Kloster Fürstenzell Amtsbücher und Akten (Bestand)
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Kloster Fürstenzell Amtsbücher und Akten
Bayerisches Hauptstaatsarchiv (Archivtektonik) >> Beständetektonik des Bayerischen Hauptstaatsarchivs >> 1 Abteilung I: Ältere Bestände >> 1.7 Klöster >> Kloster Fürstenzell
1300-1803
Vorwort: 1. Geschichte und Besitzgeschichte des Klosters
Das Zisterzienserkloster Fürstenzell wurde 1274 als Tochterkloster von Aldersbach gegründet. Als treibende Kraft hinter der Gründung kann der Passauer Domscholaster Hartwicus / Hartwich (von Ruprechting, gest. 1284 oder 1295), gelten. Entscheidend gefördert und privilegiert haben das Kloster aber die niederbayerischen Herzöge, angefangen bei Heinrich XIII. (1253-1290), die sich in der Folge als Stifter verstanden, obwohl das Kloster nicht auf herzoglichem Land entstanden war. Hintergrund der namengebenden Nähe der Fürsten zum Kloster war nicht zuletzt dessen politische Stellung als herzoglich-bayerischer Vorposten an den Grenzen des Hochstifts Passau.
Ausgehend von wenigen brachliegenden Höfen im Zellertal bei Irsham, die in der zisterziensischen Tradition zunächst vom Kloster selbst bewirtschaftet wurden, konnte das Kloster durch Schenkungen des regionalen Adels eine ausgedehnte Grundherrschaft erwerben. Der erste und wichtigste Komplex lag im Pfleggericht Griesbach und war mit Höfen unter anderem in Fürstenzell, Aspertsham, Irsham, Bad Höhenstadt, Engertsham, Loipertsham und Göbertsham unmittelbar um das Kloster konzentriert. Der Streubesitz in benachbarten bayerischen Pfleggerichten, im Hochstift Passau und im Innviertel fiel dagegen weniger ins Gewicht. Das Kloster verfügte schließlich über Zehntrechte an Weinbergen im Kremstal und bei Klosterneuburg, für deren Nutzung das Kloster sich auch weitreichende Mautprivilegien sichern konnte.
Neben der Grundherrschaft konnte das Kloster die niedere Gerichtsbarkeit ausüben, doch beschränkte sich dieses Recht auf die innerhalb der klostereigenen Hofmarken Fürstenzell und Göbertsham gelegenen Güter. Gerade im Landgericht Griesbach setzten die Landesherren die Niedergerichtsrechte ihrer Amtleute entschlossen durch: Die Gerichtsbarkeit über die eigenen Grundholden in der ehemaligen Hofmark Irsham und dem Sitz Neuhofen (Gde. Oberschwärzenbach) ging dem Kloster bereits im 15. und frühen 16. Jahrhundert verloren.
Nachdem das Kloster schon seit Gründung aus der Jurisdiktion der zuständigen Pfarrei Irsham ausgenommen war, konnte es die seelsorgerische wie die administrative Verwaltung der Pfarrei Höhenstadt und ihrer Filialkirchen Irsham und Essenbach ab 1294 unmittelbar selbst übernehmen. Dazu kamen die zum Kloster gehörigen, aber wegen ihrer Entfernung nicht "excurrendo" versorgten Pfarreien Haunersdorf (Gde. Simbach, Lkr. Dingolfing-Landau) und Beutelsbach (Lkr. Passau) .
Das Kloster Fürstenzell wurde im März 1803 im Zuge der Säkularisation der landständischen Klöster aufgehoben. Die ehemalige Klosterkirche wurde 1807 zur Pfarrkirche umgewidmet.
2. Überlieferung und Beständegeschichte
Der vorliegende Bestand umfasst, was sich von den Amtsbüchern und Akten, die beim Kloster im Zuge seiner eigenen schriftlichen Verwaltung angefallen sind, erhalten hat. Grundlage der Abgrenzung zu anderen Beständen ist die Provenienz, also der verwaltungsgeschichtliche Herkunfts- und Entstehungszusammenhang der Unterlagen. Das Kloster Fürstenzell betreffende, aber bei anderen Stellen entstandene Unterlagen sind deshalb auch in anderen Beständen zu suchen.
Schon ein kursorischer Abgleich der hier zusammengeführten Archivalien mit dem im Verzeichnis von 1713 (Nr. 3) erfassten ursprünglichen Bestand der klösterlichen Akten- und Amtsbuchregistratur zeigt die enormen Überlieferungslücken, die seit Klosteraufhebung aufgetreten sind.
Von den Urkundenbeständen abgesehen, die eine eigene Überlieferungsgeschichte haben, sind in der Zeit unmittelbar nach der Klosterauflösung zwei Arten von Unterlagen der Klosterarchive und der laufenden Verwaltung, aus je unterschiedlichen Gründen, als wertvoll und dauerhaft sicherungswürdig beurteilt worden:
Zum einen diejenigen, die zentrale Rechtstitel und Besitzansprüche des Klosters dokumentieren und über die der bayerische Staat als Rechtsnachfolger deshalb dauerhaft verfügen können musste. Dazu gehören die Privilegiensammlungen, den Stand von Besitz und herrschaftlichen Rechten zusammenfassende Amtsbücher sowie Akten über wichtige Rechtsstreitigkeiten und die Beziehungen zu nicht-bayerischen Herrschaften. Die nach diesen Vorgaben, allerdings oft unter Zeitdruck und unsystematisch, ausgewählten Unterlagen gelangten sofort in das bayerische Geheime Landesarchiv, und wurden in dessen Nachfolge vom königlichen Reichsarchiv und dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv als Klosterliteralien Fürstenzell (KL FÜRSTENZELL) verwahrt.
Zum zweiten diejenigen Unterlagen, die für die Abwicklung der Auflösung vor Ort, für die Bewertung des verwertbaren Klosterbesitzes und die Ausübung der auf den bayerischen Staat übergegangenen Verpflichtungen noch gebraucht wurden. Diese Akten gingen auf die mit der Auflösung, Abwicklung, Verwertung und weiteren Verwaltung zuständigen staatlichen Stellen (Lokalkommissionen, Rentämter, Landgerichte (ä.O.), Generalkreiskommissariate / Regierungen der Kreise) über. Von dort gelangten sie im Laufe des 19. Jahrhunderts als Aktenabgaben in die Kreisarchive in München und Landshut. Es entstand daraus vor allem der aus Unterlagen verschiedenster Stellen formierte Aktenbestand Klosterliteralien Faszikel (KL FASZ.), der im Zuge der Beständebereinigung an das Bayerische Hauptstaatsarchiv abgegeben wurde, das für die Überlieferung aller altbayerischen Klöster zuständig ist. Im Kreisarchiv, später Staatsarchiv Landshut wurden vor allem Rechnungen und Amtsbücher aufbewahrt und seit Ende der 1970er Jahre ebenfalls an das bayerische Hauptstaatsarchiv abgegeben (Bestände LANDSHUTER ABGABE [JAHR]).
Neben schlichten Überlieferungszufällen erklärt vor allem diese, hier nur zu skizzierende, Überlieferungsgeschichte die Ungleichgewichtigkeit der historischen Dokumentation: Besonders im Bereich der Klosterrechnungen sind wohl hauptsächlich die für die Fortführung des laufenden Wirtschaftsbetriebs noch nötigen Jahrgänge aufbewahrt worden. Bei den Amtsbüchern und Akten über die Grundherrschaft verzerrt die vergleichsweise dichte Überlieferung zu den niederösterreichischen Weinzehnten und, in geringerem Maße, zum Innviertel das historische Bild deutlich zu Ungunsten des viel zentraleren Landbesitzes in den Klosterhofmarken und den umliegenden Dörfern.
Im Vergleich zu anderen Klosterbeständen eher ungewöhnlich ist dagegen ein größerer Ausschnitt aus der ordensinternen Korrespondenz, wie er sich hier erhalten hat.
3. Zum vorliegenden Findbuch
Im Rahmen des Praktikums zum Ausbildungskurs für den Gehobenen Archivdienst 2007/2010 haben die Archivanwärter Claudia Eikel, Bettina Knabl, Sabine Müller, Sebastian Sattler, Melanie Steinhäußer, Johannes Stoiber und Katharina Weber, betreut von Dr. Julian Holzapfl und Sandra Scharmüller (Akten) sowie Dr. Monika von Walter und Dr. Elisabeth Weinberger (Amtsbücher), den Bestand verzeichnet und die inhaltliche Gliederung in Grundzügen erarbeitet. Die für die Erstellung des vorliegenden Findbuchs noch nötige Vereinheitlichung hat Dr. Julian Holzapfl besorgt.
Angesichts der sehr lückenhaften Überlieferung versucht die inhaltliche Gliederung bewusst keine Rekonstruktion der Klosterregistratur in ihrem Ordnungszustand vor 1803. Ebenso wenig wurde ein historisches umfassendes Modell einer klösterlichen Verwaltung zugrunde gelegt. Stattdessen wurden die verschiedenen Aufgabenbereiche schriftlicher Verwaltung so gegliedert und zusammengeführt, wie sie sich im überlieferten Material niedergeschlagen haben.
Die Konkordanz im Anhang erlaubt die Zuordnung von früheren Signaturen zu den gültigen Bestellnummern. Auch die vorläufige Nummern, die sich auf Entnahmezetteln und vermerken in den Altbeständen finden, können so zugeordnet werden.
4. Ergänzende Bestände
Für Forschungen und Recherchen zur Klostergeschichte kann zunächst der Fürstenzeller Urkundenbestand (KLOSTER FÜRSTENZELL URKUNDEN, Repertorium Nr. 2002 ) herangezogen werden. Der Bestand ist über das Internetangebot des Projekts www.monasterium.net auch in digitalisierter Form verfügbar.
Während der Bestand KL FÜRSTENZELL bereits aufgelöst und zum allergrößten Teil in den vorliegenden Bestand eingegangen ist, bleibt der einschlägige Abschnitt des Bestands KL FASZIKEL (Faszikel 240 - 247) bis auf weiteres bestehen und benutzbar, auch wenn der überwiegende Teil der Archivalien bereits in die im folgenden aufgeführten Bestände bzw. Auffangbestände überführt ist. Entnahmezettel bzw. Entnahmekonkordanzen führen dann jeweils auf die gültigen Bestandsbezeichnungen und Bestellnummern.
Die Unterlagen der zentralen Behörden, die mit der Wahrnehmung der landesherrlichen Aufsichtsrechte über das Kloster betraut waren, finden sich in den Beständen KURBAYERN GEISTLICHER RAT, AUFSICHT ÜBER DIE KLÖSTER (Im Aufbau, Datenbankrecherche möglich) und Kurbayern Hofkammer, Aufsicht über die Klöster (KURBAYERN HK ARCHIVALIEN, Repertorium Nr. 205). Die Akten über die Klosteraufhebung, die Versorgung der Klosterinsassen, die weitere Verwaltung bzw. Verwertung des Klosterbesitzes sowie die Verwaltung der inkorporierten Pfarreien ab 1803 bilden einen Teil des Bestandes KURBAYERN LANDESDIREKTION VON BAIERN IN KLOSTERSACHEN (Im Aufbau, Datenbankrecherche möglich).
Aufgrund der besonderen Stellung und der Aufgaben des Mutterklosters in der Filiationsverfassung des Zisterzienserordens sind Unterlagen zum Kloster in größerem Umfang in den Beständen des Klosters Aldersbach zu finden (Im Aufbau, Recherche über den zuständigen Sachbearbeiter). In Einzelfällen sind auch beim Kloster Raitenhaslach einschlägige Unterlagen angefallen (KL RAITENHASLACH, Repertorium Nr. 1862 sowie KL FASZIKEL, Repertorium Nr. 1869).
Auf den Abschnitt "Geistliche Sachen" (Fasz. 499 - 759) des Bestands GR FASZIKEL (Repertorien Nr. 3399-3401, 3407) als Fundstelle für einzelne einschlägige Akten sei abschließend hingewiesen. Auch dieser Bestand ist zur Auflösung vorgesehen, kann aber weiter als Findgrundlage benutzt werden. Entnahmezettel bzw. Entnahmekonkordanzen führen dann jeweils auf die gültigen Bestandsbezeichnungen und Bestellnummern.
Die Überlieferung der mit dem Kloster befassten bayerischen Mittel- und Unterbehörden (Rentmeisteramt Landshut, Regierung Landshut, Kirchendeputation Landshut, Pfleggericht Griesbach) findet sich im Staatsarchiv Landshut.
5. Literatur zur Klostergeschichte (in Auswahl)
Ludwig Heinrich Krick: Die ehemaligen stabilen Klöster des Bistums Passau. Chronologische Reihenfolgen ihrer Mitglieder von der Gründung der Klöster bis zu ihrer Aufhebung. Mit einem Anhange: Jahreskataloge der Mitglieder der Klöster, Passau 1923, S. 272-290.
Edgar Krausen: Die Klöster des Zisterzienserordens in Bayern (Bayerische Heimatforschung 7) München-Pasing 1953, S. 43-45.
Max Heuwieser: Fürstenzell, in: Alte Klöster in Passau und Umgebung. Geschichtliche und kunstgeschichtliche Aufsätze, hrsg. Von Josef Oswald, 2. Aufl. Passau 1954, S. 265-280.
Renate Blickle: Landgericht Griesbach (Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern 19), München 1970, S. 148-175.
Ludwig Schnurrer: Urkundenwesen, Kanzlei und Regierungssystem der Herzöge von Niederbayern 1255-1340 (Münchener Historische Studien, Abt. Geschichtliche Hilfswissenschaften 8), Kallmünz 1972, S. 232, 236, 333-335 (zur Gründungsgeschichte).
Cella Principum. Das Fürstenzeller Heimatbuch, Red. Alois Kapsner, Fürstenzell 1995.
Elke Goez: Pragmatische Schriftlichkeit und Archivpflege der Zisterzienser. Ordenszentralismus und regionale Vielfalt, namentlich in Franken und Altbayern (1098-1525) (Vita regularis. Ordnungen und Deutungen religiosen Lebens im Mittelalter 17), Münster / Hamburg / London 2003, S. 85-88.
Stephan Deutinger: Fürstenzell, in: Handbuch der Historischen Stätten. Bayern I: Altbayern und Schwaben, hrsg. Von Hans-Michael Körner und Alois Schmid unter Mitarbeit von Martin Ott, Stuttgart 2006, S. 252f.
München, April 2010
J. Holzapfl
Das Zisterzienserkloster Fürstenzell wurde 1274 als Tochterkloster von Aldersbach gegründet. Als treibende Kraft hinter der Gründung kann der Passauer Domscholaster Hartwicus / Hartwich (von Ruprechting, gest. 1284 oder 1295), gelten. Entscheidend gefördert und privilegiert haben das Kloster aber die niederbayerischen Herzöge, angefangen bei Heinrich XIII. (1253-1290), die sich in der Folge als Stifter verstanden, obwohl das Kloster nicht auf herzoglichem Land entstanden war. Hintergrund der namengebenden Nähe der Fürsten zum Kloster war nicht zuletzt dessen politische Stellung als herzoglich-bayerischer Vorposten an den Grenzen des Hochstifts Passau.
Ausgehend von wenigen brachliegenden Höfen im Zellertal bei Irsham, die in der zisterziensischen Tradition zunächst vom Kloster selbst bewirtschaftet wurden, konnte das Kloster durch Schenkungen des regionalen Adels eine ausgedehnte Grundherrschaft erwerben. Der erste und wichtigste Komplex lag im Pfleggericht Griesbach und war mit Höfen unter anderem in Fürstenzell, Aspertsham, Irsham, Bad Höhenstadt, Engertsham, Loipertsham und Göbertsham unmittelbar um das Kloster konzentriert. Der Streubesitz in benachbarten bayerischen Pfleggerichten, im Hochstift Passau und im Innviertel fiel dagegen weniger ins Gewicht. Das Kloster verfügte schließlich über Zehntrechte an Weinbergen im Kremstal und bei Klosterneuburg, für deren Nutzung das Kloster sich auch weitreichende Mautprivilegien sichern konnte.
Neben der Grundherrschaft konnte das Kloster die niedere Gerichtsbarkeit ausüben, doch beschränkte sich dieses Recht auf die innerhalb der klostereigenen Hofmarken Fürstenzell und Göbertsham gelegenen Güter. Gerade im Landgericht Griesbach setzten die Landesherren die Niedergerichtsrechte ihrer Amtleute entschlossen durch: Die Gerichtsbarkeit über die eigenen Grundholden in der ehemaligen Hofmark Irsham und dem Sitz Neuhofen (Gde. Oberschwärzenbach) ging dem Kloster bereits im 15. und frühen 16. Jahrhundert verloren.
Nachdem das Kloster schon seit Gründung aus der Jurisdiktion der zuständigen Pfarrei Irsham ausgenommen war, konnte es die seelsorgerische wie die administrative Verwaltung der Pfarrei Höhenstadt und ihrer Filialkirchen Irsham und Essenbach ab 1294 unmittelbar selbst übernehmen. Dazu kamen die zum Kloster gehörigen, aber wegen ihrer Entfernung nicht "excurrendo" versorgten Pfarreien Haunersdorf (Gde. Simbach, Lkr. Dingolfing-Landau) und Beutelsbach (Lkr. Passau) .
Das Kloster Fürstenzell wurde im März 1803 im Zuge der Säkularisation der landständischen Klöster aufgehoben. Die ehemalige Klosterkirche wurde 1807 zur Pfarrkirche umgewidmet.
2. Überlieferung und Beständegeschichte
Der vorliegende Bestand umfasst, was sich von den Amtsbüchern und Akten, die beim Kloster im Zuge seiner eigenen schriftlichen Verwaltung angefallen sind, erhalten hat. Grundlage der Abgrenzung zu anderen Beständen ist die Provenienz, also der verwaltungsgeschichtliche Herkunfts- und Entstehungszusammenhang der Unterlagen. Das Kloster Fürstenzell betreffende, aber bei anderen Stellen entstandene Unterlagen sind deshalb auch in anderen Beständen zu suchen.
Schon ein kursorischer Abgleich der hier zusammengeführten Archivalien mit dem im Verzeichnis von 1713 (Nr. 3) erfassten ursprünglichen Bestand der klösterlichen Akten- und Amtsbuchregistratur zeigt die enormen Überlieferungslücken, die seit Klosteraufhebung aufgetreten sind.
Von den Urkundenbeständen abgesehen, die eine eigene Überlieferungsgeschichte haben, sind in der Zeit unmittelbar nach der Klosterauflösung zwei Arten von Unterlagen der Klosterarchive und der laufenden Verwaltung, aus je unterschiedlichen Gründen, als wertvoll und dauerhaft sicherungswürdig beurteilt worden:
Zum einen diejenigen, die zentrale Rechtstitel und Besitzansprüche des Klosters dokumentieren und über die der bayerische Staat als Rechtsnachfolger deshalb dauerhaft verfügen können musste. Dazu gehören die Privilegiensammlungen, den Stand von Besitz und herrschaftlichen Rechten zusammenfassende Amtsbücher sowie Akten über wichtige Rechtsstreitigkeiten und die Beziehungen zu nicht-bayerischen Herrschaften. Die nach diesen Vorgaben, allerdings oft unter Zeitdruck und unsystematisch, ausgewählten Unterlagen gelangten sofort in das bayerische Geheime Landesarchiv, und wurden in dessen Nachfolge vom königlichen Reichsarchiv und dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv als Klosterliteralien Fürstenzell (KL FÜRSTENZELL) verwahrt.
Zum zweiten diejenigen Unterlagen, die für die Abwicklung der Auflösung vor Ort, für die Bewertung des verwertbaren Klosterbesitzes und die Ausübung der auf den bayerischen Staat übergegangenen Verpflichtungen noch gebraucht wurden. Diese Akten gingen auf die mit der Auflösung, Abwicklung, Verwertung und weiteren Verwaltung zuständigen staatlichen Stellen (Lokalkommissionen, Rentämter, Landgerichte (ä.O.), Generalkreiskommissariate / Regierungen der Kreise) über. Von dort gelangten sie im Laufe des 19. Jahrhunderts als Aktenabgaben in die Kreisarchive in München und Landshut. Es entstand daraus vor allem der aus Unterlagen verschiedenster Stellen formierte Aktenbestand Klosterliteralien Faszikel (KL FASZ.), der im Zuge der Beständebereinigung an das Bayerische Hauptstaatsarchiv abgegeben wurde, das für die Überlieferung aller altbayerischen Klöster zuständig ist. Im Kreisarchiv, später Staatsarchiv Landshut wurden vor allem Rechnungen und Amtsbücher aufbewahrt und seit Ende der 1970er Jahre ebenfalls an das bayerische Hauptstaatsarchiv abgegeben (Bestände LANDSHUTER ABGABE [JAHR]).
Neben schlichten Überlieferungszufällen erklärt vor allem diese, hier nur zu skizzierende, Überlieferungsgeschichte die Ungleichgewichtigkeit der historischen Dokumentation: Besonders im Bereich der Klosterrechnungen sind wohl hauptsächlich die für die Fortführung des laufenden Wirtschaftsbetriebs noch nötigen Jahrgänge aufbewahrt worden. Bei den Amtsbüchern und Akten über die Grundherrschaft verzerrt die vergleichsweise dichte Überlieferung zu den niederösterreichischen Weinzehnten und, in geringerem Maße, zum Innviertel das historische Bild deutlich zu Ungunsten des viel zentraleren Landbesitzes in den Klosterhofmarken und den umliegenden Dörfern.
Im Vergleich zu anderen Klosterbeständen eher ungewöhnlich ist dagegen ein größerer Ausschnitt aus der ordensinternen Korrespondenz, wie er sich hier erhalten hat.
3. Zum vorliegenden Findbuch
Im Rahmen des Praktikums zum Ausbildungskurs für den Gehobenen Archivdienst 2007/2010 haben die Archivanwärter Claudia Eikel, Bettina Knabl, Sabine Müller, Sebastian Sattler, Melanie Steinhäußer, Johannes Stoiber und Katharina Weber, betreut von Dr. Julian Holzapfl und Sandra Scharmüller (Akten) sowie Dr. Monika von Walter und Dr. Elisabeth Weinberger (Amtsbücher), den Bestand verzeichnet und die inhaltliche Gliederung in Grundzügen erarbeitet. Die für die Erstellung des vorliegenden Findbuchs noch nötige Vereinheitlichung hat Dr. Julian Holzapfl besorgt.
Angesichts der sehr lückenhaften Überlieferung versucht die inhaltliche Gliederung bewusst keine Rekonstruktion der Klosterregistratur in ihrem Ordnungszustand vor 1803. Ebenso wenig wurde ein historisches umfassendes Modell einer klösterlichen Verwaltung zugrunde gelegt. Stattdessen wurden die verschiedenen Aufgabenbereiche schriftlicher Verwaltung so gegliedert und zusammengeführt, wie sie sich im überlieferten Material niedergeschlagen haben.
Die Konkordanz im Anhang erlaubt die Zuordnung von früheren Signaturen zu den gültigen Bestellnummern. Auch die vorläufige Nummern, die sich auf Entnahmezetteln und vermerken in den Altbeständen finden, können so zugeordnet werden.
4. Ergänzende Bestände
Für Forschungen und Recherchen zur Klostergeschichte kann zunächst der Fürstenzeller Urkundenbestand (KLOSTER FÜRSTENZELL URKUNDEN, Repertorium Nr. 2002 ) herangezogen werden. Der Bestand ist über das Internetangebot des Projekts www.monasterium.net auch in digitalisierter Form verfügbar.
Während der Bestand KL FÜRSTENZELL bereits aufgelöst und zum allergrößten Teil in den vorliegenden Bestand eingegangen ist, bleibt der einschlägige Abschnitt des Bestands KL FASZIKEL (Faszikel 240 - 247) bis auf weiteres bestehen und benutzbar, auch wenn der überwiegende Teil der Archivalien bereits in die im folgenden aufgeführten Bestände bzw. Auffangbestände überführt ist. Entnahmezettel bzw. Entnahmekonkordanzen führen dann jeweils auf die gültigen Bestandsbezeichnungen und Bestellnummern.
Die Unterlagen der zentralen Behörden, die mit der Wahrnehmung der landesherrlichen Aufsichtsrechte über das Kloster betraut waren, finden sich in den Beständen KURBAYERN GEISTLICHER RAT, AUFSICHT ÜBER DIE KLÖSTER (Im Aufbau, Datenbankrecherche möglich) und Kurbayern Hofkammer, Aufsicht über die Klöster (KURBAYERN HK ARCHIVALIEN, Repertorium Nr. 205). Die Akten über die Klosteraufhebung, die Versorgung der Klosterinsassen, die weitere Verwaltung bzw. Verwertung des Klosterbesitzes sowie die Verwaltung der inkorporierten Pfarreien ab 1803 bilden einen Teil des Bestandes KURBAYERN LANDESDIREKTION VON BAIERN IN KLOSTERSACHEN (Im Aufbau, Datenbankrecherche möglich).
Aufgrund der besonderen Stellung und der Aufgaben des Mutterklosters in der Filiationsverfassung des Zisterzienserordens sind Unterlagen zum Kloster in größerem Umfang in den Beständen des Klosters Aldersbach zu finden (Im Aufbau, Recherche über den zuständigen Sachbearbeiter). In Einzelfällen sind auch beim Kloster Raitenhaslach einschlägige Unterlagen angefallen (KL RAITENHASLACH, Repertorium Nr. 1862 sowie KL FASZIKEL, Repertorium Nr. 1869).
Auf den Abschnitt "Geistliche Sachen" (Fasz. 499 - 759) des Bestands GR FASZIKEL (Repertorien Nr. 3399-3401, 3407) als Fundstelle für einzelne einschlägige Akten sei abschließend hingewiesen. Auch dieser Bestand ist zur Auflösung vorgesehen, kann aber weiter als Findgrundlage benutzt werden. Entnahmezettel bzw. Entnahmekonkordanzen führen dann jeweils auf die gültigen Bestandsbezeichnungen und Bestellnummern.
Die Überlieferung der mit dem Kloster befassten bayerischen Mittel- und Unterbehörden (Rentmeisteramt Landshut, Regierung Landshut, Kirchendeputation Landshut, Pfleggericht Griesbach) findet sich im Staatsarchiv Landshut.
5. Literatur zur Klostergeschichte (in Auswahl)
Ludwig Heinrich Krick: Die ehemaligen stabilen Klöster des Bistums Passau. Chronologische Reihenfolgen ihrer Mitglieder von der Gründung der Klöster bis zu ihrer Aufhebung. Mit einem Anhange: Jahreskataloge der Mitglieder der Klöster, Passau 1923, S. 272-290.
Edgar Krausen: Die Klöster des Zisterzienserordens in Bayern (Bayerische Heimatforschung 7) München-Pasing 1953, S. 43-45.
Max Heuwieser: Fürstenzell, in: Alte Klöster in Passau und Umgebung. Geschichtliche und kunstgeschichtliche Aufsätze, hrsg. Von Josef Oswald, 2. Aufl. Passau 1954, S. 265-280.
Renate Blickle: Landgericht Griesbach (Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern 19), München 1970, S. 148-175.
Ludwig Schnurrer: Urkundenwesen, Kanzlei und Regierungssystem der Herzöge von Niederbayern 1255-1340 (Münchener Historische Studien, Abt. Geschichtliche Hilfswissenschaften 8), Kallmünz 1972, S. 232, 236, 333-335 (zur Gründungsgeschichte).
Cella Principum. Das Fürstenzeller Heimatbuch, Red. Alois Kapsner, Fürstenzell 1995.
Elke Goez: Pragmatische Schriftlichkeit und Archivpflege der Zisterzienser. Ordenszentralismus und regionale Vielfalt, namentlich in Franken und Altbayern (1098-1525) (Vita regularis. Ordnungen und Deutungen religiosen Lebens im Mittelalter 17), Münster / Hamburg / London 2003, S. 85-88.
Stephan Deutinger: Fürstenzell, in: Handbuch der Historischen Stätten. Bayern I: Altbayern und Schwaben, hrsg. Von Hans-Michael Körner und Alois Schmid unter Mitarbeit von Martin Ott, Stuttgart 2006, S. 252f.
München, April 2010
J. Holzapfl
215
Bestand
Amtsbücher, Register und Grundbücher
deutsch; lateinisch
Hinweise zum Ortsregister: Griesbach s. Bad Griesbach im Rottal
Höhenstadt s. Bad Höhenstadt
Höhenstadt s. Bad Höhenstadt
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
03.04.2025, 11:04 MESZ