Verein Rat und Tat (Bestand)
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66001
Archivverbund Bautzen (Archivtektonik) >> Vereine und Verbände
1819 - 1934
Bestandsinhalt: siehe Verzeichnungseinheiten
Bemerkungen: Seinen Ursprung hat der Verein in der seit 1802 in Bautzen bestehenden Freimaurerloge "Zur goldenen Mauer". Zur Intensivierung der karitativen Arbeit gründeten Landesgroßmeister Gottlob Adolf Ernst von Nostitz-Jänkendorf, der Vorsitzende der Bautzener Loge, Gerhard Heinrich Jacobjan Stöckhardt sowie Bischof Lock am 28. Januar 1820 den "Verein zu Rat und Tat". Ziel war es, die soziale Fürsorge und die öffentliche Wohlfahrt in der Stadt Bautzen zu verbessern. Insbesondere sollte durch Geldaufwendungen oder die Bereitstellung von Arbeitsmaterialien der zunehmenden Verarmung der Bevölkerung, vor allem aber der Handwerker und Gewerbetreibenden, entgegen gewirkt werden, ungeachtet der jeweiligen Konfession oder Nationalität. Einen Anspruch auf Unterstützung hatte prinzipiell jeder, der durch besondere Umstände in Not geraten war, wobei der Bedürftige beim Verein einen Antrag zur Gewährung einer materiellen oder finanziellen Unterstützung stellen musste. Nach intensiver Prüfung der Lebensumstände und der Ursache der Bedürftigkeit der Person wurde entschieden, ob und in welcher Form eine Unterstützung gewährleistet werden konnte. Bei Privatpersonen erfolgte meist eine Bereitstellung von Arbeitsmaterialien oder die Gewährung eines Kredites, wobei seitens des Leihnehmers eine ausreichende Sicherheit in Form eines Bürgen gewährleistet werden musste. Arme oder obdachlose Kinder wurden ohne Gegenleistungen unterstützt. So sorgte der Verein zu Rat und Tat für Unterkünfte, für Kleidung oder Schulplätze und deren Finanzierung. Bis zum Jahre 1834 gingen beim Verein 1234 Gesuche um Unterstützung ein, von denen 861 berücksichtigt wurden. Der größte Teil dieser Unterstützungen kam Kindern und Lehrlingen zugute. So wurden bis dahin 493 Kinder für 2253 Taler eingekleidet und 207 Knaben erhielten insgesamt 80 Taler Unterstützung für ihre Ausbildung. Im Gründungsjahr hatte der Verein 25 Mitglieder. Ein Jahr später bereits 126 Mitglieder und am Ende des Jahres 1900 zählte der Verein bereits 422 Mitglieder. Die Arbeit des Vereins war nicht nur auf einzelne Bittsteller ausgerichtet, sondern es wurden auch Projekte zur nachhaltigen Besserung der sozialen und bildungstechnischen Situation in Bautzen realisiert. So engagierte sich der Verein bei der Gründung der ersten Bürgerschule 1835. Nur drei Jahre später erfolgte die Eröffnung der Kinderarbeitsschule, durch die es dem Verein gelang, armen und obdachlosen Kindern eine Grundbildung zu vermitteln. Im darauf folgenden Jahr wurde die Kinderarbeitsschule um die Kleinkinderbewahranstalt erweitert. So konnten Waisen oder Kinder, deren Eltern aus beruflichen Gründen eine ganztägige Aufsicht nicht zu gewährleisten vermochten, nach dem beendeten 2. Lebensjahr bis zum Schuleintritt pädagogisch betreut werden. Um armen, schulpflichtigen, teilweise bzw. vollständig verwaisten Mädchen eine geregelte schulische Ausbildung, verbunden mit einer Ausbildung zum Dienstmädchen zu ermöglichen, gründete der Verein zu Rat und Tat 1844 eine Mädchenerziehungsanstalt. Diese Einrichtungen unterstanden am Anfang ganz bzw. teilweise der Aufsicht und Leitung des Vereins. Erst nach und nach gingen die Aufsicht und die Leitung der Anstalten an die Stadt Bautzen über. Am 28. März 1939 wurde die Auflösung des Vereins für Rat und Tat beschlossen und das Vermögen von 4000 Reichsmark ging als Stiftung an die Stadt Bautzen über.
Zitierhinweis: Archivverbund Bautzen, Stadtarchiv, 66001 Verein Rat und Tat, lfd. Nr.
Bestandsgeschichte: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lagerten die Vereinsakten im städtischen Polizeigebäude. Aus Kapazitätsgründen bot der damalige Vereinsvorsitzende Jockusch dem Stadtarchiv Bautzen den Aktenbestand zur Übernahme und dauerhaften Aufbewahrung an. Am 11. Januar 1909 quittierte der damalige Stadtarchivar Prof. Dr. Paul Arras die Übernahme der Vereinsakten in das Stadtarchiv.
Aufgrund des Überlieferungszeitraumes des Bestandes von 1819 bis 1934 ist anzunehmen, dass zwischen 1909 und 1939, mit Sicherheit aber kurz nach 1939 eine weitere Aktenabgabe an das Stadtarchiv erfolgte. Der Verbleib der im Zeitraum von 1934 bis 1939 geführten Akten konnte nicht ermittelt werden. Der Bestand wurde 2008 vollständig erschlossen.
Abgebende Stelle: Verein Rat und Tat
Bemerkungen: Seinen Ursprung hat der Verein in der seit 1802 in Bautzen bestehenden Freimaurerloge "Zur goldenen Mauer". Zur Intensivierung der karitativen Arbeit gründeten Landesgroßmeister Gottlob Adolf Ernst von Nostitz-Jänkendorf, der Vorsitzende der Bautzener Loge, Gerhard Heinrich Jacobjan Stöckhardt sowie Bischof Lock am 28. Januar 1820 den "Verein zu Rat und Tat". Ziel war es, die soziale Fürsorge und die öffentliche Wohlfahrt in der Stadt Bautzen zu verbessern. Insbesondere sollte durch Geldaufwendungen oder die Bereitstellung von Arbeitsmaterialien der zunehmenden Verarmung der Bevölkerung, vor allem aber der Handwerker und Gewerbetreibenden, entgegen gewirkt werden, ungeachtet der jeweiligen Konfession oder Nationalität. Einen Anspruch auf Unterstützung hatte prinzipiell jeder, der durch besondere Umstände in Not geraten war, wobei der Bedürftige beim Verein einen Antrag zur Gewährung einer materiellen oder finanziellen Unterstützung stellen musste. Nach intensiver Prüfung der Lebensumstände und der Ursache der Bedürftigkeit der Person wurde entschieden, ob und in welcher Form eine Unterstützung gewährleistet werden konnte. Bei Privatpersonen erfolgte meist eine Bereitstellung von Arbeitsmaterialien oder die Gewährung eines Kredites, wobei seitens des Leihnehmers eine ausreichende Sicherheit in Form eines Bürgen gewährleistet werden musste. Arme oder obdachlose Kinder wurden ohne Gegenleistungen unterstützt. So sorgte der Verein zu Rat und Tat für Unterkünfte, für Kleidung oder Schulplätze und deren Finanzierung. Bis zum Jahre 1834 gingen beim Verein 1234 Gesuche um Unterstützung ein, von denen 861 berücksichtigt wurden. Der größte Teil dieser Unterstützungen kam Kindern und Lehrlingen zugute. So wurden bis dahin 493 Kinder für 2253 Taler eingekleidet und 207 Knaben erhielten insgesamt 80 Taler Unterstützung für ihre Ausbildung. Im Gründungsjahr hatte der Verein 25 Mitglieder. Ein Jahr später bereits 126 Mitglieder und am Ende des Jahres 1900 zählte der Verein bereits 422 Mitglieder. Die Arbeit des Vereins war nicht nur auf einzelne Bittsteller ausgerichtet, sondern es wurden auch Projekte zur nachhaltigen Besserung der sozialen und bildungstechnischen Situation in Bautzen realisiert. So engagierte sich der Verein bei der Gründung der ersten Bürgerschule 1835. Nur drei Jahre später erfolgte die Eröffnung der Kinderarbeitsschule, durch die es dem Verein gelang, armen und obdachlosen Kindern eine Grundbildung zu vermitteln. Im darauf folgenden Jahr wurde die Kinderarbeitsschule um die Kleinkinderbewahranstalt erweitert. So konnten Waisen oder Kinder, deren Eltern aus beruflichen Gründen eine ganztägige Aufsicht nicht zu gewährleisten vermochten, nach dem beendeten 2. Lebensjahr bis zum Schuleintritt pädagogisch betreut werden. Um armen, schulpflichtigen, teilweise bzw. vollständig verwaisten Mädchen eine geregelte schulische Ausbildung, verbunden mit einer Ausbildung zum Dienstmädchen zu ermöglichen, gründete der Verein zu Rat und Tat 1844 eine Mädchenerziehungsanstalt. Diese Einrichtungen unterstanden am Anfang ganz bzw. teilweise der Aufsicht und Leitung des Vereins. Erst nach und nach gingen die Aufsicht und die Leitung der Anstalten an die Stadt Bautzen über. Am 28. März 1939 wurde die Auflösung des Vereins für Rat und Tat beschlossen und das Vermögen von 4000 Reichsmark ging als Stiftung an die Stadt Bautzen über.
Zitierhinweis: Archivverbund Bautzen, Stadtarchiv, 66001 Verein Rat und Tat, lfd. Nr.
Bestandsgeschichte: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lagerten die Vereinsakten im städtischen Polizeigebäude. Aus Kapazitätsgründen bot der damalige Vereinsvorsitzende Jockusch dem Stadtarchiv Bautzen den Aktenbestand zur Übernahme und dauerhaften Aufbewahrung an. Am 11. Januar 1909 quittierte der damalige Stadtarchivar Prof. Dr. Paul Arras die Übernahme der Vereinsakten in das Stadtarchiv.
Aufgrund des Überlieferungszeitraumes des Bestandes von 1819 bis 1934 ist anzunehmen, dass zwischen 1909 und 1939, mit Sicherheit aber kurz nach 1939 eine weitere Aktenabgabe an das Stadtarchiv erfolgte. Der Verbleib der im Zeitraum von 1934 bis 1939 geführten Akten konnte nicht ermittelt werden. Der Bestand wurde 2008 vollständig erschlossen.
Abgebende Stelle: Verein Rat und Tat
Bestand
Benutzungsmodalitäten: Es gelten die Nutzungsbedingungen nach Sächsischem Archivgesetz in der jeweils gültigen Fassung.
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Für die Nutzung gelten die städtischen Satzungen über die Aufgaben und die Benutzung des Stadtarchivs Bautzen und über die Erhebung von Benutzungsgebühren des Archivverbunds in der jeweils gültigen Fassung.
17.06.2025, 07:28 MESZ