Vor dem unterschriebenen Notar haben die Herren Thomas Blindepage, lic. theol., Propst von St. Ägidii in Münster, und Arnold Dickenberch, Kanoniker von St. Ludgeri ebendort, als Schiedsrichter namens des Domdekans und Kapitels sowie des Ludwig de Sunger und des Johannes Koddeken, die die domkapitularischen Eigenbehörigen der Sungerbauerschaft (Kirchspiel Albersloh) vertreten, ferner Hermann Loeck und Wessel Merkamp, Ratmannen in Münster, als Schiedsmannen seitens des münsterischen Bürgers Johannes Wulfart in der Streitsache um das Triftrecht (ius minandi pecorum et iumentorum) in Feld, Wiese oder Hof (in campo, prato seu manso) Velthues in Gegenwart der Herren Herrnann von Langen (Langhen), in legibus lic, Domdekans, Otto Korf (Korff), Domscholasters, Hermann Sehenking (Schenkkinck), Johannes Valke, Rudolf von Langen und Dietrich Morrien, Domherren, als Vertretern des Domkapitels sowie in Anwesenheit Wulfarts durch den genannten Herrn Thomas folgendes Urteil verkünden lassen: Die den beiden Parteien eigenhörigen Sunger - Bauern dürfen ihr Vieh fortan auf die Pachtweide, um die der Streit ging, treiben, und zwar das eine Jahr den ganzen Tag lang, das andere nur bis zum Mittag. Das Vieh ist wie seit alters üblich von Korn und Eichelmast fernzuhalten, damit keiner dem anderen Schaden zufügt, der die Pachtzahlung beeinträchtigen könnte. Wulfart darf 3 oder 4 Rinder für seinen Küchenbedarf auf die Weide treiben. Einzäunungen auf der Weide, die nicht von alters her bestanden haben, sollen beseitigt werden. Die Domherren haben gestattet, daß Wulfart oder sein man zu Velthues den Schlagbaum keghen den Velthues to der Honwarde unde geyt tor Woysten unde Beckstede wieder aufrichten und gebrauchen darf. Sollte der Rentmeister etwas dagegen haben, wollen die Herren ihr Möglichstes tun, ihn umzustimmen. Die Domherren sowie Johann Wulfardes und sein Sohn Heinrich geloben bei Strafe von 400 rheinischen Gulden, gegenwärtigen Schiedsvertrag einzuhalten. Johann ist damit einverstanden, daß die Bauern sich auf eigene Kosten Absolution verschaffen. Zeugen: Herr Eberhard Schroder, Domvikar, und Johannes, Stabträger des Doms. Datum wie oben. Beide Seiten haben den Vertrag ratifiziert. Acta fuerunt hec in aula venerabilis et egregii viri domini Hermanni de Langhen (....). sabbato post Mathei apostoli