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Hermann Hummel (1876-1957): badischer Landtagsabgeordneter
der Fortschrittlichen Volkspartei (1909-1925), Stellvertreter des
Ministers für militärische Angelegenheiten in Baden (1918/19),
badischer Kultusminister (1919-1922) und Staatspräsident
(1921-1922) (Bestand)
Hermann Hummel (1876-1957): badischer Landtagsabgeordneter
der Fortschrittlichen Volkspartei (1909-1925), Stellvertreter des
Ministers für militärische Angelegenheiten in Baden (1918/19),
badischer Kultusminister (1919-1922) und Staatspräsident
(1921-1922) (Bestand)
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe (Archivtektonik) >> Nichtstaatliches Archivgut >> Nachlässe >> Andere Nachlässe >> Hummel
1901-1925
Vorwort: Hermann Hummel wurde am 22. Juni 1876 als Sohn des Reallehrers Hermann Hummel und seiner Ehefrau Luise Friederike Hummel in Lahr geboren. Der Lebenslauf seiner Jugendjahre ist ein getreues Spiegelbild der Versetzungen seines Vaters. Nach dem Besuch der Volksschule in seiner Geburtsstadt Lahr wechselte er auf das dortige Gymnasium über, besuchte später die Höhere Bürgerschule in Ettlingen und schließlich das Realgymnasium in Karlsruhe, an dem er 1894 die Reifeprüfung ablegte. Im Wintersemester 1894/95 begann er das Studium des Ingenieurwesens an der TH Karlsruhe, ging 1896 an die TH Stuttgart und wechselte 1899 auf die Universität. Er studierte Mathematik und Naturwissenschaften, im Sommersemester 1899 in Heidelberg, ab Herbst 1899 in Freiburg und von 1900-1902 in Straßburg. Die Staatsprüfung im Jahr 1902 erstreckte sich auf Mathematik und Physik als Hauptfächer; Chemie, Mineralogie und Geographie als Nebenfächer. Als Lehramtskandidat unterrichtete er an den Oberrealschulen in Mannheim und Karlsruhe. Bereits 1906 wurde er Professor an der Realschule in Karlsruhe. An der Schule kam er in engeren Kontakt zu seinem Kollegen und späteren Direktor Dr. Karl Heimburger, der ihn für Politik interessierte und zum Eintritt in die Partei bewog, die er im Stadtrat und Landtag vertrat, die Fortschrittliche Volkspartei. Im Jahr 1906 verließ H. die evangelische Landeskirche, 1909 zog er als Abgeordneter in den Karlsruher Landtag, 1911 kandidierte er erfolglos für den Reichstag. Aus der 1910 geschlossenen Ehe mit Emma Reis, der Tochter eines Mainzer Weinhändlers, entstammt der noch im gleichen Jahr geborene erste Sohn mit dem Traditionsnamen Hermann. Für die Tätigkeit im Landtag wurde H. wiederholt von den Pflichten als Realschulprofessor entbunden. Im Jahr 1917 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger, wurde Offiziersanwärter und 1917 Leutnant der Reserve. Zur Revolution im November 1918 war er in Karlsruhe. Am 13. November wurde er zur Dienstleistung bei der provisorischen Volksregierung vom Schuldienst beurlaubt und am gleichen Tag zum Stellvertreter des Ministers für militärische Angelegenheiten ernannt. H. hat in den folgenden Wochen dieses schwere Amt mit großem Einsatz ausgefüllt und eigene Vorstellungen über die Mitarbeit der Soldatenräte und die Stellung der Volkswehr entwickelt. Im Gegensatz zu den meisten bürgerlichen Politikern war er für eine Beteiligung des Mannheimer USPD-Politikers Hermann Remmele an den Kabinettssitzungen. Nach der Wahl vom 5. Januar 1919 wurde das Ministerium für militärische Angelegenheiten vom Vorsitzenden der Volksregierung Geiß übernommen. H. suchte sich ein politisches Tätigkeitsfeld, für das er von seinem Hauptberuf her vorbereitet war. Bei der Kabinettsumbildung vom April 1919 wurde er Kultusminister. Da das Amt des Staatspräsidenten im Turnus unter den Ministern wechselte übernahm er dieses im November 1921. Nach Geiß und Trunk war er Badens dritter Staatspräsident. Sein Ministeramt fällt in eine Zeit der Wende. Er nahm an der Landesschulkonferenz und später an der Reichsschulkonferenz teil und suchte dort den Ausgleich zwischen den Bestrebungen der Sozialdemokratie und des Zentrums, ohne aber Unvereinbares zu vermischen. In seiner Partei stieg er über das Amt des Fraktionsvorsitzenden zum Landesparteivorsitzenden auf. Während seiner Amtszeit als Minister erhielt H. von der Universität Freiburg die Würde eines Dr. ing. h. c.. Er kehrte auch wieder in den Verband der evangelischen Kirche zurück. Als er am 12.Oktober 1922 dem Kabinett den Entschluß mitteilte, mit Ablauf des Staatspräsidenten-Jahres auch als Kultusminister zurückzutreten und einen Posten in der Großchemie zu übernehmen, war die Überraschung allgemein und die Aufregung vor allem in der eigenen Partei groß. Während in den überpar-teilichen Zeitungen die Meldung zwischen den Nachrichten vom Verfall des Geldes, den Krisen im Reich, in Bayern und England (Rücktritt von Lloyd George) fast unterging, hatte die Parteipolitik ihre Sensation.
Einleitung: Sein Schritt wurde gerade von Parteifreunden wie seinem Amtsnachfolger Prof. Hellpach heftig kritisiert, da man negative Auswirkungen bei den nächsten Wahlen befürchtete. Der Entschluß war vom Standpunkt der jungen badischen Demokratie her sicher zu bedauern, leicht konnte man eine Verquickung von Politik, Geld und Karriere aus seinem Werdegang konstruieren. H. schied wenig später auch als Parteivorsitzender und am Ende der Legislaturperiode (1925) als Landtagsmitglied aus. Seiner politischen Überzeugung blieb er auch als Direktor der BASF und später der IG-Farbenwerke treu. Von 1924-1930 vertrat er den Wahikreis Magdeburg für die DDP im Reichstag. Als sein Freund Carl Bosch, der ihn auch zur BASF geholt hatte, die Leitung des Kaiser-Wilhelm-Instituts übernahm, folgte ihm auch H. dorthin nach. Bosch und H. ermöglichten durch Finanzierungshilfen für die Frankfurter Societäts-Druckerei das Überleben der Frankfurter Zeitung und machten sich bei den Nationalsozialisten, die ihn ohnedies als ,"Systempolitiker" diffamierten, weiter unbeliebt. H. verließ daher nach Boschs Tod gerade noch vor Kriegsausbruch im Jahr 1939 Deutschland und emigrierte nach USA. Er starb bald nach seiner Rückkehr nach Deutschland am 13. September 1952 in Krefeld. (aus: Gerhard Kaller: Hermann Hummel in: Ottnad, Bernd (Hrsg. i.A. der Kommission für geschichtliche Landeskunde: Badische Biographien Neue Folge, Band III, Kohlhammer, Stuttgart 1990)
Zur Ordnung: Der Nachlaß von Hermann Hummel wurde vom Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt im Zuge einer Beständebereinigung vom Generallandesarchiv übernommen. Erste Ordnungsmaßnahmen wurden 1997 vollzogen, die allerdings für die Verzeichnung nur bedingt zu verwenden waren. Bei dieser ersten Ordnungsmaßnahme wurde nach Art der Archivalien sortiert. Dies erforderte eine erneute Ordnung, die zusammen mit der Verzeichnung durch den Praktikanten Christian Reinhardt im Jahre 1998 durchgeführt wurde. Der Nachlaß selbst, hauptsächlich aus Briefen, Zeitungsartikeln und Plakaten bestehend, ist nach sachthematischen Gesichtspunkten in folgende Rubriken untergliedert: 1. Landtagswahl 1909 2. Landtagswahl 1913 3. Reichstagswahl 1924 4. Privatbeamtenfrage 5. Eisenbahnangelegenheiten 6. Schutzzoll 7. Sonstiges Erschlossen ist der Nachlaß durch einen Personen-, Orts- und Sachindex, der dem eigentlichen Verzeichnungswerk angeschlossen ist. Es wurden nur Abkürzungen verwendet, die im "Duden" vorhanden sind. Lediglich "Badisch/badisch" wurden mit "Bad./bad." abgekürzt. Nach Ordnung und Verzeichnung im August 1998 durch den Praktikanten Christian Reinhardt aus Neckargemünd unter Anleitung von Frau Oberarchivrätin Dr. Marie Salaba, umfaßt der Bestand 17 Mappen, die 0,2 lfm. entsprechen. Im Kontext des Digitalisierungsprojektes "Von der Monarchie zur Republik" erfolgte eine vertiefte Erschließung des Bestands durch den Projektmitarbeiter Frank Bauer. Dabei wurde der Nachlass Hummel in einer Einzelblattverzeichnung erneut verzeichnet und mit Orts- und Personenindizes versehen. Gegebenenfalls erhielten die Enthält-Vermerke darüber hinaus eine Ergänzung. Die zuvor dargestellte Gliederung blieb von diesen Vorgängen unberührt.
Quellen- und Literaturhinweise: 2.1. Quellen: - "Der ehemalige Staatspräsident Dr. Hummel" GLA Bestand 233 Nr. 29443 - "Diener: Dr. Hummel, Hermann" GLA Bestand 235 20235 - "Personalakte Hermann Hummel" GLA Bestand 235 Nr. 20236 2.2 Literatur: - Gerhard Kaller: Hermann Hummel in: Ottnand, Bernd (Hrsg. i.A. der Kommission für geschichtliche Landeskunde: Badische Biographien Neue Folge, Band III, Kohlhammer, Stuttgart 1990 2.3. Fotografien: - GLA Bestand F1 Nr. 228
Nutzung: Der Bestand ist vollständig digitalisiert. Nutzung nur über das elektronische Findbuch.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.