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A Rep. 250-01-13 Julius Pintsch AG (Bestand)
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Landesarchiv Berlin (Archivtektonik) >> A Bestände vor 1945 >> A 6 Unternehmen der Wirtschaft >> A 6.2 Unternehmen der privaten Wirtschaft
(1815 -) 1849 - 1946 (- 1985)
Vorwort: A Rep. 250-01-13 - Julius Pintsch AG
1. Betriebsgeschichte
Am 26. April 1843 gründete der Handwerksmeister Julius Pintsch eine Klempnerwerkstatt im Keller des Hauses Stralauer Platz 4 (später Am Stralauer Platz 6 - 7). [1] In dem Betrieb wurden Lampen und Laternen, die zur damaligen Zeit auf Ölbasis funktionierten, angefertigt und instandgesetzt. Darüber hinaus reparierte Pintsch die aus England eingeführten Gaszähler. [2] Mit dem angeeigneten Wissen stellte der Handwerksmeister Julius Pintsch eigene Gaszähler her und bot sie der Stadt Berlin zum Kauf an. Im Jahre 1851 erhielt er, nach Auslaufen der Verpflichtungen Berlins gegenüber den englischen Anbietern, den Auftrag 50 Gasmesser für die Stadt anzufertigen. Diese Gasmesser waren das Sprungbrett zur Großfabrikation.
Im Jahre 1863 erfolgte der Bau einer neuen Fabrik in der Andreasstraße 72 - 73. Dieser Standort wurde der Stammsitz der Firma "Julius Pintsch". Schon 1866 expandierte das Unternehmen nach Dresden. In den folgenden Jahren kam es zu Filialgründungen in Breslau, Fürstenwalde und Frankfurt am Main.
Im Zusammenhang mit den Reichseinigungskriegen bekam die Firma Pintsch Aufträge des Preußischen Kriegsministeriums, insbesondere wurde der Bau von Unterwassertorpedos und Wasserminen begonnen. Die Königliche Eisenbahndirektion der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn wandte sich 1868 mit dem Wunsch an Julius Pintsch Gasbeleuchtungen für Eisenbahnwagen herzustellen. Die ersten Pintsch-Gasbeleuchtungen für Nachtzüge fuhren 1869 auf der Strecke zwischen Berlin und Breslau. 1870 beschloss das Eisenbahnministerium die Gasbeleuchtung für alle Züge einzuführen. Um die damit verbundenen Aufträge realisieren zu können wurde 1872 eine neue Fabrik in Fürstenwalde a.d. Spree erbaut. Nach der Beleuchtung von Eisenbahnzügen beschäftigte sich die Firma mit der technischen Entwicklung und Herstellung von Leuchtbojen für die Sicherung von Fahrgewässern, die in Russland ausprobiert, die ganze Welt in kurzer Zeit eroberten. In Zusammenarbeit mit dem Wiener Carl Auer von Welsbach wurde 1885 der Gas-Glühstrumpf entwickel.
Der Aufbau der "Glühlampenfabrik Gebrüder Pintsch" in Fürstenwalde 1890 erfolgte, um mit der Entwicklung auf dem Gebiet der Elektrotechnik schrittzuhalten.
Im Jahre 1897 wurde die "Julius Pintsch AG" in Petersburg und weiter Zweigfabriken in Wien und 1904 in Utrecht aufgebaut. Außerdem existierten schon zu diesem Zeitpunkt in Düsseldorf, Hannover, Stettin, Danzig, Karlsruhe und Hamburg Ingenieurbüros. Auslandsverbindungen bestanden mit Russland, England, Ungarn, Hollands, der Schweiz und den Vereinigten Staaten. Bis zum Jahre 1905 kam es zu Betriebsgründungen (u.a. Ölgasanstalten Österreich).
Am 25. März 1907 wurden die Werke "Julius Pintsch" Berlin-Fürstenwalde, Fürstenwaldwe "Glühlampenfabrik Gebrüder Pintsch", die "Maschinenfabrik Gebrüder Pintsch" und die "Gasapparate- Maschinenfabrik Gebr. Pintsch" Frankfurt a/Main-Bockenheim zur "Julius Pintsch AG" zusammengefasst. [3] Die Firma war nach wie vor ein Familienbetrieb, der von den Brüdern Richard, Julius, Oskar und Albert Pintsch geführt wurde, alle Aktien blieben im Besitz der Großfamilie Pintsch.
Die Jahre bis 1936 waren vom weiteren Ausbau des Pintsch-Imperiums geprägt. Dieses geschah einerseits durch den Erwerb von folgenden Firmenbeteiligungen:
Elektrizitätsgesellschaft mbH, Gelnhausen
Sirius-Versuchsgesellschaft mbH, Berlin
Gas- und Teer-GmbH, Berlin
N.V. Maschinerien und Apparate-Fabriken, Utrecht
Bemag-Meguin AG, Berlin
Industriegas AG, Berlin
Andererseits wurden neue Fabriken im Ausland aufgebaut, Grundstücke gekauft und neue Entwicklungen für die Produktion vorbereitet.
In den 30er Jahren wurden Verträge geschlossen die den Export von Zugebleuchtungsreglern bis nach Südamerika sicherten.
Zusammen mit der Osram GmbH KG erwarb die Pintsch AG die Glühlampenfabrik der Bergmann Elektrizitätswerke AG. Dadurch wurde sie nach Osram der zweitgrößte Hersteller von Glühlampen in Deutschland.
Der Beschluss der Generalversammlung vom 14. Dezember 1936 wandelte die Firma Julius Pintsch Ag in Julius Pintsch Kommanditgesellschaft um. [4]
Von 1936 bis 1944 erfolgte der umfassende Ausbau des Werkes Fürstenwalde, vor allen durch den Bau der Fertigungsstätten für Gaserzeugungsanlagen, Seetonnen und Torpedos. 1938 wurde eine allgemeine Versuchsabteilung eingerichtet, welche sich unter anderen mit der Entwicklung von Ultrakurzwellensendern und Infrarot-Strahlern beschäftigte. 1944 war das Werk auf dem modernsten technischen Entwicklungsstand auf den Gebieten der Metallgießerei, der Linsenschleiferei (für Blinkgeräte) und des Großbehälterbaus.
Während des 2. Weltkrieges beschäftigte Pintsch ca. 11.200 Arbeitskräfte darunter 3000 sogenannte Fremdarbeiter und 400 Kriegsgefangene. 1942 wurde die Abteilung für Radarentwicklung als "Funkstrahl Gesellschaft für Nachrichtentechnik mbH" in Konstanz neugegründet. [5] Die Produktion weiterer kriegswichtiger Güter wurde nach Ketten, nach Schwenningen am Neckar und nach Berlin (zu Buttermann & Schmidt) verlagert.
Am 06. Juni 1945 erfolgte der Befehl zur Demontage und Ausfuhr des Maschinenparks der Julius Pintsch KG im Zuge der Reparationszahlungen an die Sowjetunion. [6]
1946 wurde die Firma enteignet und unter treuhänderische Verwaltung gestellt. Das Werk Fürstenwalde ging am 22. August 1947 in den Besitz der Stadt Fürstenwalde über.
Parallel dazu kam es 1948 zur Gründung der Julius Pintsch-West KG in Hamburg, zu der insbesondere das Werk Dinslaken gehörte.
1949 wurde der Treuhandbetrieb Julius Pintsch KG in den volkseigenen Betrieb "Julius Pintsch VEB" umgewandelt. Anschließend erfolgte 1950 die Umbenennung in "Mechanik Gaselan VEB". Unterstellt war der Betrieb der VVB Mechanik Dresden und später der VVB (B) Elektroindustrie.
Die im Westen Deutschlands erfolgte Neugründung der Julius Pintsch-West KG ging im Jahre 1953 in die schon im 2. Weltkrieg mehrheitlich der Julius Pintsch KG gehörenden BAMAG MEGIUM AG auf. Der Firmenname wurde in Pintsch BAMAG AG mit Sitz in Berlin und Butzbach geändert. 1966 erwarb Baron Heinrich von Thyssen-Bornemisza die Aktienmehrheit an der Pintsch BAMAG AG. Ein1970 eröffnetes Vergleichsverfahren hatte die Löschung der Firma im Jahre 1982 zur Folge.
Der Betrieb VEB Gaselan wurde 1956 selbständig und 1967 Bestandteil des Betriebes VEB Fahrzeugausrüstung. In den darauffolgenden Jahren gingen Teile des VEB Gaselan mit Werken in Halle und Magdeburg zum VEB Chemie- und Tanklager über.
[1] vgl. LAB A Rep. 250-01-13, Nr. 161
[2] vgl. Quandt, S. 131 ff.
[3] vgl. LAB A Rep. 250-01-13, Nr. 24
[4] vgl. LAB A Rep. 250-01-13, Nr. 623
[5] Diese GmbH wurde nach 1945 von den Alliierten französischen Streitkräften demontiert.
[6] vgl. LAB A Rep. 250-01-13, Nr. 120
2. Bestandsgeschichte
Mit den Zugängen in den Jahren 1976 und 1989 aus dem Verwaltungsarchiv der VEB Fahrzeugausrüstungsbau Berlin gelangte das Archivgut der Firma Pintsch ins Stadtarchiv Berlin.
Die Archivalien wurden entsprechend einer vorliegenden Struktur des Unternehmens aus dem Jahre 1942 geordnet und mit Augias-Archiv per Computer verzeichnet. Dabei wurden mehrere Register erstellt, die den Nutzer einen direkten Zugang zu bestimmten Informationen ermöglichen. Begriffe, die bereits als Gliederungspunkt im Inhaltsverzeichnis benannt wurden, sind im Index nur zum Teil erfasst worden.
Die Aktentitelaufnahme erfolgte entsprechend des Inhaltes der Akten und deren Laufzeit. Zur Ergänzung der Titel wurden, wo erforderlich, Enthält-Vermerke angegeben. Außerdem wurden Schäden des Archivgutes erfasst. Die verwendeten Darin-Vermerke weisen vor allem auf Fotos und Pläne in den Akten.
Zahlreiche Doppelüberlieferungen und Zwischenmaterial wurden während der Bearbeitung des Bestandes ausgesondert und kassiert.
Der Bestand enthält nach der Bearbeitung 689 Aktenbände aus dem Zeitraum (1815) 1855 - 1953.
Für die fehlenden Datierungen wurde in eckigen Klammern die Laufzeit des Gesamtbestandes gesetzt [1849 - 1946], damit in der elektronischen Recherche, bei Datierungseingrenzungen, der Bestand mit recherchiert werden kann.
Vereinzelte Akten sind auf Grund archivgesetzlicher Bestimmungen bzw. der EU-Datenschutz-Grundverordnung für die Benutzung befristet gesperrt. Eine Verkürzung der Schutzfristen kann auf Antrag erfolgen. Dazu bedarf es der besonderen Zustimmung des Landesarchivs Berlin.
Der Bestand dokumentiert die über 100 jährige Geschichte eines Industrieunternehmens, welches weltweit seine Produkte verkauft hatte. die Firma Pintsch war bei zahlreichen Entwicklungen der Gasbe- und -verarbeitung sowie der Leuchtmittelindustrie Vorreiter in der Industriegeschichte Deutschlands.
3. Korrespondierende Bestände im Landesarchiv Berlin
LAB C Rep. 800 Deutsche Treuhandverwaltung, Nr. 19, 287 - 289, 742
LAB C Rep. 135-06 Rat des Stadtbezirks Berlin-Friedrichshain, Abteilung Wirtschaft, Nr. 133 - 135
LAB C Rep. 105 Magistrat von Berlin, Abteilung Finanzen, Nr. 4298, 6494 - 6499
LAB C Rep. 304 Bezirksvertragsgericht Berlin, Nr. 54737, 53884, 54809, 54762, 54351, 54547
4. Literatur- und Quellenverzeichnis
Quandt, Ernst: Pintsch. Ein Jahrhundert Dienst am Licht, in: Deutsche Industrie-Pioniere. - Berlin: H. Wigankow Druck- und Verlagsanstalt, 1940. - 363 S.
Hirschfeld, Paul: Berlins Großindustrie. - Berlin: Pass & Garleb, 1897. - (Bd.1) 303 S.
Berlins Aufstieg zur Weltstadt / Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (Hrsg.). - Berlin: Verlag Reimar Hobbing, 1929.
Kornrumpf, Martin: Mehr Licht... : Julius Pintsch (1815 - 1884) und seine Söhne : Pioniere der Beleuchtungstechnik. - Gräfelfing: Selbstverlag. 1985. - 47 S.
Julius Pintsch AG auf der Deutschen Verkehrsausstellung München 1925. - München, 1925. - 120 S.
Julius Pintsch AG, Berlin - Generatorengas-Anlagen. - Berlin. - 80 S.
Julius Pintsch AG, Berlin - Pintschheizungen. - Berlin. - 16 S.
Boetticher, Arno: Julius Pintsch (1815 - 1884), seine Berlin - Lausitzschen Vorfahren und seine Abkömmlinge : Eine Familien- und Fabrikgeschichte. - Görlitz: C.A. Starke, 1908. - 89 S.
September 1997
Ute Hetze
Bestand
Verwandte Verzeichnungseinheiten: LAB C Rep. 800 Deutsche Treuhandverwaltung, Nr. 19, 287 - 289, 742
LAB C Rep. 135-06 Rat des Stadtbezirks Berlin-Friedrichshain, Abteilung Wirtschaft, Nr. 133 - 135
LAB C Rep. 105 Magistrat von Berlin, Abteilung Finanzen, Nr. 4298, 6494 - 6499
LAB C Rep. 304 Bezirksvertragsgericht Berlin, Nr. 54737, 53884, 54809, 54762, 54351, 54547
Zugangsbestimmungen: Zahlreiche Akten sind auf Grund archivgesetzlicher Bestimmungen bzw. der EU-Datenschutz-Grundverordnung für die Benutzung befristet gesperrt. Eine Verkürzung der Schutzfristen kann auf Antrag erfolgen. Dazu bedarf es der besonderen Zustimmung des Landesar
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
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Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
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