Militärischer Nachlass Johannes von Pezold, * 1870 + 1935 (Bestand)
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Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, M 660/032
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Militärische Bestände 1871-ca. 1920 >> Nachlässe und Sammlungen >> Nachlässe
Nachtrag 1989
Zum Nachlass Prof. Dr. Hans von Pezold: J o h a n n e s Ernst v o n P e z o l d wurde am 18. Juni 1870 in Riga geboren als Sohn des Kunstmalers und späteren Chefredakteurs der Riga¿schen Zeitung Leopold von Pezold, der im Jahr 1879 mit Frau und Kindern nach Karlsruhe übergesiedelt war. Johannes (Hans) von Pezold trat 1879 in die Sexta des dortigen Gymnasiums ein und absolvierte nach dem Abitur ab 1. Oktober 1888 als Einjährig Freiwilliger bei der Artillerie in Gottesaue seinen Militärdienst für das erste Halbjahr. Danach ging er nach Marburg und trat in das Corps Hasso-Nassovia ein. Nach fünf Semestern studierte er in Berlin und dann in München. Im April 1893 erwarb er den medizinischen Doktortitel. Nach dem Staatsexamen, das er im Frühjahr 1894 in München absolvierte, diente er ein weiteres halbes Jahr als Einjähriger bei der Artillerie Gottesaue. Hans von Pezold entschloss sich Militärarzt zu werden und kam als Assistenzarzt ins Badische Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109. In den folgenden fünf Jahren war er als Bataillons- bzw. Stabsarzt beim Infanterieregiment Nr. 170 in Offenburg tätig. Prägende Erfahrungen konnte er als Stabsarzt des Kadettenhauses Karlsruhe von 1904 ¿ 1910 sammeln. Als Oberstabsarzt war er zwei Jahre (1910-1912) in Paderborn beim Infanterieregiment Nr. 158 tätig. Es folgten zwei Jahre beim Feldartillerieregiment Nr. 13 in Ulm an der Donau, wo er sich systematisch zum Hautarzt weiterbildete. Bei Kriegsbeginn rückte Hans von Pezold als Chefarzt des Feldlazaretts 7 (XIII. Armeekorps) ins Feld und wurde, nachdem er wiederholt zur Vertretung von Divisionsärzten kommandiert worden war, am 24. 12. 1916 zum Divisionsarzt der 242. Infanteriedivision ernannt. Über diese Zeit verfasst er ein (in maschinenschriftlicher Form) nahezu tausend Seiten umfassendes Tagebuch, in das er all seine Eindrücke und Gedanken eintrug, die ihn während des Kriegs beschäftigten. Nach den Kriegsjahren erhielt Hans von Pezold eine Anstellung als leitender Arzt der Hautabteilung des Städtischen Krankenhauses in Karlsruhe. Neben dieser Tätigkeit übte er Praxisdienst aus, nahm einen Lehrauftrag für das Fach Sexualpädagogik an der Technischen Hochschule und am Staatstechnikum Karlsruhe wahr, war im Auftrag des badischen Innenministeriums Leiter einer Beratungsstelle für Geschlechtskrankheiten. Johannes von Pezold veröffentlichte in den 20er Jahren zahlreiche fachwissenschaftliche Arbeiten aus den Themenbereichen Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, Sexualpädagogik, Therapie der Haut- und Geschlechtskrankheiten und der Rolle der Medizin in der schöngeistigen Literatur. Daneben erschienen immer wieder kleinere Beiträge über seine Erfahrungen als Militärarzt. Die breite Interessenvielfalt und v.a. auch literarisch und künstlerischen Dingen gegenüber aufgeschlossene Haltung Pezolds lässt aus der Fülle persönlicher Unterlagen von der Schulzeit bis Mitte der 30er Jahre ein sehr plastisches Bild vom Werdegang eines recht geselligen, fachlich hoch engagierten und allgemein anerkannten Militär-, Facharztes und akademischen Lehrers für die Jahre 1870 ¿ 1935 entstehen. Johannes Ernst von Pezold starb am 1. Juli 1935 im Alter von 65 Jahren in Karlsruhe. Ein Teil des vorhandenen Nachlasses wurde in einer ersten kleineren Ablieferung schon im Jahr 1940 dem damaligen Heeresarchiv von Frau Marie von Pezold überlassen, der Schwester Hans von Pezolds. Der in Ottawa als Arzt niedergelassene Großneffe Hans von Pezolds, Dr. Bernd Koch (u.a. Vertrauensarzt der dortigen Botschaft der Bundesrepublik) übersandte dankenswerterweise die weit umfangreichere und ausgesprochen informative Teile enthaltende zweite Ablieferung im Jahr 2000 dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Der damit entstandene jetzige Archivbestand umfasst ohne die für die Persönlichkeit Hans von Pezolds sehr aufschlussreichen Bibliotheksteile, die im Anschluss an die Archivalien im Findbuch aufgelistet sind (mit Signaturen der Bibliothek des Hauptstaatsarchivs Stuttgart), 96 Archivalieneinheiten mit einem Gesamtumfang von 1,6 Regalmetern. Franz Moegle-Hofacker
96 Archivalieneinheiten
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 14:39 MEZ