Korrespondenz von Adolph von Knigge Freiherr an Gustav Friedrich Wilhelm Grossmann
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Autographensammlung Engelmann, HHI.94.5036.21
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Handschriftenabteilung I >> Archivalie – Korrespondenz
1790
"Mit eben der Frage, die Sie, mein Bester, gegen mich erheben, möge auch ich meinen Brief anfangen : Woher kömmt es, daß ich gar nicht von Ihnen gehört habe? In der That wüßte ich nicht, ob Sie noch in Cassell (?) wären, oder wo sonst.
Ich bin auch unstät und flüchtig gewesen, bald in Bremen, bald in Stade, bald in Hamburg. Morgen gehe ich auf immer nach Bremen ; Meine Frau und Tochter haben mich hier besucht. Von der erhaltenen Stelle bin ich zufrieden.Meine Wünsche sind nicht unbescheiden. Groß ist die Einnahme nicht, aber doch so, daß man dabey bestehn kann, wenn ich nur das erste Jahr und die Unkosten einer neuen Einrichtung, Anschaffung von Equipage pp überstanden haben werde. Man sieht mich gern in Bremen ; die Stelle ist ehrenvoll, angenehm ; ich habe Gelegenheit nützlich zu werden, habe es allein mit der Regierung in Stade zu thun, die aus edeln und thätigen, mir sehr angenehmen Männern besteht - und so hoffe ich denn, glücklich zu leben. Daß Sie, theuerster Freund! in Cassel(?) unzufrieden sind, das schmerzt mich sehr. Mögte ich noch einmal etwas zu Ihrem Vortheil beytragen können ; aber auch in Bremen sehe ich wenig Hoffnung dazu. Es wird gewiß kein neues Schauspielhaus gebaut, im Gegenteil! man hat die alte dazu eingerichtet gewesene Reitbahn wieder in den vorigen Stand gesetzt. Mir haben auch verständige Männer vom Magistrate gesagt:>Wir können keine gute (Theater-)Gesellschaft unterhalten, und eine schlechte wollen wir nicht.<- doch, wer weiß, was sich thun läßt, wenn ich erst dort bin! An mir soll es nicht liegen.
Vor einigen Tagen hat Pleißner hier debütirt und - nicht sehr gefallen (als Infant in Lilla).
Empfehlen Sie mich doch hochachtungsvoll und herzlich Ihrer lieben guten Frau Gemahlin.
Jasmund hat mir aufgetragen, mich für seine Tochter nach einer guten Pensions-Anstalt umzusehn. Ich habe dies nicht vergessen, sondern bitte Sie, mein Lieber! ihm Folgendes zu sagen: Ich könnte nun mit Überzeugung versichern, daß seine Tochter vollkommen gut hier bey der Demoiselle Rudophi aufgehoben seyn würde. Für Kost, Wohnung, Unterricht in weiblicher Arbeit, im Schreiben und einigen Sprachen und Kenntnissen werden jährlich 600 Mark bezahlt. Andre Maitres müssen besonders gehalten werden.- Ich kenne übrigens keine Anstalt, wo die jungen Mädchen besser und sorgsamer erzogen werden. Gern will ich auch der Unterhändler bey diesem Geschäfte seyn, wenn der Hr. v. Jasmund mir nach Bremen Nachricht geben will: ob es noch seine Absicht ist wie alt das Frl., wie er sie erzogen haben mögte pp.
Ich umarme Sie in Gedanken und bin von ganzer Seele der Ihrige Knigge.
Hamburg, d. 3.Nov.1790
Auf Befehl des Königs habe ich meinen sächsischen Cammerhr.Schlüssel zurückschicken müssen."
Ich bin auch unstät und flüchtig gewesen, bald in Bremen, bald in Stade, bald in Hamburg. Morgen gehe ich auf immer nach Bremen ; Meine Frau und Tochter haben mich hier besucht. Von der erhaltenen Stelle bin ich zufrieden.Meine Wünsche sind nicht unbescheiden. Groß ist die Einnahme nicht, aber doch so, daß man dabey bestehn kann, wenn ich nur das erste Jahr und die Unkosten einer neuen Einrichtung, Anschaffung von Equipage pp überstanden haben werde. Man sieht mich gern in Bremen ; die Stelle ist ehrenvoll, angenehm ; ich habe Gelegenheit nützlich zu werden, habe es allein mit der Regierung in Stade zu thun, die aus edeln und thätigen, mir sehr angenehmen Männern besteht - und so hoffe ich denn, glücklich zu leben. Daß Sie, theuerster Freund! in Cassel(?) unzufrieden sind, das schmerzt mich sehr. Mögte ich noch einmal etwas zu Ihrem Vortheil beytragen können ; aber auch in Bremen sehe ich wenig Hoffnung dazu. Es wird gewiß kein neues Schauspielhaus gebaut, im Gegenteil! man hat die alte dazu eingerichtet gewesene Reitbahn wieder in den vorigen Stand gesetzt. Mir haben auch verständige Männer vom Magistrate gesagt:>Wir können keine gute (Theater-)Gesellschaft unterhalten, und eine schlechte wollen wir nicht.<- doch, wer weiß, was sich thun läßt, wenn ich erst dort bin! An mir soll es nicht liegen.
Vor einigen Tagen hat Pleißner hier debütirt und - nicht sehr gefallen (als Infant in Lilla).
Empfehlen Sie mich doch hochachtungsvoll und herzlich Ihrer lieben guten Frau Gemahlin.
Jasmund hat mir aufgetragen, mich für seine Tochter nach einer guten Pensions-Anstalt umzusehn. Ich habe dies nicht vergessen, sondern bitte Sie, mein Lieber! ihm Folgendes zu sagen: Ich könnte nun mit Überzeugung versichern, daß seine Tochter vollkommen gut hier bey der Demoiselle Rudophi aufgehoben seyn würde. Für Kost, Wohnung, Unterricht in weiblicher Arbeit, im Schreiben und einigen Sprachen und Kenntnissen werden jährlich 600 Mark bezahlt. Andre Maitres müssen besonders gehalten werden.- Ich kenne übrigens keine Anstalt, wo die jungen Mädchen besser und sorgsamer erzogen werden. Gern will ich auch der Unterhändler bey diesem Geschäfte seyn, wenn der Hr. v. Jasmund mir nach Bremen Nachricht geben will: ob es noch seine Absicht ist wie alt das Frl., wie er sie erzogen haben mögte pp.
Ich umarme Sie in Gedanken und bin von ganzer Seele der Ihrige Knigge.
Hamburg, d. 3.Nov.1790
Auf Befehl des Königs habe ich meinen sächsischen Cammerhr.Schlüssel zurückschicken müssen."
1 eigenhändiger Brief mit Unterschrift
Archivalie – Korrespondenz
Deutsch
Hamburg - Absendeort
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
11.11.2025, 11:59 MEZ
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