(1) L 2201 (2)~Kläger: Graf Christoph Ludwig zur Lippe und Konsorten, nämlich dessen Schwester Sophie Florentine, regierende Gräfinwitwe zu Wied-Runkel, geb. Gräfin zur Lippe; als Interessentin tritt in das Verfahren ein Gräfin Charlotte Albertine von Wied, geb. Gräfin zur Lippe, Ehefrau des RKG-Präsidenten; 1726 auch Graf August Wolfhart zur Lippe; 1740 Graf Carl zu Wied; Gräfin Amalia zu Wied; Graf F. de Wied für sich und namens seiner abwesenden Brüder; Graf Friedrich Georg Henrich zu Wied; C. H. G. Z. de Wied (3)~Beklagter: Graf Simon Henrich Adolf zur Lippe, dann (1735) als Vormünder von dessen Söhnen Gräfinwitwe Johannette Wilhelmine zur Lippe und die Grafen Christoph Ludwig und August Wolfhart zur Lippe; dann (1748) Graf Simon August zur Lippe (4)~Prokuratoren (Kl.): Lic. Konrad Franz von Steinhausen 1725, 1725 ( Subst.: Dr. Johann Rudolph Sachs ( Lic. Wilhelm Ludwig Ziegler 1726, 1726 ( Subst.: Dr. Philipp Ludwig Meckel ( Lic. Johann Jakob Duill 1746 ( Subst.: Dr. Johann Hermann Scheurer ( für Charlotte Albertine von Wied: Lic. Franz Peter Jung 1725 ( Subst.: Dr. Geibel ( Lic. Wilhelm Ludwig Ziegler 1737, 1740 ( Subst.: Lic. Wilhelm Maximilian Brack Prokuratoren (Bekl.): Dr. Johann Friedrich Hofmann [1719] 1725, [1719] 1725 ( Subst.: Dr. Georg Melchior Hofmann ( Dr. Philipp Ludwig Meckel 1735, 1736, 1748 ( Subst.: Lic. Johann Wilhelm Weylach 1735 ( Subst.: Lic. Wilhelm Maximilian Brack 1736 ( Subst.: Dr. Johann Paul Besserer (5)~Prozessart: Mandati de non alienando dynastiam Vianensem pariter ac reliquas fideicommisso perpetuo gravatas inhibitorio sine clausula, nunc (1725) mandati de interim non consumendis pecuniis pretii nomine vel jam exsolutis vel adhuc exsolvendis, sed iis in Camera nostra imperiali deponendis sine clausula Streitgegenstand: Die Klage ist gegen den vom Beklagten eingeleiteten Verkauf der Herrlichkeit Vianen gerichtet. Die Kläger erklären, ihre Mutter, Gräfin Amalia, geb. von Dohna, habe die in den Vereinigten Niederlanden gelegenen Herrlichkeiten Vianen, Ameiden und Haarlem dem Hause Lippe zugebracht und in ihrem Testament ausdrücklich verfügt, daß diese als Fideikommiß bei der Grafschaft Lippe und dem als Erstgeborenem regierenden Grafen bleiben müßten. Der Verkauf eines Fideikommiß sei nach Reichsrecht unzulässig, im vorliegenden Fall umso mehr, als der Verkauf nochmals ausdrücklich von derjenigen, von der der Besitz stamme, untersagt worden sei. Sie erwirken das RKG-Mandat, da ein bereits unterschriftsreifer Kaufvertrag mit dem Grafen von Hompesch in Kürze unterzeichnet werden solle. Der Beklagte bestreitet für sich als Herren der außerhalb der Reichsgrenzen gelegenen Herrlichkeit Vianen die Zuständigkeit des RKG. Das Testament seiner Großmutter könne in diesem Zusammenhang nicht zugrundegelegt werden, da, wenn über ein auswärts gelegenes Besitzstück disponiert werde, zur Gültigkeit der Verfügung die dort üblichen Formalien zu berücksichtigen seien. In den Provinzen Holland, Utrecht und Geldern aber müsse zur Verfügung über Lehen die Zustimmung der Generalstaaten (Octroi) eingeholt werden. Da dies nicht geschehen sei, sei das Testament in dieser Hinsicht nichtig, auch wenn es aus kindlichem Respekt befolgt worden sei. In jedem Fall könne eine testamentarische Verfügung nur für die unmittelbar folgende Generation bindend sein, nicht aber für ihn. Für ihn gelte allein das holländische Recht, dem nach ein Verkauf von Lehen ohne Zustimmung der Agnaten zulässig sei. Hinzu komme die hohe Schuldenlast auf der Herrlichkeit, da noch heute der Schuldendienst die Einnahmen um 3-4000 Fl. jährlich übersteige und inzwischen eine Schuldenlast von rund 200000 Fl. angewachsen sei, so daß die Gefahr für Haus und Land Lippe aus dem fortdauernden Besitz Vianens offensichtlich sei und nunmehr abgestellt werden solle und müsse. 12. November 1725 RKG-Mandat, keine Kaufgelder zu verbrauchen, sondern sie am RKG zu deponieren, nachdem laut Zeitungsberichten Graf von Hompesch die Herrlichkeit namens der Generalstaaten erworben hatte. Mit Urteil vom 20. Dezember 1736 bestätigte das RKG die mit Q 75 erfolgte Aufgabe des Verfahrens durch Graf Christoph Ludwig. In der Hauptsache entschied es unter Verwerfung der Einwände gegen seine Zuständigkeit, das Testament der Gräfin Amalie von 1700 sei sowohl hinsichtlich des Allodial- wie Feudalbesitzes rechtskräftig. Gleichzeitig auferlegte es dem Beklagten, den zwischen Graf Simon Henrich Adolf zur Lippe und den Generalstaaten geschlossenen Vertrag vorzulegen und seine Einrede wegen dringender Notwendigkeit des Verkaufes besser als geschehen und insbesondere unter Vorlage einer beglaubigten Aufstellung über die aus der Herrschaft gezogenen Einnahmen einer- und der Schulden andererseits zu belegen. Es forderte ferner einen Nachweis, wozu die Kaufgelder der im Testament als zur Verbesserung des Fideikommiß zu verkaufen erlaubten Güter verwandt worden seien. Am 18. Februar 1746 entschied das RKG, die beklagte Vormundschaft habe der Gräfin zu Wied-Runckel und den Erben von deren verstorbener Schwester Albertine zu Wied je 6000 Rtlr., zu verzinsen seit dem erfolgten Verkauf von Vianen 1725, bar zu bezahlen. 27. Mai, 7. September 1746 RKG-Einschärfungen, über die Befolgung des Urteils zu berichten. 21. November 1746 Exekutionsmandat an die kreisausschreibenden Fürsten des Niederrheinisch-Westfälischen Kreises. 10. Juli 1748 Anweisung, die 6000 Rtlr. seien sofort, die rückständigen Zinsen aber je zur Hälfte Ende des Jahres und zur künftigen Ostermesse zu zahlen. Sollte der Beklagte die erfolgte Zahlung oder ein von der Klägerin abgewiesenes Zahlungsangebot beweisen, werde das Exekutionsmandat ausgesetzt. Nach letzten Handlungen 1750 abschließender Completum-Vermerk vom 18. Juli 1786. Vgl. auch L 82 Nr. 497 (L 2203), L 82 Nr. 498 (L 2204). (6)~Instanzen: RKG 1725 - 1786 (1656 - 1749) (7)~Beweismittel: Extrakt aus dem Testament der Gräfin Amalia die Herrlichkeiten Vianen, Ameiden und Haarlem betr., 1700 (Q 5). Botenlohnquittung (Q 9, 20). Extrakt aus dem Testament des Grafen Wolfhart von Holland Brederode, 1656, mit Octroi, niederländisch (in Q 26 Bl. 109 - 110); niederländisch mit deutscher Übersetzung (in Q 12 Bl. 36 - 43). Handschriftlicher Extrakt aus dem 1689 in niederländischer Sprache im Druck erschienenen Testament des Johann Wolphart von Brederode (in Q 87 Bl. 129). Extrakt aus dem Testament der Gräfin Hedwig Agnes von Brederode, 1684 (in Q 12 Bl. 43). Aufstellung über Zins- und Schuldzahlungen ab 1687, überwiegend niederländisch (in Q 12 Bl. 60 - 66, in Q 26 Bl. 118 - 123). Exemplar der "Nouvelles extraordinaires de divers endroits" vom 23. Oktober 1725, französisch (Q 16). Exemplar des mit kaiserlichem Privileg erscheinenden "Journal" Frankfurt/M. vom 30. Oktober 1725 (Q 17). Handschriftlicher Auszug aus Paulus Voet, Oorspronck, Voortganck en Daeden der Doorluchtigen Heeren van Brederode, Utrecht 1656, niederländisch mit deutscher Übersetzung (Q 30). Exemplar der "Gazette d'Utrecht" vom 6. November 1725, französisch (Q 32). Gedruckte "G. C Elogiae in perruptos ad Cahalim, Leccam & Lingam, Aggeres inaudatosque passim agros mensibus Januarii & Februarii A[nni] MDCCXXVI" (Q 44). Gedruckte "Conditien en Voorwaarden waar op de Heeren Staten van Holland en Westvriesland ... sullen veylen alhier in den Hage, in de Castelenye den Hove van Holland op den 15 Mart 1729 en op den 17 daar aan volgende finalijke verkoopen de Ambagtsheerlijkheydt der Stede Ameyde" ... " oder "Conditien van Verkoopinge van de Ambagts-Heerlijkheeden, Uyterwaarden, Wooningen, Hofsteeden, Landen en Tienden, gehoorende tot de Domainen van Vianen" , o.O., o.J. (Q 51). Gedruckter "Extract van een Missive aen haer Hoog Mogende de Heeren Staeten Generael der Verenigde Nederlanden, geschreven door Vrouwe Sophia Florentina, Gravinne Douariere van Wiedt-Runckel ... den 27. January 1729" (Q 53). Gedrucktes (wahrscheinlich RHR-) Protokoll eines Verfahrens Schaumburg-Lippe ./. Lippe-Detmold und vice versa die Lippe-Brakische Succession betr., 1737 (Q 83). Vertrag über die Übertragung der Herrlichkeit Vianen mit allen darauf haftenden Schulden von Graf Simon Henrich Adolf zur Lippe auf Graf Heinrich Vincenz von Hompesch, 1725, mit beigeheftetem Verzeichnis der Schulden (Q 87). Gedruckte Kopie von Anträgen in niederländischer Sprache von Florentina de Brederode, Witwe von Solms, und A. W. de Brederode, Marquis de Monpouillon, an die Staaten von Holland und Westfriesland (in Q 87 Bl. 131 - 132), der Gläubiger des Hauses Brederode (in Q 87 Bl. 133 - 135). Schuldenaufstellung (in Q 87 Bl. 137 - 138, 140 - 149). Einnahmenaufstellung (in Q 87 Bl. 150 - 155). Gedruckte "Specifique Lyste van de Regten en Inkomsten van de ... Ambagts-Heerlykheyt der Steede Ameyde" (in Q 93 Bl. 286 - 288), dgl. für Tienhoven (ebd. Bl. 289 - 291), dgl. für Heikoop en Boeykop (ebd. Bl. 293 - 295), dgl. für Leksmont und Achthoven (ebd. Bl. 296 - 298), dgl. für Lakerveld (ebd. Bl. 299 - 301), dgl. für Meerkerk (ebd. Bl. 303 - 306). Gedruckte "Lyste van Vyterwaarden geleegen on den Geregte von Vianen" (in Q 93 Bl. 307 - 308). Gedruckte "Lyste van landen geleegen in den Lande van Vianen" (in Q 93 Bl. 309 - 311), dgl. unter Ameyde und Tienhoven (ebd. Bl. 312 - 313). Gedruckte "Lyste von de Tienden ... de Domainen van Vianen" (in Q 93 Bl. 314 - 315). Deutsche Übersetzung der Listen (Q 94). Zahlreiche weitere niederländische Schriftstücke, überwiegend mit deutscher Übersetzung (passim). (8)~Beschreibung: 5 Bde., 34,5 cm; Bd. 1: 2 cm, 88 Bl., überwiegend geb.; Protokoll, 6 Beil.; Bd. 2: 7 cm, 397 Bl., geb.; Q 1 - 59, Q 41 doppelt vergeben; Bd. 3: 8 cm, 389 Bl., geb.; Q 60 - 99, es fehlen Q 61*, 71, 75; Bd. 4: 8,5 cm, 448 Bl., geb.; Q 100 - 106; Bd. 5: 9 cm, 570 Bl., geb.; Q 107 - 145. Lit.: Kittel, Heimatchronik, S. 137; P. Horden Jz., Een kleine geschiedenis van het Land van Vianen, Amsterdam 1953, hier: S. 110 - 135.

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Landesarchiv Nordrhein-Westfalen. Abteilung Ostwestfalen-Lippe
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