200,82/Nachlass Julius Wilbrand (Bestand)
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200,082/NL Wilbrand
Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld (Archivtektonik) >> Nichtamtliches Schriftgut >> Familienarchive und Nachlässe
Verwaltungsgeschichte/biographische Angaben:
Form und Inhalt: Vorwort zum Bestand 200,82/Nachlass Julius Wilbrand
Biographie Prof. Dr. Julius Wilbrand (1839-1906)
Julius Bernhard Friedrich Adolph Wilbrand wurde am 22. August 1839 in Gießen als Sohn des Medizin-Professors Dr. Julius Franz Joseph Wilbrand (1811-1894) und der Albertine Wilbrand geb. Knapp (1817-1892) geboren.
Nach absolvierter Reifeprüfung am Gymnasium in Gießen studierte er ab 1858 an den Universitäten Gießen, Göttingen und Halle Chemie und wurde am 8. August 1861 in Gießen zum Dr. phil. promoviert. Anschließend arbeitete er an der Universität Göttingen mit Friedrich Konrad Beilstein und beschrieb 1863 als erster die Synthese des symmetrischen Trinitrotoluol (TNT). Von Herbst 1863 bis Herbst 1864 war er als Assistent am chemischen Laboratorium der Polytechnischen Schule in Hannover tätig, danach drei Jahre als Lehrer an der Schaak´schen Höheren Handelsschule in Hildesheim, ehe ihm der dortige Magistrat von Herbst 1867 bis Ostern 1868 die Leitung der örtlichen Maßnahmen gegen die ausgebrochene Choleraepidemie übertrug. Von Herbst 1868 bis 1873 war er Lehrer an der Ackerbauschule in Kleve. Da diese Schule im Landwirtschaftsministerium ressortierte und aus Wilbrands Sicht organisatorische Mängel aufwies, bewarb sich als Lehrer für "Chemie und beschreibende Naturwissenschaften" (Botanik und Geologie) am Bielefelder Ratsgymnasium, wechselte Ostern 1873 auf eine provisorische Stelle an dieser Schulte, erhielt dort im Herbst 1874 eine feste Anstellung und blieb bis zu seiner Pensionierung am 1. April 1905.
Wissenschaftlich vollzog Wilbrand eine Entwicklung von den Naturwissenschaften hin zur Vor- und Frühgeschichte und Antike des Raumes Bielefeld und Westfalens und legte zusätzlich beachtetliche numismatische Studien sowie einen Aufsatz zu mittelalterlichen Grabdenkmälern vor. Bei seinen Grabungen und Aufsätzen profitierte er von seinen naturwissenschaftlichen Kenntnissen, veröffentlichte darüber hinaus Beiträge zur Phänologie. Noch kurz vor seinem Tod publizierte er einen Aufsatz über Urnenfunde in Brackwede.
Wilbrand gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg, übernahm über Jahrzehnte das Amt des Sekretärs und war Initiator und zuletzt auch Pfleger des am 12. Mai 1889 auf der Sparrenburg eröffneten Städtischen Museums, dessen Verlegung in die Kaselowsky-Villa er geplant und teilweise selbst noch umsetzen konnte, ehe er am 22. Juni 1906 in Bielefeld verstarb.
Bestandsgeschichte
Die Umstände der Abgabe der Unterlagen sind nicht dokumentiert. Eine Übergabe über den Historischen Verein für die Grafschaft Ravensberg, dessen Mitglieder seinerzeit das Stadtarchiv pflegten, ist sehr wahrscheinlich.
Der Nachlass umfasst im Wesentlichen Manuskripte, gedruckte Beiträge und Materialsammlungen sowie einige wenige Dokumente aus Wilbrands Vorstandstätigkeit im Historischen Verein für die Grafschaft Ravensberg.
Der deutlich umfangreichere Kernnachlass Wilbrands mit persönlichen Dokumenten und Unterlagen zu seiner wissenschaftlichen Tätigkeit befindet sich im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt, Bestand O 13/Familienarchiv Wilbrand (online-Findbuch des Bestands unter
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=b582 und Teilnachlass Julius Wilbrand dort unter https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/start.action?oldNodeid=).
Weitere Unterlagen und Hinweise zum Wirken Wilbrands sind im Stadtarchiv Bielefeld vorhanden in:
- Bestand 150,14/Ratsgymnasium,
- Bestand 270,1/Historischer Verein für die Grafschaft Ravensberg und
- Bestand 300,6/Autographen,
- Bestand 400,1/Westermann-Sammlung.
Wilbrands Personalakte liegt vor im:
- Bestand 104,3/Personalakten, Nr. A 1565 (Laufzeit 1873-1905).
Benutzungshinweise
Archivalienbestellungen: 200,82/Nachlass Wilbrand, Nr.
Zitation: Stadtarchiv Bielefeld oder StArchBI, Best. 200,82/Nachlass Prof. Dr. Julius Wilbrand, Nr.
Literatur
- Haberkorn, Eva, Johann Bernhard Wilbrand, ein Gegenspieler Liebigs. Bemerkungen zu Biografie und Familienarchiv Wilbrand im Staatsarchiv Darmstadt, in: Archivnachrichten aus Hessen Heft 9/1 (2009), S. 49 f.
- Reese, Rudolf, Bericht des Vorstandes, in: 20. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg (1906), S. V - XIV [darin Gedächtnisrede für Julius Wilbrand v. 3.10.1906, S. X- XIV)
- Tümpel, Wilhelm, Professor Wilbrand †., in: Ravensberger Blätter 6 (1906), S. 50 f.
Dr. Jochen Rath
Archivleiter
Bielefeld, Dezember 2017
Form und Inhalt: Vorwort zum Bestand 200,82/Nachlass Julius Wilbrand
Biographie Prof. Dr. Julius Wilbrand (1839-1906)
Julius Bernhard Friedrich Adolph Wilbrand wurde am 22. August 1839 in Gießen als Sohn des Medizin-Professors Dr. Julius Franz Joseph Wilbrand (1811-1894) und der Albertine Wilbrand geb. Knapp (1817-1892) geboren.
Nach absolvierter Reifeprüfung am Gymnasium in Gießen studierte er ab 1858 an den Universitäten Gießen, Göttingen und Halle Chemie und wurde am 8. August 1861 in Gießen zum Dr. phil. promoviert. Anschließend arbeitete er an der Universität Göttingen mit Friedrich Konrad Beilstein und beschrieb 1863 als erster die Synthese des symmetrischen Trinitrotoluol (TNT). Von Herbst 1863 bis Herbst 1864 war er als Assistent am chemischen Laboratorium der Polytechnischen Schule in Hannover tätig, danach drei Jahre als Lehrer an der Schaak´schen Höheren Handelsschule in Hildesheim, ehe ihm der dortige Magistrat von Herbst 1867 bis Ostern 1868 die Leitung der örtlichen Maßnahmen gegen die ausgebrochene Choleraepidemie übertrug. Von Herbst 1868 bis 1873 war er Lehrer an der Ackerbauschule in Kleve. Da diese Schule im Landwirtschaftsministerium ressortierte und aus Wilbrands Sicht organisatorische Mängel aufwies, bewarb sich als Lehrer für "Chemie und beschreibende Naturwissenschaften" (Botanik und Geologie) am Bielefelder Ratsgymnasium, wechselte Ostern 1873 auf eine provisorische Stelle an dieser Schulte, erhielt dort im Herbst 1874 eine feste Anstellung und blieb bis zu seiner Pensionierung am 1. April 1905.
Wissenschaftlich vollzog Wilbrand eine Entwicklung von den Naturwissenschaften hin zur Vor- und Frühgeschichte und Antike des Raumes Bielefeld und Westfalens und legte zusätzlich beachtetliche numismatische Studien sowie einen Aufsatz zu mittelalterlichen Grabdenkmälern vor. Bei seinen Grabungen und Aufsätzen profitierte er von seinen naturwissenschaftlichen Kenntnissen, veröffentlichte darüber hinaus Beiträge zur Phänologie. Noch kurz vor seinem Tod publizierte er einen Aufsatz über Urnenfunde in Brackwede.
Wilbrand gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg, übernahm über Jahrzehnte das Amt des Sekretärs und war Initiator und zuletzt auch Pfleger des am 12. Mai 1889 auf der Sparrenburg eröffneten Städtischen Museums, dessen Verlegung in die Kaselowsky-Villa er geplant und teilweise selbst noch umsetzen konnte, ehe er am 22. Juni 1906 in Bielefeld verstarb.
Bestandsgeschichte
Die Umstände der Abgabe der Unterlagen sind nicht dokumentiert. Eine Übergabe über den Historischen Verein für die Grafschaft Ravensberg, dessen Mitglieder seinerzeit das Stadtarchiv pflegten, ist sehr wahrscheinlich.
Der Nachlass umfasst im Wesentlichen Manuskripte, gedruckte Beiträge und Materialsammlungen sowie einige wenige Dokumente aus Wilbrands Vorstandstätigkeit im Historischen Verein für die Grafschaft Ravensberg.
Der deutlich umfangreichere Kernnachlass Wilbrands mit persönlichen Dokumenten und Unterlagen zu seiner wissenschaftlichen Tätigkeit befindet sich im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt, Bestand O 13/Familienarchiv Wilbrand (online-Findbuch des Bestands unter
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=b582 und Teilnachlass Julius Wilbrand dort unter https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/start.action?oldNodeid=).
Weitere Unterlagen und Hinweise zum Wirken Wilbrands sind im Stadtarchiv Bielefeld vorhanden in:
- Bestand 150,14/Ratsgymnasium,
- Bestand 270,1/Historischer Verein für die Grafschaft Ravensberg und
- Bestand 300,6/Autographen,
- Bestand 400,1/Westermann-Sammlung.
Wilbrands Personalakte liegt vor im:
- Bestand 104,3/Personalakten, Nr. A 1565 (Laufzeit 1873-1905).
Benutzungshinweise
Archivalienbestellungen: 200,82/Nachlass Wilbrand, Nr.
Zitation: Stadtarchiv Bielefeld oder StArchBI, Best. 200,82/Nachlass Prof. Dr. Julius Wilbrand, Nr.
Literatur
- Haberkorn, Eva, Johann Bernhard Wilbrand, ein Gegenspieler Liebigs. Bemerkungen zu Biografie und Familienarchiv Wilbrand im Staatsarchiv Darmstadt, in: Archivnachrichten aus Hessen Heft 9/1 (2009), S. 49 f.
- Reese, Rudolf, Bericht des Vorstandes, in: 20. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg (1906), S. V - XIV [darin Gedächtnisrede für Julius Wilbrand v. 3.10.1906, S. X- XIV)
- Tümpel, Wilhelm, Professor Wilbrand †., in: Ravensberger Blätter 6 (1906), S. 50 f.
Dr. Jochen Rath
Archivleiter
Bielefeld, Dezember 2017
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.11.2025, 13:59 MEZ