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Reichenbach (Klosterreichenbach) (Bestand)
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Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Altwürttembergisches Archiv >> Bezirksbehörden des Kirchenguts und der Universität >> Kloster- und Stiftsgutverwaltungen
(1080-)1249 - 1806
Inhalt und Bewertung
Benediktinerpriorat des Klosters Hirsau 1082-1603, dann Klosteramt
I. Zur Geschichte und Erforschung des Klosters Reichenbach: Das Kloster Reichenbach im Schwarzwald wurde im Jahr 1082 durch den Hirsauer Abt Wilhelm von Hirsau als eine dem heiligen Gregor geweihte Zelle gegründet. Der kopial überlieferten Gründungslegende zufolge hatte zuvor ein Adliger namens Bern, der als 'conversus' auch zu Reichenbach bestattet wurde, Grund und Boden für eine Klostergründung im oberen Murgtal an Hirsau geschenkt. 1085 wurde die Klosterkirche zu Reichenbach vom Konstanzer Bischof geweiht. Im 13. Jahrhundert konnte durch Schenkungen regionaler Adliger, vor allem der Pfalzgrafen von Tübingen, ein Kernbestand mit umfangreichen Rechten im Murgtal akkumuliert werden. Hinzu kam typischer Streubesitz, vor allem im Bereich der oberen Nagold und am oberen Neckar. Als Priorat stand Reichenbach Zeit seines Bestehens unter der politischen und wirtschaftlichen Einflussnahme von Hirsau. Die Äbte von Hirsau konnten in langwierigen Rechtsprozessen in den 1350er, 1430er und 1470er Jahren das Recht auf Ein- und Absetzung der reichenbachischen Prioren behaupten. Ein Schiedsspruch des Basler Konzils 1436 räumte den Hirsauer Äbten weitgehende Rechte und Kontrollmechanismen über Reichenbach ein. Auch personell waren die beiden Klöster eng verflochten; so diente ersteres häufiger als Pfründe für abgesetzte Hirsauer Äbte, und mehreren Reichenbacher Prioren gelang der Aufstieg in den Abbatiat Hirsaus. Die Vogtei über Reichenbach war über die Grafen von Calw und die Pfalzgrafen von Tübingen im 14. Jahrhundert an die Grafen von Eberstein (als bischöflich-straßburgisches Lehen) gelangt. Nach der Teilung der Grafschaft 1399 erwarben die Markgrafen von Baden eine Hälfte daran, sodass für über zwei Jahrhunderte ein badisch-ebersteinisches Kondominat über die reichenbachische Schutzvogtei bestand. Für die benachbarten Grafen von Württemberg, die 1342 die Vogtei von Hirsau an sich bringen konnten, wurde die Kontrollfunktion durch das (1535 reformierte) Mutterkloster Hirsau zum Einfallstor ihrer Ansprüche an das Priorat Reichenbach. Die Überschneidung der Interessensphären zwischen den Prioren von Reichenbach, den Äbten von Hirsau, den Markgrafen von Baden und den Grafen von Eberstein als reichenbachischen sowie den Württembergern als hirsauischen Schutzherren prägte wesentlich die Geschichte und Schriftgutproduktion von Reichenbach ab dem 15. Jahrhundert. 1595 ließ Herzog Friedrich I. von Württemberg unter Ausnutzung innerbadischer Konflikte das Kloster Reichenbach besetzen. Obwohl von kaiserlicher Seite eine Restitution und Wiederherstellung des status quo angeordnet wurde, konnte der Herzog mit dem Kauf der ebersteinischen Vogteirechte seine Position arrondieren. Bis 1605 wurde das Kloster aufgelöst, die letzten beiden Konventualen abgefunden, ein protestantischer Pfarrer installiert und Reichenbach in die württembergische Ämterverwaltung eingegliedert, wobei eine Restitution und Wiederansiedlung von Mönchen zwischen 1629 und 1648 Episode blieb. Seitens der historischen Forschung ist das Kloster Reichenbach in den letzten Jahrzehnten verstärkt in den Fokus gerückt. Es liegen mittlerweile Editionen des Reichenbacher Schenkungsbuchs, des Seelbuchs und des ältesten Urbars vor. Von der Editorin des letzteren, Regina Keyler, stammt auch die einschlägige Monographie zur Wirtschaftsgeschichte des Schwarzwaldklosters aus dem Jahre 2005. Ein Internetangebot (http://www.klosteramt-reichenbach.de/) von Jürgen Wurster verzeichnet dessen Beiträge aus den Freudenstädter Heimatblättern, die auf der Grundlage zahlreicher Archivalien des Bestandes A 516 die Gesellschafts- und Wirtschaftsverhältnisse im Klosteramt Reichenbach nachzeichnen.
II. Zum Bestand und der Erschließung von A 516 Kloster Reichenbach (Klosterreichenbach): Der heutige Bestand A 516 beinhaltet 156 Urkunden und 44 Büschel (4,3 lfd.m). Die älteste Ausfertigung datiert auf das Jahr 1249, wobei einige Schriftstücke, z.T. vermeintlich ältere Vorgänge kopial überliefert sind; die jüngsten Vorgänge reichen bis in das Jahr 1806. Das 1812 erneuerte Repertorium von W. F. L. Scheffer liefert keine zusammenhängenden Erklärungen zur Entstehung des Bestandes. Neben Zugängen aus dem reichenbachischen Klosterarchiv, dem Kloster Hirsau und der württembergischen Kanzlei waren zu diesem Zeitpunkt bereits größere Bestandsgruppen aus dem Benediktinerkloster Weingarten hierhin einsortiert worden, es finden sich ebenfalls vereinzelte Hinweise auf Zugänge aus den Kameralämtern Freudenstadt und Leonberg sowie aus dem Kloster Wiblingen. An älteren Findmitteln (s. Bestand A 605) existieren ein undatiertes Register, das Archivalien bis etwa 1670 verzeichnet (16 Bl.), ein Interims-Register um 1700 (17 Bl.), ein Repertoriums-Fragment von 1706 (4 Bl.) und ein Register aus dem 18. Jh. (33 Bl.), anhand derer eine Rekonstruktion der älteren Pertinenzien und der jüngeren Zugänge möglich ist. Bei der Verzeichnung von 1812 war das 'membrum archivi' zu Stuttgart auf 42 Büschel in 4 Laden A-D sortiert. Im Jahr 1878 kamen in einem Austausch mit dem Großherzogtum Baden etwa 20 neue Pergamenturkunden hinzu, die im Büschel 1a abgelegt wurden. Die Vergabe der Büschelnummern lässt eine ältere (Archivrepertorium von 1812) und eine neuere, mit roter Tinte geschriebene Verzeichnung (nach 1878) erkennen, die auch heute noch weitestgehend die gültige Signatur der Büschel darstellt. Hinsichtlich der schon genannten Laden lassen sich etwa folgende Sortierungsmuster erkennen: Die Lade A enthielt vor allem die frühen Urkunden und Akten des 16. Jahrhunderts, die die politischen Rechtsverhältnisse zu Reichenbach betrafen (Bü 1-10). In Lade B (Bü 11-16) befanden sich Akten des 17. Jahrhunderts, die hauptsächlich die Besetzung und Verwaltung des Klosters durch Württemberg zum Thema hatten. In Lade C lagen nach Ortsbetreffen geordnete Archivalien, die im AR von 1812 beginnend mit Achern (Büschel 21) bis Wittendorf (Bü 32) verzeichnet wurden. Diese Ordnung nach Ortsbetreffen ist schon im ältesten Repertorium ansatzweise erkennbar, war zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht zur Ausführung gelangt. In Lade D (ab Bü 33), die im AR mit 'Allerley' betitelt ist, fanden sich vermischte und fragmentierte Akten, darunter vor allem Rechnungen und Register. Aus den Büscheln wurden, wohl erst nach 1878, der größte Teil der Pergamenturkunden, aber auch einzelne papierne Archivalien herausgezogen und mit Nummern versehen, woraus die heute gültigen Urkundensignaturen (U 1-151) entstanden sind. Die Akten liegen erst ab Büschel 3 vor, da die beiden ersteren, fast ausschließlich aus Pergamenturkunden bestehenden Büschel aufgelöst und in die Urkunden (U 1-33) eingereiht wurden.
Bereits 1595 waren Teile des Archivs vom Prior Johann Hügel aus Reichenbach vor den württembergischen Soldaten evakuiert worden, wobei aus den Verhandlungen um die Restitution des Archivs selbst wieder Akten des heutigen Bestandes entstanden sind. Archivalien aus reichenbachischer Klosterprovenienz finden sich heute neben dem Hauptbestand in Stuttgart auch im Generallandesarchiv Karlsruhe wieder. Zu weiteren Beständen mit Bezug zum Kloster Reichenbach wird auf das Quellenverzeichnis bei Regina Keyler, Soll und Haben, S. 260 verwiesen. Gesondert erwähnt seien an dieser Stelle nur die reichenbachischen Kopial- und Lagerbücher: Seit dem späten Mittelalter kann Reichenbach eine reichhaltige Produktion von Urkundenbüchern und Urbaren vorweisen. Im Priorat des Wolf Maiser von Berg (gest. 1443), späterer Abt zu Hirsau, wurden um 1426/27 ein Kopialbuch und ein Urbar angelegt. Das älteste Kopialbuch des Klosters aus dem Jahr 1426 ist 1944 verbrannt (H 14 Bd. 203), wobei eine spätere Abschrift unter der Signatur H 14 Bd. 204 erhalten ist. Die insgesamt 45 reichenbachischen Lagerbücher mit einer Laufzeit 1427-1806 bilden den Bestand H 102/63 des Hauptstaatsarchivs Stuttgart. Inhaltlich bildet der Reichenbacher Bestand ein vielseitiges, über Jahrhunderte gewachsenes Spektrum ab. Besonders spiegelt sich in ihm die politische Gemengenlage zwischen den Herrschaften Baden, Eberstein und Württemberg sowie den Klöstern Reichenbach und Hirsau wider. In den Akten finden sich vorrangig Korrespondenzen, Gutachten, Berichte und Rechtsdokumente über die Ansprüche auf und die wechselnden Rechtsverhältnisse zu Reichenbach im 16. und 17. Jahrhundert. Im Hinblick auf wirtschaftliche Aspekte ist ab dem 16. Jahrhundert sowohl für das engere Klosteramt Reichenbach als auch die auswärtigen Besitzungen eine stetige Zunahme der Überlieferung zu verzeichnen. Große Bedeutung überhaupt kommt dem Bestand in landeskundlicher Hinsicht für das Gebiet des heutigen Landkreises Freudenstadt zu. Das vorliegende Findmittel wurde im November 2020 von Archivreferendar Stefan Bröhl mit der Archivsoftware scopeArchiv auf Grundlage des Repertoriums von W. F. L. Scheffer von 1812 erstellt. Dabei wurden lateinische Versatzstücke und antiquierte Bezeichnungen bei den Urkunden weitestgehend angepasst. Bei den Akten und Aktenuntergruppen war eine Anpassung des Duktus aufgrund des umfangreicheren Materials nur teilweise möglich. Zuletzt erfolgte eine Verschlagwortung mit Deskriptoren, die sich vornehmlich auf Orte und Personen beziehen.
III. Hinweise zu gedruckten Quellen und Literatur: Das älteste Urbar des Priorats Reichenbach von 1427, ed. Regina Keyler (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg / Reihe A / Quellen 51), Stuttgart 1999 Das Reichenbacher Schenkungsbuch, ed. Stephan Molitor (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg / Reihe A / Quellen 40), Stuttgart 1997 Das Reichenbacher Seelbuch: Neuedition und Kommentar, ed. Stephan Molitor, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 78 (2019), S. 71-117 Babcock, Robert Gary, Ein Buchgeschenk Wilhelms von Hirsau an Kloster Reichenbach, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 67 (2011), S. 109-118 Baiersbronn. Vom Königsforst zum Luftkurort, hrsg. von S. Lorenz / A. Kuhn, Stuttgart 1992. Eimer, Manfred, Studien zur Geschichte des Klosters Reichenbach, in: Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte NF 36 (1930), S. 52-86 Keyler, Regina, Soll und Haben. Zur Wirtschaftsgeschichte des Hirsauer Priorats Reichenbach (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde 55), Ostfildern 2005 Schreiner, Klaus, Sozial- und standesgeschichtliche Untersuchungen zu den Benediktinerkonventen im östlichen Schwarzwald (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg / Reihe B Forschungen Band 31), Stuttgart 1964
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.