Möller; Pfarrfamilie (Bestand)
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3.27
Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen (Archivtektonik) >> 07. Nachlässe
1763-1949, 1999
Der Nachlass der Pfarrfamilie Möller wurde 2021 im Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen in Bielefeld verzeichnet. Er umfasst 87 Verzeichnungseinheiten und erstreckt sich über den Zeitraum von 1763 bis 1949. Der Nachlass dokumentiert das Leben und Wirken von drei Pfarrergenerationen der Familie Möller. Die Überlieferung beginnt mit Unterlagen von Johann Anton Arnold Möller, Bürgermeister in Lippstadt (1732-1806).Sein Sohn Anton Wilhelm Peter Möller (1762-1846) besuchte das Gymnasium in Lippstadt, studierte seit 1780 an der Universität Duisburg Theologie und wurde 1784 Vikar in Dresden. 1785 kehrte er nach Lippstadt zurück und trat sein Predigeramt an. 1788 promovierte er zum Dr. theol. und erhielt eine Anstellung als Professor der Theologie an der Universität Duisburg. 1805 gründete er in Münster die evangelische Gemeinde; dazu kam seine Wahl zum Konsistorialrat des Konsistoriums. 1810 wurde er Mitglied der neumärkischen Regierung in Königsberg in der Neumark und 1811 Professor an der Universität Breslau. 1815 kehrte er als Konsistorialrat und Prediger nach Münster zurück. 1835 erfolgte seine Ernennung zum Oberkonsistorialrat. Sein Sohn Arnold Wilhelm Christian Möller (1791-1864) besuchte die Gymnasien in Duisburg und Münster, studierte an den Universitäten Frankfurt (Oder) und Breslau und wurde 1815 zum Prinzenerzieher, 1818 zum Militärpfarrer in Münster. Von 1828 bis 1864 war er als Pfarrer in Lübbecke tätig. Er war ein Vertreter der Erweckungsbewegung und publizistisch sehr aktiv.Seine Söhne Emil und Julius gehörten zur nächsten Pfarrergeneration.Emil Karl August Arnold Möller (1835-1864) wurde 1858 seinem Vater als Hilfsprediger und Adjunkt zugewiesen und verstarb wenige Monate vor ihm.Julius Gottfried Ludwig Möller (1840-1928) besuchte die Gymnasien in Gütersloh und Burgsteinfurt. Anschließend studierte er Evangelische Theologie in Erlangen, Halle und Tübingen; während des Studiums wurde er Mitglied der Studentenverbindung Wingolf. Nach bestandenem Examen nahm er 1870 zunächst eine Stelle als Lehrer am Luisenstift in Kötzschenbroda an. Nach kurzer Zeit des Schuldienstes kehrte er 1872 in seine ostwestfälische Heimat zurück und wurde Pfarrer zuerst in Bad Oeynhausen, danach 1877 in Alswede. 1884 wurde Möller als Nachfolger von Theodor Braun zum Anstaltsgeistlichen des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums in Gütersloh berufen, wo er bis 1909 als Prediger und Gymnasiallehrer wirkte. Auch nach seiner Pensionierung war er weiterhin Mitglied des Schulkuratoriums. Die theologische Fakultät der Universität Greifswald verlieh ihm 1910 die Ehrendoktorwürde. Von 1900 bis 1924 war er Mitarbeiter und Schriftleiter des Evangelischen Monatsblattes für Westfalen. Seine Predigertätigkeit beschränkte sich nicht auf Gütersloh, sondern erstreckte sich über das ganze Ravensberger Land. So wurde er in Stadt und Land als „Vater Möller“ bekannt. Neben seinen hauptamtlichen Tätigkeiten leitete er den Ravensberger Missionshilfsverein und die Lutherische Konferenz in Minden-Ravensberg. Außerdem war er die Seele des Ravensberger Verbandes der Freunde des Kirchlichen Bekenntnisses. Politisch war er nationalkonservativ eingestellt und führte als Nachfolger von Theodor Schmalenbach die Christlich-Konservative Partei Minden-Ravensberg. Julius Möller kann als letzter bedeutender Vertreter der Ravensberger Erweckungsbewegung gelten.In dem Bestand sind v.a. handschriftliche Predigten, Aufsätze, Gedichte und Korrespondenz der Möllers zusammengefasst. Gedruckte Werke sind der Bibliothek des Landeskirchlichen Archivs übergeben worden. Nur ausnahmsweise sind Bücher und Broschüren in das Archivbestand übernommen worden: erstens, wenn sie über das Leben der betroffenen Personen berichten, zweitens, wenn sie mit handschriftlichen Kommentaren versehen sind.Der Nachlass ist nicht nur wegen der Dokumentation der Tätigkeit der Möllers historisch relevant. Die Vertreter der Familie Möller haben Freundschaften und Bekanntschaften mit einigen berühmten Zeitgenossen gepflegt. Zu erwähnen wäre der Philosoph Friedrich Plessing (1749-1806), der von Goethe in dessen Werken "Harzreise im Winter" und "Kampagne in Frankreich" erwähnt wird. Mit Plessing war Anton Wilhelm Peter Möller in seiner Duisburger Zeit befreundet, Plessings handschriftlichen Briefe an die Eheleute Möller und andere Personen befinden sich im Nachlass (LkA EKvW 3.27 Nr. 38). Besondere Beachtung verdient auch der Schriftwechsel mit bekannten evangelischen Theologen wie Dr. Friedrich Adolf Krummacher (mit Möllers verwandt), Friedrich v. Bodelschwingh, Adolf Stöcker, Johannes Werner. Ebenfalls zu erwähnen sind freundschaftliche Briefe des Komponisten Prof. Hermann Wichmann (1823-1905) und seiner Frau an Julius Möller. Eine Partitur trägt Wichmanns Handschrift "Meine letzte Composition in diesem Leben (80 Jahre). Meinem Freunde Herrn Pastor Möller. Rom 14.9.1903" (LkA EKvW 3.27 Nr. 53).Bei den gedruckten Werken ist ein seltenes Faksimile aus der Mitte des 19. Jahrhundert (geschätzt) hervorzuheben: Lukas Granach der Ältere: Passional Christ und Antichristi. - Wittenberg 1521. Die Handschrift von A.W. Möller erläutert "Ein seltenes u. werthvolles Denkmal aus der Reformationszeit." (LkA EKvW 3.27 Nr. 63).Der Nachlass wurde schon einmal durch einen Angehörigen der Familie Möller geordnet, die Kopien der Karteikarten befinden sich in LkA EKvW 3.27 Nr. 74. Die hierbei entstandenen Signaturen sind bei der aktuellen Erschließung im Feld Altsignaturen vermerkt worden.Der Bestand wurde unter Zugrundelegung internationaler Verzeichnungsgrundsätze nach ISAD (G) erschlossen. Bei der Verzeichnung erhielten die Akten fortlaufende Nummern, die als gültige Archivsignaturen in der Bestellsignatur jeder Verzeichnungseinheit als letzte arabische Nummer oder im Findbuch ganz links neben dem jeweiligen Aktentitel aufgeführt sind. Unterhalb des Aktentitels geben die Vermerke „Enthält, Enthält nur, Enthält u.a., Enthält v.a., Enthält auch“ eingrenzende oder weiterführende Auskünfte über den Inhalt. Unter „Darin“ sind besondere Schriftgutarten wie Druckschriften, Presseberichte, Bauzeichnungen oder Fotos aufgelistet. Nach den Erschließungsvermerken folgt die alte Archivsignatur. Ganz rechts schließen sich die Laufzeiten der Archivalien an. Zu beachten sind hier zwei verschiedene Arten von Klammern: ( ) verweisen bei Abschriften auf das Datum des Originals, [ ] kennzeichnen erschlossene Jahresangaben undatierter Schriftstücke.Kassiert wurde nicht archivwürdiges Schriftgut im Rahmen der Aufbewahrungs- und Kassationsordnung der Evangelischen Kirche von Westfalen vom 20.02.2003 in der Fassung vom 29.10.2020 bzw. des Aufbewahrungs- und Kassationsplans der EKvW vom 29.10.2020.Sofern die Benutzung nicht zu Verwaltungszwecken erfolgt, unterliegen gemäß § 7 Abs. 1 Kirchengesetz zur Sicherung und Nutzung von kirchlichem Archivgut in der Evangelischen Kirche der Union (Archivgesetz - ArchivG) vom 6.5.2000 sämtliche Archivalien einer 30-jährigen Sperrfrist (gerechnet nach dem Ende ihrer Laufzeit). Für Archivgut, das sich nach seiner Zweckbestimmung oder nach seinem wesentlichen Inhalt auf natürliche Personen bezieht, gelten laut § 7 Abs. 2 ArchivG zusätzliche Schutzfristen. Diese Archivalien dürfen auch nach Ablauf der allgemeinen Sperrfrist frü-hestens 10 Jahre nach dem Tod der betroffenen Person(en) benutzt werden. Ist das Todesjahr nicht feststellbar, endet die Schutzfrist 90 Jahre nach Geburt. Ist auch das Geburtsjahr nicht bekannt, endet die Schutzfrist 60 Jahre nach Entstehung der Unterlagen.Bei der Zitierung des Archivbestandes ist anzugeben: LkA EKvW 3.27 Nr. ... (hier folgt die Archivsignatur des entsprechenden Archivales). Das Kürzel steht in dieser Reihenfolge für "Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen, Bestand 3.27 Nr. ...".Bielefeld, im Oktober 2021Anna WarkentinQuellen und Literatur (Auswahl):über Anton Wilhelm Möller s. https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Wilhelm_M%C3%B6ller, Stand 18.10.2021über Julius Möller s. https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_M%C3%B6ller_(Theologe), Stand 18.10.2021Paul Klein: Pastor D. Julius Möller. - In: Wilhelm Heienbroksen: Zeugen und Zeugnisse aus Minden-Ravensberg" 2. Band, 1931, S. 158ffEckhard Möller: "...und Paris sich benimmt, als könnte man ihm nimmer beikommen". Der nationalkonservative Pfarrer Julius Möller und seine Ansichten zum Deutsch-Französischen Krieg. - In: Archivmitteilungen der Westfälischen Kirche Nr. 10, 2000, S. 46ff Tilmann Marek: Profile der Minden-Ravensberger Erweckungsbewegung. Drei Generationen Erweckungsprediger der Familie Möller im Kirchenkreis Lübbecke. - In: Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte. - Bielefeld 2021. - S. 113ff
Form und Inhalt: Der Nachlass der Pfarrfamilie Möller wurde 2021 im Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen in Bielefeld verzeichnet. Er umfasst 85 Verzeichnungseinheiten und erstreckt sich über den Zeitraum von 1763 bis 1949.
Der Nachlass dokumentiert das Leben und Wirken von drei Pfarrergenerationen der Familie Möller. Die Überlieferung beginnt mit Unterlagen von Johann Anton Arnold Möller, Bürgermeister in Lippstadt (1732-1806).
Sein Sohn Anton Wilhelm Peter Möller (1762-1846) besuchte das Gymnasium in Lippstadt, studierte seit 1780 an der Universität Duisburg Theologie und wurde 1784 Vikar in Dresden. 1785 kehrte er nach Lippstadt zurück und trat sein Predigeramt an. 1788 promovierte er zum Dr. theol. und erhielt eine Anstellung als Professor der Theologie an der Universität Duisburg. 1805 gründete er in Münster die evangelische Gemeinde; dazu kam seine Wahl zum Konsistorialrat des Konsistoriums. 1810 wurde er Mitglied der neumärkischen Regierung in Königsberg in der Neumark und 1811 Professor an der Universität Breslau. 1815 kehrte er als Konsistorialrat und Prediger nach Münster zurück. 1835 erfolgte seine Ernennung zum Oberkonsistorialrat.
Sein Sohn Arnold Wilhelm Christian Möller (1791-1864) besuchte die Gymnasien in Duisburg und Münster, studierte an den Universitäten Frankfurt (Oder) und Breslau und wurde 1815 zum Prinzenerzieher, 1818 zum Militärpfarrer in Münster. Von 1828 bis 1864 war er als Pfarrer in Lübbecke tätig. Er war ein Vertreter der Erweckungsbewegung und publizistisch sehr aktiv.
Seine Söhne Emil und Julius gehörten zur nächsten Pfarrergeneration.
Emil Karl August Arnold Möller (1835-1864) wurde 1858 seinem Vater als Hilfsprediger und Adjunkt zugewiesen und verstarb wenige Monate vor ihm.
Julius Gottfried Ludwig Möller (1840-1928) besuchte die Gymnasien in Gütersloh und Burgsteinfurt. Anschließend studierte er Evangelische Theologie in Erlangen, Halle und Tübingen; während des Studiums wurde er Mitglied der Studentenverbindung Wingolf. Nach bestandenem Examen nahm er 1870 zunächst eine Stelle als Lehrer am Luisenstift in Kötzschenbroda an. Nach kurzer Zeit des Schuldienstes kehrte er 1872 in seine ostwestfälische Heimat zurück und wurde Pfarrer zuerst in Bad Oeynhausen, danach 1877 in Alswede. 1884 wurde Möller als Nachfolger von Theodor Braun zum Anstaltsgeistlichen des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums in Gütersloh berufen, wo er bis 1909 als Prediger und Gymnasiallehrer wirkte. Auch nach seiner Pensionierung war er weiterhin Mitglied des Schulkuratoriums. Die theologische Fakultät der Universität Greifswald verlieh ihm 1910 die Ehrendoktorwürde. Von 1900 bis 1924 war er Mitarbeiter und Schriftleiter des Evangelischen Monatsblattes für Westfalen. Seine Predigertätigkeit beschränkte sich nicht auf Gütersloh, sondern erstreckte sich über das ganze Ravensberger Land. So wurde er in Stadt und Land als ”Vater Möller“ bekannt. Neben seinen hauptamtlichen Tätigkeiten leitete er den Ravensberger Missionshilfsverein und die Lutherische Konferenz in Minden-Ravensberg. Außerdem war er die Seele des Ravensberger Verbandes der Freunde des Kirchlichen Bekenntnisses. Politisch war er nationalkonservativ eingestellt und führte als Nachfolger von Theodor Schmalenbach die Christlich-Konservative Partei Minden-Ravensberg. Julius Möller kann als letzter bedeutender Vertreter der Ravensberger Erweckungsbewegung gelten.
In dem Bestand sind v.a. handschriftliche Predigten, Aufsätze, Gedichte und Korrespondenz der Möllers zusammengefasst. Gedruckte Werke sind der Bibliothek des Landeskirchlichen Archivs übergeben worden. Nur ausnahmsweise sind Bücher und Broschüren in das Archivbestand übernommen worden: erstens, wenn sie über das Leben der betroffenen Personen berichten, zweitens, wenn sie mit handschriftlichen Kommentaren versehen sind.
Der Nachlass ist nicht nur wegen der Dokumentation der Tätigkeit der Möllers historisch relevant. Die Vertreter der Familie Möller haben Freundschaften und Bekanntschaften mit einigen berühmten Zeitgenossen gepflegt. Zu erwähnen wäre der Philosoph Friedrich Plessing (1749-1806), der von Goethe in dessen Werken "Harzreise im Winter" und "Kampagne in Frankreich" erwähnt wird. Mit Plessing war Anton Wilhelm Peter Möller in seiner Duisburger Zeit befreundet, Plessings handschriftlichen Briefe an die Eheleute Möller und andere Personen befinden sich im Nachlass (LkA EKvW 3.27 Nr. 38).
Besondere Beachtung verdient auch der Schriftwechsel mit bekannten evangelischen Theologen wie Dr. Friedrich Adolf Krummacher (mit Möllers verwandt), Friedrich v. Bodelschwingh, Adolf Stöcker, Johannes Werner.
Ebenfalls zu erwähnen sind freundschaftliche Briefe des Komponisten Prof. Hermann Wichmann (1823-1905) und seiner Frau an Julius Möller. Eine Partitur trägt Wichmanns Handschrift "Meine letzte Composition in diesem Leben (80 Jahre). Meinem Freunde Herrn Pastor Möller. Rom 14.9.1903" (LkA EKvW 3.27 Nr. 53).
Bei den gedruckten Werken ist ein seltenes Faksimile aus der Mitte des 19. Jahrhundert (geschätzt) hervorzuheben: Lukas Granach der Ältere: Passional Christ und Antichristi. - Wittenberg 1521. Die Handschrift von A.W. Möller erläutert "Ein seltenes u. werthvolles Denkmal aus der Reformationszeit." (LkA EKvW 3.27 Nr. 63).
Der Nachlass wurde schon einmal durch einen Angehörigen der Familie Möller geordnet, die Kopien der Karteikarten befinden sich in LkA EKvW 3.27 Nr. 74. Die hierbei entstandenen Signaturen sind bei der aktuellen Erschließung im Feld Altsignaturen vermerkt worden.
Der Bestand wurde unter Zugrundelegung internationaler Verzeichnungsgrundsätze nach ISAD (G) erschlossen. Bei der Verzeichnung erhielten die Akten fortlaufende Nummern, die als gültige Archivsignaturen in der Bestellsignatur jeder Verzeichnungseinheit als letzte arabische Nummer oder im Findbuch ganz links neben dem jeweiligen Aktentitel aufgeführt sind. Unterhalb des Aktentitels geben die Vermerke ”Enthält, Enthält nur, Enthält u.a., Enthält v.a., Enthält auch“ eingrenzende oder weiterführende Auskünfte über den Inhalt. Unter ”Darin“ sind besondere Schriftgutarten wie Druckschriften, Presseberichte, Bauzeichnungen oder Fotos aufgelistet. Nach den Erschließungsvermerken folgt die alte Archivsignatur. Ganz rechts schließen sich die Laufzeiten der Archivalien an. Zu beachten sind hier zwei verschiedene Arten von Klammern: ( ) verweisen bei Abschriften auf das Datum des Originals, [ ] kennzeichnen erschlossene Jahresangaben undatierter Schriftstücke.
Kassiert wurde nicht archivwürdiges Schriftgut im Rahmen der Aufbewahrungs- und Kassationsordnung der Evangelischen Kirche von Westfalen vom 20.02.2003 in der Fassung vom 29.10.2020 bzw. des Aufbewahrungs- und Kassationsplans der EKvW vom 29.10.2020.
Sofern die Benutzung nicht zu Verwaltungszwecken erfolgt, unterliegen gemäß § 7 Abs. 1 Kirchengesetz zur Sicherung und Nutzung von kirchlichem Archivgut in der Evangelischen Kirche der Union (Archivgesetz - ArchivG) vom 6.5.2000 sämtliche Archivalien einer 30-jährigen Sperrfrist (gerechnet nach dem Ende ihrer Laufzeit). Für Archivgut, das sich nach seiner Zweckbestimmung oder nach seinem wesentlichen Inhalt auf natürliche Personen bezieht, gelten laut § 7 Abs. 2 ArchivG zusätzliche Schutzfristen. Diese Archivalien dürfen auch nach Ablauf der allgemeinen Sperrfrist frü-hestens 10 Jahre nach dem Tod der betroffenen Person(en) benutzt werden. Ist das Todesjahr nicht feststellbar, endet die Schutzfrist 90 Jahre nach Geburt. Ist auch das Geburtsjahr nicht bekannt, endet die Schutzfrist 60 Jahre nach Entstehung der Unterlagen.
Bei der Zitierung des Archivbestandes ist anzugeben: LkA EKvW 3.27 Nr. ... (hier folgt die Archivsignatur des entsprechenden Archivales). Das Kürzel steht in dieser Reihenfolge für "Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen, Bestand 3.27 Nr. ...".
Bielefeld, im Oktober 2021
Anna Warkentin
Quellen und Literatur (Auswahl):
über Anton Wilhelm Möller s. https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Wilhelm_M%C3%B6ller, Stand 18.10.2021
über Julius Möller s. https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_M%C3%B6ller_(Theologe), Stand 18.10.2021
Paul Klein: Pastor D. Julius Möller. - In: Wilhelm Heienbroksen: Zeugen und Zeugnisse aus Minden-Ravensberg" 2. Band, 1931, S. 158ff
Eckhard Möller: "...und Paris sich benimmt, als könnte man ihm nimmer beikommen". Der nationalkonservative Pfarrer Julius Möller und seine Ansichten zum Deutsch-Französischen Krieg. - In: Archivmitteilungen der Westfälischen Kirche Nr. 10, 2000, S. 46ff
Tilmann Marek: Profile der Minden-Ravensberger Erweckungsbewegung. Drei Generationen Erweckungsprediger der Familie Möller im Kirchenkreis Lübbecke. - In: Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte. - Bielefeld 2021. - S. 113ff
Form und Inhalt: Der Nachlass der Pfarrfamilie Möller wurde 2021 im Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen in Bielefeld verzeichnet. Er umfasst 85 Verzeichnungseinheiten und erstreckt sich über den Zeitraum von 1763 bis 1949.
Der Nachlass dokumentiert das Leben und Wirken von drei Pfarrergenerationen der Familie Möller. Die Überlieferung beginnt mit Unterlagen von Johann Anton Arnold Möller, Bürgermeister in Lippstadt (1732-1806).
Sein Sohn Anton Wilhelm Peter Möller (1762-1846) besuchte das Gymnasium in Lippstadt, studierte seit 1780 an der Universität Duisburg Theologie und wurde 1784 Vikar in Dresden. 1785 kehrte er nach Lippstadt zurück und trat sein Predigeramt an. 1788 promovierte er zum Dr. theol. und erhielt eine Anstellung als Professor der Theologie an der Universität Duisburg. 1805 gründete er in Münster die evangelische Gemeinde; dazu kam seine Wahl zum Konsistorialrat des Konsistoriums. 1810 wurde er Mitglied der neumärkischen Regierung in Königsberg in der Neumark und 1811 Professor an der Universität Breslau. 1815 kehrte er als Konsistorialrat und Prediger nach Münster zurück. 1835 erfolgte seine Ernennung zum Oberkonsistorialrat.
Sein Sohn Arnold Wilhelm Christian Möller (1791-1864) besuchte die Gymnasien in Duisburg und Münster, studierte an den Universitäten Frankfurt (Oder) und Breslau und wurde 1815 zum Prinzenerzieher, 1818 zum Militärpfarrer in Münster. Von 1828 bis 1864 war er als Pfarrer in Lübbecke tätig. Er war ein Vertreter der Erweckungsbewegung und publizistisch sehr aktiv.
Seine Söhne Emil und Julius gehörten zur nächsten Pfarrergeneration.
Emil Karl August Arnold Möller (1835-1864) wurde 1858 seinem Vater als Hilfsprediger und Adjunkt zugewiesen und verstarb wenige Monate vor ihm.
Julius Gottfried Ludwig Möller (1840-1928) besuchte die Gymnasien in Gütersloh und Burgsteinfurt. Anschließend studierte er Evangelische Theologie in Erlangen, Halle und Tübingen; während des Studiums wurde er Mitglied der Studentenverbindung Wingolf. Nach bestandenem Examen nahm er 1870 zunächst eine Stelle als Lehrer am Luisenstift in Kötzschenbroda an. Nach kurzer Zeit des Schuldienstes kehrte er 1872 in seine ostwestfälische Heimat zurück und wurde Pfarrer zuerst in Bad Oeynhausen, danach 1877 in Alswede. 1884 wurde Möller als Nachfolger von Theodor Braun zum Anstaltsgeistlichen des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums in Gütersloh berufen, wo er bis 1909 als Prediger und Gymnasiallehrer wirkte. Auch nach seiner Pensionierung war er weiterhin Mitglied des Schulkuratoriums. Die theologische Fakultät der Universität Greifswald verlieh ihm 1910 die Ehrendoktorwürde. Von 1900 bis 1924 war er Mitarbeiter und Schriftleiter des Evangelischen Monatsblattes für Westfalen. Seine Predigertätigkeit beschränkte sich nicht auf Gütersloh, sondern erstreckte sich über das ganze Ravensberger Land. So wurde er in Stadt und Land als ”Vater Möller“ bekannt. Neben seinen hauptamtlichen Tätigkeiten leitete er den Ravensberger Missionshilfsverein und die Lutherische Konferenz in Minden-Ravensberg. Außerdem war er die Seele des Ravensberger Verbandes der Freunde des Kirchlichen Bekenntnisses. Politisch war er nationalkonservativ eingestellt und führte als Nachfolger von Theodor Schmalenbach die Christlich-Konservative Partei Minden-Ravensberg. Julius Möller kann als letzter bedeutender Vertreter der Ravensberger Erweckungsbewegung gelten.
In dem Bestand sind v.a. handschriftliche Predigten, Aufsätze, Gedichte und Korrespondenz der Möllers zusammengefasst. Gedruckte Werke sind der Bibliothek des Landeskirchlichen Archivs übergeben worden. Nur ausnahmsweise sind Bücher und Broschüren in das Archivbestand übernommen worden: erstens, wenn sie über das Leben der betroffenen Personen berichten, zweitens, wenn sie mit handschriftlichen Kommentaren versehen sind.
Der Nachlass ist nicht nur wegen der Dokumentation der Tätigkeit der Möllers historisch relevant. Die Vertreter der Familie Möller haben Freundschaften und Bekanntschaften mit einigen berühmten Zeitgenossen gepflegt. Zu erwähnen wäre der Philosoph Friedrich Plessing (1749-1806), der von Goethe in dessen Werken "Harzreise im Winter" und "Kampagne in Frankreich" erwähnt wird. Mit Plessing war Anton Wilhelm Peter Möller in seiner Duisburger Zeit befreundet, Plessings handschriftlichen Briefe an die Eheleute Möller und andere Personen befinden sich im Nachlass (LkA EKvW 3.27 Nr. 38).
Besondere Beachtung verdient auch der Schriftwechsel mit bekannten evangelischen Theologen wie Dr. Friedrich Adolf Krummacher (mit Möllers verwandt), Friedrich v. Bodelschwingh, Adolf Stöcker, Johannes Werner.
Ebenfalls zu erwähnen sind freundschaftliche Briefe des Komponisten Prof. Hermann Wichmann (1823-1905) und seiner Frau an Julius Möller. Eine Partitur trägt Wichmanns Handschrift "Meine letzte Composition in diesem Leben (80 Jahre). Meinem Freunde Herrn Pastor Möller. Rom 14.9.1903" (LkA EKvW 3.27 Nr. 53).
Bei den gedruckten Werken ist ein seltenes Faksimile aus der Mitte des 19. Jahrhundert (geschätzt) hervorzuheben: Lukas Granach der Ältere: Passional Christ und Antichristi. - Wittenberg 1521. Die Handschrift von A.W. Möller erläutert "Ein seltenes u. werthvolles Denkmal aus der Reformationszeit." (LkA EKvW 3.27 Nr. 63).
Der Nachlass wurde schon einmal durch einen Angehörigen der Familie Möller geordnet, die Kopien der Karteikarten befinden sich in LkA EKvW 3.27 Nr. 74. Die hierbei entstandenen Signaturen sind bei der aktuellen Erschließung im Feld Altsignaturen vermerkt worden.
Der Bestand wurde unter Zugrundelegung internationaler Verzeichnungsgrundsätze nach ISAD (G) erschlossen. Bei der Verzeichnung erhielten die Akten fortlaufende Nummern, die als gültige Archivsignaturen in der Bestellsignatur jeder Verzeichnungseinheit als letzte arabische Nummer oder im Findbuch ganz links neben dem jeweiligen Aktentitel aufgeführt sind. Unterhalb des Aktentitels geben die Vermerke ”Enthält, Enthält nur, Enthält u.a., Enthält v.a., Enthält auch“ eingrenzende oder weiterführende Auskünfte über den Inhalt. Unter ”Darin“ sind besondere Schriftgutarten wie Druckschriften, Presseberichte, Bauzeichnungen oder Fotos aufgelistet. Nach den Erschließungsvermerken folgt die alte Archivsignatur. Ganz rechts schließen sich die Laufzeiten der Archivalien an. Zu beachten sind hier zwei verschiedene Arten von Klammern: ( ) verweisen bei Abschriften auf das Datum des Originals, [ ] kennzeichnen erschlossene Jahresangaben undatierter Schriftstücke.
Kassiert wurde nicht archivwürdiges Schriftgut im Rahmen der Aufbewahrungs- und Kassationsordnung der Evangelischen Kirche von Westfalen vom 20.02.2003 in der Fassung vom 29.10.2020 bzw. des Aufbewahrungs- und Kassationsplans der EKvW vom 29.10.2020.
Sofern die Benutzung nicht zu Verwaltungszwecken erfolgt, unterliegen gemäß § 7 Abs. 1 Kirchengesetz zur Sicherung und Nutzung von kirchlichem Archivgut in der Evangelischen Kirche der Union (Archivgesetz - ArchivG) vom 6.5.2000 sämtliche Archivalien einer 30-jährigen Sperrfrist (gerechnet nach dem Ende ihrer Laufzeit). Für Archivgut, das sich nach seiner Zweckbestimmung oder nach seinem wesentlichen Inhalt auf natürliche Personen bezieht, gelten laut § 7 Abs. 2 ArchivG zusätzliche Schutzfristen. Diese Archivalien dürfen auch nach Ablauf der allgemeinen Sperrfrist frü-hestens 10 Jahre nach dem Tod der betroffenen Person(en) benutzt werden. Ist das Todesjahr nicht feststellbar, endet die Schutzfrist 90 Jahre nach Geburt. Ist auch das Geburtsjahr nicht bekannt, endet die Schutzfrist 60 Jahre nach Entstehung der Unterlagen.
Bei der Zitierung des Archivbestandes ist anzugeben: LkA EKvW 3.27 Nr. ... (hier folgt die Archivsignatur des entsprechenden Archivales). Das Kürzel steht in dieser Reihenfolge für "Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen, Bestand 3.27 Nr. ...".
Bielefeld, im Oktober 2021
Anna Warkentin
Quellen und Literatur (Auswahl):
über Anton Wilhelm Möller s. https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Wilhelm_M%C3%B6ller, Stand 18.10.2021
über Julius Möller s. https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_M%C3%B6ller_(Theologe), Stand 18.10.2021
Paul Klein: Pastor D. Julius Möller. - In: Wilhelm Heienbroksen: Zeugen und Zeugnisse aus Minden-Ravensberg" 2. Band, 1931, S. 158ff
Eckhard Möller: "...und Paris sich benimmt, als könnte man ihm nimmer beikommen". Der nationalkonservative Pfarrer Julius Möller und seine Ansichten zum Deutsch-Französischen Krieg. - In: Archivmitteilungen der Westfälischen Kirche Nr. 10, 2000, S. 46ff
Tilmann Marek: Profile der Minden-Ravensberger Erweckungsbewegung. Drei Generationen Erweckungsprediger der Familie Möller im Kirchenkreis Lübbecke. - In: Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte. - Bielefeld 2021. - S. 113ff
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.11.2025, 13:59 MEZ