Siebenjähriger Krieg in Lippe (Bestand)
Vollständigen Titel anzeigen
L 61
Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe (Archivtektonik) >> 1. Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe >> 1.1. Land Lippe (bis 1947) >> 1.1.2. Verwaltung, Justiz >> 1.1.2.6. Militaria
1685, 1747-1793
Generalia 1757-1763 (6); Kriegssachen der Städte und Ämter 1757-1763 (19); Durchmärsche und Einquartierungen 1755-1763 (23); Fuhrdienste und Fouragelieferungen 1750-1766 (67); Vorräte 1757-1759 (7); Schanzarbeiten 1757-1763 (7); Werbungen und Desertionen 1747-1762 (9); Übergriffe und Diebstähle 1757-1761 (9); Schäden und Rechnungen 1685, 1756-1793 (191); Personalia 1759-1762 (2).
Bestandsgeschichte: Von Knoch 1801 zusammengestellter Pertinenzbestand.
Form und Inhalt: Einleitung
Lippe im Siebenjährigen Krieg
Die Grafschaft Lippe lag während des Siebenjährigen Krieges (1757-1763) auf der ”Leeseite“ der militärischen Ereignisse. Dies mag auch mit der strikten Neutralität des kleinen Landes in der Auseinandersetzung zw. Großbritannien, Preußen und deren wenigen norddeutschen Verbündeten mit Frankreich, Russland, Österreich und dem Reich zusammenhängen. Außer einem größeren Scharmützel zwischen französischen einerseits und alliierten Truppen (preuß., hess., hann. und braunschweigische) andererseits vor Horn im August des Jahres 1761 (vgl. dazu auch VZE Nr. 1) gab es keine nennenswerten, direkten militärischen Zusammenstöße auf lippischem Boden.
Gleichwohl litt auch Lippe als Durchgangsgebiet für die militärischen Operationen und Kämpfe zwischen Main, Rhein und Weser sehr unter den mannigfaltigen Kriegslasten. Das kleine neutrale Land mit seinen rund 50.000 Einwohnern wurde von sämtlichen Kriegsparteien mit Durchmärschen, Einquartierungen in Stadt und Land, Fouragelieferungen (Pferdefutter), zahllosen Spanndiensten, Stellung von Lebensmitteln und Arbeitskräften wie im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) stark belastet. Dennoch kam es nicht im großen Stil zu Plünderungen und sonstigen Gewaltverbrechen gegen die Bevölkerung wie noch ein Jahrhundert zuvor. Werbungen fremder Landeskinder - auch gewaltsame - waren in der 2. Hälfte des Krieges v.a. auf preußischer Seite in Lippe aber durchaus noch üblich. Die im Bestand vorhandenen, unvollständigen General-Schadenstabellen sprechen von der unvorstellbar hohen Summe von über einer Millionen Reichstaler an unmittelbar entstandenen Kosten und Schäden für das Land und seine geschundene Bevölkerung. Nur ein verschwindend geringer Teil dieser gewaltigen Summe wurde ersetzt (s.u.) (Zum Vergleich: 1 Scheffel (ca. 50 Liter) Getreide kosteten zu jener Zeit um einen Rt.. Von den mittelbaren Schäden, wie Viehseuchen, eingeschleppten Krankheiten wie Blattern oder die Ruhr, Zerstörung der Felder und Wälder, Verlusten an Menschenleben und zerstörten Lebensplanungen berichten die Aufstellungen naturgemäß nichts.
Zum Bestand
Mit der Ordnung und Verzeichnung des nunmehr 338 Verzeichnungseinheiten in 160 Kartons umfassenden Bestandes, der vornehmlich die Belastungen Lippes im Siebenjährigen Krieg zum Gegenstand hat, hatte sich der bereits 89-jährige Archivar J.L. Knoch im Jahre 1801 bei weitem nicht so viel Mühe gegeben, wie bei vielen der von ihm zuvor gleichfalls nach dem Pertinenzprinzip gebildeten und verzeichneten Fonds. Das lag zum einem wohl schon an seinem vorgerückten Alter, zum anderen aber auch an der Bedeutung des Bestandes für das fürstlich-lippische Haus. So führte Knoch in seiner knappen Einleitung u.a. aus:
Gegenwärtige Siebenjährige Kriegsacta haben wohl ein Mehreres nicht als eine generale in Ordnung gebrachte Verzeichniß und also eine gemeine Stelle in des Archivs Repositur verdient , da Franzosen und Alliierte - bis auf die Engländer und letztere auch nur zu einem kleinen Teil - die Kosten und Schäden nicht ersetzt hätten, so die Begründung Knochs. Man könne daher bis auf die summarischen Aufstellungen und Schadenstabellen am Ende des Bestandes getrost auf alle vorherige Aufzeichnungen und Rechnungen gar wohl entrathen und im Mangel des Raums casiren .
Zu dieser von dem alten Archivrat angeregten Kassation ist es zum Glück aber weder zu seinen Lebzeiten noch später gekommen. Ansonsten wären militär-, sozial- und wirtschaftshistorisch bedeutende Quellen zur Geschichte Lippes und seiner Städte und Dörfer z.Z. des Siebenjährigen Krieges unwiederbringlich verlorengegangen.
Auch für die familienkundliche und höfegeschichtliche Forschung sind die Unterlagen von eminenter Bedeutung. Sie nennen beispielsweise nicht nur die Namen der (Zwangs)Rekrutierten, sondern geben auch deren Größe und Gesundheitszustand an. Sie erwähnen nicht nur die Größe und Namen der Bauernhöfe, sondern vermitteln auch profunde Einblicke in deren Ertragsfähigkeit.
Die von Knoch vorgegebene pertinenzmäßige Ordnung wurde weitgehend beibehalten. Auf eine aufwändige Neuformierung des Bestandes wurde aus arbeitsökonomischen Gründen verzichtet. Manche Akten hätten in der Klassifikation, dem Pertinenzprinzip geschuldet, durchaus auch unter anderen Gliederungspunkten mit anderen Pertinenzien geführt werden können, wurden aber im ”Knochschen Verbund“ belassen. Dort wo von Knoch oder eventuell auch von späterer Hand ganz offensichtlich inhaltlich und zeitlich völlig falsche Einordnungen der einzelnen Verfolge vorgenommen worden sind oder eine richtige Zuordnung versäumt wurde, wurden die Faszikel entnommen und dem richtigen Bestand - zumeist L 40 (Ältere Militärakten) - zugeführt. Am Ende der Verzeichnung befinden sich die Scans des Repertoriums unter der VZE 9999
Es ist nach Bestellnummer zu zitieren: L 61 Nr.
Detmold, im Oktober 2005
W. Bender
Bestandsgeschichte: Von Knoch 1801 zusammengestellter Pertinenzbestand.
Form und Inhalt: Einleitung
Lippe im Siebenjährigen Krieg
Die Grafschaft Lippe lag während des Siebenjährigen Krieges (1757-1763) auf der ”Leeseite“ der militärischen Ereignisse. Dies mag auch mit der strikten Neutralität des kleinen Landes in der Auseinandersetzung zw. Großbritannien, Preußen und deren wenigen norddeutschen Verbündeten mit Frankreich, Russland, Österreich und dem Reich zusammenhängen. Außer einem größeren Scharmützel zwischen französischen einerseits und alliierten Truppen (preuß., hess., hann. und braunschweigische) andererseits vor Horn im August des Jahres 1761 (vgl. dazu auch VZE Nr. 1) gab es keine nennenswerten, direkten militärischen Zusammenstöße auf lippischem Boden.
Gleichwohl litt auch Lippe als Durchgangsgebiet für die militärischen Operationen und Kämpfe zwischen Main, Rhein und Weser sehr unter den mannigfaltigen Kriegslasten. Das kleine neutrale Land mit seinen rund 50.000 Einwohnern wurde von sämtlichen Kriegsparteien mit Durchmärschen, Einquartierungen in Stadt und Land, Fouragelieferungen (Pferdefutter), zahllosen Spanndiensten, Stellung von Lebensmitteln und Arbeitskräften wie im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) stark belastet. Dennoch kam es nicht im großen Stil zu Plünderungen und sonstigen Gewaltverbrechen gegen die Bevölkerung wie noch ein Jahrhundert zuvor. Werbungen fremder Landeskinder - auch gewaltsame - waren in der 2. Hälfte des Krieges v.a. auf preußischer Seite in Lippe aber durchaus noch üblich. Die im Bestand vorhandenen, unvollständigen General-Schadenstabellen sprechen von der unvorstellbar hohen Summe von über einer Millionen Reichstaler an unmittelbar entstandenen Kosten und Schäden für das Land und seine geschundene Bevölkerung. Nur ein verschwindend geringer Teil dieser gewaltigen Summe wurde ersetzt (s.u.) (Zum Vergleich: 1 Scheffel (ca. 50 Liter) Getreide kosteten zu jener Zeit um einen Rt.. Von den mittelbaren Schäden, wie Viehseuchen, eingeschleppten Krankheiten wie Blattern oder die Ruhr, Zerstörung der Felder und Wälder, Verlusten an Menschenleben und zerstörten Lebensplanungen berichten die Aufstellungen naturgemäß nichts.
Zum Bestand
Mit der Ordnung und Verzeichnung des nunmehr 338 Verzeichnungseinheiten in 160 Kartons umfassenden Bestandes, der vornehmlich die Belastungen Lippes im Siebenjährigen Krieg zum Gegenstand hat, hatte sich der bereits 89-jährige Archivar J.L. Knoch im Jahre 1801 bei weitem nicht so viel Mühe gegeben, wie bei vielen der von ihm zuvor gleichfalls nach dem Pertinenzprinzip gebildeten und verzeichneten Fonds. Das lag zum einem wohl schon an seinem vorgerückten Alter, zum anderen aber auch an der Bedeutung des Bestandes für das fürstlich-lippische Haus. So führte Knoch in seiner knappen Einleitung u.a. aus:
Gegenwärtige Siebenjährige Kriegsacta haben wohl ein Mehreres nicht als eine generale in Ordnung gebrachte Verzeichniß und also eine gemeine Stelle in des Archivs Repositur verdient , da Franzosen und Alliierte - bis auf die Engländer und letztere auch nur zu einem kleinen Teil - die Kosten und Schäden nicht ersetzt hätten, so die Begründung Knochs. Man könne daher bis auf die summarischen Aufstellungen und Schadenstabellen am Ende des Bestandes getrost auf alle vorherige Aufzeichnungen und Rechnungen gar wohl entrathen und im Mangel des Raums casiren .
Zu dieser von dem alten Archivrat angeregten Kassation ist es zum Glück aber weder zu seinen Lebzeiten noch später gekommen. Ansonsten wären militär-, sozial- und wirtschaftshistorisch bedeutende Quellen zur Geschichte Lippes und seiner Städte und Dörfer z.Z. des Siebenjährigen Krieges unwiederbringlich verlorengegangen.
Auch für die familienkundliche und höfegeschichtliche Forschung sind die Unterlagen von eminenter Bedeutung. Sie nennen beispielsweise nicht nur die Namen der (Zwangs)Rekrutierten, sondern geben auch deren Größe und Gesundheitszustand an. Sie erwähnen nicht nur die Größe und Namen der Bauernhöfe, sondern vermitteln auch profunde Einblicke in deren Ertragsfähigkeit.
Die von Knoch vorgegebene pertinenzmäßige Ordnung wurde weitgehend beibehalten. Auf eine aufwändige Neuformierung des Bestandes wurde aus arbeitsökonomischen Gründen verzichtet. Manche Akten hätten in der Klassifikation, dem Pertinenzprinzip geschuldet, durchaus auch unter anderen Gliederungspunkten mit anderen Pertinenzien geführt werden können, wurden aber im ”Knochschen Verbund“ belassen. Dort wo von Knoch oder eventuell auch von späterer Hand ganz offensichtlich inhaltlich und zeitlich völlig falsche Einordnungen der einzelnen Verfolge vorgenommen worden sind oder eine richtige Zuordnung versäumt wurde, wurden die Faszikel entnommen und dem richtigen Bestand - zumeist L 40 (Ältere Militärakten) - zugeführt. Am Ende der Verzeichnung befinden sich die Scans des Repertoriums unter der VZE 9999
Es ist nach Bestellnummer zu zitieren: L 61 Nr.
Detmold, im Oktober 2005
W. Bender
164 Kartons = 338 Archivbände 1685, 1747-1793. - Findbuch: L 61.
Bestand
German
Weerth, Otto, Die Grafschaft Lippe und der Siebenjährige Krieg, Detmold 1888; Kittel, Erich, Heimatchronik des Kreises Lippe, 2. Auflage, Köln 1978, S. 160f..
Erich Kittel, Heimatchronik des Kreises Lippe, 2. verb. u. ergänzte Aufl. Köln 1978, S. 160f.
Otto Weerth, Die Grafschaft Lippe und der siebenjährige Krieg, Detmold 1888.
Erich Kittel, Heimatchronik des Kreises Lippe, 2. verb. u. ergänzte Aufl. Köln 1978, S. 160f.
Otto Weerth, Die Grafschaft Lippe und der siebenjährige Krieg, Detmold 1888.
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.11.2025, 13:59 MEZ
Hierarchie
Hierarchie Detailansicht
- Landesarchiv Nordrhein-Westfalen. Abteilung Ostwestfalen-Lippe
- Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe (Archivtektonik)
- 1. Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe (Tektonik)
- 1.1. Land Lippe (bis 1947) (Tektonik)
- 1.1.2. Verwaltung, Justiz (Tektonik)
- 1.1.2.6. Militaria (Tektonik)
- Siebenjähriger Krieg in Lippe (Bestand)