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Die heilige Elisabeth
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Die Schaubühne (später: Die Weltbühne), 1. Jg. (1905), Nr. 9 (v. 02.11.1905), S. 258f., Kommentar v. Hermann Schlag: „Wohl in dem heimlichen Gefühl, daß sein Werk einer dramaturgischen Würdigung nicht standzuhalten vermag, hat Lienhard selbst es als „dramatische Dichtung“ bezeichnet. Mit einer Dichtung haben wir es nun auch zu tun und zwar mit einer echten, rechten Lienharddichtung, die durch ihre klangvolle Verssprache und die eingestreuten prächtigen lyrischen Stellen ihren Eindruck auf empfindsame Gemüter nicht verfehlt und als ein hübsches Epos oder ein Lese- und Buchdrama angesprochen werden darf. Nur ein dramatisches Gebilde ist das Werk nicht. In einem Drama höhern Stils – das zu sein das Stück doch Anspruch macht – wollen wir große Leidenschaften sehen, die in einem zusammenhängenden Kampfe miteinander ringen; wir wollen vor allem eine Handlung sehen, die einheitlich, in einem Zuge nach einem bestimmten Ziel hin und mit innerer Notwendigkeit sich entwickelt. Es genügt da keineswegs, wie Lienhard zu glauben scheint, szenisch wirksame, pomphafte Massenszenen abwechselnd mit rührseligen oder polternden Dialogszenen, die für das Ganze mehr oder weniger belanglos sind, einfach aneinanderzureihen, das Lebenselement des Dramas dagegen, die Handlung, nur anzudeuten oder, statt sie in ihrem Verlauf darzustellen, uns nur auf ein paar Etappen zu führen, wo sie Halt macht. Befriedigen kann an dieser „dramatischen Dichtung“ eigentlich nur der Expositionsakt und von dem zweiten der Anfang, mit welchem die Handlung machtvoll genug einsetzt, um die schönsten Hoffnungen für das Stück zu erwecken. […] Was jedoch auf diesen guten Anfang folgt, enttäuscht vollständig. Ja, es geht zu wie in der verkehrten Welt: Abschnitte, an denen um der Handlung willen alles liegt, werden episch gegeben, solche dagegen, die nur ein Beiwerk bilden und für eine kurze episodische Erzählung wie geschaffen wären, werden dramatisch vorgeführt! Zeigt der dritte Akt gegen den Schluß noch einmal ein Stück Handlung: der vierte und der fünfte enthalten […] überhaupt keine Spur mehr davon und sind rein epischer Natur. Selbst die poesievolle Sterbeszene am Schlusse des Stücks vermag, da sie reichlich lang und wieder mit Schilderung und Reflexion behangen ist, keine dramatische Teilnahme zu erwecken. Das Weimarische Theater-Publikum, das, um mit Lessing zu reden, „vorlieb“ zu nehmen pflegt, spendete der Aufführung wohl Beifall; der Kundige aber fand, daß dieser Beifall für weimarer Verhältnisse bezeichnend matt war. Der lebhaftere Applaus am Schluß der Vorstellung galt, wie allgemein zugegeben wurde, lediglich der guten Darstellung; vor allem aber der Vertreterin der Titelrolle, Frl. Elisabeth Schneider, die in der rührenden Partie der Elisabeth förmlich aufgegangen war.“