A Repertorium Nr. 1: Kaiser, Reichstage, Städtetage, Städteregistratur, Schwäbischer Kreis, Einungen, Reichskriege (Bestand)
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A Rep. 1
>> Reichsstädtische Überlieferung >> Reichsstädtische Aktenüberlieferung
/1843
Vorwort: Im Repertorium 1 finden sich Materialien zur Stellung Ulms im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation), beginnend mit dem Verhältnis zu Königen und Kaisern und den Reichsinstitutionen (Reichs- und Städtetagen, Reichskammergericht, Reichshofrat, Schwäbischer Reichskreis). Darüber hinaus umfasst der Bestand auch die Archivalien der regionalen und konfessionellen Bündnissysteme sowie der Kriege vom 14. bis 18. Jahrhundert. Die im Zuständigkeitsbereich von Bürgermeister, Geheimem Rat und Rat erwachsenen Unterlagen wurden erst bei der Neuordnung des Archivs - nach den als Folge der Mediatisierung eingetretenen Verlusten - in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der vorliegenden Gliederung zusammengeführt.
Die Beziehungen zum Kaiserhaus sind durch Unterlagen über kaiserliche Aufenthalte in Ulm, Huldigungsakte nach der Thronbesteigung und Glückwunsch- oder Kondolenzadressen zu Geburten, Vermählungen oder Todesfällen in der kaiserlichen Familie dokumentiert. Für das während der Sedisvakanz zwischen Tod des Kaisers und Krönung des Nachfolgers in Kraft tretende Reichsvikariat des Pfalzgrafen bei Rhein sind vor allem die jeweiligen Patente, die Vorrangstreitigkeiten unter den Wittelsbachern und die Korrespondenz zwischen den Reichsstädten um die Anerkennung des Amtsinhabers überliefert. Zum Reichshofrat als kaiserlicher Behörde wurde die allgemeine Korrespondenz mit dessen Mitgliedern und Agenten gesondert zusammengefasst, während Einzelfälle im Entstehungszusammenhang der reichsstädtischen Ämter verblieben.
Umstritten waren zunächst Sitz und Stimme der Reichsstädte auf den Reichstagen, zu denen die Überlieferung im Stadtarchiv Ulm 1508 einsetzt. Als eine der ausschreibenden Städte für die Reichs- und Städtetage unterhielt Ulm ein weitgespanntes Beziehungsgeflecht und wurde 1588 zum Sitz des gemeinsamen Archivs der Schwäbischen Städtebank bestimmt, das dem Nachweis und der Behauptung städtischer Rechte dienen sollte. Zentrale Bedeutung als Direktor der Städtebank und regelmäßiger Tagungsort gewann Ulm auch im Schwäbischen Reichskreis, dessen Überlieferung die wachsenden Aufgaben dieser reichsrechtlichen Institution widerspiegelt.
Zur Sicherung des Landfriedens und zur Behauptung ihrer Selbständigkeit gegen Verpfändungen durch den Kaiser schlossen sich Reichsstädte seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in wechselnden Konstellationen zu zeitlich befristeten Städteeinungen zusammen, denen zeitweise auch Territorialherren als Bündnispartner beitraten. In einem 1349 zwischen 25 Reichsstädten abgeschlossenen vierjährigen Schutzbündnis wurde Ulm zum Tagungsort der regelmäßigen Bundestage bestimmt und damit als politisch führende Stadt in Schwaben anerkannt. Auch in der Folgezeit blieb Ulm treibende Kraft in den Bündnissystemen, übernahm mit seiner Kanzlei die Geschäftsführung und koordinierte in dem hier tagenden Kriegsausschuss einzelne Fehdehandlungen.
Als 1488 auf Betreiben Kaiser Friedrichs III. der Schwäbische Bund als Zusammenschluss süddeutscher Fürsten, des schwäbischen Adels und der Reichsstädte zustande kam, übernahm mit Wilhelm Besserer der Ulmer Bürgermeister für mehr als ein Jahrzehnt das Amt des Städtehauptmanns, und erneut wurde Ulm zum bevorzugten Tagungsort. In den Mittelpunkt militärischer Ereignisse rückte Ulm dabei als Aufmarschbasis des Bundesheeres zum Feldzug gegen Herzog Ulrich von Württemberg 1519 und bei der Niederschlagung des Bauernaufstandes 1525.
Schon vor dem Auslaufen des bis 1534 befristeten Schwäbischen Bundes war Ulm, zugleich als bevollmächtigte Vertreterin weiterer oberdeutscher Reichsstädte, seit Dezember 1530 an den Verhandlungen zur Gründung des Schmalkaldischen Bundes beteiligt, dessen Bundesartikel der Ulmer Rat am 15. Januar 1531 annahm und damit den Beitritt vollzog. Den Ausbruch des Schmalkaldischen Krieges 1546 nutzte Ulm zur Besetzung benachbarter Abteien, erlebte dann aber, während die Stände des Schmalkaldischen Bundes in der Stadt tagten, den Einfall kaiserlicher Truppen in das reichsstädtische Territorium. Im Dezember 1546 gelang Ulm gegen hohe Auflagen die Aussöhnung mit dem Kaiser, und in der Folge musste 1548 das Interim eingeführt werden. Dem Anschluss an die gegen Karl V. gerichtete Fürstenopposition verweigerte sich Ulm und nahm dafür 1552 im "Fürstenkrieg" eine Belagerung durch das Fürstenheer in Kauf.
In Ergänzung zur bereits 2012-2013 erfolgten Neuverzeichnung der Reformationsakten des Repertoriums 14 (Pfarrkirchenbaupflegamt 2), wurden in zwei Projektabschnitten (2015-2016 und 2019-2022) 74 Aktenbände zur politischen Reformationsgeschichte (A 1145/1- A 1156, A 1200 - A 1245), die bei der Neugliederung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Bestandsgruppen Schwäbischer Bund, Schmalkaldischer Bund, Schmalkaldischer Krieg und Fürstenkrieg zugeordnet wurden, von der Projektmitarbeiterin Dr. Marie-Kristin Hauke neu erschlossen und blatt- bzw. schriftstückweise verzeichnet .
Umfang und Vollständigkeit der Ulmer Reformationsakten aus Repertorium 1 und Repertorium 14 sind von großer Bedeutung für das Verständnis der oberdeutschen Reformation und die (religions-)politischen Vorgänge im süddeutschen Raum. Dazu zählen insbesondere das reichsstädtische Bündniswesen, die Rolle der oberdeutschen Städte im Schmalkaldischen Bund (1530-1547), der Ablauf des Schmalkaldischen Kriegs an der Donau und in Oberschwaben (1546), der Fürstenkrieg (1552) sowie die Beziehungsdynamiken zwischen dem habsburgischen Kaiserhaus und den protestantischen Reichsstädten.
Ulm spielte als Kommunikationsknotenpunkt eine maßgebliche Rolle bei der Organisation der verschiedenen Bündnisse. Besonders deutlich wird dies im Falle des Schmalkaldischen Bunds, in dem Ulm als Schaltzentrale zwischen den Hauptleuten Landgraf Philipp von Hessen und Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen und den kleineren schmalkaldischen Reichsstädten, wie beispielsweise Memmingen, Kempten, Lindau, Biberach, Reutlingen oder Heilbronn, fungierte. Die Korrespondenzserien sind bis auf wenige Ausnahmen fast vollständig erhalten. Die zahlreichen Gesandtenberichte von Reichstagen, Bündnistagen, schmalkaldischen Bundes- und Kriegsratstagen zeichnen ein intensives Bild des Innenlebens der Bündnisse, insbesondere der parallel stattfindenden außerprotokollarischen (Geheim-)gespräche, sowie der diplomatischen Verbindungen Ulms zu Entscheidungsträgern im Reich und an den Höfen König Ferdinands I. und Kaiser Karls V. Die Aktenserien zum Schmalkaldischen Krieg 1546 im süddeutschen Raum und zum Fürstenbund 1552 umfassen darüber hinaus detailliertes Material zu den Vorbereitungen des Kriegs, zur Anwerbung von Truppen, zur Versorgung und Sicherung der Bevölkerung, zur Unterhaltung der Truppen in den Feldlagern, zu Marsch- und Kampfberichten, zur Finanzierung des Kriegs sowie zu den anschließenden Schadensersatzforderungen Dritter.
Innerhalb der 1608 beschlossenen Evangelischen Union gewann Ulm (Mitglied seit 1609) Bedeutung als strategisch wichtige und stark befestigte Reichsstadt, vor der sich 1620 die Heere von Union und Katholischer Liga gegenüber lagen. Der Ulmer Vertrag vom 3. Juli 1620 verhinderte den Ausbruch von Feindseligkeiten, und unter dem Eindruck kaiserlicher Erfolge in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag bekundete Ulm auf dem letzten Unionstag 1621 in Heilbronn sein Desinteresse an einer Fortführung des Bündnisses. Mit anderen evangelischen Reichsstädten nahm Ulm 1631 am Leipziger Konvent teil, zu dem Kurfürst Johann Georg von Sachsen zur Beratung über ein Bündnis evangelischer Stände eingeladen hatte. Als ausschreibende Stadt des Schwäbischen Reichskreises war Ulm, das seit Februar 1632 im Bündnis mit Schweden stand, an dem auf Betreiben des schwedischen Kanzlers Axel Oxenstierna 1633 beschlossenen Heilbronner Bund beteiligt.
Während der ersten Phase des Dreißigjährigen Krieges hatte vor allem das Ulmer Territorium unter zum Teil länger andauernden Einquartierungen kaiserlicher Truppen zu leiden. Ein 1632 mit Gustav Adolf abgeschlossener Schutzvertrag führte bis zum Prager Frieden von 1635 eine schwedische Besatzung in die Stadt, die Ulm als Operationsbasis nutzte und hier wiederholt von kaiserlichen Truppen bedrängt wurde. Durchmärsche von Truppen aller kriegführenden Parteien zogen das Ulmer Territorium und die Stadt, die viele Flüchtlinge aufnahm, sich aber als militärisch uneinnehmbar erwies, besonders im letzten Jahrzehnt des Krieges schwer in Mitleidenschaft.
Die sich auf überregionale kriegerische Ereignisse beziehenden Unterlagen wurden bereits im reichsstädtischen Archiv unter der Bezeichnung der jeweiligen Kriege zusammengefasst. Mit dem Regensburger Reichstag von 1471 setzt die Ulmer Überlieferung zu den Türkenkriegen ein, die u.a. auch aus Korrespondenzen mit Partnern des Schmalkaldischen Bundes und innerhalb der Mitglieder des Schwäbischen Reichskreises erwachsen ist. Den Hauptteil bilden jedoch detaillierte Unterlagen zu den auf Initiative des Kaisers betriebenen Rüstungen, für die Ulm auf Bitten verschiedener Reichsstädte und Abteien die Anwerbung von Söldnern mitübernahm und als Sitz der Kreiskasse für die vom Schwäbischen Reichskreis zu stellenden Kontingente die Umlagen abrechnete.
Wurden Ulm und sein Territorium im Niederländischen Krieg (1672-1679), in dem der kaiserliche Generalfeldmarschall Herzog Karl von Lothringen im Winter 1678/79 in Günzburg residierte, vor allem von Truppendurchzügen, Proviant- und Quartierleistungen betroffen, so bildete der Einfall französischer Truppen in den Schwäbischen Kreis im Pfälzischen Krieg (1688-1697) eine ernste Bedrohung. Zwar nahm Ulm 1688/89 eine kaiserliche Besatzung auf, die jedoch Brandschatzungen im reichsstädtischen Territorium durch Soldaten des französischen Heerführers Melac nicht verhindern konnte. Über den weiteren Verlauf des Krieges wurde Ulm durch die Stände des Schwäbischen Kreises und vor allem von betroffenen Städten regelmäßig unterrichtet.
Durch einen gelungenen Überfall wurde Ulm im Spanischen Erbfolgekrieg am 8. September 1702 von Truppen des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel eingenommen und erhielt bis zur Rückeroberung nach der Schlacht bei Höchstädt 1704 eine drückende bayerisch-französische Besatzung. Von den hohen Kontributionszahlungen und den Verwüstungen im Ulmer Territorium, die erneute Franzoseneinfälle 1707 noch ausweiteten, konnte sich die Reichsstadt wirtschaftlich nur schwer erholen.
Im ersten Revolutionskrieg blieb Ulm zunächst militärisches Hinterland, bis es im August/September 1796 von Truppen des französischen Generals Moreau besetzt wurde, die sich jedoch gegen die anmarschierenden Österreicher nur kurzzeitig behaupten konnten. Zwar ließ die einrückende österreichische Besatzung die Schanzen um die Reichsstadt verstärken, musste im Oktober 1800 aber Ulm wieder an Moreau übergeben, der die Festungsanlagen vor seinem Abzug 1801 schleifen ließ. Die Kapitulation österreichischer Truppen vor Napoleon nach der Schlacht bei Elchingen 1805 erlebte Ulm als bereits mediatisierte Stadt, blieb aber auch in den folgenden Jahren der Napoleonischen Ära ein wichtiger Etappenort.
Die Beziehungen zum Kaiserhaus sind durch Unterlagen über kaiserliche Aufenthalte in Ulm, Huldigungsakte nach der Thronbesteigung und Glückwunsch- oder Kondolenzadressen zu Geburten, Vermählungen oder Todesfällen in der kaiserlichen Familie dokumentiert. Für das während der Sedisvakanz zwischen Tod des Kaisers und Krönung des Nachfolgers in Kraft tretende Reichsvikariat des Pfalzgrafen bei Rhein sind vor allem die jeweiligen Patente, die Vorrangstreitigkeiten unter den Wittelsbachern und die Korrespondenz zwischen den Reichsstädten um die Anerkennung des Amtsinhabers überliefert. Zum Reichshofrat als kaiserlicher Behörde wurde die allgemeine Korrespondenz mit dessen Mitgliedern und Agenten gesondert zusammengefasst, während Einzelfälle im Entstehungszusammenhang der reichsstädtischen Ämter verblieben.
Umstritten waren zunächst Sitz und Stimme der Reichsstädte auf den Reichstagen, zu denen die Überlieferung im Stadtarchiv Ulm 1508 einsetzt. Als eine der ausschreibenden Städte für die Reichs- und Städtetage unterhielt Ulm ein weitgespanntes Beziehungsgeflecht und wurde 1588 zum Sitz des gemeinsamen Archivs der Schwäbischen Städtebank bestimmt, das dem Nachweis und der Behauptung städtischer Rechte dienen sollte. Zentrale Bedeutung als Direktor der Städtebank und regelmäßiger Tagungsort gewann Ulm auch im Schwäbischen Reichskreis, dessen Überlieferung die wachsenden Aufgaben dieser reichsrechtlichen Institution widerspiegelt.
Zur Sicherung des Landfriedens und zur Behauptung ihrer Selbständigkeit gegen Verpfändungen durch den Kaiser schlossen sich Reichsstädte seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in wechselnden Konstellationen zu zeitlich befristeten Städteeinungen zusammen, denen zeitweise auch Territorialherren als Bündnispartner beitraten. In einem 1349 zwischen 25 Reichsstädten abgeschlossenen vierjährigen Schutzbündnis wurde Ulm zum Tagungsort der regelmäßigen Bundestage bestimmt und damit als politisch führende Stadt in Schwaben anerkannt. Auch in der Folgezeit blieb Ulm treibende Kraft in den Bündnissystemen, übernahm mit seiner Kanzlei die Geschäftsführung und koordinierte in dem hier tagenden Kriegsausschuss einzelne Fehdehandlungen.
Als 1488 auf Betreiben Kaiser Friedrichs III. der Schwäbische Bund als Zusammenschluss süddeutscher Fürsten, des schwäbischen Adels und der Reichsstädte zustande kam, übernahm mit Wilhelm Besserer der Ulmer Bürgermeister für mehr als ein Jahrzehnt das Amt des Städtehauptmanns, und erneut wurde Ulm zum bevorzugten Tagungsort. In den Mittelpunkt militärischer Ereignisse rückte Ulm dabei als Aufmarschbasis des Bundesheeres zum Feldzug gegen Herzog Ulrich von Württemberg 1519 und bei der Niederschlagung des Bauernaufstandes 1525.
Schon vor dem Auslaufen des bis 1534 befristeten Schwäbischen Bundes war Ulm, zugleich als bevollmächtigte Vertreterin weiterer oberdeutscher Reichsstädte, seit Dezember 1530 an den Verhandlungen zur Gründung des Schmalkaldischen Bundes beteiligt, dessen Bundesartikel der Ulmer Rat am 15. Januar 1531 annahm und damit den Beitritt vollzog. Den Ausbruch des Schmalkaldischen Krieges 1546 nutzte Ulm zur Besetzung benachbarter Abteien, erlebte dann aber, während die Stände des Schmalkaldischen Bundes in der Stadt tagten, den Einfall kaiserlicher Truppen in das reichsstädtische Territorium. Im Dezember 1546 gelang Ulm gegen hohe Auflagen die Aussöhnung mit dem Kaiser, und in der Folge musste 1548 das Interim eingeführt werden. Dem Anschluss an die gegen Karl V. gerichtete Fürstenopposition verweigerte sich Ulm und nahm dafür 1552 im "Fürstenkrieg" eine Belagerung durch das Fürstenheer in Kauf.
In Ergänzung zur bereits 2012-2013 erfolgten Neuverzeichnung der Reformationsakten des Repertoriums 14 (Pfarrkirchenbaupflegamt 2), wurden in zwei Projektabschnitten (2015-2016 und 2019-2022) 74 Aktenbände zur politischen Reformationsgeschichte (A 1145/1- A 1156, A 1200 - A 1245), die bei der Neugliederung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Bestandsgruppen Schwäbischer Bund, Schmalkaldischer Bund, Schmalkaldischer Krieg und Fürstenkrieg zugeordnet wurden, von der Projektmitarbeiterin Dr. Marie-Kristin Hauke neu erschlossen und blatt- bzw. schriftstückweise verzeichnet .
Umfang und Vollständigkeit der Ulmer Reformationsakten aus Repertorium 1 und Repertorium 14 sind von großer Bedeutung für das Verständnis der oberdeutschen Reformation und die (religions-)politischen Vorgänge im süddeutschen Raum. Dazu zählen insbesondere das reichsstädtische Bündniswesen, die Rolle der oberdeutschen Städte im Schmalkaldischen Bund (1530-1547), der Ablauf des Schmalkaldischen Kriegs an der Donau und in Oberschwaben (1546), der Fürstenkrieg (1552) sowie die Beziehungsdynamiken zwischen dem habsburgischen Kaiserhaus und den protestantischen Reichsstädten.
Ulm spielte als Kommunikationsknotenpunkt eine maßgebliche Rolle bei der Organisation der verschiedenen Bündnisse. Besonders deutlich wird dies im Falle des Schmalkaldischen Bunds, in dem Ulm als Schaltzentrale zwischen den Hauptleuten Landgraf Philipp von Hessen und Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen und den kleineren schmalkaldischen Reichsstädten, wie beispielsweise Memmingen, Kempten, Lindau, Biberach, Reutlingen oder Heilbronn, fungierte. Die Korrespondenzserien sind bis auf wenige Ausnahmen fast vollständig erhalten. Die zahlreichen Gesandtenberichte von Reichstagen, Bündnistagen, schmalkaldischen Bundes- und Kriegsratstagen zeichnen ein intensives Bild des Innenlebens der Bündnisse, insbesondere der parallel stattfindenden außerprotokollarischen (Geheim-)gespräche, sowie der diplomatischen Verbindungen Ulms zu Entscheidungsträgern im Reich und an den Höfen König Ferdinands I. und Kaiser Karls V. Die Aktenserien zum Schmalkaldischen Krieg 1546 im süddeutschen Raum und zum Fürstenbund 1552 umfassen darüber hinaus detailliertes Material zu den Vorbereitungen des Kriegs, zur Anwerbung von Truppen, zur Versorgung und Sicherung der Bevölkerung, zur Unterhaltung der Truppen in den Feldlagern, zu Marsch- und Kampfberichten, zur Finanzierung des Kriegs sowie zu den anschließenden Schadensersatzforderungen Dritter.
Innerhalb der 1608 beschlossenen Evangelischen Union gewann Ulm (Mitglied seit 1609) Bedeutung als strategisch wichtige und stark befestigte Reichsstadt, vor der sich 1620 die Heere von Union und Katholischer Liga gegenüber lagen. Der Ulmer Vertrag vom 3. Juli 1620 verhinderte den Ausbruch von Feindseligkeiten, und unter dem Eindruck kaiserlicher Erfolge in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag bekundete Ulm auf dem letzten Unionstag 1621 in Heilbronn sein Desinteresse an einer Fortführung des Bündnisses. Mit anderen evangelischen Reichsstädten nahm Ulm 1631 am Leipziger Konvent teil, zu dem Kurfürst Johann Georg von Sachsen zur Beratung über ein Bündnis evangelischer Stände eingeladen hatte. Als ausschreibende Stadt des Schwäbischen Reichskreises war Ulm, das seit Februar 1632 im Bündnis mit Schweden stand, an dem auf Betreiben des schwedischen Kanzlers Axel Oxenstierna 1633 beschlossenen Heilbronner Bund beteiligt.
Während der ersten Phase des Dreißigjährigen Krieges hatte vor allem das Ulmer Territorium unter zum Teil länger andauernden Einquartierungen kaiserlicher Truppen zu leiden. Ein 1632 mit Gustav Adolf abgeschlossener Schutzvertrag führte bis zum Prager Frieden von 1635 eine schwedische Besatzung in die Stadt, die Ulm als Operationsbasis nutzte und hier wiederholt von kaiserlichen Truppen bedrängt wurde. Durchmärsche von Truppen aller kriegführenden Parteien zogen das Ulmer Territorium und die Stadt, die viele Flüchtlinge aufnahm, sich aber als militärisch uneinnehmbar erwies, besonders im letzten Jahrzehnt des Krieges schwer in Mitleidenschaft.
Die sich auf überregionale kriegerische Ereignisse beziehenden Unterlagen wurden bereits im reichsstädtischen Archiv unter der Bezeichnung der jeweiligen Kriege zusammengefasst. Mit dem Regensburger Reichstag von 1471 setzt die Ulmer Überlieferung zu den Türkenkriegen ein, die u.a. auch aus Korrespondenzen mit Partnern des Schmalkaldischen Bundes und innerhalb der Mitglieder des Schwäbischen Reichskreises erwachsen ist. Den Hauptteil bilden jedoch detaillierte Unterlagen zu den auf Initiative des Kaisers betriebenen Rüstungen, für die Ulm auf Bitten verschiedener Reichsstädte und Abteien die Anwerbung von Söldnern mitübernahm und als Sitz der Kreiskasse für die vom Schwäbischen Reichskreis zu stellenden Kontingente die Umlagen abrechnete.
Wurden Ulm und sein Territorium im Niederländischen Krieg (1672-1679), in dem der kaiserliche Generalfeldmarschall Herzog Karl von Lothringen im Winter 1678/79 in Günzburg residierte, vor allem von Truppendurchzügen, Proviant- und Quartierleistungen betroffen, so bildete der Einfall französischer Truppen in den Schwäbischen Kreis im Pfälzischen Krieg (1688-1697) eine ernste Bedrohung. Zwar nahm Ulm 1688/89 eine kaiserliche Besatzung auf, die jedoch Brandschatzungen im reichsstädtischen Territorium durch Soldaten des französischen Heerführers Melac nicht verhindern konnte. Über den weiteren Verlauf des Krieges wurde Ulm durch die Stände des Schwäbischen Kreises und vor allem von betroffenen Städten regelmäßig unterrichtet.
Durch einen gelungenen Überfall wurde Ulm im Spanischen Erbfolgekrieg am 8. September 1702 von Truppen des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel eingenommen und erhielt bis zur Rückeroberung nach der Schlacht bei Höchstädt 1704 eine drückende bayerisch-französische Besatzung. Von den hohen Kontributionszahlungen und den Verwüstungen im Ulmer Territorium, die erneute Franzoseneinfälle 1707 noch ausweiteten, konnte sich die Reichsstadt wirtschaftlich nur schwer erholen.
Im ersten Revolutionskrieg blieb Ulm zunächst militärisches Hinterland, bis es im August/September 1796 von Truppen des französischen Generals Moreau besetzt wurde, die sich jedoch gegen die anmarschierenden Österreicher nur kurzzeitig behaupten konnten. Zwar ließ die einrückende österreichische Besatzung die Schanzen um die Reichsstadt verstärken, musste im Oktober 1800 aber Ulm wieder an Moreau übergeben, der die Festungsanlagen vor seinem Abzug 1801 schleifen ließ. Die Kapitulation österreichischer Truppen vor Napoleon nach der Schlacht bei Elchingen 1805 erlebte Ulm als bereits mediatisierte Stadt, blieb aber auch in den folgenden Jahren der Napoleonischen Ära ein wichtiger Etappenort.
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
03.04.2025, 12:43 PM CEST