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Schreiben von den Schwestern Martha Margarethe Charlotte Christine Stallmann (Martha) und Elisabeth Magdalene Frieda Paula (Lene) Stallmann, Minden, an ihren Bruder Oswald Stallmann
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Schreiben von den Schwestern Martha Margarethe Charlotte Christine Stallmann (Martha) und Elisabeth Magdalene Frieda Paula (Lene) Stallmann, Minden, an ihren Bruder Oswald Stallmann
Stadt Minden WN 27 Nachlass Oswald Stallmann, Nr. 6
Stadt Minden WN 27 Nachlass Oswald Stallmann Nachlass Oswald Stallmann
Nachlass Oswald Stallmann
1940
Enthält u.a.: Martha: "Das alte Jahr ist vergangen, und wir gehen ins neue Jahr. Was mag es uns bringen? Frieden, das wäre das Beste was es uns bringen würde. Wie habt Ihr denn dort das alte Jahr beschlossen? Habt Ihr zusammen gesessen oder war keine Stimmung dafür? Lene und ich waren bei Paul und Lilly. Haben gemütlich zusammen gesessen, Halma gespielt, Heringssalat gegessen und Kaffee getrunken, die Zeit verging so schnell, daß es mit einem Mal schon nach 3 Uhr war.", 1. Jan. 1940; Martha: "Deine Karte, sowie die Gans haben wir erhalten, dafür herzl Dank. Das Paket wurde am Bahnhof bei den Frauen, die von der Frauenschaft Dienst haben, abgegeben. Irrtümlicherweise wurde es in den Schrank gesetzt, wo es bis zum 2 Januar verblieb. Da fiel es der Frau ein, daß das Paket noch da sein müsse und sie ging hin und holte es ab. Sie meinte, wir holten es ab und ich sagte ihr dann, daß wir garnicht gewußt hätten, daß ein Paket für uns abgegeben sei, sonst wären wir selbstverständlich gekommen und hätten es abgeholt. Nun hat alles sich von selbst geregelt und soll uns dieselbe gut munden.", 3. Jan. 1940; Martha: "Du fragtest an, was der Weihnachtsmann bei uns abgeladen hatte. 1. Von Dir hatten wir den Scheck erhalten, dafür haben wir uns doch bedankt. Von Lilly haben wir eine Küchenwage [!], dieselbe hat Paul auch Lilly geschenkt. Von Lene habe ich ein paar Strümpfe, und einen Schlüpfer, und von Liesbeth haben wir, Lene u. ich einen Schirm. Ich habe Lene ein paar Überschuhe gekauft. Du siehst also, daß es alle nüt[z]liche Sachen gegeben hat. Jochen hatten wir ja den Zug aufgebaut. Stanelle hatte ihn fahrbereit. Wir hatten provisorisch 2 kleine Aku [!] von Rumpf geborgt, und somit konnte der Zug losdampfen. […] Auch der Anzug, den du Willy hast durch den Feldwebel zugeschickt hast [!], ist auch [!] angekommen. […] Hier hat sich allerhand Neuigkeiten seit Weihnachten zugetragen. 1. Daß bei Kochs in Osnabrück gleich 2 Verlobungen von Stapel gingen, hättest du wohl nicht gedacht. Ottchen war mit seiner Braut seit dem 2. Weihnachtstag in Osnabrück. Otto und Liesbeth haben sich dann auch gleich die Ringe angesteckt. Liesbeth trägt Anna ihren Trauring. Man konnte es sich ja wohl denken und doch kam es für uns überraschend. Denn Liesbeth ist gestern (Sonnabend) bis Montag hier bei uns zu Besuch und hat es uns erzählt. Karten haben sie nirgends verschickt. Nun ist Liesbeth ja auch dann, wenn sie erst verheiratet sind, für die Zukunft gesichert. Ist doch ein schönes und beruhigendes Gefühl. […] Kurtchen […] macht nun in diesem Vierteljahr sein Physikum. Von April muß er wieder eintreten. Er wäre lieber […] bei seiner Truppe geblieben. Karl-Oswald hat auch einen Photoaparat [!] zu Weihnachten bekommen, in Osnabrück ist viel Geld zu Weihnachten umgesetzt worden. Geld spielt ja dort keine Rolle.", 6. Jan. 1940; Lene: "Wir haben es [das Paket mit der Gans] am 2.1.40 bekommen, es war bereits am 31.12.39 angekommen, und es lag auf dem Bahnhof. Aber es hat auch noch diese[s] Jahr gut und prima gemundet. [...] Nur das Brennmaterial wird so langsam knapp; wir haben noch einige Zentner im Keller, vorläufig reichen sie bei uns, aber es giebt manche Familien, die müssen schon krappen.", 10. Jan. 1940; Martha: "In den letzten Tagen war hier eine bittere Kälte, es war kaum zum aushalten [!], wir haben oft an Euch armen [!] Soldaten denken müssen. Von gestern ab, nimmt die Kälte ab, in den Häusern steckt ja noch die Kälte, aber draußen ist augenblicklich Tauwetter. Der Kanal und auch die Weser sind zu, der Kanal schon wochenlang, daher auch hier die Kohlenknappheit, die Menschen liefen um ein paar Kohlen, aber es hieß eben, es ist Krieg. Wir hatten immer noch Kohlen, bei uns war noch keine Not. Gestern war Paul und ich nach Schäkel, unserem früheren Butterlieferant, der uns auch immer das Schwein zum Schlachten verkaufte. Es stand nämlich diese Tage ein Artikel im Blatte wegen Hausschlachtungen, aus welchem wir lasen, daß wir wohl schlachten könnten. Wir konnten auch wieder eines holen, aber als ich nun heute Morgen zum Landwirtschaftlichen Ernährungsamt kam, und mir eventuel [!] ein Schlachtschwein ausstellen zu lassen, hieß es, ja haben sie es ¼ Jahr im Stall gehabt, wenn nicht, tut uns leid. Im Blatte hatten sie sich ganz anders ausgedrückt. Na, man muß sich eben damit abfinden, es war uns ja darum nur zu tun, weil man reine Ware hat, und es besser schmeckt. Aber über die Bestimmungen kann man nicht rüber […]. Unser Zeug haben wir uns noch nicht machen lassen, aber so wie es etwas besser wird will ich mir das Kostüm machen lassen auch Lilly. Die Regierung müßte einmal nur mehr Nähgarn geben; es ist nicht viel, alle ¼ Jahr bekommt man pr[o] Kopf für 20 Pfg. Aber man muß sich das eben einteilen. Man muß sich alles genau überlegen, was man braucht.", 15. Jan. 1940; Martha: "Der Winter ist leider noch immer mit der tüchtige [!] Kälte hier, die letzten 2 Tage hat die Kälte etwas nachgelassen. Gestern u. heute haben wir Kohlen geholt, man bekommt wenn eine Ladung kommt 1 Zentner. Man kommt so wenigstens immer etwas weiter und man braucht nicht zu frieren.", [26. Jan. 1940]; Päckchen geschickt: "Hast du dir auch einen ordentlichen Grog gebraut, hatten dir etwas Arrak mitgeschickt. Sind die Fläschchen heil angekommen. Wir wollen dir diese Tage mal einige Citronen schicken, damit du dir mal etwas Heißes machen kannst. […] Dies Papier stammt aus dem Weltkrieg", 26. Jan. 1940; Dank für Fotografien von Weihnachten und Silvester, 18. Febr. 1940; Martha: "Vor 14 Tage [!] waren die Musiker von den Pionieren hier, haben ein Winterhilfskonzert im Stadttheater gegeben, es dauert nicht mehr lange, dann ist auch das Winterhilfswerk vorbei bis zum nächsten Jahr.", 18. Febr. 1940; Lene: Oswald Stallmann besucht Otto Koch: "Also hast du dich auf den Patt gemacht und hast deinen Neffen besucht. Der machte wohl Nase und Ohren weit auf, wie er dich sah. Aber das war eine große Freude für Euch beide, das glaube ich schon. Wenn zwei aus der Heimat sich in Feindesland wieder sehen. […] Soeben ist das Wunschkonzert vorbei, es war das 33te. Ganz nette Zahl. […] Das Päckchen mit den [!] Scheck ist auch angekommen. Schade ist es ja, daß du den Stoff für Paul nicht mehr bekommen hast. […] Gestern Abend hat der Führer gesprochen. War ganz fabelhaft. […] Hier ist es auch augenblicklich sehr schlecht mit den Postverhältnissen. Manche Pakete sind hier auch schon mal 8 Tage unterwegs. Vor 14 Tagen war unsere Berl[iner] All[gemeine] Zeit[un]g fast 16 Tage unterwegs. Es fahren auch jetzt weniger Züge, es sind ein ganzer Teil Züge ausgefallen. Wer nicht fahren braucht, soll nicht fahren, denn es ist hier auch nicht angenehm zu reisen. […] Diese Tage hatten wir in unserm Klosett ein [!] Rohrbruch. Das Wasser goß man in Strömen. Seit 2 Tagen haben wir kein Licht. Die Leitung muß erst wieder trocknen", 25. Febr. 1940; Martha: "daß das zweite Geburtstagspäckchen endlich landete. Die Post nimmt sich ja viel Zeit dort, von Ende Januar bis zum 24. Februar lief das Päckchen, ist kaum zu glauben, daß es überhaupt noch über kommt. Daß die Sachen aber dann noch schmeckten, freut uns, es ist nur schade, daß die Sachen so spät ankamen. […] Diese Tage und auch heute erhielten wir 2 Päckchen mit deinen Briefen, wir legen selbige zu den anderen, und wenn der Friede ins Land gekehrt ist, dann wirst du selbige wohl noch mal zur Hand nehmen, und manch Erlebnis wird dann noch mal im Geiste an deinen Augen vorbeiziehen.", 1. März 1940; Martha: "Diese Tage stand im Blatte, daß die Osterferien nur 7 Tage dauern, weil im letzten Vierteljahr so oft die Schule geschlossen wurde, wegen Kohlenmangel.", 3. März 1940; Martha: "Hier auf der Rampe wird Tag und Nacht gearbeitet, Stroh wird ab geladen, gepreßt und dann rollen wieder die Züge mit dem Stroh nach Westen. Es geht was vor; man bangt vor der Offensive und doch muß es einmal sein, so geht es ja auch nicht weiter.", 3. März 1940; Martha: Einladung zur Konfirmation am 17. März 1940 nach Schmalkalden: "aber leider ist die Reise zu weit und auch zu teuer. Die Züge sind auf allen Strecken sehr eingestellt, sodaß man, wenn jemand eine große Reise machen muß in einem Tage nicht hinkommt. Es ist schade, aber man muß eben sich drin fügen, und sich sagen, es ist Krieg. […] Sonst geht hier alles noch seinen alten Gang, geschäftlich könnte auch manches besser sein, aber man muß sich bescheiden, und auf bessere Zeiten hoffen. […] Wie ist es eigentlich mit dem Stoff für Paul geworden, war sicher schon weg. Ist dort auch wohl wie hier, ja, man lernt jetzt wieder das Sparen, Hermann Göhring bringt es uns schon bei, aber es muß eben sein, es darf nicht viel Divesen [!], für Sachen die eingespart werden können, ausgegeben werden.", 5. März 1940; Martha: "Gestern kamen zwei kleine Päckchen an, mit Briefen Scheks [!] u. 2 kl. Fläschchen. Die Briefe und die Scheks [!] haben wir zu den anderen Stücken gelegt. […] Heute am Heldengedenktag sprach der Führer, hast du ihn gehört? Ich war eben in der Stadt, am Wesertor beim Kriegerdenkmal steht ein Doppelposten und hält Ehrenwacht. […] Augenblicklich liegen hier an der Portastraße in der Kaserne wieder Pioniere, alte und junge, sind neu eingezogen, es werden überhaupt viele jetzt eingezogen, es laufen hier immer wieder so viel mit ihren Koffer u.s.w. herum, und nicht lange, dann sind sie im bunten Rock.", 10. März 1940; Lene: "Der Friede Finnland und Rußland war doch sehr schön, worüber man sich sehr freuen kann. Noch schöner wäre es ja, wenn wir auch Frieden hätten. Na vielleicht liegt selbiger auch nicht mehr ganz fern.", 14. März 1940; Lene zu Einschränkungen des Reisens mit der Bahn: "Es ist eben Krieg, da muß man sich so manches verkneifen.", 14. März 1940; Martha: "die Zeit läuft nur so dahin, überhaupt wenn Ereignisse eintreten, die jeden in Atem hält [!], wie gestern . Das hätte sich kein Mensch träumen lassen, daß wir uns oben fest setzten. Der Schlag kam zu früh für die Ausländer, aber zur rechten Zeit. Schade nur für unsere 2 Kreuzer, die verloren gingen, aber leider muß auch damit gerechnet werden, daß Opfer gebracht werden. […] soeben kommt eine Sondermeldung, 3 brit. Zerstörer vernichtet, und am 8.4. auch noch 1 Zerstörer vernichtet. Man wird noch manches erleben, ehe der Tommy zu Boden liegt; das alte Lied "denn wir fahren gegen England" ertönt.", 10. Apr. 1940; Lene: "Was sag[s]t du zu den neuen Ereignissen. Man war ganz platt. […] Heute ist Führers Geburtstag. Ein herrlicher Frühlingstag.", 20. Apr. 1940; Lene: "Die Packete [!] mit den Eiern sind […] angekommen, der Gefreite hatte selbige mit nach Haus genommen, und sie dann zur Post geschickt, es waren einige geborsten, die heilen legen wir ein, ob der Gefr[eite] es vergaß, das Packet am Bahnhof abzugeben oder es vergessen hatte Wir danken dir herzlichst dafür aber es tut nicht nötig, denn es ist immer riskant Eier zu schicken", 21. Apr. 1940; Lene: "Deine beiden Pakete mit Eier [!] und Käse haben wir dankend erhalten, natürlich waren mehrere zu Rührei geworden, da sie per Post ankamen. Letzte Woche bekamen wir noch ein Päckchen mit Butter, dafür gleichfalls herzl. Dank. […] Die Eier haben wir gleich eingelegt für schlechtere Zeiten. […] Uns geht es soweit ganz gut. Unsere Heißmangel läuft seit letzten Sonnabend (27.4.) Am Freitag wurde uns der Motor gebracht, genau 4 Wochen Stillstand der Maschine. Wir sind doch froh darüber, daß die Arbeit nun weiter gehen kann und Geld ins Haus kommt. Wäre nur erst dieser Krieg zu Ende, daß alles seinen gewohnten Gang gehen kann. Da oben in Norwegen geht es soweit lebendig her. Wer hätte das Ostern gedacht? Und wie schnell haben unsere Truppen es auch dort geschafft. Man muß wirklich staunen. Hoffendlich [!] schaffen wir es im Westen auch mal schnell, damit der Krieg endgültig ein Ende hat. Vor allen Dingen muß der Tommy seine Jacke voll haben, der läßt sonst keine Ruhe, der wühlt immer weiter. Aber nun soll er wohl bald keinen Dummen mehr finden können. […] Die Hoffnung haben wir wenigstens alle, daß der Krieg in diesem Jahr zu Ende geht. Es kann mal ganz überraschend kommen.", 29. Apr.1940; Martha: "Gestern haben ja die Engländer ordentlich mal wieder einen auf den Hut gekriegt, die schönen Kreuzer und Zerstörer, die so nach und nach ihnen versenkt werden, sind auch für den reichen Engländer doch kein Pappenstiel. Aber noch ist nicht alle [!] Tage Abend, aber dieser Tag wird auch noch kommen, an welchem der Tommy zu Boden gebracht wird. Und hoffentlich verfährt unser Führer u. seine Ratgeber in solch einer Form mit diesen Leuten, daß wir für Zeiten erst Ruhe haben. […] Sonst geht hier alles seinen Gang, nur an der Knappheit der Ware merkt man, daß Krieg ist.", 2. Mai 1940; Martha: "Lieber Oswald! Recht frohe Pfingsten senden wir dir, hoffentlich kannst Du mit Deinen Kameraden etwas in die Frühlingspracht wandern.", 8. Mai 1940; Martha: "Schon wieder geht ein Sonntag seinem Ende zu, ein ereignisvoller Tag, denn er fing nachts um 12 ½ Uhr mit Fliegeralarm an. Alles mußte aus den Betten, haben uns dann 2 Std. in den Keller gesetzt. Flieger kreuzten über Minden, Oeynhausen und Evesen. Bombenabwürfe bei Evesen und auch Oeynhausen-Süd. In Evesen sind 2 Tote zu beklagen. Man konnte auch den Einschlag hören und ein kollossales [!] Fliegergeräusch. Sonst ist wohl kein nennenswerter Schaden angerichtet. Auch eine große Leuchtkugel und allerhand am Himmel haben die Leute beobachtet. Na, hoffentlich beehren uns die Herren Engländer u. Franzosen nicht allzu oft. Heute sind auch wieder mehrere Sondermeldungen durchgegeben, heute gegen Abend kam ein Erlaß vom Führer durch, er hat Eupen und Malmedi [!] wieder dem Deutschen Reich zugegliedert, selbige waren ja durch Versailler Vertrag uns abgenommen. Wenn man den Vormarsch verfolgt, ist es doch was Gewaltiges, was bisher geleistet wurde. Wir haben bis heute über 100 000 Mann Franzosen, Belgier u. Engländer als Gefangene gemacht; die Holländer sind noch extra, und diese Beute, und was sonst noch alles, na, du wirst ja wohl auch immer, wenn eben möglich die Nachrichten anstellen. Aber was nützt das alles, wenn der Krieg nicht auch von uns, Opfer fordert. […] Hast du eigentlich die beiden Päckchen von uns erhalten, eins mit Kuchen, und das andere mit einer Mettwurst.", 19. Mai 1940; Martha: "Lange Zeit haben wir nun von Dir nichts erhalten? Lange vor Pfingsten kam die letzte Post hier an. Tagelang durften wir nicht schreiben, gestern abend wurde die Briefsperre nach dem Felde wieder aufgehoben. Heute vor einer Woche wurde im Westen ma[r]schiert und geschossen. Und was für Erfolge sind zu verzeichnen, soeben kamen die Erläuterungen zum Wehrmachtsbericht durch. Was für Werte werden doch durch diesen Krieg vernichtet, ob der reiche Engländer dieses wohl schon spürt? Weit über 1000 Flugzeuge sind vernichtet, und diese vielen Schiffe u.s.w, [!] unsere Truppen haben doch was geleistet; ist hervorragend; da können sich mal unsere Feinde eine Scheibe von abschneiden, und können uns um unseren Führer doch beneiden. Diese Tage wurde man immer im Atem gehalten, wegen der Sondermeldungen. […] Auch hier in Minden, und Umgebung sind alle Truppen diese Tage ausgerückt. Die meisten Soldaten freuen sich, denn dieses Herumliegen waren sie auch leid.", 17. Mai 1940; Martha: "Was sagst du nun zu den letzten neusten Ereignissen, doch endlich wieder im Norden Frieden, und das viele Kämpfen in Norwegen hat ein Ende, das hätten die Norweger billiger und schneller haben können, aber sie wollten ja nicht. Und nun auch Italien, schon vor einigen Tagen hieß es Italien hätte den Krieg erklärt, und nun gestern wurde es Wahrheit. Was war doch in Italien eine Begeisterung bei der Erklärung die der Duce gab; na, Du warst sicher auch mit Ohrenzeuge, es war so ähnlich, wie bei uns, wenn der Führer spricht. Hier wird von einem baldigen Frieden gesprochen, Liesbeth meint schon sogar ganz großzügig in 4 - 6 Wochen.", 11. Juni 1940; Martha: "Abends 11 Uhr, soeben haben wir die geschichtliche und große Bedeutung mit erlebt, welche heute Abend in Frankreich abgeschlossen ist. Ein frohes und glückliches Aufatmen vieler Millionen steigt empor. Wie können wir doch stolz sein, auf unser großes deutsches Reich, und mit stolzer Freude wird auch der letzte, aber vielleicht auch der erbitter[t]ste Feind noch vertreiben. Vielleicht ist das Kriegsende schneller da, wie wir denken, hoffentlich fällt noch im letzten Augenblick nicht noch ein Wermutstropfen in unsere große Freude. […] Liesbeth will auf kurze Zeit wieder nach Osnabrück, ich habe dir große Neuigkeiten mitzuteilen; setz dich zuerst aber auf einen Stuhl; also höre und lies. Liesbeth und Otto wollen sich im Laufe nächster Woche fern kriegstrauen lassen. Heute sind die Papiere vom Regiment hier angekommen; […] also wenn nichts dazwischen kommt, ist Liesbeth und Otto in 8 Tagen ein Ehepaar, darum also Liesbeths Reise nach Osnabrück, denn Otto hat das Osn. Standesamt angegeben. […] Wie geht es dir denn noch, auch du schreibst jetzt so wenig, ist denn immer Euer Dienst noch so stramm; aber Ihr habt vielleicht Aussicht, wenn der Krieg so schnell voran geht, daß Deine Entlassung schneller von statten geht, wie zuerst angenommen. […] Die letzten Tage hat uns nun der Tommy oft des Nachts besucht, er hat auch hier an der Werft seine Liebesgaben abgeworfen, ein Haus ist getroffen, und an mehreren andern Ecken von unserer Umgebung sind Flurschäden, aber der Tommy wird schon noch klein gemacht, darauf kann er sich verlassen.", 22. Juni 1940; Lene: "Der Friedensschluß mit Frankreich ist doch herrlich. Nun kommt der letzte heimtückische Feind. Auch den sollen unsere Soldaten bald zur Brust bringen.", 27. Juni 1940; Lene: "Heute schicken wir dir ein Hemd zum Wechseln. Wir hatten Gelegenheit ein solches zu kaufen, was dir ja auch passen wird. Wir haben es erst gewaschen, denn man weiß nicht, wer es alle im Geschäft angehabt hat. […] Der Tommy macht uns hier allerlei zu schaffen, er kommt jede Nacht nach Deutschland. Um 12 ½, 1 Uhr auch 1 ½ geht [an] die Nieren, einmal sogar noch um 2 Uhr, dann zieht alles in den Keller auf 1 - 1 ½ auch schon 2 Stunden ist es auch gewesen. Aber das soll uns nicht erschüttern, denn wir wissen ja, das [!] bald seine Stunde geschlagen hat, dann hat er in seinem eigenen Land zu tun. Du glaubst garnicht [!], das [!] sehr viele den Wecker stellen und stehen regelmäßig 12 - 12 ½ Uhr auf. Und dann wird es in unserer Straße lebendig, bis die Sirene heult und dann stürzt sich alles in den Keller. Das hast du dort nicht nötig. Na abwarten, bald soll es wohl so weit sein und dann geht's gegen Engelland.", 6. Juli 1940; Paket mit Büchern abgesandt, 10. Juli 1940; Lene: "Also gestern hat die Kriegs-Ferntrauung Otto - Liesbeth stattgefunden. Willy war Trauzeuge. Paulas Sterbetag. Kurt […] war auch in Osnabrück zugegen. […] Jetzt muß er wieder Soldat spielen.", 10. Juli 1940; Martha: "Heute sind auch Truppen hier eingerückt, die 16[er] Pioniere, sie liegen an der Portastraße in der Kaserne. Auch hörten wir heute Abend den Einzug einer Division in der Reichshauptstadt. Was für ein Trubel muß dort sein, und nun erst, wenn der Friede ins Land kommt, und die ganze Armee einzieht. Wer das mit erleben wird, wie wird den Soldaten dann zu Mute sein, wird das schön sein, wer das erleben darf. Wollte Gott, daß auch du einer von den Glücklichen sein darf[st], dieses soll nun unser Gebet sein. […] Hoffentlich kommt bald der große Alarm zur Attacke, damit denen da drüben Hören und Sehen vergeht.", 18. Juli 1940; Martha: "Heute erhielten wir von Dir eine Karte aus Tübingen, auf welcher Du uns Deinen verlängerten Aufenthalt anzeigst. Wir warteten schon lange Zeit auf Nachricht von Dir wo Du wohl landen würdest. Hast dir ja ein schönes Stückchen Erde ausgesucht, hoffentlich bleibst Du dort länger. […] Auch ist bei Willy augenblicklich ein Kind aus Gelsenkirchen, aus dem Kohlengebiet sind die Kinder rausgeschickt wegen Fliegergefahr. Hier sind sie ja auch jede Nacht, aber man gewöhnt sich an alles, lange wird ja der Krieg nicht mehr dauern. […] Am letzten Sonntag kamen hier die 16[er] Pioniere wieder aus dem Felde. Ganz Minden war auf den Beinen, wir haben oft gedacht, wie wird es sein, wenn sie alle wohl wieder heimkehren.", 24. Juli 1940; Lene: "In den nächsten Tagen schicken wir dir ein Paket unter Einschreiben, denn dort legen wir dir deine Pistole hinein, damit sie nicht verloren geht. […] Wie ist es denn mit deiner Schule geworden, haben sie sich nun zufrieden gegeben? Jetzt fangen die Schulen immer um 9 Uhr an, und außerdem bei Alarm erst um 10 Uhr. Diese Abende kamen die Flieger sogar abends um 8 ½ Uhr; wir wollten gerade essen. Wenn es nicht ganz schlimm ist, dann gehen wir nicht in den Keller.", 3. Nov. 1940 Enthält auch: zahlreiche Nachträge von Elisabeth (Liesbeth) Stallmann; Grüße immer auch der anderen Schwestern
Akten
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.