Zerwürfnis Gottlieb von Tuchers mit dem Grafen Stanhope
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E 29/II Nr. 2885
E 29/II Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen
Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen
11.11.1831 - 21.11.1831
Enthält:
1831 November 11: Brief (Konzept) Gottlieb v. Tuchers, Nürnberg, an den Grafen Stanhope (expediert durch L<ödel> & Merkel ).
Kritik an den pädagogischen Absichten des Adressaten bezüglich Kaspar Hausers. Adressat hat Hauser zu einem eingebildeten Menschen gemacht. Vorschlag: Adressat übernimmt die Vormundschaft oder sorgt für Hauser - oder hält sich ganz von ihm fern. - Am Rande von Bl. 1r: Am 12. Abschrift dieses Briefs an Feuerbach gesandt.
1831 November 16: Brief des (Paul Johann Anselm) v. Feuerbach aus Ansbach an Tucher.
Bestätigung des Erhalts eines Briefes samt Beilage vom 12. d. M. Schreiber dachte darüber nach, leidet jedoch an einer geschwollenen Hand, sodass er seine Gedanken durch A(ppellations) R(at) (Johann Carl Friedrich) Schumann persönlich mitteilen lassen wird. Ich bemerke hiebei zugleich, daß der Graf, der sich noch immer hier befindet, mit meinen Ansichten, so sehr diese anfangs seinen vorgefaßten Meinungen und fixen Ideen zuwider waren, vollkommen einverstanden ist.
1831 November 18: Brief Tuchers aus Nürnberg an Feuerbach.
Die Reaktion Stanhope's auf das eigene Schreiben wird als unvernünftig bezeichnet. Schreiber sieht überhaupt keinen Grund, irgendetwas aus seinem Brief zu widerrufen. Einer Auflösung des vormundschaftlichen Verhältnisses könnte Schreiber erst nach dem kommenden Sommer zustimmen. Auch müsste erst noch die Meinung seiner Mutter (Susanna Maria) eingeholt werden.
1831 November 18: Brief Tuchers aus Nürnberg an Stanhope. Am Rande: NB wurde nicht abgeschikt.
Durch Schumann erfuhr Schreiber, Adressat fühle sich durch das Schreiben vom 11. d. M. beleidigt. Das war nie die Absicht des Schreibers. Weiter will, so Schumann, Adressat auf keinerlei Bedingung des Schreibers eingehen. Dies respektiert Schreiber. Er und seine Familie wollen weiterhin alles in ihren Kräften Stehende für Kaspar tun.
1831 November 19: Brief Tuchers aus Nürnberg an Stanhope.
(Anfang wie in vorigem Entwurf). Adressat möge bedenken, dass die gegen ihn erhobenen Einwände ihm schon öfter mündlich vorgehalten worden sind. Die 'Bedingungen' des Schreibers waren Vorschläge, auf welche Schreiber nun Gegenvorschläge vom Adressaten erwartet.
1831 November 19: Brief Tuchers aus Nürnberg an Feuerbach.
Herr Schumann hat eine kategorische Erklärung von Schreiber verlangt. Er kann nur Folgendes erklären: Wenn Herr Graf nicht bereit ist, seinen verderblichen Einfluss auf Kaspar zu unterlassen, so wollte Schreiber Kaspar dennoch weiter bei sich behalten, um größere Nachteile für Kaspar zu vermeiden.
1831 November 31: Brief Feuerbachs aus Ansbach.
Schreiber hätte schon eher geantwortet, wenn er geglaubt hätte, noch etwas ändern zu können. Stanhope fühlt sich in seiner Ehre tief gekränkt. Er ist eben ein Engländer, also vir propositi tenax. Er hat den Vorschlag, Hauser ganz zu übernehmen gewählt und den dazu notwendigen Antrag beim Stadtgericht Nürnberg schon gestellt (= Nr. 2823 Prod. 1). Das frühere Verhältnis ist ohnehin nicht mehr herstellbar, sodass die Anwesenheit des Adressaten in Ansbach überflüssig erscheint. Tadel am Schreiben des Adressaten, welches er wohl in einem sehr unglücklichen Zustand verfasst haben muss. Für Kaspar ist nun besser gesorgt, als durch die bisherigen 300 Gulden.
1831 November 11: Brief (Konzept) Gottlieb v. Tuchers, Nürnberg, an den Grafen Stanhope (expediert durch L<ödel> & Merkel ).
Kritik an den pädagogischen Absichten des Adressaten bezüglich Kaspar Hausers. Adressat hat Hauser zu einem eingebildeten Menschen gemacht. Vorschlag: Adressat übernimmt die Vormundschaft oder sorgt für Hauser - oder hält sich ganz von ihm fern. - Am Rande von Bl. 1r: Am 12. Abschrift dieses Briefs an Feuerbach gesandt.
1831 November 16: Brief des (Paul Johann Anselm) v. Feuerbach aus Ansbach an Tucher.
Bestätigung des Erhalts eines Briefes samt Beilage vom 12. d. M. Schreiber dachte darüber nach, leidet jedoch an einer geschwollenen Hand, sodass er seine Gedanken durch A(ppellations) R(at) (Johann Carl Friedrich) Schumann persönlich mitteilen lassen wird. Ich bemerke hiebei zugleich, daß der Graf, der sich noch immer hier befindet, mit meinen Ansichten, so sehr diese anfangs seinen vorgefaßten Meinungen und fixen Ideen zuwider waren, vollkommen einverstanden ist.
1831 November 18: Brief Tuchers aus Nürnberg an Feuerbach.
Die Reaktion Stanhope's auf das eigene Schreiben wird als unvernünftig bezeichnet. Schreiber sieht überhaupt keinen Grund, irgendetwas aus seinem Brief zu widerrufen. Einer Auflösung des vormundschaftlichen Verhältnisses könnte Schreiber erst nach dem kommenden Sommer zustimmen. Auch müsste erst noch die Meinung seiner Mutter (Susanna Maria) eingeholt werden.
1831 November 18: Brief Tuchers aus Nürnberg an Stanhope. Am Rande: NB wurde nicht abgeschikt.
Durch Schumann erfuhr Schreiber, Adressat fühle sich durch das Schreiben vom 11. d. M. beleidigt. Das war nie die Absicht des Schreibers. Weiter will, so Schumann, Adressat auf keinerlei Bedingung des Schreibers eingehen. Dies respektiert Schreiber. Er und seine Familie wollen weiterhin alles in ihren Kräften Stehende für Kaspar tun.
1831 November 19: Brief Tuchers aus Nürnberg an Stanhope.
(Anfang wie in vorigem Entwurf). Adressat möge bedenken, dass die gegen ihn erhobenen Einwände ihm schon öfter mündlich vorgehalten worden sind. Die 'Bedingungen' des Schreibers waren Vorschläge, auf welche Schreiber nun Gegenvorschläge vom Adressaten erwartet.
1831 November 19: Brief Tuchers aus Nürnberg an Feuerbach.
Herr Schumann hat eine kategorische Erklärung von Schreiber verlangt. Er kann nur Folgendes erklären: Wenn Herr Graf nicht bereit ist, seinen verderblichen Einfluss auf Kaspar zu unterlassen, so wollte Schreiber Kaspar dennoch weiter bei sich behalten, um größere Nachteile für Kaspar zu vermeiden.
1831 November 31: Brief Feuerbachs aus Ansbach.
Schreiber hätte schon eher geantwortet, wenn er geglaubt hätte, noch etwas ändern zu können. Stanhope fühlt sich in seiner Ehre tief gekränkt. Er ist eben ein Engländer, also vir propositi tenax. Er hat den Vorschlag, Hauser ganz zu übernehmen gewählt und den dazu notwendigen Antrag beim Stadtgericht Nürnberg schon gestellt (= Nr. 2823 Prod. 1). Das frühere Verhältnis ist ohnehin nicht mehr herstellbar, sodass die Anwesenheit des Adressaten in Ansbach überflüssig erscheint. Tadel am Schreiben des Adressaten, welches er wohl in einem sehr unglücklichen Zustand verfasst haben muss. Für Kaspar ist nun besser gesorgt, als durch die bisherigen 300 Gulden.
Umfang/Beschreibung: 7 Prod
Archivale
Bemerkungen: Acc.Nr. D 1/2014
Bemerkungen: Allgemein: Die Fortsetzung (= Beendigung der Vormundschaft Tuchers) in Nr. 2823
Bemerkungen: Prod. 1: Vollständig bei Johannes Mayer: Lord Stanhope - Der Gegenspieler Kaspar Hausers, Stuttgart, 1988, S. 369-373 mit Verweis auf das TA (= Tucherarchiv Nbg.)
Bemerkungen: Prod. 3: Fast vollständig bei Mayer, wie vor, S. 373-375 mit Verweis auf das TA. Hauser wohnte bei der Mutter Tuchers, s. E 29/VIII Nr. 157
Bemerkungen: Prod. 5 bis auf Anrede und Schlussformel vollständig bei Mayer, wie vor, S. 375
Bemerkungen: Prod. 6 im Wesentlichen bei Mayer, wie vor, S. 374-375
Indexbegriff Person: Feuerbach, Paul Johann Anselm Dr. Ritter von
Indexbegriff Person: Hauser, Kaspar
Indexbegriff Person: Lödel & Merkel
Indexbegriff Person: Schumann, Johann Carl Friedrich
Indexbegriff Person: Stanhope, Philipp Heinrich
Indexbegriff Person: Tucher, Christoph Karl Gottlieb Sigmund
Indexbegriff Person: Tucher, Gottlieb (= Christoph Karl Gottlieb Sigmund)
Indexbegriff Person: Tucher, Susanna Maria von, geb. von Haller
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Hauseriana (Quellen und Forschungen zu Kaspar Hauser)
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Briefwechsel Gottlieb von Tucher
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Vormundschaften
Bemerkungen: Allgemein: Die Fortsetzung (= Beendigung der Vormundschaft Tuchers) in Nr. 2823
Bemerkungen: Prod. 1: Vollständig bei Johannes Mayer: Lord Stanhope - Der Gegenspieler Kaspar Hausers, Stuttgart, 1988, S. 369-373 mit Verweis auf das TA (= Tucherarchiv Nbg.)
Bemerkungen: Prod. 3: Fast vollständig bei Mayer, wie vor, S. 373-375 mit Verweis auf das TA. Hauser wohnte bei der Mutter Tuchers, s. E 29/VIII Nr. 157
Bemerkungen: Prod. 5 bis auf Anrede und Schlussformel vollständig bei Mayer, wie vor, S. 375
Bemerkungen: Prod. 6 im Wesentlichen bei Mayer, wie vor, S. 374-375
Indexbegriff Person: Feuerbach, Paul Johann Anselm Dr. Ritter von
Indexbegriff Person: Hauser, Kaspar
Indexbegriff Person: Lödel & Merkel
Indexbegriff Person: Schumann, Johann Carl Friedrich
Indexbegriff Person: Stanhope, Philipp Heinrich
Indexbegriff Person: Tucher, Christoph Karl Gottlieb Sigmund
Indexbegriff Person: Tucher, Gottlieb (= Christoph Karl Gottlieb Sigmund)
Indexbegriff Person: Tucher, Susanna Maria von, geb. von Haller
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Hauseriana (Quellen und Forschungen zu Kaspar Hauser)
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Briefwechsel Gottlieb von Tucher
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Vormundschaften
Ansbach
Konzept
Pädagogik
Kritik
Graf
Beilage
Hand geschwollen
Appellationsrat
Streit
Vormundschaft Änderung
Vormund
Beleidigung Vorwurf
Vorschläge
Gegenvorschläge
Erklärung, kategorische
Engländer
Stadtgericht
Antrag
Tadel
Existenzsicherung
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
05.06.2025, 1:01 PM CEST
Hierarchy
Hierarchy detail view
- Stadtarchiv Nürnberg (Archivtektonik)
- Stadtarchiv Nürnberg (Archival tectonics)
- Bestandsgruppe E: Dokumentationsgut privater Provenienz (Archival tectonics)
- E 29 - Familienarchiv von Tucher (Archival tectonics)
- E 29/II - Familienarchiv Tucher / Gesamtgeschlecht und jüngere Linie / Akten und Rechnungen (Archival tectonics)
- Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen (Archival holding)