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Vorwort: Abt. 170/55 Nachlass Friedrich/Grünstadt
Umfang: 5 Archivkartons (55 Verzeichnungseinheiten, Nr. 55: bei der Verz. entstandene Materialsammlung)
Laufzeit: 1869 - 1929
Zur Übernahme
Im Oktober 2015 wurden vorliegende Unterlagen von privat aus einer Haushaltsauflösung in Grünstadt erworben. Über den Inhalt des Materials konnte zu diesem Zeitpunkt außer, dass es sich um Korrespondenzen einerseits sowie um verschiedene Mappen und Umschläge mit Vereinsschriftgut des Geflügel- und Vogelschutzvereins Grünstadt andererseits handelte, nichts Näheres festgestellt werden. Es war auch nicht ersichtlich, ob zwischen dem unterschiedlichen Schriftgut Zusammenhänge bestanden oder ob es zufällig zusammengeführt worden war. Ein direkter Bezug zu Worms lag offensichtlich nicht vor. Trotzdem entschied man sich - um einem vollständigen Verlust vorzubeugen und angesichts einer erkennbar relativen Geschlossenheit als private Familienkorrespondenz - für die Übernahme in das Stadtarchiv Worms. Die Briefe und Postkarten sollten anfangs als Nachlassbestand eingegliedert, das Vereinsmaterial hingegen dem Sammlungsbestand Abt. 202 (Kleinere Erwerbungen) zugeschlagen werden.
Zur Verzeichnung
Zunächst musste Vor- und "Handarbeit" geleistet werden, d. h. die chronologisch gebündelten Korrespondenzen wurden in geeignete Archivmappen gebettet und mit Signaturen versehen. Die teilweise durch Streifbänder in gerolltem Zustand fixierten Briefe, die mit allen dadurch verursachten Lagerungsschäden belastet waren, versuchte man dabei notdürftig zu glätten. Während der ersten Arbeitsschritte wurde festgestellt, dass die Laufzeit des Korrespondenzmaterials in das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts (1869 - 1900) fällt, die der Vereinspapiere jedoch das erste Drittel des 20. Jahrhunderts (1902 - 1929) betrifft. Bei den Vorarbeiten zeigte sich auch, dass die Briefe vorwiegend ohne Kuverts vorlagen und die Protagonisten, d. h. die Absender und Empfänger, meist nur mit Vornamen, evtl. noch ergänzt um Verwandtschaftszusätze wie Cousine, Tante, Vater usw. auftreten. Die Postkarten (Brief- und Korrespondenzkarten, keine Ansichtskarten), die gebündelt und teilweise auch im linken oberen Eck zusammengeschnürt waren, sind hauptsächlich an den Hofapotheker Albert Bauer in Kleinheubach (Landkreis Miltenberg, Unterfranken) und an Herrn P. Bauer ebenda adressiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Papiere aus Grünstadt mit denen aus Kleinheubach in Verbindung stehen, erschien nach dieser ersten Sichtung unwahrscheinlich.
Die Titelaufnahme erfolgte in das Archivprogramm Augias. Die Bearbeiterin entschied sich für eine tiefere inhaltliche Erschließung der Korrespondenzen, die sowohl privat-familiäre als auch geschäftliche Inhalte erwarten ließen. Einige verwandtschaftliche Beziehungen konnten entschlüsselt werden. Dabei führten auch Spuren nach Grünstadt, was nach Abgleich und Sichtung des Vereinsmaterials schließlich eine Verknüpfung des Gesamtmaterials unter einander möglich machte. Es wurde ein Gesamtbestand gebildet, der jetzt als "Abt. 170/55 Nachlass Friedrich /Grünstadt" im Stadtarchiv Worms aufbewahrt wird. Die Bezeichnung wurde nicht aufgrund der quantitativen Gewichtung, sondern aufgrund der letzten Provenienz und gleichzeitig auch unter dem Gesichtspunkt der Herkunft zum Zeitpunkt des Erwerbs gewählt.
Als zusätzliche Verzeichnungseinheit wurde eine Sammlung mit Informationen und Korrespondenzen, die während der Titelaufnahme entstanden ist, gebildet. Sie enthält außerdem Fotos vom "Urzustand" des übernommenen Schriftgutes.
Zum Inhalt
Schon während der Verzeichnung kristallisierten sich drei inhaltliche Schwerpunkte heraus, die sich in drei Klassifikationsgruppen wiederspiegeln. Die erste umfasst die früheste Überlieferung des Bestandes und stammt aus der Provenienz der Familie des Hofapothekers Albert Bauer und seiner Ehefrau Luise geb. Immel in Kleinheubach. Die zweite Gruppe betrifft Privat- und (in geringerem Umfang) Geschäftsunterlagen des Otto Friedrich aus Grünstadt, der die jüngere Tochter Pauline Amalia (gen. Paula) der Bauers aus Kleinheubach im Jahr 1900 heiratete. Schließlich bilden Unterlagen des Geflügel- und Vogelschutzvereins Grünstadt (und Umgebung), in dem Otto Friedrich zeitweise ein Amt ausübte, die dritte Klassifikationsgruppe. Auch sein Sohn Günther (* 31.08.1901 in Grünstadt [nach Auskunft der Stadtverwaltung Grünstadt]) war aktives Mitglied in diesem und einem weiteren Verein für Vogelliebhaber und -züchter in Grünstadt.
Dreh- und Angelpunkt ist die Familie des Albert Bauer (ev.), der seit 1867 (bis Ende Juni 1900) als Apotheker die Hofapotheke in Kleinheubach am Main innehatte. Den geschäftlichen Bereich dokumentieren ab 1869 drei Verzeichnungseinheiten, vorwiegend in Form von Brief-/ Korrespondenzkarten mit Offerten und Werbeinformationen verschiedener Firmen, außerdem Bestellungen von Privatpersonen (u. a. "Gräfin Arthur zu Erbach" und die fürstliche Isenburg-Birstein'sche Hofhaltung), Korrespondenzen und Rechnungen. In quantitativ großem Umfang liegt der private Schriftwechsel vor, der offensichtlich zeitnah chronologisch durch entsprechend beschriftete Streifbänder zusammengefasst wurde. Aus den Briefen lassen sich familiäre Verbindungen und Verhältnisse sowie persönliche und gesellschaftliche Lebensumstände ablesen. Es handelt sich quasi um Zeitzeugenschilderungen zweier Familien nebst Verwandten. Im Wesentlichen sind dies die Eltern Johann Christian Bauer, Kaufmann, und Maria Magdalena Bauer (gen. Lene) geb. Ebenauer aus Schweinfurt und deren Kinder (Albert, Franz, Carl August, Amalie verh. Pollich) einerseits und die Eltern Ludwig Friedrich Immel, Kaufmann, und Elise Immel geb. Schäfer aus Prichsenstadt und deren Kinder (Carolina gen. Lina verh. Schäfer, Pauline verh. Mack, Gustav, [Dr.] Fritz, Luise verh. Bauer).
Um eine Vorstellung von der Fülle an Themen und Inhalten sowie möglicher Fragestellungen zu vermitteln, die anhand dieser und ähnlicher Korrespondenzbestände beantwortet werden können, sollen beispielhaft kurze Lebensabrisse wiedergegeben werden, die nur beim Querlesen der Korrespondenz erfasst - nicht vertieft - werden konnten. Insbesondere Luise Bauer (meist auch Louise) stand in regem Kontakt zu ihren Eltern, die 1884 ihr Geschäft in Prichsenstadt an einen Herrn Drittler aus Neustadt [vermutl. Neustadt an der Aisch] verkauften, um nach Würzburg überzusiedeln. 1889 zogen sie dann nach Alzey, wo sie das Haus der Familie Heddäus erwarben. Die Nähe zu ihrer Tochter (Caro-)Lina, die hier mit dem Apotheker Wilhelm Schäfer und ihren Kindern lebte ([laut Landesadressbuch von 1906 "Löwenapotheke"], 1893 noch mit einer Filiale in Flonheim [bis 1898 vgl. Homepage: http://www.baerenapotheke-flonheim.de/; Zugriff: 18.05.2016, 9 h a.m.]), spielte bei dem erneuten Ortswechsel wohl eine Rolle. Albert und Luise Bauer selbst waren in den 1880er Jahren auf der Suche nach einer anderen Apotheke und somit einer neuen Bleibe. Die beständige Ausschau nach einem neuen lukrativen Geschäft lässt sich quer durch die Korrespondenz auch anderer Familienmitglieder verfolgen, dabei wurden sogar wirtschaftliche Prognosen zum Verkauf stehender Objekte (hptsl. auch Apotheken in Rheinhessen betreffend) berücksichtigt. Die offensive Suche trat erst in den Hintergrund, nachdem die ältere Tochter Elise, die 1883/84 in Friedrichsdorf das Mädcheninstitut des Pfarrers Bagge besucht hatte, den in Kleinheubach praktizierenden Arzt Dr. Wilhelm Haas im Jahr 1889 heiratete und vor Ort ansässig blieb. Mit drei Töchtern zog das Ehepaar Haas schließlich 1898 nach Wertheim. In zahlreichen Briefen schildert Elise Haas nun das kulturelle Leben in Wertheim (Museums-Gesellschaft), das gesellschaftliche Umfeld (Prof. Meiss/ß, die musische Fam. Behaghel), das berufliche Wirken ihres Ehemanns und das Familienleben. Außerdem beschäftigt sie sich in ihren Briefen intensiv mit Kleidung und Mode. Von Luises Bruder Gustav Immel erfährt man, dass er das Geschäft der Eltern in Prichsenstadt nicht fortführte, sondern für sein [offensichtlich verwaistes] Mündel Ludwig Mack, Sohn seiner Schwester Pauline und Conrad Mack in Bayreuth [Angaben zu dem Ehepaar konnten nur durch versteckte Hinweise erschlossen werden, daher nicht gesichert] verheiratet war. Dort bestand die Fa. "Conrad Mack Blechwaaren-Fabrik Verzinnerei und Emaillirwerk Bayreuth", die, nachdem sich Gustav Bauer im Jahr 1892 noch einmal für drei Jahre für die Geschäftsführung verpflichtet hatte (StadtA Wo Abt. 170/55 Nr. 50), ab 1895 schließlich als "Ludwig Mack Blech- und Emaillewaaren-Fabrik Bayreuth" firmierte (StadtA Wo Abt. 170/55 Nr. 46). Die schulische Entwicklung (u. a. St. Anna Kolleg in Augsburg) und die berufliche Orientierung Ludwig Macks finden reichlich Niederschlag in den Briefen von Gustav und Elise Immel, ebenso das Leben ihrer eigenen vier Kinder (Helene, Elise Wilhelmine, Christof Ludwig Heinrich Albert und Willy). Dass sie wie viele andere Bayreuther zu Festspielzeiten Quartiergeber für Gäste waren, erfährt der Briefleser von Jahr zu Jahr. Ebenso wiederholt werden die Studienzeit und die spätere Stellensituation des jüngsten Immel-Sohnes Fritz in Briefen der Familie thematisiert. Fritz wurde Chemiker, promovierte und war in verschiedenen Laboratorien tätig.
Zur Familie Bauer aus Schweinfurt gibt es ausführliche Angaben zu Krankheitsverläufen und Todesfällen, so der Eltern und des Bruders Carl August Bauer, dessen Ehefrau Lisette hieß. Bruder Franz, verheiratet mit Rosalie, bereitete der Familie zeitweise Kummer durch eine psychische Erkrankung und berufliche Unbeständigkeit. Dicht ist auch die Korrespondenzüberlieferung aus der Feder Amalie Bauers, die in München mit ihrem Ehemann Direktor Heinrich Pollich und ihrer gemeinsamen Tochter Elise lebte. Letztere schloss 1885 mit Max Tettenborn die Ehe, der vier Jahre später seinem Leben ein Ende setzte. Er hinterließ Frau und Tochter. Die Pollichs hatten immer wieder Verwandtschaftsbesuche aus Franken, verbrachten Erholungs- und Wanderurlaube in und um Berchtesgaden. Vereinzelte Hinweise auf Namensträger Pollich in Schweinfurt lassen vermuten, dass Heinrich Pollichs familiäre Wurzeln in Franken liegen könnten.
Als außergewöhnlich lässt sich wohl das Leben und Agieren der Pauline Amalia Bauer (gen. Paula) bezeichnen, die am 9. Januar 1872 als zweite Tochter von Albert und Luise Bauer in Kleinheubach geboren wurde. Sie war ein kränkliches Kind, litt schon früh an rheumatischen Beschwerden an den Füßen, später erfährt man außerdem, dass sie einen Zwicker trug und Zahnkorrekturen mithilfe von Gummis behandelt wurden. Sie verbrachte viele Aufenthalte bei Verwandten, oft verbunden mit Kuranwendungen, auch besuchte sie über längere Zeiträume Bäder (u. a. in Wiesbaden, Bad Soden) in Begleitung ihrer Mutter [Bei Interesse könnte man über Heilbehandlungen, -methoden usw. in den Briefen nachlesen]. Neben ihrem Hobby als Philatelistin, das durch eine Sammlung zahlreicher leerer Briefumschläge, ausgeschnittener Briefmarken und durch Hinweise in diversen Korrespondenzen auf für Pauline aufbewahrte Marken belegt wird, lässt sich eine weitere Leidenschaft nachweisen, die sie sogar geschäftlich betrieb. Bei der Verzeichnung fielen mehrere gebündelte, teilweise durch Schnur zusammengeheftete Karten und Briefe auf, die an einen "Herrn P. Bauer" in Kleinheubach gerichtet waren und auf eine geschäftsmäßig betriebene Kaninchenzucht schließen ließen. Da in dem fraglichen Zeitraum (1889 - 1900) - nach Auskunft der Archivarin Frau Gabriele Enders in Kleinheubach - kein entsprechender männlicher Namensträger in Kleinheubach lebte und in der Familienkorrespondenz auch keinerlei Bezug auf einen solchen genommen wird, lag die Vermutung nahe, dass es sich bei diesem ominösen Herrn um die Tochter Pauline Bauer handelt. Untermauert wird diese Annahme durch die Tatsache, dass vereinzelt in Schriftwechseln an und von Pauline die Kaninchen erwähnt werden (z. B. StadtA Wo Abt. 170/55 Nr. 49). In Fachzeitschriften bot sie als "P. Bauer" insbesondere Angorakaninchen an und betrieb ihren Handel bis nach Schlesien, ins Elsass und in alle möglichen Orte kreuz und quer im Reich [vereinzelt Kontakte auch nach Worms]. Durch ihr Auftreten als P. Bauer wurde sie "als Mann" wohl eher als seriöser, kompetenter Geschäftspartner wahrgenommen. Die Frage nach der Geschäftsfähigkeit der jungen Frau dürfte bei diesem Vorgehen eventuell auch eine Rolle gespielt haben. Erst im Alter von 28 Jahren heiratete Pauline Bauer. Am 1. Mai 1900 willigte sie per Brief in die Heirat mit Otto Friedrich ein (StadtA Wo Abt. 170/55 Nr. 12). Kurz vor der Hochzeit im September schreibt Pauline "Nie hätte ich gedacht, daß ich das Interesse an Garten, Hof, Tiere etc. so rasch verlieren könnte, für das ich sonst so schwärmte!" (StadtA Wo Abt. 170/55 Nr. 13). Der Bräutigam stammte aus Mittelsömmern (Unstrut-Hainich-Kreis/Thüringen; * 13.03.1864 [Auskunft der Stadtverwaltung Grünstadt]) und war seit April 1896 in Grünstadt ansässig. In der Drogerie "zum Rothen Kreuz" in Grünstadt, die seit 1895 als Drogerie Dr. Ernst Stutzmann firmierte [bis 1999; http://www.moneyhouse.de/Sanitaets-Drogerie-Dr-Ernst-Stutzmann-Inh-Gertrud-Esswein-Gruenstadt-Pfalz-Gruenstadt; Zugriff: 18.5.2016, 10 h a.m.] war O. Friedrich als Drogist tätig. Dass der Kontakt möglicherweise über eine Heiratsannonce Otto Friedrichs in einem hessischen Presseorgan zustande gekommen sein könnte, diesen Verdacht lässt eine Verzeichnungseinheit zu, in der "heiratswillige" Reaktionen aus Offenbach, Gießen und Harxheim zwischen März und Mai 1900 zu finden sind (StadtA Wo Abt. 170/55 Nr. 11). Anscheinend schnell wurden die Eltern Bauer mit dem zukünftigen Schwiegersohn einig, den sie ohne ihre Tochter in Grünstadt besuchten. Dabei konnten sie vermutlich auch eine entsprechende Mitgift (durch den Verkauf ihres Geschäfts an den jungen katholischen Apotheker [Clemens] von Ruedershoffer) in Aussicht stellen. Gleichzeitig bot sich für sie die Gelegenheit, zusammen mit Pauline nach Grünstadt zu ziehen und somit in die Nähe der Verwandtschaft mütterlicherseits (Schäfer/Immel) in Alzey zu wohnen.
Die Korrespondenzüberlieferung endet mit dieser Eheschließung und dem Umzug der Familie von Kleinheubach nach Grünstadt. Danach liegen keine weiteren privaten Briefe mehr vor.
Die dritte Klassifikationsgruppe (9 VE) wurde für Vereinspapiere des "Geflügel- und Vogelzuchtverein Grünstadt (und Umgebung)" angelegt mit der Laufzeit 1901 - 1929 (Lücke: 1915 - 1921). Besonders hervorzuheben ist das Protokollbuch, das mit der konstituierenden Sitzung am 15. September 1901 beginnt (StadtA Wo Abt. 170/55 Nr. 9). Mit der Neuwahl des Vorstandes am 25. Januar 1903 tritt Otto Friedrich als Schriftführer offiziell als Mitglied des Vereins in Erscheinung. Das Amt hatte er zwei Jahre lang inne (im Jan. 1905 fehlte er bei den Wahlen und wurde deshalb nicht wieder gewählt). Im Protokollbuch liegen die Statuten des "Geflügel- und Vogelzucht-Vereins Grünstadt & Umgebung" von 1905 lose bei. Das Buch endet mit der Niederschrift über die Generalversammlung vom 24. November 1907. Bis zum Beginn des ersten Weltkrieges werden die Aktivitäten des Vereins durch Korrespondenzen, Kontakte zu anderen regionalen und überregionalen Vereinen, auch zur Königlichen Kreis-Geflügelzuchtanstalt in Erlangen, und die Teilnahme an Geflügelschauen dokumentiert. So richtete der neu gegründete Verein schon Ende Juli 1902 eine Geflügel-Ausstellung aus (Katalog in: StadtA Wo Abt. 170/55 Nr. 1). Für weitere Ausstellungen des Vereins finden sich in den Jahren 1927 (9. Lokal-Ausstellung) und 1929 (X. Geflügel-Ausstellung) ausführlichere schriftliche Überlieferungen in vorliegendem Bestand. Zwischen 1922 und 1926 werden kurze Berichte (je 1922 und 1923), Ein- und Austrittsbekundungen (d. h. Mitgliederbewegungen für 1924/25) und einzelne Sitzungsprotokolle vorgehalten. Wie die Vereinsunterlagen des Geflügel- und Vogelzucht-Vereins Grünstadt und Umgebung in den Nachlass Friedrich gelangten ist unklar.
Die Mitgliedschaft in vorgenanntem Verein lässt sich für Günther Friedrich, ebenfalls Drogist, nachweisen. Darüber hinaus gehörte er (zeitweise auch als Vorsitzender)auch dem 1925 (bzw. mutmaßlich schon 1923) gegründeten Verein der Kanarienzüchter und Vogelfreunde Grünstadt und Umgebung (ab 31. Okt. 1934 "Verein für Kanarienzucht, Vogelkunde-Schutz und Pflege, Grünstadt und Umgebung") an (vgl. http://www.vogelverein-gruenstadt.de/Chronik.htm, Zugriff: 18.05.2016, 11 h a.m.).
Hinweise zum Bestand
Allgemein lässt sich nach der Bearbeitung der Schriftwechsel des vorliegenden Bestandes feststellen, dass sich aus der Korrespondenzüberlieferung viele Informationen und Erkenntnisse über die bürgerliche Lebenswelt und die enge Verbindung innerhalb der Familien entnehmen lassen. Letztere wird nicht nur durch das schriftliche "auf dem Laufenden halten" bekundet, sondern auch durch eine rege Besuchsmentalität, indem Erwachsene und Kinder Ferien bei Verwandten verbrachten, Stippvisiten als Zwischenhalte bei längeren Reisen eingelegt oder Vorstellungsbesuche zur Einführung von Partnern als neue Familienmitglieder absolviert wurden. Es werden Eindrücke vermittelt von Familienfeierlichkeiten und Weihnachtsfesten (oftmals mit detaillierten Ausführungen zu den Geschenken) und den Wohnverhältnissen (Ausstattung etc.). Häufig thematisiert werden Krankheitsgeschichten und berufliche Verhältnisse, immer wieder örtliche Gegebenheiten (Veranstaltungen, z. B. Fastnacht, Kirchweih, Theaterbesuche; Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens).
In loser Reihung sollen weitere in den Korrespondenzen oft genannte bzw. selbst als Briefeschreiber auftauchende Familienmitglieder, deren genaue verwandtschaftliche Verbindungen untereinander im Einzelfall nachzuprüfen wären, aufgezählt werden. Es sind dies u. a. in Schweinfurt die Familie Ebenauer und Emma Geyer, in Nürnberg Lene Wülke und ihre Schwester Elise Dörrer, Familie Lindner in Künzelsau, Familienmitglieder Schäfer in Waldmannshofen, Dr. med. Carl und Emma Bail (zunächst in Amorbach, dann Staffelstein und schließlich in Mitterteich) und Familienmitglieder Fichtbauer (darunter Ludwig Fichtbauer, 1890 Pastor in Rehweiler). Außerdem werden noch zahlreiche Personen aus dem Bekanntenkreis, aus der Nachbarschaft und dem beruflichem Umfeld der Korrespondenzpartner erwähnt. Auffallend sind die Kontakte und die teilweise daraus erkennbaren familiär-verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen bestimmten Berufsgruppen (Apotheker, Mediziner einerseits, Kaufleute andererseits).
Worms, im Mai 2016
Margit Rinker-Olbrisch