Geologische Landesanstalt (Bestand)
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I. HA Rep. 194
Tektonik >> STAATSOBERHAUPT UND OBERSTE STAATSBEHÖRDEN, MINISTERIEN UND ANDERE ZENTRALBEHÖRDEN PREUSSENS AB 1808 >> Wirtschaft und Verkehr >> Handel, Gewerbe und Bergbau
Laufzeit: 1815 - 1946
Findmittel: Datenbank; Findbuch, 1 Bd.
VORBEMERKUNG
BEHÖRDENGESCHICHTE:
Die Geologische Landesanstalt stand von Beginn an in enger Behörden- und Fach-Beziehung zur Bergakademie Berlin. Diese wurde im Jahr 1770 zur Behebung des Mangels an ausgebildeten Berg- und Hüttenfachleuten gegründet und sollte die Voraussetzungen zur Erkundung und Nutzung der Bodenschätze und mineralischen Rohstoffe des Landes schaffen. Nach Gründung der Universität Berlin 1810 verlor die Bergakademie weitgehend ihre Selbstständigkeit, wurde jedoch 1860 zur Ausbildung der Montanbeamtenschaft reorganisiert. In der Zeit von 1873 bis 1907 war die Bergakademie mit der Geologischen Landesanstalt vereinigt. 1916 ging die Bergakademie in der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg auf.
Mit der Ausweitung der bergbaulichen Nutzung infolge des großen Rohstoff- und Energiebedarfs der Hochindustrialisierung wurden neben der Ausbildung der Berg- und Hüttenfachleute, die die Bergakademie abdeckte, auch die geologische Grundlagenforschung und die geologische Kartografie immer bedeutender. (s. Anmerkung 1). Daher gab es in verschiedenen deutschen Staaten bereits Projekte zur Aufnahme geologischer Karten, in Preußen in organisatorisch gefestigter Form seit 1866 unter der Leitung eines der beiden späteren Direktoren der geologischen Landesanstalt, Ernst Beyrich. Die immer weiter ausgedehnten Kartierungsvorhaben erforderten im weiteren Verlauf eine festere behördliche Struktur. In seiner "Denkschrift über die Errichtung einer Geologischen Landesanstalt für Preußen" (s. Anmerkung 2) vom 20. Juli 1866 begründete der Direktor der Bergakademie, Hauchecorne, die Notwendigkeit einer solchen Behördenstruktur und legte einen Organisationsvorschlag und Arbeitsplan (s. Anmerkung 3) vor. Die neue Behörde wurde am 1. Jan. 1873 als Königlich Preußische Geologische Landesanstalt (nachfolgend: PGLA) begründet und erhielt im August desselben Jahres eine ausführliche Geschäftsanweisung für die Landesgeologen (s. Anmerkung 4), welche im Wesentlichen bis zum Aufgehen der PGLA in der Reichsanstalt für Bodenforschung im Jahr 1939 unverändert blieb.
Die behördliche Verbundenheit der beiden Institutionen Bergakademie und Geologische Landesanstalt führte zur Berufung zweier Gründungsdirektoren aus der Geologischen Landesaufnahme (Beyrich) und der Bergakademie (Hauchecorne):
a) Ernst Beyrich (1815-1896), Professor für Geologie und Paläontologie. Er hatte auf Grundlage seiner früheren Arbeiten der geologischen Kartierung ab den 1840iger Jahren bereits 1866 den Auftrag zur Erstellung der "Geologischen Spezialkarte von Preußen" im wegweisenden Maßstab 1:25.000 erhalten. Als Direktor der PGLA war er tätig von 1873 bis 1896.
b) Wilhelm Hauchecorne (1828 -1900). 1866 wurde er in die Ministerialabteilung für das Berg , Hütten- und Salinenwesen berufen und wurde im selben Jahr zum Direktor der Bergakademie ernannt. Ebenfalls oblag ihm die Redaktion der "Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preußischen Staate". Er wirkte von 1873 bis zu seinem Tod 1900 als Direktor der PGLA.
Erst zwei Jahre später wurde mit Statut der Königlichen geologischen Landesanstalt und Bergakademie vom 8. April 1875 (s. Anmerkung 5) die allgemeine Zweck-, Aufgaben- und Organisationsbestimmung formuliert. Als Gründungszweck der PGLA bestimmte das Statut im § 1 die geologische Untersuchung des preußischen Staatsgebietes" und die allgemein zugängliche Nutzbarmachung der Ergebnisse für die "Wissenschaft und die wirtschaftlichen Interessen des Landes".
§ 2 weist die konkreten Aufgabengebiete, d.h. die Kartierungsprojekte, die "Bearbeitung monografischer geologischer Darstellungen einzelner Landesteile oder Mineral-Vorkommnisse, die Herausgabe sich anschließender Abhandlungen geologischen, paläontologischen, montanistischen oder verwandten Inhalts, die Sammlung und Aufbewahrung aller Belegstücke zu den Kartenwerken und sonstigen Arbeiten sowie die Sammlung und Aufbewahrung der im Lande gefundenen Gegenstände von geologischem Interesse "
§ 3 bestimmt die personelle Zusammensetzung des Vorstandes aus "zwei vom Könige ernannten Direktoren, deren einer der Direktor der Königlichen Bergakademie ist", die die Arbeiten der "mit Staatsdiener-Eigenschaft angestellten Landesgeologen" und ihrer Mitarbeiter leiten. § 4 definiert die Obliegenheiten des Vorstandes, zu denen neben der allgemeinen Leitung die Arbeitsplanung und die jährliche Berichterstattung über den Fortgang der Arbeiten gehörten.
Die PGLA ressortierte seit Begründung zusammen mit der Bergakademie vom Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, Bergabteilung. Nach Verselbständigung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten 1878 trat sie mitsamt der Bergabteilung zu diesem über, 1890 kehrten Bergabteilung und PGLA wieder zum Ministerium für Handel und Gewerbe zurück.
Durch die Personal- und Behördenverbindung mit der Bergakademie und die gemeinsame Verwaltung der umfangreichen und bedeutenden Sammlungen (der PGLA, der Lehrsammlung der Bergakademie mit Mineralogischem Museum und Museum für Bergbau und Hüttenwesen) entstand eine wirkungsvolle Forschungslandschaft, die auch für die europäische geologische Landeaufnahme wegweisend war.
Der Wechsel in den Maßstab 1:25.000 und die Entwicklung bzw. Verbesserung der Gestaltungsgrundsätze für die geologische Kartierung, die den beiden Gründungsdirektoren der PGLA zu verdanken ist, führten zu einem großen Aufschwung des geologischen Vermessungswesens. Die umfangreicheren Aufgaben erforderten bald die Aufstockung des Personals. Den Direktoren standen die mit Beamteneigenschaft angestellten Landesgeologen (zunächst 5, davon 3 zugleich im Lehrkörper der Bergakademie tätig) sowie Assistenten und 14 auswärtige Mitarbeiter, diese zumeist Dozenten der Geologie an deutschen Hochschulen, zur Seite.
Daneben war ein Kuratorium zur wissenschaftlichen und administrativen Aufsicht eingesetzt, dessen Leitung dem obersten preußischen Bergbeamten, dem Oberberghauptmann (bis 1878 Krug v. Nidda) oblag.
Bereits zur Gründung war offensichtlich, dass die provisorische Unterbringung in den Räumen der Bergakademie in der Alten Börse nicht ausreichend sein konnte, weswegen die PGLA sogleich in die Neubauplanungen für das Gelände der ehemaligen Eisengießerei miteinbezogen wurde. Dort bezog sie unter Zusammenführung aller Sammlungen im Geologischen Landesmuseum 1878 den von August Tiede errichteten repräsentativen Neubau in der Invalidenstraße 44. Alle technischen Einrichtungen wurden zusammen mit der Bergakademie genutzt.
Gemäß der Zielsetzung zur Nutzbarmachung der Erkenntnisse auch für die "wirtschaftlichen Interessen des Landes" fokussierten sich die diversen Kartierungsvorhaben zunächst auf die Gebirgsgegenden und die Industriebezirke des Gebirgslandes, wobei sie nahtlos an die schon vorhandenen Kartierungsarbeiten Beyrichs anschließen konnten. Dahinter standen die Forschungen in den ausgedehnten Tieflanden des Norddeutschen Raumes zunächst zurück. Zu deren Erforschung wurde 1875 eine "Tieflandabteilung" unter der Leitung Gottlieb Behrendts (1836-1920) eingerichtet. Über die Kartierungen wurde jährlich in einem Tätigkeitsbericht, der sowohl in der Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen wie ab 1880 im Jahrbuch der Königlich Preußischen Geologischen Landesanstalt veröffentlicht wurde, berichtet.
Neben die Kartierungsprojekte traten diverse Tiefbohrprojekte ("fiskalische" Bohrungen), die wichtige Grundlagenerkenntnisse lieferten. Die gewonnenen Bohrprofile und Schichtenverzeichnisse wurden ca. seit den 1880iger Jahre im sogenannten "Bohrarchiv" (ein genaues Gründungsdatum ist nicht bekannt) verwahrt, welches sich bald zum Bohr- und Montanarchiv der PLGA erweiterte. Das Montanarchiv verwahrte, teils in Abschrift älterer Dokumente aus der Zeit vor der Gründung der PGLA, Berichte und Gutachten zu Fragen der Geologie und des Montanwesens.
Die Erkenntnisse aus den Kartierungen und den geologischen Erforschungen waren von Beginn an nicht nur für die wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung bedeutend, sondern wurden zur Förderung von Wirtschaft und Verkehr herangezogen und für diese immer wesentlicher. Während die Bergwirtschaft schon von Beginn an profitierte, kamen die Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zunehmend auch der Landwirtschaft und dem Verkehrswesen (insbesondere bei der Anlage von Eisenbahnstrecken) sowie der Wasserwirtschaft zugute. Unter dem Nachfolger Hauchecornes, Karl Schmeißer (1855-1924, Direktorat von 1900-1906), trat ab 1900 auch die geologische Erforschung der Kolonialgebiete zum Aufgabengebiet der PGLA hinzu. 1912 wurde zu diesem Zweck die "Geologische Zentralstelle für die Schutzgebiete" unter Leitung des Landesgeologen Willi Koert (1875-1927) eingerichtet, welche 1919 aufgelöst wurde.
Diesen Erweiterungen des Aufgabengebietes entsprach die Erweiterung des Personalkörpers, der 1905 aus zwei Direktoren, 14 Landesgeologen, 12 Bezirksgeologen, 29 Geologen, 2 Bergassessoren, 2 Sammlungskustoden, 12 Chemikern und 17 Zeichnern bestand (s. Anmerkung 6).
Auf Initiative des Nachfolger Schmeissers, Franz Beyschlag (1856-1935, Dienstzeit 1883-1923, ab 1901 als Direktor, ab 1920 als Präsident), wurde die Verbindung der PGLA mit der Bergakademie gelockert, indem mit Satzung vom 1.4.1907 (s. Anmerkung 7) beiden das gemeinsame Dienstgebäude, eine gemeinschaftliche Kassenverwaltung und die gemeinsame Bibliothek erhalten blieben, jedoch in der Beziehung zum vorgesetzten Minister und in der Verwaltung der inneren Angelegenheit Selbständigkeit gegeben war. Gemeinsame Angelegenheiten beider Einrichtungen wurden vom Minister für Handel und Gewerbe vertreten. Eine völlige Trennung von Geologischer Landesanstalt und Bergakademie trat schließlich 1916 mit der Inkorporation der Bergakademie in die Technische Hochschule Berlin-Charlottenburg ein.
Unter Schmeisser und besonders Beyschlag entwickelte sich die PGLA zu einer der größten wissenschaftlichen Behörden im Deutschen Reich und zu einer der führenden geologischen Anstalten weltweit. Zudem verstärkten sich die gutachterlichen Tätigkeiten stark, so dass eine weitere Verstärkung der beamteten Kräfte erforderlich wurde. Schließlich wurde ab 1910 auch eine räumliche Erweiterung, der sogenannte Nordbau, errichtet und 1913 bezogen.
Die innere Organisation erweiterte sich aus den ursprünglichen drei Abteilungen:
Abt. I Gebirgslandkartierung
Abt. II Flachlandkartierung
Abt. III Sammlungen
ab 1915 um die:
Abt. IV Veröffentlichungen und
Abt. V Chemisches Labor.
Daneben existierten das Bohr- und Montanarchiv (s.o.) sowie eine umfangreiche, zunächst gemeinsam mit der Bergakademie verwaltete, Bibliothek.
Zur Anstellung als Geologe im Dienst der PGLA war berechtigt, wer eine geologisch-wissenschaftliche Dissertation und eine Bergreferendarprüfung (bzw. eine Diplomprüfung einer Bergakademie oder Technischen Hochschule) nachweisen konnte. Am 18. Mai 1921 erließ der Minister für Handel und Gewerbe eine formelle Vorschrift zur Ausbildung und Prüfung der Anwärter für Geologenstellen bei der Geologischen Landesanstalt (s. Anmerkung 8) und schuf damit die 1. und 2. Geologenprüfung.
Als Nachfolger Beyschlags trat 1923 der bisherige Leiter der Abt. I, Paul Krusch (1869-1939, Präsident der PGLA von 1923 bis 1933) das Amt an. In seiner Präsidentschaft konnte der Laborbau bedeutend erweitert werden. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste er kurz vor Erreichung des Pensionsalters das Amt an Wilfried v. Seidlitz (1880-1945, Präsident von 1933-1936) übergeben, der zuvor die Leitung der Geologischen Landesanstalt Thüringen innehatte. v. Seidlitz richtete zu den vorhandenen fünf Abteilungen weitere Referate (1. für die Untersuchung der mitteldeutschen Braunkohlebezirke, 2. für Erze, 3. für Bodenkunde, 4. für nutzbare Steine und Erden, 5. für Ingenieurgeologie, 6. für Gesteins- und Mineralanalysen und 7. für Ostpreußen) ein, deren Mitarbeiter jedoch nicht mehr verbeamtet wurden. Diese Referate gaben zeitweise eigene Publikationsreihen heraus.
Wilfried v. Seidlitz wurde 1936 vom Direktor des Oberbergamtes Bonn, Julius Versé (1881-1966, Präsident von 1936-1939) abgelöst. Die Zentralisierungsbestrebungen der nationalsozialistischen Machthaber führten jedoch letztendlich dazu, dass alle Geologischen Landesanstalten im Deutschen Reich (inkl. Wien) mittels Verordnung des Beauftragten für den Vierjahresplan vom 10. März 1939 (s. Anmerkung 9), Hermann Göring, zu einer Reichsstelle (später: Reichsamt) für Bodenforschung zusammengeführt wurde, womit die Tätigkeit der Preußischen Geologischen Landesanstalt zum 1. April 1939 nach 66 Jahren endete.
BESTANDSGESCHICHTE:
Der größte Teil der Überlieferung der Geologischen Landesanstalt dürfte ebenso wie die der Bergakademie als kriegsbedingt verloren gelten. Am alten Behördensitz, inzwischen Sitz des Geologischen Instituts der DDR, waren nach Kriegsende lediglich noch ca. 8 lfm vorhanden, enthaltend einige Organisations- und Personalakten sowie eine Sammlung geologischer Nachrichten und Akten zu fiskalischen bzw. privaten Bohrungen und zu geologischen Beschreibungen der deutschen Kolonien. Diese Restüberlieferung wurde 1972 durch das Zentrale Staatsarchiv Merseburg gesichtet und übernommen (s. Anmerkung 10). Im ZStA Merseburg wurde der Bestand geordnet und verzeichnet und der Repositur 194 zugewiesen.
Nach der Wiedervereinigung wurde das Zentrale Geologische Institut der DDR von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe übernommen. Bereits 1994 wurden von diesem 16 Mappen mit Bergrissen der Provenienz Preußische Geologische Landesanstalt ausgesondert und an Geheime Staatsarchiv PK abgegeben. Ein weiterer Bestandteil, das sogenannte "Archiv der Prüfungsarbeiten", gelangte in zwei Teillieferungen in den Jahren 2000 und 2001 (Akz. 46/2000) als Abgabe der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Dienststelle Berlin, ebenfalls nach Dahlem. In dieses Archiv der Prüfungsarbeiten waren neben tatsächlichen Prüfungsarbeiten an der Bergakademie bzw. der PGLA auch ältere Schriften, teils bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurückreichend, gelangt, welche Abhandlungen und Nachrichten zu montanistischen und geologischen Frage beinhalten. In diesem Zusammenhang ist auch auf den Bestand GStA PK, I. HA Rep. 121 Ministerium für Gewerbe, Berg-, Hütten- Salinenverwaltung zu verweisen, der neben zahlreichen Personal- und Prüfungsakten auch die sogenannte "Manuskriptensammlung" umfasst, zu denen inhaltliche und Autorenbezüge existieren.
Der ursprünglich aus Merseburg rückgeführte Bestand wurde um das Jahr 2000 retrokonvertiert, dabei teils neu klassifiziert. Das "Archiv der Prüfungsakten" wurde um 2006 ebenfalls in der Archivdatenbank erfasst, alphabetisch nach Autorennamen geordnet und durchnummeriert. Eine inhaltliche Erschließung war dabei mangels spezifischer Fachkenntnis nicht möglich. Lediglich wurden die Autorennamen und die Themen der Arbeiten aufgenommen. Für Arbeiten lagerstättenkundlichen und geologischen Inhalts bis Anfang des 20. Jahrhunderts liegt ein nach systematischen Gesichtspunkten zusammengestelltes gedrucktes Verzeichnis vor, welches vom E. Zimmermann 1914 angelegt wurde. Handschriftliche Nachträge sind bis 1939 vorhanden, wobei Vollständigkeit nicht gesichert ist.
Die seinerzeit beim Zentralen Geologischen Institut der DDR vorhandenen umfangreichen Kartenbestände sowie die Bibliothek der vormaligen Preußischen Geologischen Landesanstalt wurden von der BGR indes an die Staatsbibliothek Berlin abgegeben.
Im Bundesarchiv, Abt. Reich in Berlin liegt ein Bestand der Nachfolgebehörde unter der Bestandsbezeichnung R 61 Reichsamt für Bodenforschung vor, der allerdings nur unvollständig überliefert ist.
Anmerkung 1:
Zur Gründungsvorgeschichte vgl.:
- W. Hauchecorne: Gründung und Organisation der Königlichen geologischen Landesanstalt für den Preußischen Staat, Sonderdruck aus: Jahrbuch der königlich preußischen geologischen Landesanstalt, 1880
- K. Schmeisser: Die Geschichte der Geologie und des Montanwesens in den 200 Jahre des preußischen Königreichs sowie die Entwicklung und die ferneren Ziele der Geologischen Landesanstalt und der Bergakademie: In: Jahrbuch der Königl. preußischen geologischen Landesanstalt, 1901
Anmerkung 2:
GStA PK, I. HA Rep. 121 Ministerium für Handel und Gewerbe, Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung, Nr. 8189
Anmerkung 3:
W. Hauchecorne (wie vor), S. 26 ff
Anmerkung 4:
W. Hauchecorne (wie vor), Anlage 5, S. 94-98
Anmerkung 5:
W. Hauchecorne (wie vor), S. 44-45
Anmerkung 6:
H. Udluft: Die Preußische Geologische Landesanstalt 1873-1939. In: Beihefte zum Geologischen Jahrbuch, Heft 78, Hannover 1968, S. 17
Anmerkung 7:
Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen 55, Jahrgang 1907, S. 67 ff
Anmerkung 8:
Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen 1921 bzw. Jahrbuch der Preußischen Geologischen Landesanstalt, Bd. 44, 1923
Anmerkung 9:
Reichsgesetzblatt 1939, I S. 490
Anmerkung 10:
vgl. GStA PK, I. HA Rep. 178 E Geheimes Staatsarchiv PK, Dienststelle Merseburg, Nr. 331
DIENSTGEBÄUDE:
Alte Börse: 1873-1878
Invalidenstraße 44 (Neubau): ab 1878
AMTLICHE PUBLIKATIONSREIHEN:
- "Abhandlungen zur geologischen Spezialkarte von Preußen und den Thüringischen Staaten", 1872-1894
- "Abhandlungen der Königlich Preußischen Geologischen Landesanstalt, neue Folge", 1889-1938
- "Jahrbuch der Preußischen Geologischen Landesanstalt zu Berlin", 1880-1938
- "Archiv für Lagerstättenforschung",1910-1940
- "Beiträge zur geologischen Erforschung der deutschen Schutzgebiete", 1911-1932
Eine umfangreiche Auflistung der publizierten Karten(werke) und Monografien sowie weiterer (teils kurzlebiger) Publikationsreihen einzelner Unterabteilungen bzw. Referate findet sich in Udluft: Die Preußische Geologische Landesanstalt 1873-1939. S. 139-160.
ÜBERLIEFERUNGEN IN ANDEREN BESTÄNDEN:
a) Ministerium für Handel und Gewerbe, Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung:
- "Baupläne der Preußischen Bau- und Finanzdirektion für das Laboratoriumsgebäude der Geologischen Landesanstalt Berlin", 1931 (GStA PK, I. HA Rep. 121, Nr. 8214)
- "Geognostische Landesuntersuchung des preußischen Staates und Übersicht der geologischen Nachrichten", Bd. 1-3, 1839 -1871 (GStA PK, I. HA Rep. 121, Nr. 8188-8190)
b) Ministerium für Handel und Gewerbe
- "Arbeiten der Geologischen Landesanstalt in Berlin", 1879-1913 (GStA PK, I. HA Rep. 120 A V 1 Nr. 25)
c) Geheimes Zivilkabinett:
- "Bergakademie und Geologische Landesanstalt zu Berlin", Bd. 1-2, 1860-1917 (GStA PK, I. HA Rep. 89, Nr. 21715-21716)
d) Ministerium des Inneren:
- "Errichtung und Geschäftsverwaltung der obersten Bergbehörden in sämtlichen Provinzen des preußischen Staates. Geologische Landesanstalt", Bd. 1-3, 1815-1934 (GStA PK, I. HA Rep. 77, Tit. 248 Nr. 1)
e) Kultusministerium:
- "Organisation und Verwaltung der geologischen Landesanstalt und Bergakademie in Berlin, Bd. 1-6, 1871-1934 (GStA PK, I. HA Rep. 76 Kultusministerium, Vc Sekt. 2 Tit. XXIII Litt. A Nr. 104)
f) Finanzministerium:
- "Bergverwaltung. Geologische Landesanstalt in Berlin. Personalangelegenheiten, Besoldung, Vergütung", 1934-1939 (GStA PK, I. HA Rep. 151 Finanzministerium, IC Nr. 7041)
- "Bergverwaltung. Geologische Landesanstalt in Berlin. Haushalts-, Kassen- und Rechnungssachen. Organisation, Aufsicht, Geschäftsgang, Geschäftsprüfung. Bau- und Grundstückssachen. Sächliche Angelegenheiten", 1934-1940 (GStA PK, I. HA Rep. 151 Finanzministerium, IC Nr. 7042)
- "Bergakademie und Geologische Landesanstalt in Berlin" Bd. 2-3, 1912-1934 (GStA PK, I. HA Rep. 151 Finanzministerium, IV Nr. 2782
g) Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten:
- "Geognostische Untersuchungen einzelner Provinzen durch die Geologische Landesanstalt und Bergakademie", Bd. 1 - 2, 1885-1929 (I. HA Rep. 87, B Nr. 3028-3029)
h) GStA PK, VI. HA Nl Hauchecorne, W.
LITERATUR (Auswahl):
- W. Hauchecorne: Gründung und Organisation der Königlichen geologischen Landesanstalt für den Preußischen Staat, Sonderdruck aus: Jahrbuch der königlich preußischen geologischen Landesanstalt, 1880
- K. Schmeisser: Die Geschichte der Geologie und des Montanwesens in den 200 Jahre des preußischen Königreichs sowie die Entwicklung und die ferneren Ziele der Geologischen Landesanstalt und der Bergakademie: In: Jahrbuch der Königl. preußischen geologischen Landesanstalt, 1901
- H. Udluft: Die Preußische Geologische Landesanstalt 1873-1939. In: Beihefte zum Geologischen Jahrbuch, Heft 78, Hannover 1968
- K.-D. Meinhold: 125 Jahre Preußische Geologische Landesanstalt und ihre Nachfolger - Geschichte und Gegenwart. In: Geologisches Jahrbuch Reihe G, Heft 10, Hannover 2002:
FORMALANGABEN:
- Letzte vergebene Nummer: 1765
- Umfang (in laufenden Metern): 11 m
- Gesamtlaufzeit des Bestandes: 1815-1946
- Lagerungsort : Außenmagazin Westhafen
Die Akten sind auf gelben Leihscheinen wie folgt zu bestellen:
I. HA Rep. 194, Nr. ###
Zitierweise:
GStA PK, I. HA Rep. 194 Geologische Landesanstalt, Nr. ##
Berlin, im März 2022 Chr. Brandt-Salloum, AOAR
Zitierweise: GStA PK, I. HA Rep. 194
VORBEMERKUNG
BEHÖRDENGESCHICHTE:
Die Geologische Landesanstalt stand von Beginn an in enger Behörden- und Fach-Beziehung zur Bergakademie Berlin. Diese wurde im Jahr 1770 zur Behebung des Mangels an ausgebildeten Berg- und Hüttenfachleuten gegründet und sollte die Voraussetzungen zur Erkundung und Nutzung der Bodenschätze und mineralischen Rohstoffe des Landes schaffen. Nach Gründung der Universität Berlin 1810 verlor die Bergakademie weitgehend ihre Selbstständigkeit, wurde jedoch 1860 zur Ausbildung der Montanbeamtenschaft reorganisiert. In der Zeit von 1873 bis 1907 war die Bergakademie mit der Geologischen Landesanstalt vereinigt. 1916 ging die Bergakademie in der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg auf.
Mit der Ausweitung der bergbaulichen Nutzung infolge des großen Rohstoff- und Energiebedarfs der Hochindustrialisierung wurden neben der Ausbildung der Berg- und Hüttenfachleute, die die Bergakademie abdeckte, auch die geologische Grundlagenforschung und die geologische Kartografie immer bedeutender. (s. Anmerkung 1). Daher gab es in verschiedenen deutschen Staaten bereits Projekte zur Aufnahme geologischer Karten, in Preußen in organisatorisch gefestigter Form seit 1866 unter der Leitung eines der beiden späteren Direktoren der geologischen Landesanstalt, Ernst Beyrich. Die immer weiter ausgedehnten Kartierungsvorhaben erforderten im weiteren Verlauf eine festere behördliche Struktur. In seiner "Denkschrift über die Errichtung einer Geologischen Landesanstalt für Preußen" (s. Anmerkung 2) vom 20. Juli 1866 begründete der Direktor der Bergakademie, Hauchecorne, die Notwendigkeit einer solchen Behördenstruktur und legte einen Organisationsvorschlag und Arbeitsplan (s. Anmerkung 3) vor. Die neue Behörde wurde am 1. Jan. 1873 als Königlich Preußische Geologische Landesanstalt (nachfolgend: PGLA) begründet und erhielt im August desselben Jahres eine ausführliche Geschäftsanweisung für die Landesgeologen (s. Anmerkung 4), welche im Wesentlichen bis zum Aufgehen der PGLA in der Reichsanstalt für Bodenforschung im Jahr 1939 unverändert blieb.
Die behördliche Verbundenheit der beiden Institutionen Bergakademie und Geologische Landesanstalt führte zur Berufung zweier Gründungsdirektoren aus der Geologischen Landesaufnahme (Beyrich) und der Bergakademie (Hauchecorne):
a) Ernst Beyrich (1815-1896), Professor für Geologie und Paläontologie. Er hatte auf Grundlage seiner früheren Arbeiten der geologischen Kartierung ab den 1840iger Jahren bereits 1866 den Auftrag zur Erstellung der "Geologischen Spezialkarte von Preußen" im wegweisenden Maßstab 1:25.000 erhalten. Als Direktor der PGLA war er tätig von 1873 bis 1896.
b) Wilhelm Hauchecorne (1828 -1900). 1866 wurde er in die Ministerialabteilung für das Berg , Hütten- und Salinenwesen berufen und wurde im selben Jahr zum Direktor der Bergakademie ernannt. Ebenfalls oblag ihm die Redaktion der "Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preußischen Staate". Er wirkte von 1873 bis zu seinem Tod 1900 als Direktor der PGLA.
Erst zwei Jahre später wurde mit Statut der Königlichen geologischen Landesanstalt und Bergakademie vom 8. April 1875 (s. Anmerkung 5) die allgemeine Zweck-, Aufgaben- und Organisationsbestimmung formuliert. Als Gründungszweck der PGLA bestimmte das Statut im § 1 die geologische Untersuchung des preußischen Staatsgebietes" und die allgemein zugängliche Nutzbarmachung der Ergebnisse für die "Wissenschaft und die wirtschaftlichen Interessen des Landes".
§ 2 weist die konkreten Aufgabengebiete, d.h. die Kartierungsprojekte, die "Bearbeitung monografischer geologischer Darstellungen einzelner Landesteile oder Mineral-Vorkommnisse, die Herausgabe sich anschließender Abhandlungen geologischen, paläontologischen, montanistischen oder verwandten Inhalts, die Sammlung und Aufbewahrung aller Belegstücke zu den Kartenwerken und sonstigen Arbeiten sowie die Sammlung und Aufbewahrung der im Lande gefundenen Gegenstände von geologischem Interesse "
§ 3 bestimmt die personelle Zusammensetzung des Vorstandes aus "zwei vom Könige ernannten Direktoren, deren einer der Direktor der Königlichen Bergakademie ist", die die Arbeiten der "mit Staatsdiener-Eigenschaft angestellten Landesgeologen" und ihrer Mitarbeiter leiten. § 4 definiert die Obliegenheiten des Vorstandes, zu denen neben der allgemeinen Leitung die Arbeitsplanung und die jährliche Berichterstattung über den Fortgang der Arbeiten gehörten.
Die PGLA ressortierte seit Begründung zusammen mit der Bergakademie vom Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, Bergabteilung. Nach Verselbständigung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten 1878 trat sie mitsamt der Bergabteilung zu diesem über, 1890 kehrten Bergabteilung und PGLA wieder zum Ministerium für Handel und Gewerbe zurück.
Durch die Personal- und Behördenverbindung mit der Bergakademie und die gemeinsame Verwaltung der umfangreichen und bedeutenden Sammlungen (der PGLA, der Lehrsammlung der Bergakademie mit Mineralogischem Museum und Museum für Bergbau und Hüttenwesen) entstand eine wirkungsvolle Forschungslandschaft, die auch für die europäische geologische Landeaufnahme wegweisend war.
Der Wechsel in den Maßstab 1:25.000 und die Entwicklung bzw. Verbesserung der Gestaltungsgrundsätze für die geologische Kartierung, die den beiden Gründungsdirektoren der PGLA zu verdanken ist, führten zu einem großen Aufschwung des geologischen Vermessungswesens. Die umfangreicheren Aufgaben erforderten bald die Aufstockung des Personals. Den Direktoren standen die mit Beamteneigenschaft angestellten Landesgeologen (zunächst 5, davon 3 zugleich im Lehrkörper der Bergakademie tätig) sowie Assistenten und 14 auswärtige Mitarbeiter, diese zumeist Dozenten der Geologie an deutschen Hochschulen, zur Seite.
Daneben war ein Kuratorium zur wissenschaftlichen und administrativen Aufsicht eingesetzt, dessen Leitung dem obersten preußischen Bergbeamten, dem Oberberghauptmann (bis 1878 Krug v. Nidda) oblag.
Bereits zur Gründung war offensichtlich, dass die provisorische Unterbringung in den Räumen der Bergakademie in der Alten Börse nicht ausreichend sein konnte, weswegen die PGLA sogleich in die Neubauplanungen für das Gelände der ehemaligen Eisengießerei miteinbezogen wurde. Dort bezog sie unter Zusammenführung aller Sammlungen im Geologischen Landesmuseum 1878 den von August Tiede errichteten repräsentativen Neubau in der Invalidenstraße 44. Alle technischen Einrichtungen wurden zusammen mit der Bergakademie genutzt.
Gemäß der Zielsetzung zur Nutzbarmachung der Erkenntnisse auch für die "wirtschaftlichen Interessen des Landes" fokussierten sich die diversen Kartierungsvorhaben zunächst auf die Gebirgsgegenden und die Industriebezirke des Gebirgslandes, wobei sie nahtlos an die schon vorhandenen Kartierungsarbeiten Beyrichs anschließen konnten. Dahinter standen die Forschungen in den ausgedehnten Tieflanden des Norddeutschen Raumes zunächst zurück. Zu deren Erforschung wurde 1875 eine "Tieflandabteilung" unter der Leitung Gottlieb Behrendts (1836-1920) eingerichtet. Über die Kartierungen wurde jährlich in einem Tätigkeitsbericht, der sowohl in der Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen wie ab 1880 im Jahrbuch der Königlich Preußischen Geologischen Landesanstalt veröffentlicht wurde, berichtet.
Neben die Kartierungsprojekte traten diverse Tiefbohrprojekte ("fiskalische" Bohrungen), die wichtige Grundlagenerkenntnisse lieferten. Die gewonnenen Bohrprofile und Schichtenverzeichnisse wurden ca. seit den 1880iger Jahre im sogenannten "Bohrarchiv" (ein genaues Gründungsdatum ist nicht bekannt) verwahrt, welches sich bald zum Bohr- und Montanarchiv der PLGA erweiterte. Das Montanarchiv verwahrte, teils in Abschrift älterer Dokumente aus der Zeit vor der Gründung der PGLA, Berichte und Gutachten zu Fragen der Geologie und des Montanwesens.
Die Erkenntnisse aus den Kartierungen und den geologischen Erforschungen waren von Beginn an nicht nur für die wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung bedeutend, sondern wurden zur Förderung von Wirtschaft und Verkehr herangezogen und für diese immer wesentlicher. Während die Bergwirtschaft schon von Beginn an profitierte, kamen die Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zunehmend auch der Landwirtschaft und dem Verkehrswesen (insbesondere bei der Anlage von Eisenbahnstrecken) sowie der Wasserwirtschaft zugute. Unter dem Nachfolger Hauchecornes, Karl Schmeißer (1855-1924, Direktorat von 1900-1906), trat ab 1900 auch die geologische Erforschung der Kolonialgebiete zum Aufgabengebiet der PGLA hinzu. 1912 wurde zu diesem Zweck die "Geologische Zentralstelle für die Schutzgebiete" unter Leitung des Landesgeologen Willi Koert (1875-1927) eingerichtet, welche 1919 aufgelöst wurde.
Diesen Erweiterungen des Aufgabengebietes entsprach die Erweiterung des Personalkörpers, der 1905 aus zwei Direktoren, 14 Landesgeologen, 12 Bezirksgeologen, 29 Geologen, 2 Bergassessoren, 2 Sammlungskustoden, 12 Chemikern und 17 Zeichnern bestand (s. Anmerkung 6).
Auf Initiative des Nachfolger Schmeissers, Franz Beyschlag (1856-1935, Dienstzeit 1883-1923, ab 1901 als Direktor, ab 1920 als Präsident), wurde die Verbindung der PGLA mit der Bergakademie gelockert, indem mit Satzung vom 1.4.1907 (s. Anmerkung 7) beiden das gemeinsame Dienstgebäude, eine gemeinschaftliche Kassenverwaltung und die gemeinsame Bibliothek erhalten blieben, jedoch in der Beziehung zum vorgesetzten Minister und in der Verwaltung der inneren Angelegenheit Selbständigkeit gegeben war. Gemeinsame Angelegenheiten beider Einrichtungen wurden vom Minister für Handel und Gewerbe vertreten. Eine völlige Trennung von Geologischer Landesanstalt und Bergakademie trat schließlich 1916 mit der Inkorporation der Bergakademie in die Technische Hochschule Berlin-Charlottenburg ein.
Unter Schmeisser und besonders Beyschlag entwickelte sich die PGLA zu einer der größten wissenschaftlichen Behörden im Deutschen Reich und zu einer der führenden geologischen Anstalten weltweit. Zudem verstärkten sich die gutachterlichen Tätigkeiten stark, so dass eine weitere Verstärkung der beamteten Kräfte erforderlich wurde. Schließlich wurde ab 1910 auch eine räumliche Erweiterung, der sogenannte Nordbau, errichtet und 1913 bezogen.
Die innere Organisation erweiterte sich aus den ursprünglichen drei Abteilungen:
Abt. I Gebirgslandkartierung
Abt. II Flachlandkartierung
Abt. III Sammlungen
ab 1915 um die:
Abt. IV Veröffentlichungen und
Abt. V Chemisches Labor.
Daneben existierten das Bohr- und Montanarchiv (s.o.) sowie eine umfangreiche, zunächst gemeinsam mit der Bergakademie verwaltete, Bibliothek.
Zur Anstellung als Geologe im Dienst der PGLA war berechtigt, wer eine geologisch-wissenschaftliche Dissertation und eine Bergreferendarprüfung (bzw. eine Diplomprüfung einer Bergakademie oder Technischen Hochschule) nachweisen konnte. Am 18. Mai 1921 erließ der Minister für Handel und Gewerbe eine formelle Vorschrift zur Ausbildung und Prüfung der Anwärter für Geologenstellen bei der Geologischen Landesanstalt (s. Anmerkung 8) und schuf damit die 1. und 2. Geologenprüfung.
Als Nachfolger Beyschlags trat 1923 der bisherige Leiter der Abt. I, Paul Krusch (1869-1939, Präsident der PGLA von 1923 bis 1933) das Amt an. In seiner Präsidentschaft konnte der Laborbau bedeutend erweitert werden. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste er kurz vor Erreichung des Pensionsalters das Amt an Wilfried v. Seidlitz (1880-1945, Präsident von 1933-1936) übergeben, der zuvor die Leitung der Geologischen Landesanstalt Thüringen innehatte. v. Seidlitz richtete zu den vorhandenen fünf Abteilungen weitere Referate (1. für die Untersuchung der mitteldeutschen Braunkohlebezirke, 2. für Erze, 3. für Bodenkunde, 4. für nutzbare Steine und Erden, 5. für Ingenieurgeologie, 6. für Gesteins- und Mineralanalysen und 7. für Ostpreußen) ein, deren Mitarbeiter jedoch nicht mehr verbeamtet wurden. Diese Referate gaben zeitweise eigene Publikationsreihen heraus.
Wilfried v. Seidlitz wurde 1936 vom Direktor des Oberbergamtes Bonn, Julius Versé (1881-1966, Präsident von 1936-1939) abgelöst. Die Zentralisierungsbestrebungen der nationalsozialistischen Machthaber führten jedoch letztendlich dazu, dass alle Geologischen Landesanstalten im Deutschen Reich (inkl. Wien) mittels Verordnung des Beauftragten für den Vierjahresplan vom 10. März 1939 (s. Anmerkung 9), Hermann Göring, zu einer Reichsstelle (später: Reichsamt) für Bodenforschung zusammengeführt wurde, womit die Tätigkeit der Preußischen Geologischen Landesanstalt zum 1. April 1939 nach 66 Jahren endete.
BESTANDSGESCHICHTE:
Der größte Teil der Überlieferung der Geologischen Landesanstalt dürfte ebenso wie die der Bergakademie als kriegsbedingt verloren gelten. Am alten Behördensitz, inzwischen Sitz des Geologischen Instituts der DDR, waren nach Kriegsende lediglich noch ca. 8 lfm vorhanden, enthaltend einige Organisations- und Personalakten sowie eine Sammlung geologischer Nachrichten und Akten zu fiskalischen bzw. privaten Bohrungen und zu geologischen Beschreibungen der deutschen Kolonien. Diese Restüberlieferung wurde 1972 durch das Zentrale Staatsarchiv Merseburg gesichtet und übernommen (s. Anmerkung 10). Im ZStA Merseburg wurde der Bestand geordnet und verzeichnet und der Repositur 194 zugewiesen.
Nach der Wiedervereinigung wurde das Zentrale Geologische Institut der DDR von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe übernommen. Bereits 1994 wurden von diesem 16 Mappen mit Bergrissen der Provenienz Preußische Geologische Landesanstalt ausgesondert und an Geheime Staatsarchiv PK abgegeben. Ein weiterer Bestandteil, das sogenannte "Archiv der Prüfungsarbeiten", gelangte in zwei Teillieferungen in den Jahren 2000 und 2001 (Akz. 46/2000) als Abgabe der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Dienststelle Berlin, ebenfalls nach Dahlem. In dieses Archiv der Prüfungsarbeiten waren neben tatsächlichen Prüfungsarbeiten an der Bergakademie bzw. der PGLA auch ältere Schriften, teils bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurückreichend, gelangt, welche Abhandlungen und Nachrichten zu montanistischen und geologischen Frage beinhalten. In diesem Zusammenhang ist auch auf den Bestand GStA PK, I. HA Rep. 121 Ministerium für Gewerbe, Berg-, Hütten- Salinenverwaltung zu verweisen, der neben zahlreichen Personal- und Prüfungsakten auch die sogenannte "Manuskriptensammlung" umfasst, zu denen inhaltliche und Autorenbezüge existieren.
Der ursprünglich aus Merseburg rückgeführte Bestand wurde um das Jahr 2000 retrokonvertiert, dabei teils neu klassifiziert. Das "Archiv der Prüfungsakten" wurde um 2006 ebenfalls in der Archivdatenbank erfasst, alphabetisch nach Autorennamen geordnet und durchnummeriert. Eine inhaltliche Erschließung war dabei mangels spezifischer Fachkenntnis nicht möglich. Lediglich wurden die Autorennamen und die Themen der Arbeiten aufgenommen. Für Arbeiten lagerstättenkundlichen und geologischen Inhalts bis Anfang des 20. Jahrhunderts liegt ein nach systematischen Gesichtspunkten zusammengestelltes gedrucktes Verzeichnis vor, welches vom E. Zimmermann 1914 angelegt wurde. Handschriftliche Nachträge sind bis 1939 vorhanden, wobei Vollständigkeit nicht gesichert ist.
Die seinerzeit beim Zentralen Geologischen Institut der DDR vorhandenen umfangreichen Kartenbestände sowie die Bibliothek der vormaligen Preußischen Geologischen Landesanstalt wurden von der BGR indes an die Staatsbibliothek Berlin abgegeben.
Im Bundesarchiv, Abt. Reich in Berlin liegt ein Bestand der Nachfolgebehörde unter der Bestandsbezeichnung R 61 Reichsamt für Bodenforschung vor, der allerdings nur unvollständig überliefert ist.
Anmerkung 1:
Zur Gründungsvorgeschichte vgl.:
- W. Hauchecorne: Gründung und Organisation der Königlichen geologischen Landesanstalt für den Preußischen Staat, Sonderdruck aus: Jahrbuch der königlich preußischen geologischen Landesanstalt, 1880
- K. Schmeisser: Die Geschichte der Geologie und des Montanwesens in den 200 Jahre des preußischen Königreichs sowie die Entwicklung und die ferneren Ziele der Geologischen Landesanstalt und der Bergakademie: In: Jahrbuch der Königl. preußischen geologischen Landesanstalt, 1901
Anmerkung 2:
GStA PK, I. HA Rep. 121 Ministerium für Handel und Gewerbe, Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung, Nr. 8189
Anmerkung 3:
W. Hauchecorne (wie vor), S. 26 ff
Anmerkung 4:
W. Hauchecorne (wie vor), Anlage 5, S. 94-98
Anmerkung 5:
W. Hauchecorne (wie vor), S. 44-45
Anmerkung 6:
H. Udluft: Die Preußische Geologische Landesanstalt 1873-1939. In: Beihefte zum Geologischen Jahrbuch, Heft 78, Hannover 1968, S. 17
Anmerkung 7:
Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen 55, Jahrgang 1907, S. 67 ff
Anmerkung 8:
Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen 1921 bzw. Jahrbuch der Preußischen Geologischen Landesanstalt, Bd. 44, 1923
Anmerkung 9:
Reichsgesetzblatt 1939, I S. 490
Anmerkung 10:
vgl. GStA PK, I. HA Rep. 178 E Geheimes Staatsarchiv PK, Dienststelle Merseburg, Nr. 331
DIENSTGEBÄUDE:
Alte Börse: 1873-1878
Invalidenstraße 44 (Neubau): ab 1878
AMTLICHE PUBLIKATIONSREIHEN:
- "Abhandlungen zur geologischen Spezialkarte von Preußen und den Thüringischen Staaten", 1872-1894
- "Abhandlungen der Königlich Preußischen Geologischen Landesanstalt, neue Folge", 1889-1938
- "Jahrbuch der Preußischen Geologischen Landesanstalt zu Berlin", 1880-1938
- "Archiv für Lagerstättenforschung",1910-1940
- "Beiträge zur geologischen Erforschung der deutschen Schutzgebiete", 1911-1932
Eine umfangreiche Auflistung der publizierten Karten(werke) und Monografien sowie weiterer (teils kurzlebiger) Publikationsreihen einzelner Unterabteilungen bzw. Referate findet sich in Udluft: Die Preußische Geologische Landesanstalt 1873-1939. S. 139-160.
ÜBERLIEFERUNGEN IN ANDEREN BESTÄNDEN:
a) Ministerium für Handel und Gewerbe, Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung:
- "Baupläne der Preußischen Bau- und Finanzdirektion für das Laboratoriumsgebäude der Geologischen Landesanstalt Berlin", 1931 (GStA PK, I. HA Rep. 121, Nr. 8214)
- "Geognostische Landesuntersuchung des preußischen Staates und Übersicht der geologischen Nachrichten", Bd. 1-3, 1839 -1871 (GStA PK, I. HA Rep. 121, Nr. 8188-8190)
b) Ministerium für Handel und Gewerbe
- "Arbeiten der Geologischen Landesanstalt in Berlin", 1879-1913 (GStA PK, I. HA Rep. 120 A V 1 Nr. 25)
c) Geheimes Zivilkabinett:
- "Bergakademie und Geologische Landesanstalt zu Berlin", Bd. 1-2, 1860-1917 (GStA PK, I. HA Rep. 89, Nr. 21715-21716)
d) Ministerium des Inneren:
- "Errichtung und Geschäftsverwaltung der obersten Bergbehörden in sämtlichen Provinzen des preußischen Staates. Geologische Landesanstalt", Bd. 1-3, 1815-1934 (GStA PK, I. HA Rep. 77, Tit. 248 Nr. 1)
e) Kultusministerium:
- "Organisation und Verwaltung der geologischen Landesanstalt und Bergakademie in Berlin, Bd. 1-6, 1871-1934 (GStA PK, I. HA Rep. 76 Kultusministerium, Vc Sekt. 2 Tit. XXIII Litt. A Nr. 104)
f) Finanzministerium:
- "Bergverwaltung. Geologische Landesanstalt in Berlin. Personalangelegenheiten, Besoldung, Vergütung", 1934-1939 (GStA PK, I. HA Rep. 151 Finanzministerium, IC Nr. 7041)
- "Bergverwaltung. Geologische Landesanstalt in Berlin. Haushalts-, Kassen- und Rechnungssachen. Organisation, Aufsicht, Geschäftsgang, Geschäftsprüfung. Bau- und Grundstückssachen. Sächliche Angelegenheiten", 1934-1940 (GStA PK, I. HA Rep. 151 Finanzministerium, IC Nr. 7042)
- "Bergakademie und Geologische Landesanstalt in Berlin" Bd. 2-3, 1912-1934 (GStA PK, I. HA Rep. 151 Finanzministerium, IV Nr. 2782
g) Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten:
- "Geognostische Untersuchungen einzelner Provinzen durch die Geologische Landesanstalt und Bergakademie", Bd. 1 - 2, 1885-1929 (I. HA Rep. 87, B Nr. 3028-3029)
h) GStA PK, VI. HA Nl Hauchecorne, W.
LITERATUR (Auswahl):
- W. Hauchecorne: Gründung und Organisation der Königlichen geologischen Landesanstalt für den Preußischen Staat, Sonderdruck aus: Jahrbuch der königlich preußischen geologischen Landesanstalt, 1880
- K. Schmeisser: Die Geschichte der Geologie und des Montanwesens in den 200 Jahre des preußischen Königreichs sowie die Entwicklung und die ferneren Ziele der Geologischen Landesanstalt und der Bergakademie: In: Jahrbuch der Königl. preußischen geologischen Landesanstalt, 1901
- H. Udluft: Die Preußische Geologische Landesanstalt 1873-1939. In: Beihefte zum Geologischen Jahrbuch, Heft 78, Hannover 1968
- K.-D. Meinhold: 125 Jahre Preußische Geologische Landesanstalt und ihre Nachfolger - Geschichte und Gegenwart. In: Geologisches Jahrbuch Reihe G, Heft 10, Hannover 2002:
FORMALANGABEN:
- Letzte vergebene Nummer: 1765
- Umfang (in laufenden Metern): 11 m
- Gesamtlaufzeit des Bestandes: 1815-1946
- Lagerungsort : Außenmagazin Westhafen
Die Akten sind auf gelben Leihscheinen wie folgt zu bestellen:
I. HA Rep. 194, Nr. ###
Zitierweise:
GStA PK, I. HA Rep. 194 Geologische Landesanstalt, Nr. ##
Berlin, im März 2022 Chr. Brandt-Salloum, AOAR
Zitierweise: GStA PK, I. HA Rep. 194
Umfang: 11 lfm (1969 VE); 11 lfm (1969 VE)
Bestand ist in der Datenbank erfasst mit Ausnahme der Pläne aus der Abgabe der BGR und eines kleinen Teils Restakten
Bestand ist in der Datenbank erfasst mit Ausnahme der Pläne aus der Abgabe der BGR und eines kleinen Teils Restakten
Bestand
deutsch
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
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19.08.2025, 12:19 PM CEST
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