B Rep. 235-09 Nachlass Anna von Gierke (Bestand)
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B Rep. 235-09
Landesarchiv Berlin (Archivtektonik) >> B Bestände (West-) Berliner Behörden bis 1990 >> B 7 Organisationen und Vereine >> B 7.5 Helene-Lange-Archiv/Frauenvereine und -verbände >> B Rep. 235 Helene-Lange-Archiv
Vorwort: B Rep. 235-09 Nachlass Anna von Gierke
1. Biographie
Anna von Gierke wurde am 14. März 1874 in Breslau als ältestes von sechs Kindern des bekannten Juristen und Universitätsprofessors Otto von Gierke und seiner Frau Lilli von Gierke geb. Löning geboren. Früh engagierte sie sich ehrenamtlich in der Wohlfahrtspflege, dabei prägten sie Henriette Schrader-Breymann, die Gründerin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses, und vor allem Hedwig Heyl, die Gründerin des Jugendheims in Charlottenburg entscheidend mit. Im Jugendheim von Hedwig Heyl hatte die junge Anna erst als Helferin mitgearbeitet, bevor sie 1892 die Leitung des Mädchenhortes übernahm. 1898 berief Hedwig Heyl sie zur Leiterin des 1894 gegründeten Vereins "Jugendheim".
Ihre Arbeitsschwerpunkte lagen im Bereich der Jugendfürsorge, der sozialpädagogischen Frauenarbeit und hauswirtschaftlichen Berufsausbildung: Neben der Arbeit für den Verein Jugendheim e.V. begründete sie 1921 mit Martha Abicht Landjugendheim Finkenkrug in Falkensee, in dem Schülerinnen, Angestellte und Kinder Erholung fanden sowie im gärtnerischen und landwirtschaftlichen Bereich ausgebildet wurden, arbeitete in diversen Wohlfahrtsorganisationen (u.a. Deutsche Zentrale für freie Jugendwohlfahrt, Deutscher Verband für Schulkinderpflege), sozialpädagogischen Lehranstalten und Behörden mit und war Herausgeberin der Zeitschrift "Soziale Arbeit".
Sie war Mitglied des Gesamtvorstandes des Bundes Deutscher Frauenvereine (BDF), Vorstandsmitglied des Vaterländischen Frauenvereins, Mitglied der Zentrale der
Hausfrauenvereine (Berlin), Vorsitzende des Charlottenburger Hausfrauenvereins und Vorstandsmitglied im Reichsverband Deutscher Hausfrauenvereine (RDH).
Anna von Gierke, die wegen ihrer jüdischen Mutter 1933 aller Ämter enthoben worden war und alle Rechte, so auch eine zugesagte Pension, verlor, engagierte sich in der Bekennenden Kirche und bot u.a. illegal lebenden Juden Zuflucht im Landjugendheim Finkenkrug, in dem sie mit ihrer Lebensgefährtin Isa Gruner lebte und arbeitete.
Sie starb am 3. April 1943 in ihrer Wohnung in der Carmerstr. 12 in Berlin-Charlottenburg.
Auch ihre jüngste Schwester Hildegard von Gierke war in der sozialpädagogischen Arbeit aktiv, s. https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/hildegard-von-gierke.
2. Bestandsgeschichte
Die Archivalien wurden dem Landesarchiv Berlin (LAB) 1988 vom Berliner Frauenbund 1945 e.V. als Depositum übergeben.
Der Bestand umfasst fünf Archivalieneinheiten mit einer Laufzeit von 1910 bis 1931 und umfasst Vorträge und Berichte über Frauenfragen, Berufe, Wohlfahrtspflege, Jugendpflege und Kinderfürsorge, Unterlagen über die Tätigkeit als Vorsitzende der Vereins Jugendheim in Charlottenburg und einen Lebenslauf.
Er ist vollständig erschlossen, verfilmt und digitalisiert und kann über den META-Katalog des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (DDF) unter https://www.meta-katalog.eu/Record/BRep23509hla gelesen werden (oder vor Ort im Landesarchiv Berlin in der AUGIAS-Datenbank, da jede Verzeichnungseinheit mit dem Digitalisat verlinkt ist).
Bitte zitieren Sie wie folgt: Landesarchiv Berlin, B Rep. 235-09 Nachlass Anna von Gierke Nr. x / MF-Nr. xxxx.
3. Verweise
Ein Essay zu Anna von Gierke im DDF unter https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/anna-von-gierke
B Rep. 236-10 Nachlass Isa Gruner
4. Literatur (Auswahl)
Marie Baum, Anna von Gierke. Ein Lebensbild, Weinheim/Berlin 1954
Heidi Koschwitz, Das Jugendheim Charlottenburg (1873-1934) - Ein Beitrag zur Geschichte der sozialen Frauenberufe in Deutschland. Berlin 1984
Gabriele Hohenbild, Anna von Gierke: Die Wegbereiterin der sozialpädagogischen Arbeit, in: Ilse Brehmer (Hrsg.), Mütterlichkeit als Profession?, Bd. 1, Pfaffenweiler 1990, S. 228-235.
Hildburg Wegener, Anna von Gierke: Sozialpädagogin zwischen konservativer Politik und freier Wohlfahrtspflege, Sulzbach/Taunus 2009
Erika Paul, Zwischen Sozialgeschichte und Fluchtort. Das Landjugendheim Finkenkrug und seine mutigen Frauen, Berlin 2013
Berlin, September 2021 Dr. Susanne Knoblich
1. Biographie
Anna von Gierke wurde am 14. März 1874 in Breslau als ältestes von sechs Kindern des bekannten Juristen und Universitätsprofessors Otto von Gierke und seiner Frau Lilli von Gierke geb. Löning geboren. Früh engagierte sie sich ehrenamtlich in der Wohlfahrtspflege, dabei prägten sie Henriette Schrader-Breymann, die Gründerin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses, und vor allem Hedwig Heyl, die Gründerin des Jugendheims in Charlottenburg entscheidend mit. Im Jugendheim von Hedwig Heyl hatte die junge Anna erst als Helferin mitgearbeitet, bevor sie 1892 die Leitung des Mädchenhortes übernahm. 1898 berief Hedwig Heyl sie zur Leiterin des 1894 gegründeten Vereins "Jugendheim".
Ihre Arbeitsschwerpunkte lagen im Bereich der Jugendfürsorge, der sozialpädagogischen Frauenarbeit und hauswirtschaftlichen Berufsausbildung: Neben der Arbeit für den Verein Jugendheim e.V. begründete sie 1921 mit Martha Abicht Landjugendheim Finkenkrug in Falkensee, in dem Schülerinnen, Angestellte und Kinder Erholung fanden sowie im gärtnerischen und landwirtschaftlichen Bereich ausgebildet wurden, arbeitete in diversen Wohlfahrtsorganisationen (u.a. Deutsche Zentrale für freie Jugendwohlfahrt, Deutscher Verband für Schulkinderpflege), sozialpädagogischen Lehranstalten und Behörden mit und war Herausgeberin der Zeitschrift "Soziale Arbeit".
Sie war Mitglied des Gesamtvorstandes des Bundes Deutscher Frauenvereine (BDF), Vorstandsmitglied des Vaterländischen Frauenvereins, Mitglied der Zentrale der
Hausfrauenvereine (Berlin), Vorsitzende des Charlottenburger Hausfrauenvereins und Vorstandsmitglied im Reichsverband Deutscher Hausfrauenvereine (RDH).
Anna von Gierke, die wegen ihrer jüdischen Mutter 1933 aller Ämter enthoben worden war und alle Rechte, so auch eine zugesagte Pension, verlor, engagierte sich in der Bekennenden Kirche und bot u.a. illegal lebenden Juden Zuflucht im Landjugendheim Finkenkrug, in dem sie mit ihrer Lebensgefährtin Isa Gruner lebte und arbeitete.
Sie starb am 3. April 1943 in ihrer Wohnung in der Carmerstr. 12 in Berlin-Charlottenburg.
Auch ihre jüngste Schwester Hildegard von Gierke war in der sozialpädagogischen Arbeit aktiv, s. https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/hildegard-von-gierke.
2. Bestandsgeschichte
Die Archivalien wurden dem Landesarchiv Berlin (LAB) 1988 vom Berliner Frauenbund 1945 e.V. als Depositum übergeben.
Der Bestand umfasst fünf Archivalieneinheiten mit einer Laufzeit von 1910 bis 1931 und umfasst Vorträge und Berichte über Frauenfragen, Berufe, Wohlfahrtspflege, Jugendpflege und Kinderfürsorge, Unterlagen über die Tätigkeit als Vorsitzende der Vereins Jugendheim in Charlottenburg und einen Lebenslauf.
Er ist vollständig erschlossen, verfilmt und digitalisiert und kann über den META-Katalog des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (DDF) unter https://www.meta-katalog.eu/Record/BRep23509hla gelesen werden (oder vor Ort im Landesarchiv Berlin in der AUGIAS-Datenbank, da jede Verzeichnungseinheit mit dem Digitalisat verlinkt ist).
Bitte zitieren Sie wie folgt: Landesarchiv Berlin, B Rep. 235-09 Nachlass Anna von Gierke Nr. x / MF-Nr. xxxx.
3. Verweise
Ein Essay zu Anna von Gierke im DDF unter https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/anna-von-gierke
B Rep. 236-10 Nachlass Isa Gruner
4. Literatur (Auswahl)
Marie Baum, Anna von Gierke. Ein Lebensbild, Weinheim/Berlin 1954
Heidi Koschwitz, Das Jugendheim Charlottenburg (1873-1934) - Ein Beitrag zur Geschichte der sozialen Frauenberufe in Deutschland. Berlin 1984
Gabriele Hohenbild, Anna von Gierke: Die Wegbereiterin der sozialpädagogischen Arbeit, in: Ilse Brehmer (Hrsg.), Mütterlichkeit als Profession?, Bd. 1, Pfaffenweiler 1990, S. 228-235.
Hildburg Wegener, Anna von Gierke: Sozialpädagogin zwischen konservativer Politik und freier Wohlfahrtspflege, Sulzbach/Taunus 2009
Erika Paul, Zwischen Sozialgeschichte und Fluchtort. Das Landjugendheim Finkenkrug und seine mutigen Frauen, Berlin 2013
Berlin, September 2021 Dr. Susanne Knoblich
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
Für nähere Informationen zu Nutzungs- und Verwertungsrechten kontaktieren Sie bitte info@landesarchiv.berlin.de.
22.08.2025, 11:21 AM CEST
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