Sammlung Giefel (Joseph Anton Giefel, Leiter des Staatsfilialarchivs Ludwigsburg,*1852, +1912) (Bestand)
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Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, J 12
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Sammlungen >> Sammlungen zur Landesgeschichte und Landeskunde >> Allgemeines
(1237-1810), 1877-1910
Überlieferungsgeschichte
Die Unterlagen wurden als Geschenk dem Hauptstaatsarchiv Anfang des 20. Jahrhunderts überlassen.
Inhalt und Bewertung
Joseph Anton Giefel, Leiter des Staatsfilialarchivs Ludwigsburg, (*1852, +1912) fertigte die Quellenauszüge zur württembergischen Geschichte, insbesondere im Zeitraum 1520-1570, sowie betreffend Theater, Künstler und Residenzen im späten 17. und im 18.Jahrhundert; einzelne Darstellungen (Reformation in Schwaben, Schillers Vater)
1. Josef Giefel und seine Sammlung: Josef (Anton) Giefel, geb. 12.06.1852 in Dietenheim (südöstlich von Ulm, Alb-Donaukreis), begann 1872 ein Studium am Wilhelmsstift in Tübingen. Er studierte dort Philosophie und Geschichte. 1875 trat er aus dem Verband des Wilhelmsstiftes aus und visierte jetzt als Berufsziel den Archivdienst an. In München absolvierte er im Bayerischen Reichsarchiv die Archivarsausbildung, die bayerische Archivdienstprüfung bestand er jedoch erst 1885. Am 29.04.1878 trat er seinen Dienst als "Hilfsarbeiter" im Haus- und Staatsarchiv in Stuttgart an. 1880 schloss er seine Promotion an der Universität Tübingen ab, das Thema seiner Doktorarbeit ist nicht bekannt. 1881 erhielt er provisorisch eine Stelle als "Archivexpeditor" bei der Archivdirektion in Stuttgart, seit Abschluss der Archivdienstprüfung 1885 kam ihm der Titel "Sekretär" zu. 1894 wurde er mit der Verwaltung des Staatsfilialarchivs in Ludwigsburg beauftragt und erhielt die Dienstbezeichnung "Hofrat", seit 1906 schließlich den Titel "Archivrat". Bis zu seinem Tod 1912, also etwa 18 Jahre, wirkte er als Leiter des Ludwigsburger Filialarchivs. Aufgrund seiner breiten geschichtlichen Kenntnisse verfasste Giefel zahlreiche Beiträge zur württembergischen Geschichte, meistens kleinere Arbeiten in Zeitschriften wie die "Württembergischen Vierteljahreshefte für Landesgeschichte", auch in Zeitungsbeilagen z.B. des "Schwäbischen Merkur" und in der Sonntagsbeilage des "Deutschen Volksblattes". Für die Reihe "Württembergische Geschichtsquellen" trug er eine neue Ausgabe der "Annales Ellwangenses" bei. Zusammen mit dem Domkapitular Schwarz war er lange Zeit Herausgeber der umfangreichen Korrespondenz des Kardinals Otto Truchseß von Waldburg, Bischof von Augsburg. Seine Publikationstätigkeit erfolgte kontinuierlich und umfasste ein breites Themenspektrum aus dem Bereich der Württembergischen Landesgeschichte. Giefel erhielt 1900 für seine Verdienste das Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichsordens verliehen und 1907 den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse. Am 3. April 1912 verstarb er im Alter von nur 60 Jahren. Er wurde auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Dietenheim beigesetzt. Die Unterlagen der Sammlung bestehen hauptsächlich aus Quellenexzerpten, Regesten und sonstigen Notizen zu bestimmten Themen der Landesgeschichte Württembergs. Auch sind einige wenige Manuskripte Giefels enthalten. Das 16. Jh. erweist sich als sein eindeutiger Interessenschwerpunkt, die allgemeine Geschichte dieses Jahrhunderts, die Reformation im deutschen Südwesten und zahlreiche Materialien zu Abt Gerwig Blarer von Weingarten. Vor allem die Bestände des Stuttgarter und des Ludwigsburger Archivs wertete Giefel in seinen Materialsammlungen aus, die Fundstellen sind kurz mit damaliger Signatur oder Bezeichnung angegeben. Auch die Ludwigsburger und Stuttgarter Residenzen standen im Interesse Giefels, wie auch die Ludwigsburger Geschichte allgemein. Insgesamt gesehen waren das historische Interesse wie auch die gesammelten Unterlagen Giefels thematisch breit gestreut. Entsprechend der damaligen Gewohnheit wurde für die Notizen bereits einseitig beschriebenes Papier verwendet. In den Büscheln liegen die Notizen in chronologischer Reihung geordnet vor.
2. Zur Bearbeitung der Sammlung Giefel: Die Unterlagen der Sammlung wurden von Karl Otto Müller geordnet und verzeichnet. Die Quellenexzerpte liegen in chronologischer Reihung in den Büscheln. Es gibt Hinweise auf Ordnungsmaßnahmen innerhalb der Büschel durch Müller. Sein handschriftliches, schwer lesbares Findbuch stammt von vor 1930. Der Bestand hatte zunächst die Signatur J 17 (statt nun J 12). Die Müller'schen Titelaufnahmen wurden durch den Unterzeichneten retrokonvertiert. Wo sie nur den Inhalt eines Büschels angaben, wurde die Materialart (Quellenexzerpte, Regesten, Notizen, Manuskript, etc.) in der Titelaufnahme ergänzt. Auch wurde eine Sachgliederung erstellt und die Titelaufnahmen danach strukturiert. Nach 1938 erhielt der Bestand (ursprünglich 87 Einheiten) noch einige Zugänge. Einige Unterlagen wurden damals noch in andere Bestände eingegliedert. Die Titelaufnahmen weisen auch auf ausgeschiedene oder verlorene Titel hin, um den ursprünglichen Umfang der Sammlung zu dokumentieren. Wie bei K.O. Müller wird in der Umfangbeschreibung auch das Format des Büschels (Oktav, Quart, Quergroß-Quart) aufgenommen. Quart-Format ist das häufigste und wird nicht eigens erwähnt. Die Datierungsangaben beziehen sich meistens auf das Betreffjahr der Regesten oder Notizen und nur selten auf die Entstehungszeit der Unterlagen, die weitgehend unklar bleibt, aber zwischen 1877 und 1910 liegen dürfte. Die Retrokonvertierung erfolgte im August 2016 durch den Unterzeichneten. Der Bestand umfasst 90 Büscheln in 1,2 lfd. m. Die Laufzeit erstreckt sich von (1237-1810), 1877-1910. Stuttgart, im September 2016 Dr. Peter Schiffer
3. Literatur: Personalakten Giefel HStAS E 61 Bü 433 (Nr. 18) und StAL E 62 Bü 269
Die Unterlagen wurden als Geschenk dem Hauptstaatsarchiv Anfang des 20. Jahrhunderts überlassen.
Inhalt und Bewertung
Joseph Anton Giefel, Leiter des Staatsfilialarchivs Ludwigsburg, (*1852, +1912) fertigte die Quellenauszüge zur württembergischen Geschichte, insbesondere im Zeitraum 1520-1570, sowie betreffend Theater, Künstler und Residenzen im späten 17. und im 18.Jahrhundert; einzelne Darstellungen (Reformation in Schwaben, Schillers Vater)
1. Josef Giefel und seine Sammlung: Josef (Anton) Giefel, geb. 12.06.1852 in Dietenheim (südöstlich von Ulm, Alb-Donaukreis), begann 1872 ein Studium am Wilhelmsstift in Tübingen. Er studierte dort Philosophie und Geschichte. 1875 trat er aus dem Verband des Wilhelmsstiftes aus und visierte jetzt als Berufsziel den Archivdienst an. In München absolvierte er im Bayerischen Reichsarchiv die Archivarsausbildung, die bayerische Archivdienstprüfung bestand er jedoch erst 1885. Am 29.04.1878 trat er seinen Dienst als "Hilfsarbeiter" im Haus- und Staatsarchiv in Stuttgart an. 1880 schloss er seine Promotion an der Universität Tübingen ab, das Thema seiner Doktorarbeit ist nicht bekannt. 1881 erhielt er provisorisch eine Stelle als "Archivexpeditor" bei der Archivdirektion in Stuttgart, seit Abschluss der Archivdienstprüfung 1885 kam ihm der Titel "Sekretär" zu. 1894 wurde er mit der Verwaltung des Staatsfilialarchivs in Ludwigsburg beauftragt und erhielt die Dienstbezeichnung "Hofrat", seit 1906 schließlich den Titel "Archivrat". Bis zu seinem Tod 1912, also etwa 18 Jahre, wirkte er als Leiter des Ludwigsburger Filialarchivs. Aufgrund seiner breiten geschichtlichen Kenntnisse verfasste Giefel zahlreiche Beiträge zur württembergischen Geschichte, meistens kleinere Arbeiten in Zeitschriften wie die "Württembergischen Vierteljahreshefte für Landesgeschichte", auch in Zeitungsbeilagen z.B. des "Schwäbischen Merkur" und in der Sonntagsbeilage des "Deutschen Volksblattes". Für die Reihe "Württembergische Geschichtsquellen" trug er eine neue Ausgabe der "Annales Ellwangenses" bei. Zusammen mit dem Domkapitular Schwarz war er lange Zeit Herausgeber der umfangreichen Korrespondenz des Kardinals Otto Truchseß von Waldburg, Bischof von Augsburg. Seine Publikationstätigkeit erfolgte kontinuierlich und umfasste ein breites Themenspektrum aus dem Bereich der Württembergischen Landesgeschichte. Giefel erhielt 1900 für seine Verdienste das Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichsordens verliehen und 1907 den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse. Am 3. April 1912 verstarb er im Alter von nur 60 Jahren. Er wurde auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Dietenheim beigesetzt. Die Unterlagen der Sammlung bestehen hauptsächlich aus Quellenexzerpten, Regesten und sonstigen Notizen zu bestimmten Themen der Landesgeschichte Württembergs. Auch sind einige wenige Manuskripte Giefels enthalten. Das 16. Jh. erweist sich als sein eindeutiger Interessenschwerpunkt, die allgemeine Geschichte dieses Jahrhunderts, die Reformation im deutschen Südwesten und zahlreiche Materialien zu Abt Gerwig Blarer von Weingarten. Vor allem die Bestände des Stuttgarter und des Ludwigsburger Archivs wertete Giefel in seinen Materialsammlungen aus, die Fundstellen sind kurz mit damaliger Signatur oder Bezeichnung angegeben. Auch die Ludwigsburger und Stuttgarter Residenzen standen im Interesse Giefels, wie auch die Ludwigsburger Geschichte allgemein. Insgesamt gesehen waren das historische Interesse wie auch die gesammelten Unterlagen Giefels thematisch breit gestreut. Entsprechend der damaligen Gewohnheit wurde für die Notizen bereits einseitig beschriebenes Papier verwendet. In den Büscheln liegen die Notizen in chronologischer Reihung geordnet vor.
2. Zur Bearbeitung der Sammlung Giefel: Die Unterlagen der Sammlung wurden von Karl Otto Müller geordnet und verzeichnet. Die Quellenexzerpte liegen in chronologischer Reihung in den Büscheln. Es gibt Hinweise auf Ordnungsmaßnahmen innerhalb der Büschel durch Müller. Sein handschriftliches, schwer lesbares Findbuch stammt von vor 1930. Der Bestand hatte zunächst die Signatur J 17 (statt nun J 12). Die Müller'schen Titelaufnahmen wurden durch den Unterzeichneten retrokonvertiert. Wo sie nur den Inhalt eines Büschels angaben, wurde die Materialart (Quellenexzerpte, Regesten, Notizen, Manuskript, etc.) in der Titelaufnahme ergänzt. Auch wurde eine Sachgliederung erstellt und die Titelaufnahmen danach strukturiert. Nach 1938 erhielt der Bestand (ursprünglich 87 Einheiten) noch einige Zugänge. Einige Unterlagen wurden damals noch in andere Bestände eingegliedert. Die Titelaufnahmen weisen auch auf ausgeschiedene oder verlorene Titel hin, um den ursprünglichen Umfang der Sammlung zu dokumentieren. Wie bei K.O. Müller wird in der Umfangbeschreibung auch das Format des Büschels (Oktav, Quart, Quergroß-Quart) aufgenommen. Quart-Format ist das häufigste und wird nicht eigens erwähnt. Die Datierungsangaben beziehen sich meistens auf das Betreffjahr der Regesten oder Notizen und nur selten auf die Entstehungszeit der Unterlagen, die weitgehend unklar bleibt, aber zwischen 1877 und 1910 liegen dürfte. Die Retrokonvertierung erfolgte im August 2016 durch den Unterzeichneten. Der Bestand umfasst 90 Büscheln in 1,2 lfd. m. Die Laufzeit erstreckt sich von (1237-1810), 1877-1910. Stuttgart, im September 2016 Dr. Peter Schiffer
3. Literatur: Personalakten Giefel HStAS E 61 Bü 433 (Nr. 18) und StAL E 62 Bü 269
90 Bü (1,2 lfd. m)
Bestand
Giefel, Josef Anton; Archivar, 1852-1912
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
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Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 14:39 MEZ