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Nachlass Johann Wilhelm Wahle (Bestand)
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Bestandsbeschreibung: Vorwort
Johann Wilhelm Wahle (1794-1853)
Der Homöopath Johann Wilhelm Wahle wurde am 23. Juni 1794 in Radisleben bei Ballenstädt (Herzogtum Anhalt-Bernburg) geboren und starb am 9. April 1853 in Rom. Er war verheiratet (NWa 074, NWa 155) und hatte mindestens zwei Kinder (NWa 200, NWa 236).
Wahle war ein Schüler von C.F.S. Hahnemann (1755-1843) und als einfacher Barbier einer der ersten Homöopathen, der ohne eine universitäre Ausbildung praktizierte. Nachdem er in Ballenstädt bei einem Bader in der Lehre gewesen war, besuchte er in den Jahren 1819 bis 1823 medizinische Kollegien in Leipzig. Seit 1820 befaßte er sich mit der Lehre Hahnemanns und war Mitglied der Gruppe von Arzneimittelprüfern, die Hahnemann in Leipzig gegründet hatte. Wahle praktizierte ohne Approbation, was ihn in Konflikt mit den Medizinalbehörden brachte. Auch ein Doktordiplom des homöopathischen Medical College in Allentown (Pennsylvania, USA) erleichterte seine berufliche Situation nicht, so daß er schließlich auf Empfehlung des Hofrates Paul Wolf (1795-1857) im Jahr 1840 nach Rom ging.
Dort praktizierte Wahle sehr erfolgreich. Zu seinen Patienten gehörten namhafte Personen wie z.B. Papst Gregor XVI. (1765-1846) (NWa 075). Seit 1850 war Wahle Ehrenmitglied der Hahnemannschen ärztlichen Gesellschaft in London (NWa 009) und Mitglied des Homoeopathic Medical College of Pennsylvania (NWa 64).
Geschichte und Gliederung des Bestandes
Das Schriftgut, sämtlich Dokumente aus der „Sammlung Bath“, wurde vom Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung (IGM) im Jahr 2006 auf dem Autographenmarkt erworben. Das Konvolut umfaßt 236 Verzeichnungseinheiten, die, sofern sie datiert werden konnten, aus den Jahren 1826 bis 1853 stammen. Es handelt sich überwiegend um Briefe, die Wahle von Kollegen, Patienten oder Bekannten erhielt. Darüber hinaus enthält der Bestand wenige Schreiben an andere Personen sowie eine geringe Anzahl von Dokumenten, die nicht der Quellengattung Brief zuzurechnen sind. Der überwiegende Teil der Schriftstücke stammt aus der Zeit Wahles in Rom (1840-1853).
Ergänzt werden diese Dokumente durch zwei weitere Schriftstücke aus dem A-Bestand des Archivs des IGM. ES handelt sich dabei um ein undatiertes Schreiben Wahles an einen Herrn Hofrat, das einer Medikamentensendung beigelegt war (A 686) sowie um ein Schreiben von Mélanie Hahnemann (1800-1878) vom 5. Juli 1840, in dem diese Bezug auf Wahles Umzug nach Rom nimmt (A 1771).
Der Nachlaß gliedert sich in die Abteilungen Briefe an Wahle, Briefe an andere Personen und Sonstiges. Die Rubrik Briefe an Wahle ist untergliedert in Briefe von Kollegen, Briefe von Patienten und Briefe von Bekannten. Hier befinden sich auch zwei Briefe an Wahles Ehefrau. Die Schriftstücke sind innerhalb dieser Rubriken chronologisch sortiert.
Inhalt des Bestandes
Unter Wahles Korrespondenzpartnern befinden sich zahlreiche Homöopathen aus dem In- und Ausland, wie z.B. Dr. Franz Xaver Melicher (1808-1853), Dr. Gustav Wilhelm Groß (1794-1847), Dr. Wilhelm (William) Wesselhöft (1794-1858), Dr. Adolph Heinrich Gerstel (1805-1890), Dr. Johann Phillip Rath (1787-1860), Dr. Bruno Albert Vehsemeyer (1807-1871), Dr. Robert E. Dudgeon (1820-1904), Dr. J. J. Drysdale (1817-1892), Dr. Frederick Hervey Foster Quin (1799-1878) und Dr. Rocco Rubini (1800-1888).
Der Inhalt dieser Briefe ist überwiegend beruflicher Natur. Es handelt sich z.B. um die Bitte um einen ärztlichen Rat, um Berichte über Patienten und deren Behandlung, die Zu-sammenstellung homöopathischer Apotheken sowie um den Erwerb von Medikamenten, homöopathischer Literatur und von Gegenständen (z.B. Gläser, Mörser und Stößel), die zur Zubereitung homöopathischer Arzneien verwendet werden. Darüber hinaus beinhalten die Briefe Empfehlungen für Patienten und andere Kollegen, Berichte über die Ausbreitung der Homöopathie (z.B. in Frankreich, Deutschland und Großbritannien) sowie über homöopathische Ärzte und deren Wirken.
Unter den Briefen von Patienten befinden sich nicht nur Schreiben der jeweiligen Patienten selbst, sondern auch Briefe, die von anderen Personen für einen Patienten verfasst worden sind. Diese Schreiben beinhalten überwiegend die Bitte um einen Krankenbesuch bzw. Terminabsprachen, Berichte über den Gesundheitszustand, die Bitte um Übersendung von Medikamenten bzw. Nachfragen zur Medikation. Ebenfalls Gegenstand dieser Schreiben ist die Begleichung von Rechnungen. Zuweilen finden sich in diesen Dokumenten auch Berichte über die Behandlung durch andere Ärzte.
Die Schreiben von Bekannten an Wahle, die nicht an Wahle gerichteten Briefe sowie die unter Sonstiges zusammengefassten Dokumente haben verschiedene, nicht immer die Homöopathie betreffende Aspekte zum Inhalt.
Der Bestand NWa ist somit ein bedeutendes Zeugnis für die Frühgeschichte der Homöopathie: Wahle selbst war ein Zeitgenosse und direkter Schüler von Hahnemann und wurde offenbar von einigen Personen als dessen Nachfolger in Paris gewünscht (NWa 145). Seine Korrespondenz dokumentiert zum Einen die intensive und internationale Vernetzung der deutschen und ausländischen Homöopathen der 1. Generation. Zum Anderen belegt sie die Internationalität und soziale Hochrangigkeit seiner Patientinnen und Patienten, die Wahle nebst ihrer Bediensteten behandelte.
Verzeichnung
Der Bestand wurde im Oktober 2006 von einer Referendarin aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, verzeichnet, die im IGM ein Praktikum absolvierte.
Alle Schriftstücke wurden in einer auf FileMaker Pro (Version 7.0) basierenden Datenbank erfasst. Dabei entspricht jeweils eine Verzeichnungseinheit (zumeist ein Dokument) einem Datensatz. Dieser enthält die wesentlichen inhaltlichen und formalen Informationen zum Schriftstück (bzw. den Schriftstücken). Diese Informationen liegen auch als Ausdruck vor. Dieses Findbuch wurde durch drei Listen ergänzt: Eine enthält alle Absender (sofern ermittelt) in alphabetischer Reihenfolge, eine die Namen der in den Dokumenten genannten Patienten (nicht in alphabetischer Reihenfolge) und eine den Aufenthaltsort des Absender (nicht durchgehend in alphabetischer Reihenfolge). Alle Listen verweisen auf die Signatur der jeweiligen Verzeichnungseinheit. Der Ausdruck bietet selbstverständlich nicht die Recherchemöglichkeiten einer Datenbank (z.B. chronologische Sortierung), so daß die eigentliche Recherche über die Datenbank erfolgen sollte (s.u. unter „Recherche“).
Bei der Verzeichnung wurden folgende Kriterien zu Grunde gelegt:
-Bei den Signaturen handelt es sich um Springnummern, d.h. die Gliederung des Bestandes ist nicht in numerischer Reihenfolge der Signaturen erfolgt.
-Das Datum ist, sofern es dem Dokument zu entnehmen ist, wie folgt strukturiert: JJJJ.MM.TT. Einige Schriftstücke sind undatiert; bei einigen Dokumenten konnte unter Hinzuziehung des GROTEFEND der Entstehungszeitraum eingegrenzt werden. Anmerkungen hierzu befinden sich im Datenfeld Entstehung.
-Soweit dies möglich war, wurden die Angaben zu den in den Schreiben genannten Personen anhand von Sekundärliteratur ergänzt. Diese Angaben befinden sich in eckigen Klammern (z.B. Witting [Dr. phil. Ernst, Apotheker]).
-Wörtliche Zitate befinden sich in Anführungsstrichen. Bei Personennamen ist der Orginalbuchstabendbestand ebenfalls in Anführungsstrichen zu finden (z.B. „Walhe“, „Vahle“). Um die Recherche zu erleichtern, ist in den Namensfeldern der Name in der heute üblichen Schreibweise aufgeführt (z.B. Wahle).
-Bei Doktoren der Medizin (Dr. med.) befindet sich lediglich der Zusatz Dr. Handelt es sich z.B. um einen Doktor der Philosophie, ist der komplette Titel aufgeführt (z.B. Dr. phil.).
Nutzung des Bestandes
Die Nutzung des Bestandes unterliegt keinen Einschränkungen.
Zur Verzeichnung verwendete Literatur
Adolph Carl Peter CALLISEN, Medicinisches Schriftsteller-Lexicon der jetzt lebenden Aerz-te, Wundärzte, Geburtshelfer, Apotheker und Naturforscher aller gebildeten Völker, Niuwkoop 1962-1964 (2., unveränderte Auflage, Reprint der Ausgabe Copenhagen, 1830-1845).
Francesco CORDASCO, Homoeopathy in the United States. A bibliography of homoeo-pathic medical imprints 1825-1925, Fairview, NJ [u.a.] 1991.
Martin DINGES (Hg.), Weltgeschichte der Homöopathie. Länder - Schulen - Heilkundige, München 1996.
Martin DINGES/Robert JÜTTE, Samuel Hahnemann und sein Umfeld. Quellen aus der Sammlung der Deutschen Homöopathie-Union, Stuttgart 2005. (=Quellen und Stu-dien zur Homöopathiegeschichte 9.)
Hermann GROTEFEND, Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit, HTML-Version von H. RUTH, http://www.manuscripta-mediaevalia.de/gaeste/grotefend/grotefend.htm.
Richard HAEHL, Samuel Hahnemann. Sein Leben und Schaffen auf Grund neu aufgefun-dener Akten, Urkunden, Briefe, Krankenberichte und unter Benützung der gesam-ten in- und ausländischen homöopathischen Literatur, Leipzig 1922, Bd. 1 und 2.
Sonia HORN (Hg.), Homöopathische Spuren. Beiträge zur Geschichte der Homöopathie in Österreich, Wien 2003.
Alberto LODISPOTO, Storia della omeopatia in Italia. Storia antica di una terapia moderna, Rom 1989.
Karen LOHOFF, Geschichte der Homöopathie im Herzogtum Braunschweig, o.O. 1998. (Sonderdruck aus der Festschrift 20 Jahre Geschichtsverein Salzgitter e.V. 1978-1998 (Salzgitter-Jahrbuch 1997/1998, Band 19/20), S. 121-158.)
Namensverzeichniß der bis jetzt uns bekannten homöopathischen Aerzte, in: AHZ 8 (1. Band), 1932, S. 57-59.
Olivier RABANES/Alain SAREMBAUD, Dictionnaire des auteurs d'ouvrages d'homéopathie en langue française, Paris 2003.
Auguste RAPOU, Histoire de la doctrine médicale homoeopathique. Son état actuel dans les principales contrées de l'Europe, London 1847, Bd. 1. und 2.
Kathrin SCHREIBER, Samuel Hahnemann in Leipzig. Die Entwicklung der Homöopathie zwischen 1811 und 1821: Förderer, Gegner und Patienten, Stuttgart 2002. (=Quellen und Studien zur Homöopathiegeschichte 8.)
Fritz D. SCHROERS, Lexikon deutschsprachiger Homöopathen, Stuttgart 2006.
Rdolf TISCHNER, Geschichte der Homöopathie, Leipzig 1939.
Julien WINSTON, The faces of homoeopathy. An illustrated history of the first 200 years, Tawa (New Zealand) 1999.
Renate WITTERN (Hg.), Frühzeit der Homöopathie, Stuttgart 1984.
Beate SturmStuttgart im Oktober 2006
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.