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Romeo und Julie
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Die Deutsche Schaubühne, Bd. 10 (1869), Heft 4, S. 106f.: „Neu einstudirt und in Scene gesetzt erschien ferner […] „Romeo und Julie“, das auf unserer Bühne zuletzt vor sieben Jahren gegeben wurde. Von der Darstellung der beiden Hauptrollen konnten wir uns nicht ganz befriedigt finden. Abgesehen davon daß schon von vorn herein die Illusion empfindlich durch das äußerliche Mißverhältniß gestört wurde, daß die hochgewachsene Julia des Frl. Charles den zierlichen Romeo des Hrn. Savits fast um eine halbe Kopflänge überragte und uns in der Fülle ihrer weiblichen Reize an eine 16jährige Jugendblüthe nicht so recht glauben lassen konnte, so fehlte ihr auch die wahre Naivität des Ausdrucks, namentlich in den ersten Entwicklungsphasen und in der Balkonscene, mit so großem künstlerischen Aufwand an weichem, schmelzendem Tonkolorit und mit so warmer seelischer Hingebung diese letzte sonst auch gespielt wurde. Dagegen wuchs die Lebenswahrheit der Darstellung in dem Maße, wie sich Juliens Schicksal der tragischen Katastrophe nähert, und hatte Frl. Charles hier entschieden ihre besten Momente. Der Romeo des Hr. Savits ließ in den ersten Akten die Gluth und Intensivität jugendkräftiger Empfindung, den idealen Schwung derselben vermissen: sein Ausdruck in Ton und Haltung ging hier wenig über die conventionelle Zahmheit und Mattherzigkeit eines modernen Alltagsliebhabers hinaus, während er in den Verzweiflungsscenen der späteren Akte mitunter, namentlich in der vor dem Hause des Apothekers, in jenes nicht allein unschöne und unkünstlerische, sondern auch geradezu unverständliche Poltern verfiel, das fast regelmäßig seine leidenschaftlichen Scenen beeinträchtigt und immer wieder aufs Neue zeigt, wie wenig er noch Herr seines Organs ist. Die Nebenrollen waren, mit Ausnahme der Gräfin Capulet (Fr. Lehfeld), deren auffallende Gleichgültigkeit gegen ihre Tochter befremden mußte, sämmtlich genügend vertreten; vorzugsweise Juliens Amme (Fr. Bachmann), Lorenzo (Hr. Schmidt), Capulet (Hr. Cabus), Mercutio (Hr. Barnay, brilliant in der Kampf- und Sterbescene). Den Tybalt spielte als letzte Gastrolle Hr. Günther, vom Stadttheater zu Elberfeld […]. Herr Günther zeigte sich […] als ein sehr verständiger und routinirter Schauspieler, der alle Momente auf die es ankommt, in’s rechte Licht zu setzen und für die matte Klangfarbe seines Organs durch die volle Beherrschung desselben, eine musterhaft deutliche Aussprache, und einen durchsichtig klaren, künstlerisch gegliederten Vortrag einigermaßen zu entschädigen wußte. Wie seinem Organ fehlte es aber auch seiner Darstellung zu sehr an jugendlicher Frische, als daß sein Engagement gerade für das jugendliche Helden- und Liebhaberfach, wie es das Bedürfnis unserer Bühne besonders im Tragischen erfordert, hätte ersprießlich sein können.“ weitere Rezension: Weimarische Zeitung, Nr. 56, 07.03.1869, S. 3