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Gutsarchiv Unterdeufstetten: Ältere Akten der Gutsverwaltung bis 1761 (Bestand)
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Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg (Archivtektonik) >> Deposita, nichtstaatliche Archive und Nachlässe >> Deposita
1576-1761
Überlieferungsgeschichte
Das Rittergut Unterdeufstetten, das 1784 an die Familie von Seckendorff kam, wurde in dem von dem kurtrierischen Kammerherrn Alexander von Seckendorff-Gutend begründeten Familienzweig weitervererbt und kam nach dessen Aussterben im Mannesstamm an die Familie von Praun.
Inhalt und Bewertung
Der Bestand enthält die bei der Übergabe des Ritterguts Unterdeufstetten an den Freiherrn von Pfeil vorhandenen Unterlagen der Vorbesitzer, vor allem Drechsel, Rüdingsfels und vom Holtz.
1. Zur Geschichte Unterdeufstettens: Das Rittergut Unterdeufstetten gehörte, ebenso wie die benachbarten Rittergüter Matzenbach, Rechenberg und Wildenstein, zu einer Reihe kleiner reichsritterschaftlicher Orte, die trotz starker Konkurrenz der sie umgebenden geistlichen und weltlichen Herrschaften - vor allem die Fürstpropstei Ellwangen, die Grafen von Oettingen, die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach sowie die Reichsstadt Dinkelsbühl sind hier zu nennen - über einen längeren Zeitraum hinweg eine gewisse Autonomie bewahren konnten. Ursprünglich zum schwäbischen Riesgau, danach zur Grafschaft Oettingen gehörend, wurde Unterdeufstetten im Besitz der Dinkelsbühler Familie Drechsel in ein Rittergut umgewandelt und 1655 dem Ritterkanton Kocher inkorporiert. 1503 hatte Peter Drechsel das erste Schloß erbaut. Die Gemeindeherrschaft und die niedere Gerichtsbarkeit, zunächst ellwangische Lehen der Familien Steinhäuser zu Rechenberg, kam nach und nach in Drechsel'schen Besitz, die obrigkeitlichen Rechte blieben, in unterschiedlicher Gewichtung, zwischen Ansbach, Oettingen und Ellwangen geteilt. Unterdeufstetten geriet 1796 unter preußische, 1806 unter bayerische und schließlich 1810 durch den bayerisch-württembergischen Grenzausgleichsvertrag unter württembergische Landesherrschaft (Oberamt Crailsheim). Heute ist Unterdeufstetten ein Teil der Gemeinde Fichtenau im Landkreis Schwäbisch Hall. Kirchlich gehörte Unterdeufstetten zur oettingischen Pfarrei Segringen. Das Patronat besaß vor der Reformation das Kloster Mönchsroth, seit der Reformation Oettingen. Die evangelischen Einwohner blieben bis 1811 bei Segringen, kamen danach nach Wildenstein und erhielten schließlich 1900 ihre eigene Pfarrei. Durch die im 17. Jahrhundert erfolgte Ansiedlung von katholischen Häuslern wuchs die Zahl der Katholiken in Unterdeufstetten, dennoch wurde eine katholische Pfarrei erst 1824 eingerichtet und ab 1834 besetzt. Zuvor waren die Unterdeufstettener Katholiken in die ellwangische Pfarrei zu Ellenberg eingepfarrt. Seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts kam es auch zur Ansiedelung jüdischer Familien, deren Zahl von 14 im Jahr 1714 auf 56 im Jahr 1831 stieg, durch Abwanderungen danach aber wieder sank. Die Ansiedelung fahrender Händler und Juden durch die Gutsherrschaft führte nicht zur erhofften Steigerung der gutsherrschaftlichen Einnahmen, sondern zur Überbevölkerung des Ortes und zu sozialen Mißständen. Im Besitz Unterdeufstettens waren seit Ende des 14. Jahrhunderts zunächst Dinkelsbühler Bürger, zu Ende des 15. Jahrhunderts die Familie Doner. Von dieser kam Unterdeufstetten über die Buchmüller von Pfahlheim um 1544 in den Besitz der Familie Drechsel. Das nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 völlig zerstörte und jahrzehntelang brachliegende Dorf wurde durch den Reichskammergerichtsassessor Drechsel 1694 an den kaiserlichen Rat und oettingischen Pfleger zu Kirchheim Ignatius Weinhardt verkauft, der es vier Jahre später an den Oberamtmann von Gunzenhausen Philipp Adam Friedrich von und zu Leonroth für den Preis von 15000 fl. abgab. Dieser trat den Besitz nicht an. Freiherr Kraft von Crailsheim trat in den Kaufvertrag ein. Seine Witwe Sophie Magdalene von Crailsheim verkaufte 1710 das Rittergut Unterdeufstetten für 18000 fl. an den Brandenburg-Kulmbach'schen Hauptmann Caspar Rüdiger von Rüdingsfels. Wegen der immensen Schulden, die er auf dem Rittergut Unterdeufstetten anhäufte, wurde er unter die Zwangsverwaltung des Ritterkantons Kocher gestellt. Einer der Hauptgläubiger, Ritterhauptmann Freiherr vom Holtz, kaufte 1742 das Gut, das weitgehend von seinem Amtmann in Amlishagen verwaltet wurde. Rentamtmann Baumann stellte damals die vorhandenen Akten, die sich seit der Zeit der Drechsel angesammelt hatten, zusammen. 1761 verkaufte vom Holz das Rittergut Unterdeufstetten an den württembergischen Regierungsrat Christoph Carl Ludwig von Pfeil für 40000 fl.
2. Zur Geschichte des Bestands: Der Bestand wurde 1761 durch den vom Holtzischen Amtmann in Amlishagen, Baumann, mit einem 78 ungegliederten Nummern umfassenden Verzeichnis (= Bü. 191) dem neuen Besitzer von Pfeil übergeben. Die laufenden Nummern sind zum Teil auf den Akten nachweisbar. Die Unterlagen blieben zunächst weitgehend ungenutzt beieinander. Teile davon wurden immer wieder kopiert als Belege in Rechtsverfahren oder bei territorialen Auseinandersetzungen entnommen und nicht wieder in den ursprünglichen Zusammenhang integriert. Bei der Neuanlage einer Registratur der Gutsverwaltung Unterdeufstetten 1824 wurden wiederum Teile sachlich zumeist unzutreffend in die neue Ordnung integriert, der große Rest als "Ältere - wertlose - Sachen" im letzten Schrank untergebracht. Darauf beziehen sich die Angaben Kasten, Fach, Faszikel. Einige wenige Akten (Vormundschaftsangelegenheiten, Gütersachen) wurden nach der Mediatisierung an das örtliche Schultheißenamt abgegeben. Schließlich ging die gesamte Überlieferung in der chaotischen Schriftgutmasse des Gutsarchivs unter, das 1985 in das Staatsarchiv Ludwigsburg verlagert wurde. Von den insgesamt 78 Nummern konnte lediglich von zwei Vorgängen (Nr. 64 und 73) der Verbleib nicht zweifelsfrei geklärt werden. Umfangreichere Akten waren schon früher geteilt worden, so daß - auch durch die Einzelaufnahmen der Rechnungen - insgesamt 195 Einheiten verzeichnet oder neu gebildet wurden. Eine Konkordanz weist die alten Titel im Verzeichnis von 1761 nach. Bei der Ordnung wurden die Unterlagen grundsätzlich in der ursprünglichen Anordnung belassen. Lediglich Irrläufer oder versprengte Stücke wurden an passender Stelle eingefügt, chronologische Ordnungen hergestellt.
3. Zur Benutzung: Die Gutsverwaltung vor 1761 war sehr unübersichtlich. Teile des Schriftguts waren offensichtlich im Schloß oder bei der lokalen Verwaltung, andere in Amlishagen. Es gibt wenige Sachakten, häufig Serien - etwa die Berichte von den auswärtigen Verwaltern und an sie. Für die Rechnungen wichtige Vorgänge wurden darin zum Teil als Beilagen mit Verweis auf die einschlägige Seite der Rechnungen und die Belegnummern beigefügt. Hier sind allerdings Verluste zu konstatieren. Wenn man zumindest ab 1710 einer Frage konsequent nachgehen will und die Sachartikel keine ausreichende Information bieten, empfiehlt sich zunächst eine Durchsicht der Protokolle und Berichte, dann der Rechnungen samt den dazugehörigen Beilagen. Entwicklungen nach 1761 sind den chronologisch folgenden Beständen zu entnehmen, dem Pfeil'schen Fideikommißarchiv und dem Gutsarchiv bis 1848. Der Bestand wurde nach einer groben Vorordnung im Rahmen eines Projekts der Stiftung Kulturgut durch Herrn Jörg Seiler im Jahr 2001 durch den Unterzeichnenden zusammengestellt, verzeichnet und geordnet. Er umfaßt 191 Büschel und 3 Urkunden in 5 lfd. m. Die Reinschrift fertigte Frau Hildegard Aufderklamm mit dem Programmpaket MIDOSA. Ludwigsburg, im Oktober 2001 Gerhard Taddey
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.