Gutsarchiv Kleinwölkau (Bestand)
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H 123 (Benutzungsort: Wernigerode)
Landesarchiv Sachsen-Anhalt (Archivtektonik) >> 10. Adelsarchive >> 10.02. Gutsarchive
1490 - 1874
Findhilfsmittel: Findbuch von 2011 (online recherchierbar)
Registraturbildner: Kleinwölkau gehört zur Stadt Delitzsch, Lkr. Nordsachsen, Freistaat Sachsen.
Das bis in das 17. Jh. nur als Wölkau bezeichnete Kleinwölkau nordwestlich von Delitzsch wird 1350 im Lehnbuch Friedrichs des Strengen zum wettinischen "districtus Deltsch", dem späteren Amt Delitzsch gezählt. Es wurde 1485 albertinisch, 1547 kursächsisch, gehörte von 1657-1746 zum Herzogtum Sachsen-Merseburg und gelangte 1815 an Preußen.
Auf dem Hof ("curia") zu Kleinwölkau saß 1350 ein sich nach dem Ort nennender Ritter "Martinus de Welchow", dem auch Allodialbesitz in Kertitz und Hufenzinsen in benachbarten Dörfern gehörten. Seine Familie ist noch 1399 nachweisbar, doch erscheint 1442 ein Günther von Bünau als Inhaber des Sattelhofes.
1490/92 erhielt Leonhard von Scheidingen zu Schenkenberg den Bünauschen Besitz zu Lehen. Zum Leibgedinge seiner Frau Jutta werden 1490 neben dem Sattelhof zu Schenkenberg u.a. auch Sitz und Vorwerk zu Kleinwölkau gerechnet und eine dort befindliche Kapelle mit einem Altarlehen erwähnt. Bereits 1460 war der Delitzscher Amtmann Otto von Scheidingen (gest. 1476) auf einem Sattelhof im benachbarten Schenkenberg sesshaft geworden, wo es außerdem noch einen Rittersitz der von Schenkenberg gab. In der Folgezeit saßen die von Scheidingen in Schenkenberg und in Kleinwökau, nach 1559 wird aber nur noch Kleinwölkau genannt, wo die von Scheidingen noch 1760 nachweisbar sind.
Eine Unterbrechung trat 1709-1730 ein, als wegen des schwedisch-polnischen Krieges der Besitz der in schwedischen Diensten stehenden von Scheidingen sequestriert und Kleinwölkau an den sächsischen General Graf Joachim Friedrich von Flemming (1665-1740) vergeben wurde.
1767 im Besitz des Friedrich Benedikt Örtel von Döbitz, gelangte Kleinwölkau 1785 an den Delitzscher Amtmann Lorenz Henning Sucke (1715-1785) und 1786-1834 an seine Tochter Susanne Christiane Caroline Freifrau von Gutschmid. Als weitere Besitzer sind 1834-1859 die Apothekerfamilie Freyberg, 1860-1901 die Familie Donner und seit 1901 die Familie Erhardt nachweisbar. Das Gut umfasste 1945 weniger als 100 ha und wurde daher nicht in der Bodenreform enteignet.
1442 werden zum Rittergut die Erb- und Obergerichtsbarkeit über Kertitz und über Teile der Dörfer Kyhna, Peterwitz und Selben gerechnet. Während Selben später nicht mehr genannt wird, tritt neben weiterem Streubesitz 1613 Gütz hinzu, wo das Rittergut auch das Kirchenpatronat besaß, während es selbst nach Schenkenberg eingepfarrt blieb. Nach wechselnder Zuordnung galt das Rittergut seit 1637 durchgängig als schriftsässig.
Bestandsinformationen: Bei einer in den 1980er Jahren vorgenommenen Erschließung wurden die beiden Gutsarchive Kleinwölkau bei Delitzsch und Kleinwölkau (Wölkau) bei Eilenburg irrtümlich als ein Bestand angesehen und gemeinsam verzeichnet. 2009 wurden beide Provenienzen wieder getrennt und die Bestände H 123 und H 257 gebildet. Im März 2010 konnten im Rahmen eines Praktikums weitere vier Urkunden und zwei Urkundenverzeichnisse nach Provenienzprüfung dem Bestand zugeordnet werden. 2011 wurde das Findbuch fertiggestellt.
Zusatzinformationen: Literatur: Manfred Wilde, Die Ritter- und Freigüter in Nordsachsen. Ihre verfassungsrechtliche Stellung, ihres Siedlungsgeschichte und ihre Inhaber (Aus dem deutschen Adelsarchiv; 12), Limburg 1997, S. 377-383 (im Detail zu korrigieren).
Adelsarchive im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt. Übersicht über die Bestände, bearb. von Jörg Brückner, Andreas Erb und Christoph Volkmar (Quellen zur Geschichte Sachsen-Anhalts; 20), Magdeburg 2012.
Registraturbildner: Kleinwölkau gehört zur Stadt Delitzsch, Lkr. Nordsachsen, Freistaat Sachsen.
Das bis in das 17. Jh. nur als Wölkau bezeichnete Kleinwölkau nordwestlich von Delitzsch wird 1350 im Lehnbuch Friedrichs des Strengen zum wettinischen "districtus Deltsch", dem späteren Amt Delitzsch gezählt. Es wurde 1485 albertinisch, 1547 kursächsisch, gehörte von 1657-1746 zum Herzogtum Sachsen-Merseburg und gelangte 1815 an Preußen.
Auf dem Hof ("curia") zu Kleinwölkau saß 1350 ein sich nach dem Ort nennender Ritter "Martinus de Welchow", dem auch Allodialbesitz in Kertitz und Hufenzinsen in benachbarten Dörfern gehörten. Seine Familie ist noch 1399 nachweisbar, doch erscheint 1442 ein Günther von Bünau als Inhaber des Sattelhofes.
1490/92 erhielt Leonhard von Scheidingen zu Schenkenberg den Bünauschen Besitz zu Lehen. Zum Leibgedinge seiner Frau Jutta werden 1490 neben dem Sattelhof zu Schenkenberg u.a. auch Sitz und Vorwerk zu Kleinwölkau gerechnet und eine dort befindliche Kapelle mit einem Altarlehen erwähnt. Bereits 1460 war der Delitzscher Amtmann Otto von Scheidingen (gest. 1476) auf einem Sattelhof im benachbarten Schenkenberg sesshaft geworden, wo es außerdem noch einen Rittersitz der von Schenkenberg gab. In der Folgezeit saßen die von Scheidingen in Schenkenberg und in Kleinwökau, nach 1559 wird aber nur noch Kleinwölkau genannt, wo die von Scheidingen noch 1760 nachweisbar sind.
Eine Unterbrechung trat 1709-1730 ein, als wegen des schwedisch-polnischen Krieges der Besitz der in schwedischen Diensten stehenden von Scheidingen sequestriert und Kleinwölkau an den sächsischen General Graf Joachim Friedrich von Flemming (1665-1740) vergeben wurde.
1767 im Besitz des Friedrich Benedikt Örtel von Döbitz, gelangte Kleinwölkau 1785 an den Delitzscher Amtmann Lorenz Henning Sucke (1715-1785) und 1786-1834 an seine Tochter Susanne Christiane Caroline Freifrau von Gutschmid. Als weitere Besitzer sind 1834-1859 die Apothekerfamilie Freyberg, 1860-1901 die Familie Donner und seit 1901 die Familie Erhardt nachweisbar. Das Gut umfasste 1945 weniger als 100 ha und wurde daher nicht in der Bodenreform enteignet.
1442 werden zum Rittergut die Erb- und Obergerichtsbarkeit über Kertitz und über Teile der Dörfer Kyhna, Peterwitz und Selben gerechnet. Während Selben später nicht mehr genannt wird, tritt neben weiterem Streubesitz 1613 Gütz hinzu, wo das Rittergut auch das Kirchenpatronat besaß, während es selbst nach Schenkenberg eingepfarrt blieb. Nach wechselnder Zuordnung galt das Rittergut seit 1637 durchgängig als schriftsässig.
Bestandsinformationen: Bei einer in den 1980er Jahren vorgenommenen Erschließung wurden die beiden Gutsarchive Kleinwölkau bei Delitzsch und Kleinwölkau (Wölkau) bei Eilenburg irrtümlich als ein Bestand angesehen und gemeinsam verzeichnet. 2009 wurden beide Provenienzen wieder getrennt und die Bestände H 123 und H 257 gebildet. Im März 2010 konnten im Rahmen eines Praktikums weitere vier Urkunden und zwei Urkundenverzeichnisse nach Provenienzprüfung dem Bestand zugeordnet werden. 2011 wurde das Findbuch fertiggestellt.
Zusatzinformationen: Literatur: Manfred Wilde, Die Ritter- und Freigüter in Nordsachsen. Ihre verfassungsrechtliche Stellung, ihres Siedlungsgeschichte und ihre Inhaber (Aus dem deutschen Adelsarchiv; 12), Limburg 1997, S. 377-383 (im Detail zu korrigieren).
Adelsarchive im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt. Übersicht über die Bestände, bearb. von Jörg Brückner, Andreas Erb und Christoph Volkmar (Quellen zur Geschichte Sachsen-Anhalts; 20), Magdeburg 2012.
Laufmeter: 2.1
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
14.04.2025, 8:12 AM CEST