Nachlass Gandorfer, Karl (Bestand)
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NL Gandorfer Karl
Bayerisches Hauptstaatsarchiv (Archivtektonik) >> Beständetektonik des Bayerischen Hauptstaatsarchivs >> 5 Abteilung V: Nachlässe und Sammlungen >> 5.1 Nachlässe und Familienarchive >> 5.1.2 Nachlässe >> Nachlässe F - K
1890-1934
Vorwort: 1. Zur Person Karl Gandorfer wurde am 23. Februar 1875 als ältester Sohn der Gutsbesitzer Lorenz und Anna Gandorfer in Pfaffenberg (Lkr. Straubing-Bogen) geboren. Nach dem Besuch der Volksschule übernahm er mit dem Sägewerk sowie der Ziegelei mit Baugeschäft einige der Wirtschaftsbetriebe seines Vaters, während das elterliche Gutsanwesen, der traditionsreiche Zollhof in Pfaffenberg, zunächst von seinem jüngeren Bruder Ludwig (1880-1918) bzw. einem Verwalter bewirtschaftet wurde. Erst nach Ludwigs Tod wurde Karl Gandorfer wieder auf dem Zollhof ansässig, wo er am 20. August 1932 an den Folgen eines Diabetesleidens verstarb. Karl Gandorfer war nicht nur ein innovativer Unternehmer, der seinem Heimatort bereits 1902 mit einem Elektrizitätswerk die Stromversorgung brachte, sondern er war Zeit seines Lebens auch politisch aktiv. Am längsten wirkte er dabei in seiner Heimatgemeinde, zunächst als Gemeindebevollmächtigter und schließlich seit 1911 bis zu seinem Tod 1932 als Bürgermeister. Um 1900 war er bereits als Obmann des örtlichen Christlichen Bauernvereins aktiv, später wechselte er jedoch zum Bayerischen Bauernbund. Diese im Vergleich zum Zentrum eher liberale, dezidiert nicht-klerikale und teils radikale Interessensvertretung der bäuerlichen Bevölkerung wurde zu seiner eigentlichen politischen Heimat (1922 Umbenennung in Bayerischer Bauern- und Mittelstandsbund, ab 1928 deutschlandweit als Deutsche Bauernpartei). Als Führer des linken Flügels des Bayerischen Bauernbundes unterstützte er im November 1918 die Revolution und übernahm nach dem Tod seines Bruders Ludwig Gandorfer ab dem 10.11.1918 für rund drei Monate den Vorsitz des Zentralbauernrates in der revolutionären Regierung Kurt Eisners. Neben seinen kommunalpolitischen Ämtern stellte er sich regelmäßig als Mandatsträger zur Wahl und wurde im Lauf seines Lebens Mitglied mehrerer parlamentarischer Körperschaften auf Landes- und Reichsebene, nämlich der Abgeordnetenkammer des Königreichs Bayern (1913-1918) und des Landtags des Freistaates Bayern (1919-1924), als Abgeordneter der Weimarer Nationalversammlung (1919/20) und schließlich des Reichstages (1928-1932). Als Protagonist der bayerischen Revolution und streitbarer Politiker wurde er nicht nur im April 1919 für fast drei Monate in Schutzhaft genommen, sondern blieb nach 1919 bis zu seinem Tod regelmäßig publizistischen und juristischen Angriffen ausgesetzt. In seinen letzten Lebensjahren hatte er sich auch gegen Verleumdungen der Nationalsozialisten zu wehren, deren Bewegung er offen ablehnend gegenüberstand. 2. Zum Bestand Karl Gandorfer hatte sich als Bürgermeister und Abgeordneter jahrzehntelang für seine Heimat politisch engagiert. Dabei muss eine große Menge an Material angefallen sein. Leider versuchten seine Nachkommen, der vielen Prozesse und Anschuldigungen offenkundig überdrüssig, nach dem Tod Karl Gandorfers einen Schlussstrich zu ziehen, indem sie sämtliche Unterlagen aus seiner politischen Tätigkeit vernichteten. Laut mündlicher Auskunft des Enkels Burkhard Gandorfer wurden die Papiere im Ofen der gutseigenen Brennerei verheizt. Damit sind die meisten Quellen zur politischen Biografie Karl Gandorfers zeitnah zu seinem Tod verloren gegangen. Glücklicherweise konnten genau hundert Jahre nach seinem Tod noch verschiedene Originale aus seinem Leben bei Nachkommen der Familie (aus der Generation der Enkel und Urenkel von Karl Gandorfer) ausfindig gemacht werden. Pünktlich zum 100. Gedenkjahr seines Todes und der Revolution in Bayern wurden sie dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv schenkungsweise überlassen. Es handelt sich dabei um Unterlagen zu Abstammung und Familie, zu seinem Militärdienst, um private Korrespondenzen, einige Fotografien, persönliche Dokumente, Todesanzeigen und Sterbebilder. Die Unterlagen wurden bereits im Familienkreis gesammelt und ausgewertet, daher liegen sie teilweise nur in Kopie vor. Schließlich umfasst der Nachlass auch Prozessunterlagen zum langwierigen Beleidigungsprozess Gandorfer gegen Graßl, der Karl Gandorfer in seinen letzten Lebensjahren beschäftigte. Ergänzend enthält der Nachlass auch Dokumentationsmaterial, Literatur und sonstige Unterlagen, die die Rezeptionsgeschichte und das Nachleben der Gebrüder Gandorfer beleuchten. Ein ausführlicher biografischer Abriss mit der Würdigung der bekannten Quellen zu seinem Leben ist in der Broschüre „Ludwig und Karl Gandorfer“ des SPD-Arbeitskreises Labertal aus dem Jahr 2010 enthalten (BayHStA, NL Gandorfer, Karl Nr. 8) enthalten. Dr. Thomas Paringer Nov. 2018
Nachlass Gandorfer, Karl
9
Bestand
Akten
ger
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
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Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
03.04.2025, 11:04 MESZ