1923 an das Finanzamt Alzey und 1925 zum Finanzamt Oppenheim gewechselt war, wurde er 1928 persönlicher Referent des Hessischen Innenministers Wilhelm Leuschner (SPD), zu dessen engstem Beraterkreis er zunehmend gehörte. Ebenfalls in dieser frühen Zeit knüpfte Schwamb enge und für seine spätere Widerstandstätigkeit entscheidende Kontakte zu Dr. Carlo Mierendorff, Leuschners Pressesprecher.
Schwamb wurde Oberregierungsrat am hessischen Verwaltungsgerichtshof, 1929 ernannte man ihn zum Staatsrat. Besondere Verdienste erwarb er sich in dieser Zeit durch die Ausarbeitung der Hessischen Gemeindeordnung sowie des Zweckverbandsgesetzes.
Aufgrund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" wurde er 1933 aus dem Staatsdienst entlassen, wogegen er erfolglos protestierte, und nach dem Verbot der SPD unter polizeiliche Aufsicht gestellt. 1934 nahm er eine Tätigkeit als Firmenanwalt für die Schuhfabrik Conrad Tack & Cie AG in Berlin auf, wo seine Wohnung in den Folgejahren zum Treffpunkt politischer Opponenten des NS-Regimes wurde. 1938 trafen sich hier Wilhelm Leuschner, Carlo Mierendorff, und Julius Leber, später stießen andere wie Theodor Haubach und Gustav Dahrendorff zu diesem Kreis dazu. Darüber hinaus besorgte Schwamb Kurierdienste für die sozialdemokratische Widerstandsbewegung und versteckte von Verhaftung Bedrohte in seiner Wohnung. Auch zum äußeren Zirkel des "Kreisauer Kreis" um Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg ist Schwamb zu zählen.
Schwamb wurde von Leuschner mit der Organisation des sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen Konspirationsnetzwerks im Gebiet zwischen Kassel und Heidelberg betraut und sollte nach dem Attentat am 20. Juli die Rolle eines "Politischen Beauftragten" für einen Teil des Rhein-Main-Gebiets, Rheinhessen, die Pfalz und das Saarland übernehmen, die Entmachtung der Nationalsozialisten in den ihm zugewiesenen Landesteilen organisieren und beratend begleiten sowie den zivilen Widerstand mobilisieren.
Kurz nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli wurden Ludwig und Elisabeth Schwamb in Frankfurt verhaftet. Während man Elisabeth kurze Zeit später wieder frei ließ, wurde Ludwig Schwamb in das Berliner Gestapo-Gefängnis gebracht, wo er unter Folter ein Teilgeständnis ablegte. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn in einem von Freisler geleiteten Prozess zum Tod. Das Urteil wurde am 23.1.1945 vollstreckt. Schwamb wurde zusammen mit Graf Moltke, Theodor Haubach und Anderen in Plötzensee erhängt.
Noch heute erinnern nach Ludwig Schwamb benannte Schulen, darunter auch die Mainzer Ludwig-Schwamb-Schule, und Straßen an sein couragiertes Eintreten gegen den Nationalsozialismus.
Um eine angemessene und bleibende Würdigung der Leistung Ludwig Schwambs sowie der sozialdemokratischen Widerstandsbewegung insgesamt bemühte sich in der Nachkriegszeit seine Frau Elisabeth Schwamb, geb. Fritz. Sie schrieb ihre Erinnerungen zu den ihr bekannten Widerstandskämpfern nieder (u.a. für Ricarda Huchs Lebensbilder), unterhielt gute Verbindungen zu Überlebenden des Widerstandes, nahm regelmäßig an Gedenkfeiern teil und kritisierte öffentlich die oftmals nahtlose gesellschaftliche Rehabilitierung ehemaliger Täter.
Geboren 1897 in Marburg heiratete die ausgebildete Krankenschwester Ludwig Schwamb 1923 und trat der SPD bei. Sie engagierte sich für die Arbeiterwohlfahrt sowie in der Kinder- und Naturfreundebewegung. Nach dem Krieg zog sie nach Rheinhessen in den Geburtsort ihres Mannes Undenheim und machte es sich zur Lebensaufgabe "als Referentin für die Partei, als politische Testamentverwalterin meines Mannes, mitzuarbeiten an der Verwirklichung des Friedens, an der Völkerverständigung und nicht zuletzt an der weltweiten Jugendarbeit" (NL 106 / 58). Die sich als "christliche Sozialistin" bezeichnende Schwamb kandidierte 1946 erfolgreich für die Kreisversammlung des Stadt- und Landkreises Mainz, war ab 1950 Mitglied des rheinhessischen Bezirksvorstands der Partei, saß im Kreisvorstand, im Frauenvorstand und im Kulturausschuss der SPD. Sie verstarb 1964.
Die Unterlagen von Ludwig und Elisabeth Schwamb wurden im Jahr 1988 durch den Mainzer Kulturdezernenten Dr. Anton Maria Keim dem Stadtarchiv Mainz geschenkt (Zugangsnummer 1988/19) und die Bestandssignatur "NL 106: Schwamb, Elisabeth" vergeben. 1996übergab Archivdirektor Friedrich Schütz ein versiegeltes Päckchen mit Briefen Ludwig Schwambs an Nachfahren der Familie Will, die Rechte an den Briefen geltend gemacht hatten.
Im Oktober 2009 wurde der Bestand im Umfang von 1,5 lfm. durch die im Dienst des Landesarchivs Baden-Württemberg stehende Archivreferendarin Eva Rödel im Rahmen ihres Praktikums am Stadtarchiv Mainz mit der Datenbank FAUST 6 verzeichnet und durch Roland Fuchs neu verpackt.
Bei der Verzeichnung wurden Vorordnungen der Nachlasserin, soweit dies in dem stark ungeordneten Nachlass möglich war, übernommen. Die bei Übernahme des Archivguts pro Karton provisorisch vergebenen Signaturen wurden, obwohl die damaligen Einheiten bei der Neusortierung aufgelöst wurden, bei der Verzeichnung jeweils mit angegeben, da diese durch die Schülerin Christina Stein für ihren Beitrag über Ludwig Schwamb zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2008/09 zitiert wurden. Die von ihr gefertigten Digitalisate von verschiedenen Unterlagen zur Biografie Ludwig Schwambs liegen dem Stadtarchiv vor.
Den größten Teil des Bestandes macht die Nachkriegskorrespondenz Elisabeth Schwambs aus, die einerseits ihr gesellschaftliches Umfeld, andererseits ihre Bemühungen um eine aktive Erinnerung an den Widerstand ihres Mannes sowie ihr Engagement für die SPD aufzeigt. Ebenfalls gut dokumentiert sind Gedächtnisfeiern und Einweihungen von Gedenkstätten in der Nachkriegszeit für Ludwig Schwamb, Theodor Haubach und Andere, an denen Elisabeth Schwamb vielfach teilnahm. Aber auch private Belange und Probleme Elisabeth Schwambs, wie ihre wirtschaftliche, wohnräumliche, finanzielle und sogar gesundheitliche Situation, spiegelt der Bestand wider.
Deutlich weniger Unterlagen liegen zu Ludwig Schwamb vor. Besonders hervorzuheben sind die Feldpost aus dem ersten Weltkrieg, die Unterlagen die Bemühungen Schwambs betreffend, seine Entlassung aufgrund des Reichsgesetzes zur Widerherstellung des Berufsbeamtentums anzufechten, und die letzten, aus dem Gefängnis an seine Frau geschriebenen Briefe kurz vor seiner Hinrichtung.
Ein weiterer Nachlasssplitter zu Ludwig Schwamb liegt im Archiv der sozialen Demokratie bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn.
Gewisse Nummern des Bestandes unterliegen aufgrund des zu wahrenden Persönlichkeitsschutzes der Korrespondenzpartner Elisabeth Schwambs Sperrfristen für die Benutzung bis in das Jahr 2054 hinein. Entsprechend den Bestimmungen des Landesarchivgesetzes Rheinland-Pfalz können die Unterlagen unter bestimmten Bedingungen auch vor Ablauf der Sperrfristen eingesehen werden.
Mainz, im Oktober 2009
Eva Rödel M.A.
- Elsheimer, Herbert: Ludwig Schwamb, ein Sozialist und Demokrat, in: Landkreis Mainz-Bingen: Heimat-Jahrbuch, Bd. 29, 1985, S. 120-121.
- Keim, Anton Maria: Ludwig Schwamb und die Widerstandsbewegung gegen Hitler im Rhein-Main-Gebiet, in: Meyer, Hans-Georg (Hrsg.): Die Zeit des Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz, Bd. 1, Mainz 2000, S. 400-406.
- Keim, Anton Maria: Elisabeth Schwamb (1887-1964), in: Brüchert, Hedwig (Bearb.): Rheinland-Pfälzerinnen. Frauen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur in den Anfangsjahren des Landes Rheinland-Pfalz, Mainz 2001, S. 382-384.
- Ludwig Schwamb, in: Bracher, Karl Dietrich (Hrsg.): Das Gewissen steht auf. Lebensbilder aus dem deutschen Widerstand 1933-1945, Mainz 1984, S. 253-255.
- Schwamb, Walter: Chronik der Familie Schwamb. Die 600jährige Geschichte einer Familie aus Rheinhessen, Köngernheim 2004.
- Ulrich, Axel: Ludwig Schwamb, Jakob Steffan und andere südwestdeutsche Mitstreiter Wilhelm Leuschners im antinazistischen Widerstand, in: Niersteiner Geschichtsblätter, 12, 2006, S. 21-50.
- "Weil zu wenig Liebe auf der Welt ist, darum ist es so dunkel geworden." - Ludwig Schwamb, Ein rheinhessischer Widerstandskämpfer gegen die nationalsozialistische Diktatur. Beitrag von Christina Stein zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2008/09.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.