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C. A. West, d. i. Joseph Schreyvogel
Weimarische Zeitung, Nr. 30, 04.02.1854; S. 119: „Die Darstellung dieser symbolischen, idealisch-poetischen Muse Calderons auf unsrer Bühne, war den Anforderungen, welche wir zu machen berechtigt, entsprechend; leugnen dürfen wir jedoch nicht, daß wir im Allgemeinen den eigentlich poetischen Hauch der duftenden Diction vermißten. Uns überkam der traurige Gedanke, die meisten Schauspieler unsres modernen Zeitalters möchten wohl zu sehr Prosaiker sein, was allerdings auch wieder auf die Dichter unsrer Jetztzeit zurückfällt, die von einer edlen Natürlichkeit des Dialogs, einer geistvollen Auffassung der Lebensinteressen wenig wissen, weßhalb wir so selten das Streben nach poetischer Bedeutung in den neueren Arbeiten wahrnehmen, und wenn der Darsteller durch das Darzustellende nicht einmal erhoben wird, verlernt er es mit der Zeit auch selbst, zu erheben. Herr Siedler, dem jedenfalls der Preis des Abends gebührt, scheint uns noch einer der Wenigen zu sein, die durch poetische Empfänglichkeit getragen, in warmer Hingabe an dem sittlichen Ernst der Kunst hängen, wollen wir seine Leistung als Sigismund auch keineswegs als eine durchgängig vollkommene aufstellen, so sind wir doch, im Verein mit dem Publicum, von dem dritten Actschluß, wo er mit der hochgenialen, seelischen Reflection über Traum und Leben schließt, in wahrhaft geistiger Weise erhoben worden, was uns den hauptsächlich zu obigem Ausspruch bestimmt. Herr Genast wußte uns durch die Würde und Einfachheit seiner Darstellung lebhaft für sich einzunehmen; Herr Grans war exact wie immer; Herr Porth, mit besonderer Laune angethan, vermied an jenem Abend so auffallend seine manierirte Sprachmethode, daß wir uns aufrichtig freuen, seiner lobend erwähnen zu können, zumal er uns auch ein wohlgelungenes Bild des Graçianso vorzuführen vermochte. Der Clotald des Herrn v. Wolkowa war in rhetorischer Hinsicht durchaus beachtenswerth, wenngleich wir seinem sonoren Organ noch eine gleichmäßigere Ausbildung wünschten. Was wir an seinen Darstellungen bisher noch immer auszusetzen haben, ist das Zuviel der Bewegung, das Zuwenig in der Straffheit der Haltung; wir empfehlen dem geschätzten Künstler mehr Ruhe, mehr Beherrschung über sich selbst. Die Damen waren an ihrem Platze, und trugen ihrem Talente gemäß zur Hebung des Ganzen der Darstellung bei.“