Gesuch der Sensenschmiede an Magistrat und Rat zu Reuttlingen
Show full title
A 2 c (Zünfte) Nr. A 2 c (Zünfte) Nr. 3064
A 2 c (Zünfte) Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 8-11 u. 18)
Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 8-11 u. 18) >> Bd. 9 Zünfte Sensenschmiede
1685 Juni 12
Regest: Fremde, allhier nicht verbürgerte und herrenlose Personen, welche weder der Stadt noch den Bürgern nützlich sind, sondern dem gemeinen Mann sein so sauer erworbenes Stücklein Brot vor dem Mund abschneiden, unterfangen sich schon eine geraume Zeit, mit allerhand Waren sträflich und im ganzen Römischen Reich verbotenerweis zu hausieren. Darunter sind aus Tyrol kommende Männer zu zählen, die das Handwerk nicht erlernt haben, aber an den Dienstags-Wochenmärkten und sonst durch den Verkauf mitgebrachter Sensen den hiesigen Sensenschmieden an ihrer Nahrung Eingriff tun, falls ihnen solches nicht nach den vom Magistrat früher bestätigten Handwerks-Artikeln niedergelegt werden sollte. Die hiesigen Sensenschmiede bitten, sie bei ihren Handwerks-Artikeln zu manutenieren und auch zu berücksichtigen, dass sie die bürgerlichen Lasten in Kriegs- und Friedenszeiten, vor allem in den nächstverwichenen lothringischen Troublen, darin neben der ganzen Bürgerschaft auch sie dermassen ausgesogen worden sind, dass die ihnen gehauenen Wunden noch nicht geheilt sind, willig dulden. Übrigens ist auch den hiesigen Bürgern, welche vormals mit Sensen gehandelt haben, das gänzlich verboten worden, weil es ihrer Profession entgegen gewesen ist, und zwar nach dem Exempel etlicher Städte wie Riedlingen, Biberach, Kämbden, Schwäbisch Gmünd u. a., welche den genannten hausierenden Personen ihre ganz unbefugte Handelsschaft bei drohender Konfiskation niederlegen. Man ist den aus Tyrol kommenden Personen, da sie keine Meister sind und nur die Sensen in ihrer Heimat aufkaufen und damit solche Stimpeleien treiben, solches zu gestatten nicht schuldig. Die Sensenschmiede bitten also, diese Handelschaft ex officio Magistratus abzutun und den hiesigen Sensenschmieden zu vergönnen, wenn die erwähnten Personen dem obrigkeitlichen Gebot widerstreben, deren Sensen konfiszieren zu dürfen.
Bürger und Meister des Sensenschmied-Handwerks zu Reuttlingen.
Dorsal-/Marginalvermerke: Auf der Rückseite, dass am 20. Juni 1685 vom Rat dem Gesuch entsprochen wurde. Die hausierenden Tyroler sollen aber vorher gewarnt werden.
Bürger und Meister des Sensenschmied-Handwerks zu Reuttlingen.
Dorsal-/Marginalvermerke: Auf der Rückseite, dass am 20. Juni 1685 vom Rat dem Gesuch entsprochen wurde. Die hausierenden Tyroler sollen aber vorher gewarnt werden.
Beschreibstoff: Pap.
Archivale
Genetisches Stadium: Or.
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
20.03.2025, 11:14 AM CET